Montag, 9. November 2015

Mountainbiketour zur Geierlay

Donnerstag, 05. November 2015:
Punkt 12:00 Uhr verlasse ich das Haus, um mich gemeinsam mit einem Freund auf den Weg nach Sohren zu machen.
Ich habe Glück, denn heute morgen lief alles gut. Die letzten Spuren des Wasserschadens sind beseitigt und alle Vorbereitungen getroffen, damit morgen Decke und Hängeschränke wieder an ihren ursprünglichen Platz kommen können.
Warum kann man die Wohnung nicht auf "Werkseinstellung" zurücksetzen?
Ein Knopfdruck und alles wäre wieder sauber und aufgeräumt.
Blauer Himmel und sehr milde Temperaturen begleiten uns während der Autofahrt - die Vorfreude steigt.
Sieben kurzentschlossene Biker finden sich um 13:00 Uhr am Hotel "Felsenkeller" ein, wo wir mit Inhaber Matthias verabredet sind, der uns auf der heutigen Tour begleiten wird.
Ziel ist die Geierlay, Deutschlands längste Hängeseilbrücke. Obwohl ich sie schon zu Fuß erkundet habe, bedeutet die heutige Mountainbike-Tour doch etwas anderes.
Die anfänglichen Nebelfelder, die typisch für den Hunsrück sind, mussten längst weichen. Mittlerweile hat die Sonne auch hier die Oberhand.

Los geht es nach Lautzenhausen, wo wir gemütlich entlang des Flughafengeländes HAHN rollen. Aus dieser Perspektive haben viele von uns das Gelände noch nicht gesehen. Etliche Hangars befinden sich noch auf dem großräumigen Gelände und an einigen Stellen wird gebaut.
Nach Würrich gelangen wir zunächst zum etwa 1 km westlich von Altlay gelegenen Bergwerk der Firma Theis-Böger, in dem noch heute Schiefer gewonnen wird. Der Abbau erfolgt bis in eine Teufe von 120 m untertage.
Der Bergbau hat das Dorf Altlay und seine Bewohner geprägt und dem Dorf seinen Namen Altlay gegeben. Ein Lay ist in der Mundart ein Dachschiefer. Wer die engen Bachtäler rings um Altlay aufsucht, dem bleiben hier und dort markante Zeugen des Bergbaus nicht verborgen. Hier trifft man auf Schritt und Tritt auf Überreste einer einst recht umfangreichen, überwiegend kleinbetrieblichen Dachschiefergewinnung.
Über Löffelschied, Panzweiler und Blankenrath setzen wir die Tour fort.
15 Grad zeigt das Thermometer, in der Sonne sogar 17. Es ist unglaublich, was dieser Herbst uns schenkt.
Nach einem schönen Sommer können wir uns auch über einen tollen goldenen Oktober freuen.


In Sosberg folgen wir der Beschilderung zur Geierlay.
Wer am Brückenkopf angekommen ist, sollte erstmal den Anblick auf die ästhetische Konstruktion genießen, welche nach nepalesischem Vorbild errichtet wurde.
Das klingt nach Abenteuer… und das ist es auch. Radfahrer dürfen über die Brücke, müssen allerdings schieben. Die ersten Meter auf den Douglasien-Bohlen sind noch unspektakulär.
Dann breitet sich das Tal vor einem aus, man blickt immer weiter in die Tiefe und es wird etwas wackelig, je nachdem wie stark der Wind weht und wie viele Leute sich gleichzeitig auf der Brücke befinden. Imposant ist es, wenn man genau in der Mitte – etwa 100 Meter - über dem Tal bzw. dem Mörsdorfer Bach steht. Die Brücke ist an insgesamt 6 Lastseilen aufgehängt, wobei die oben liegenden Tragseile als Handlauf dienen. Zur Sicherstellung der Anforderungen an das Schwingungsverhalten wurden parallel zu den Lastseilen parabolisch abgespannte Windlastseile montiert.
Sie misst unten eine Breite von 85 cm und verläuft nach oben V-förmig auseinander, sodass zwei Personen nebeneinander passen. Beim Gehen sollte man aufmerksam sein, da zahlreiche Schraubenköpfe aus dem Holz ragen. Außerdem kann der Laufsteg bei Nässe rutschig sein.
Aussichtspunkt bei der Geierlay
Nach 360 Metern ist das Erlebnis "Drahtseilakt über dem Mörsdorfer Tal" vorbei und wir gehen auf der Mörsdorfer Seite zum Aussichtspunkt, um die Erinnerungen mit Kameras und Smartphones festzuhalten. Unser Guide Matthias drängt zur Weiterfahrt. Unrecht hat er nicht, denn wir sind spät gestartet und sollten nicht trödeln.
Weiter geht es also über den Saar-Hunsrück-Steig durch das wunderschöne Mörsdorfer Bachtal bis wir das erste Schild der Traumschleife "Masdascher Burgherrenweg" sehen.
Hier ist es traumhaft schön, allerdings nicht fahrbar. Wir schieben bzw. tragen unsere Räder entlang des Bachlaufes und müssen nun über Serpentinen mit etlichen Stufen einige Höhenmeter überwinden.
Kurz darauf stehen wir an der Burgruine Balduinseck, um die es jedoch keine aufregenden Ereignisse gibt. Nach umfangreichen Sanierungen ist sie seit 2014 wieder frei zugänglich.

Entlang des idyllischen Mörsdorfer Baches fahren wir bis Wohnroth.
Bei Leideneck wird es schnell dunkel und da nicht jeder Licht mit sich führt, entscheiden wir uns dazu, von der geplanten Route abzuweichen, um auf dem schnellsten Weg nach Sohren zu kommen – trotzdem haben wir noch 15 Kilometer vor uns.
Matthias und ich bilden im Schein meiner LED-Lampe die Spitze. Es ist nicht ganz ungefährlich, bei Dunkelheit auf einer Landstraße unterwegs zu sein, zumal an immer mehr Stellen Nebelfelder entstehen. Seit die Sonne verschwunden ist, wurde es zunehmend kühler. Nun liegen noch Metzenhausen und Oberkostenz vor uns… wir erhöhen das Tempo, bis wir endlich in Sohren angekommen sind.
Nachdem wir die Räder verstaut haben und umgezogen sind, bekommen wir im Felsenkeller – trotz offiziellem Ruhetag - noch alkoholfreies Weizenbier und Kaffee.

Es war mal wieder eine tolle Tour im Hunsrück.
Mein Urlaubstag war in jedem Fall sehr gut investiert – Körper und Seele haben davon profitiert.

Weitere Informationen, Fotos und gps-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=sunlbkruehkrbtdn