Samstag, 17. Juni 2017

Eine Kirche ohne Dorf

Samstag, 17. Juni 2017:
Jeder kennt sicher den Satz "Lass die Kirche im Dorf."
Im Soonwald hat man sich sprichwörtlich daran gehalten.

Bei der heutigen Rennrad-Tour ging es zu einer Kirche ohne Dorf, denn dieses wurde Opfer des Kalten Krieges.

Vom Marktplatz Idar führt die Strecke zunächst über Tiefenstein, Kirschweiler, Katzenloch, Kempfeld und Bruchweiler nach Schauren. Vorbei am Steinbruch Kappelbach geht es weiter über Stipshausen, Rhaunen, Hausen, Woppenroth, Schlierschied, Gemünden und Sargenroth nach Tiefenbach, wo wir die K57 verlassen und der höchsten den Soonwald überquerenden Passstraße (L108) folgen, die Tiefenbach im Norden mit Winterburg im Süden verbindet.
Ein paar Serpentinen und Höhenmeter später steht man am nahe der höchsten Stelle liegenden Parkplatz auf 629 Meter. Von hier ist es nicht weit zur Ellerspring, der mit 657,5 m ü. NHN höchsten Erhebung des Soonwaldes.
Etwa 40 Meter nordöstlich des Ellerspringgipfels steht der Fernmeldeturm Ellerspring, der sich als weithin sichtbare Landmarke 107 Meter hoch in den Himmel streckt.
Jetzt folgt die Abfahrt zum Winterbacher Ortsteil Kreershäuschen, wo sich das Cafe & Restaurant "Malepartus" zur Einkehr anbietet.


Im nächsten Ort gibt es etwas zu bestaunen, denn in Gebroth, dem im südlichen Hunsrück am Ellerbach gelegenen Dorf, fühlt sich seit über 90 Jahren wieder ein Storch wohl.
Im Jahr 2010 stellte Rolf Merg einen Telegrafenmast mit Nistmöglichkeit nahe seiner Fruchtkellerei auf.
Nach vier Jahren bezog dann Storch Conrad das Nest.
Ein Jahr später brachte er seine erste Frau, Emma-Margarete, mit und so gab es im Sommer 2015 den ersten Storchennachwuchs, der auf den Namen "Heimat 1" getauft wurde.
Das zweite Küken überlebte das Gewitter am 17. Juni nicht.

Über Allenfeld und Daubach folgen wir der Route Richtung Industriepark Pferdsfeld. Südlich davon befindet sich die Wüstung Eckweiler, das Ziel der Fahrt. Einsam und in einer etwas verwunschen wirkenden Landschaft steht die Kirche "Heilig-Kreuz" in dem ehemaligen Dorf Eckweiler. Erbaut im 15. Jahrhundert, ist sie – neben dem Friedhof – das einzige Überbleibsel eines Ortes, der Ende der 70er Jahre umgesiedelt wurde.


Nur wenige Meter entfernt von Eckweiler lag früher der NATO-Flugplatz Pferdsfeld, der bis ca. 1960 von der US-Air-Force und danach bis 1997 von der Bundeswehr genutzt wurde.
Die 350 Einwohner mussten im Zuge der Umrüstung auf die F-4 Phantom wegen des Fluglärms und der Gefahr eines Flugzeugabsturzes innerhalb der Einflugschneise ihr Dorf verlassen.
Der Beschluss hierzu wurde 1976 gefasst. Am 10. Juni 1979 wurde die Gemeinde Eckweiler aufgelöst und existierte bis zur Einebnung 1981/82 als Geisterdorf weiter.
Die Kirche Heilig-Kreuz blieb erhalten, weil sie unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Neben Eckweiler traf es auch die Orte Pferdsfeld und Rehbach, deren Einwohner ihre Heimat verloren. Traurige Ironie des Schicksals: Nur 10 Jahre nach der Auflösung Eckweilers und 5 Jahre nachdem das letzte Haus dem Erdboden gleichgemacht wurde, erachtete man Infolge der Veränderungen der politischen Lage nach dem Mauerfall 1989 den Standort Pferdsfeld als nicht mehr notwendig.

Wo früher Häuser standen, gibt es nun nur noch grüne Wiesen und Felder. Nichts mehr ist zu hören vom Lärm der damals hier stationierten F-4 Phantom, dem lautesten Kampfflugzeug der Bundeswehr.
Das Areal des ehemaligen Flugplatzgeländes wird heute unterschiedlich genutzt. Man findet dort u.a. den größten rheinland-pfälzischen Solarpark sowie das Test- und Eventzentrum der Adam Opel AG.

Ist man schon mal hier, bindet man noch den damaligen Ort Pferdsfeld mit ein, in dem 1897 der Pfarrersohn Paul Schneider geboren wurde. Die Nazis ermordeten den "Prediger von Buchenwald", wie ihn später seine Mithäftlinge nannten, im Juli 1939 im KZ Buchenwald. Zurück führt die Strecke über Kallweiler, Waldfriede, Seesbach und Brauweiler ins Kellenbachtal. Weiter über Simmertal, Hochstetten-Dhaun, Kirn, Weierbach, Nahbollenach und Oberstein nach Idar.


Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=lmhxvjgvoddufvja

Donnerstag, 15. Juni 2017

Bin nicht da, denn ich bin mich besuchen

"Ich bin nicht da, bin mich suchen gegangen. Wenn ich wieder da bin bevor ich zurück komme, sagt mir, ich soll auf mich warten."
Diesen Satz habe ich kürzlich gelesen, aber besser noch gefällt mir die Abwandlung, die zusammen mit dem Text auf der Homepage des Bistums Trier zu finden ist:
"Bin nicht da, denn ich bin mich besuchen. Wenn ich noch nicht zurück sein sollte, wenn ich komme, sag ich Bescheid, damit ich warte, bis ich wieder da bin."

Also ehrlich, die Sätze habe ich zweimal lesen müssen, bevor ich genau wusste, was damit gemeint ist.

"
Bin nicht da, denn ich bin mich besuchen.
" Da ist also einer weggegangen, weil er sich selbst besuchen will. Anscheinend ist er gar nicht da, wo er sich eigentlich aufhält.

Ja, so was kenne ich auch von mir selbst. Wenn ich Dinge erledigen muss, die mich nicht interessieren.
Wenn ich eigentlich mit dem Herzen und mit meinen Gedanken ganz woanders bin.
Es kann ganz schön nervig und stressig sein, wenn man heute im normalen Arbeitsalltag drei Dinge gleichzeitig erledigen soll. Und da, wo heute nur noch zwei Leute sitzen an Stelle von vier, da sorgt die so genannte "Arbeitsverdichtung" auch nicht unbedingt für ein entspanntes Arbeiten.

Ganz bei einer Sache bleiben, etwas in Ruhe erledigen, sich konzentrieren können, das ist bei vielen Menschen kaum noch drin. In den "Workflow" kommen nennt man das neudeutsch.
Da braucht man schon eine gehörige Portion Selbstdisziplin.

Die alten griechischen Lehrer der Lebenskunst, die Philosophen, kannten das Problem und entwickelten ein Lebenskonzept innerer Freiheit durch Selbstdistanz.
"Bin nicht da, bin mich besuchen."
"Apathia" nannten sie es, die Freiheit von ungeordneten Antrieben und Gedanken. Sie wollten, dass das Leben in einen "Wohl-Fluss" gelangt, so wie bei einem ruhig dahinfließenden Wasserlauf.

Erreichen sollte man diesen "Flow" durch eine Haltung tiefer Seelenstärke und innerer Unerschütterlichkeit. Wer die gefunden hat, der kann tatsächlich immer wieder in Ruhe darauf warten, bis er "wieder da ist".

Aber wie kommt man zu dieser Haltung? Für die alten Griechen ging es um ein Vertrauen in die Vernunft und die göttliche Weltordnung.
Mit dem Christentum kommt ein Gott mit ins Spiel, der mich an der Hand nimmt und ganz einfach sagt: "Alles wird einmal gut werden. Vertrau darauf!" Ich weiß, dass das sehr schwer zu glauben ist. Oft zweifele ich selbst daran, aber das spielt keine Rolle.
Was das hier und jetzt heißen kann, hat Jesus seinen gestressten Jüngern einmal handfest vorgemacht. Zu lesen in der Bibel, Buch Markus, Kapitel 6, Vers 31:
"Kommt mit an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus" (Mk 6, 31).
 

Ein schönes Bild. Er zeigt mir einen Platz zum Ausruhen, er gibt mir die Zeit zu warten, bis ich wieder da bin.

Sonntag, 4. Juni 2017

Ist da jemand?

Wenn der Himmel ohne Farben ist, schaust du nach oben und manchmal fragst du dich: Ist da jemand, der mein Herz versteht? Und der mit mir bis ans Ende geht? Ist da jemand?“

Adel Tawil stellt diese Fragen in seinem Lied und hat sicher einen Menschen im Blick, den er als Partner und Wegbegleiter sucht.

„Ist da jemand?“

Ich denke, es gibt viele Menschen, die sich diese Frage stellen: „Ist da jemand?“.
Gibt es jemanden, der für diejenigen da ist, deren Himmel ohne Farben ist?
Deren Welt zerbrochen ist, weil sie einen Menschen oder den Arbeitsplatz verloren haben, weil ihre Beziehung, ihr Lebensplan, ihre Hoffnung gescheitert ist?

„Wenn der Himmel ohne Farben ist, schaust du nach oben und manchmal fragst du dich: Ist da jemand, der mein Herz versteht?“

Es braucht einen Menschen, der versteht, was in diesen Herzen vorgeht. Der die Schatten auf den Seelen kennt und an die Menschen glaubt, auch wenn andere es nicht mehr tun.

„Ist da jemand?“

Am Ende seines Liedes nimmt die Suche von Adel Tawil eine Wende:

„Wenn man nicht mehr danach sucht, kommt so vieles von allein“.

Vielleicht ist das die Überraschung: Dann, wenn man nicht mehr sucht, kommt es von alleine: In den Menschen, die einfach da sind, wenn man sie braucht, die an einen glauben, wenn keiner es mehr tut, die bis zum Ende mitgehen.

Dienstag, 23. Mai 2017

Eat, sleep, walk, repeat

Viele Menschen können mit dem Begriff "Wearables" nichts anfangen.
Was sich dahinter verbirgt, haben hingegen die meisten schon gesehen.
Sie werden Tracking-Watches, Smartwatches, Fitness-Tracker und Fitness-Armbänder genannt.
Es gibt sie von unzähligen Herstellern und mittlerweile in allen Preisklassen. Sie sind dafür gedacht, dauerhaft am Handgelenk getragen zu werden.
Ihr Träger ist, dank Sensoren und Elektronik, immer über relevante Parameter informiert, die Fitness und Gesundheit betreffen. Es werden die am Tag zurückgelegten Schritte bzw. Kilometer anzeigt. Der daraus resultierende Kalorienverbrauch wird mehr oder weniger genau ermittelt, indem die entsprechende Aktivität Berücksichtigung findet.
Alle Informationen sind sofort abruf- und verfügbar. Viele Modelle überwachen sogar die einzelnen Schlafphasen.

Es ist gar nicht lange her, da füllten Computer, die solch eine Rechenleistung besaßen, noch mehrere Räume.
Auch ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, mir solch ein Technikwunder an den Arm zu schnallen.
Ist das jeweilige Tagesziel erreicht, piept sie bestärkend. Andererseits schweigt sie zickig, wenn es mal nicht so gut läuft.
Ich kann darüber nur schmunzeln, denn das, was mein Leben wirklich lebenswert macht, kann solch ein Gerät gar nicht wissen.
Besondere Momente mit Menschen, die mir am Herzen liegen.
Nette Gespräche, neue Erfahrungen.
Freiheit, Geselligkeit, Glück, Zufriedenheit.
Körperliche und seelische Gesundheit, die es möglich machen, Dinge zu erleben, die mir wichtig sind.

All das kann von keinem Sensor erfasst und nicht elektronisch gemessen werden.
DANKE

Donnerstag, 18. Mai 2017

Musik, die bewegt – Teil 13

Der hämmernde Drum-Computer-Beat von „Blue Monday“ der Band New Order hat die Techno-Ära eingeläutet.
Es ist der Beat des berühmtesten Song-Intros der 80er Jahre.
Das Besondere: Erst nach zwei Minuten setzt der Gesang ein – das ist damals, im Jahr 1983, revolutionär.
Niemand hat damit gerechnet, dass ein Song mit solch einem Intro Hitpotential hat. Mit über drei Millionen Kopien wird es die meistverkaufte 12-Inch-Maxi-Single auf Vinyl aller Zeiten.

Die brachiale Einfachheit und die brutale Drum-Machine geben dem Song eine gewisse Strenge und Schönheit, die nach nunmehr über 30 Jahren unglaublich zeitgenössisch und modern wirkt.

Die Geschichte von New Order beginnt Ende der 70er in Manchester, einer tristen Stadt, geprägt von Kriegsruinen, Industrie und Sozialbauten.
In dieser Umgebung gründen vier Jungs die Vorläufer-Band von New Order: Joy Division.
Der Name ist angelehnt an eine angebliche Huren-Einheit der deutschen Wehrmacht.
Schnell finden sie ihren eigenen Stil, und der ist so düster wie ihre Heimatstadt.
Joy Division war eine einflussreiche Band. Die Musiker erzeugten mit sehr einfachen Mitteln eine Atmosphäre, die insofern etwas ganz neues war und etwas Eigenes hatte, weil sie eine gewisse Düsterkeit und Melancholie ausstrahlte. Das löste sich von der routinierten Fröhlichkeit, die die Popmusik normalerweise verbreitete, ab.
Joy Division werden schnell zu einer der erfolgreichsten englischen New-Wave-Bands. Geplant ist sogar eine erste USA-Tour, doch dazu soll es nicht mehr kommen.
Sänger Ian Curtis hält dem Druck nicht stand. Er leidet an Epilepsie, ist zerrissen in der Liebe zu zwei Frauen.
Seine inneren Dämonen verarbeitet er in seinen Texten.

Ich denke, dass bei Ausnahmekünstlern Genie und Wahnsinn eng beieinander liegen. Man muss sehr sensibel sein, um ausdrucksstarke Texte schreiben zu können. Das ist sicher die große Tragik und letztlich das Schicksal dieser Menschen. Es erinnert mich an Curt Cobain, der auch an sich selbst zerbrach.

„Love Will Tear Us Apart”, der autobiografische Song, ist Joy Divisions erster großer Hit. Doch kurz nach Erscheinen zerbricht Ian Curtis und erhängt sich. Was genau ihn dazu treibt, sich in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1980 mit nur 23 Jahren das Leben zu nehmen, ist bis heute ungeklärt.
Der Rest der Band bleibt geschockt zurück.
Auf seltsam pragmatische Art ist den Zurückgebliebenen klar, dass sie weitermachen werden. Allerdings nicht unter dem alten Namen und auch nicht im alten Stil.
„New Order“, das klingt nach Neubeginn. Musikalisch lassen sie sich in den Discos von New York inspirieren. Synthesizer, harte Beats und dominante Bassläufe statt düsterer New-Wave-Balladen.
Das verwaiste Mikrofon von Ian Curtis übernimmt der 24-jährige Gitarrist Bernard Sumner, zunächst noch merklich unsicher in seiner neuen Rolle als Frontmann.
„Blue Monday“ bringt den neuen elektronischen Sound auf den Punkt. Es ist ein epochaler Song, der viele musikalische Merkmale von Techno vorwegnimmt und Techno-DJs nachhaltig beeinflusst.
Wenn man „Blue Monday“ heute hört, kann man sich nicht mehr vorstellen, was es damals bedeutete, als diese Bass-Drum reinkam, weil es so normal geworden ist.
Bis heute spielen auch New Order selbst live. Sie, die einzige Band, die gleich zwei Genres nachhaltig beeinflusst hat – Punk und Techno… und nebenbei noch dem ungeliebtesten Wochentag ein Denkmal gesetzt hat.
DANKE!

Donnerstag, 4. Mai 2017

Augenblicke

Kennt ihr auch diese Momente, in denen man nichts spricht und die einen so schön berühren?
Momente, in denen man spürt, wie verbunden wir sind, egal ob mit Menschen, Tieren oder einer wunderbaren Landschaft?

Ich mag diese Momente, ohne Worte, einfach erleben.

Leider passiert es oft, dass wir dann zu reden beginnen.
Wir erklären, zählen, denken, deuten, wissen.
Damit schaffen wir eine Distanz und verlieren den Augenblick.
Der Dichter Rainer Maria Rilke hat ein solches Erleben in ein Gedicht gefasst:


„Ich fürchte mich so vor des Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dies heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern…..
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle Dinge um.“


Er wusste von diesen Momenten, die geheimnisvoll sind.
Momente, in denen wir unmerklich einen Raum betreten, der immer schon da ist und verloren geht, wenn wir ihn zu fassen oder gar zu halten suchen.
Erklären entzaubert.
Natürlich ist es unmöglich, dauerhaft solche Augenblicke festzuhalten.
Weil das Nachdenken, das Deuten und Beschreiben eine Grundlage menschlichen Lebens ist?

Freitag, 21. April 2017

Musik, die bewegt – Teil 12

Du kannst Musik nicht berühren, aber sie dich

I never meant to cause you any sorrow
I never meant to cause you any pain
I only wanted to one time to see you laughing
I only wanted to see you
Laughing in the purple rain


Niemand konnte sich im Jahr 1984 dieser Monsterballade und dem Sex-Appeal ihres Interpreten entziehen. Die mehr als acht Minuten von "Purple Rain" münden in ein grandioses Finale mit orgiastischem Gitarrensolo – und sie machten Prince zum internationalen Superstar auf Augenhöhe mit Michael Jackson.
Purple Rain ist nicht so heiß wie sein Sänger, aber mit ihm gelingt Prince der Aufstieg zum Superstar der 80er neben Madonna und Michael Jackson.
Sein androgyner Sex-Appeal wirkt bis heute – trotz 1,58 Meter.
Mit Purple Rain, das er mit seiner damaligen Begleitband The Revolution aufnahm, landet Prince 1984 seinen ersten Top-10-Hit in Deutschland.
In den USA hält sich das gleichnamige Album 24 Wochen auf Platz 1 und der Film Purple Rain räumt 1985 einen Oscar für die beste Musik ab.
Prince ist ein Multitalent, das Klavier, Schlagzeug und Gitarre autodidaktisch erlernt hat.
Doch vor allem als Sänger und Songschreiber beweist Prince außerordentliche Fähigkeiten.
Prince Rogers Nelson, wie er mit vollem Namen heißt, wird am 07. Juni 1958 in Minneapolis geboren, wo er bis zu seinem Tod wohnte.
Er hat sieben Geschwister und Halbgeschwister.
Als er 12 ist, trennen sich seine Eltern. Prince zieht zu seinem Vater und später zu einer Tante.
Schon mit 17 bekommt er die ersten Plattenverträge angeboten. Das beweist, wie groß man mit nur 1,58 Metern werden kann… und wie man die Gerüchteküche anheizt.
Seine Band ist mit Frauen besetzt – damals ein echtes Novum und Grund genug, die Vorlieben von Prince zu hinterfragen.
Zwar heiratet er zwei Mal, doch trotzdem bleibt seine wahre sexuelle Gesinnung bis heute ein Geheimnis.
Sein ehemaliger Presseagent Howard Bloom bezeichnet ihn in einem Interview als einen "Allesfresser", für den das Leben eine Speiseplatte ist.

Sprachlos waren viele. Auch Tipper Gore, damals Ehefrau von Senator Al Gore, hat genug von der unsittlichen Musik und gründet 1985 die Organisation "Parents Music Resource Center", kurz PMRC.

Ihr Ziel ist es, die Jugend mit deutlichen Warnhinweisen auf Tonträgern zu schützen. Der Grund ist ihre 11-jährige Tochter, die in dem Film Purple Rain den Song "Darling Nikki" hören muss.
Das Lied beschreibt die Selbstbefriedigung eines jungen Mädchens.
Mit ihrem Gremium erstellt Tipper Gore eine Liste von 15 anzüglichen Songs, "The Filthy Fifteen" genannt.
Neben Darling Nikki trifft es z.B. auch Judas Priest mit Eat Me Alive, Mötley Crüe mit Bastard und Def Leppard mit High 'n' Dry.
Ebenfalls auf der Liste finden sich Madonna (Dress You up), Cindy Lauper (She Bop), AC/CD (Let Me Put My Love Into You) und Black Sabbath (Trashed).
Die Musikindustrie beugt sich dem politischen Druck und verpflichtet sich, die expliziten Texte mit der Warnung zu versehen. Prince war der erste Künstler, bei dem auf dem Plattencover dieser berühmte Sticker "Parental Advisory – Explicit Lyrics" zu finden war.
Für die Jugend kommt dieser Aufkleber einer Kaufempfehlung gleich. Er wurde zu einem Statussymbol.
Jeder Rapper wollte und musste ihn auf seinem Album haben, denn sonst war er uncool.
Es bleibt nicht bei Stickern. Immer häufiger fühlt sich der Popstar von seiner Plattenfirma gegängelt und reglementiert.
Als Zeichen des Widerstandes schreibt er sich "Slave" auf seine Wange und legt von 1993 bis 2000 seinen Künstlernamen ab.
Fortan nennt er sich "Symbol" oder "TAFKAP" (The Artist Formerly Known As Prince).
In einem Interview aus dem Jahr 1999 sagt Prince:
"Die Namensänderung und die damit verbundenen Vorteile haben mir geholfen, die Zeit zu besiegen."

Nicht nur mit seiner Musik bricht der Superstar Tabus. Auch durch seine Namensänderung setzt er ein deutliches Zeichen der Selbstbestimmung. Erst nach Vertragsende im Jahr 2000 nimmt er seinen alten Namen wieder an und kehrt zu unbeschwertem Soul-Funk zurück.
Prince wusste genau, wie es geht. Immer gegen alle Regeln.
Und gerade weil er gegen alle Regeln ging, war er jemand, mit dem man sich gerne identifizierte.
Er war ein Outlaw und hat großartige Songs geschrieben.
Was wären die 80er ohne sein berühmtes Rüschenhemd gewesen?
Es musste damals immer alles möglichst extravagant sein. Prince war ein Meister dieses Fachs und sicher auch einer der ersten, der es auf so eine Ebene gebracht hat.

Am 21. April 2016 wurde Prince in seinem Paisley Park Studio in einem Fahrstuhl von seiner persönlichen Assistentin Meron Bekure und seinem Mitarbeiter Kirk Johnson leblos aufgefunden. Einer Pressemitteilung zufolge blieb der Versuch einer Wiederbelebung durch den Rettungsdienst erfolglos und Prince wurde um 10:07 Uhr Ortszeit im Alter von 57 Jahren für tot erklärt.
Als Todesursache wurde eine Überdosis des starken Schmerzmittels Fetanyl festgestellt.

Prince und Purple Rain bleiben zeitlos sexy und werden heute noch rauf und runter gespielt.

(Quelle: Auszugsweise aus der VOX-Serie "100 Songs, die die Welt bewegten")

Mittwoch, 12. April 2017

Zum Meer

Ich mag das Meer, denn es fasziniert mich mit seiner Weite, Tiefe, Unbeständigkeit und Kraft.
Menschen leben von und mit ihm und fürchten doch seine zerstörerische Energie.
Eine schöne Welle wird am Ende zu einem Tsunami, der Todesopfer fordert und manch ein romantischer Bootsausflug wird zur gefährlichen Höllenfahrt, werden Richtung und Wetterlage falsch eingeschätzt.

Das Meer scheint unendlich - ein schillernder, vielseitiger Kosmos.
Auch wenn es von uns Menschen vermessen und kartographiert wurde, auch wenn wir längst Schiffe gebaut haben, die den schlimmsten Unwettern trotzen können – eine Seefahrt ist immer noch ein Abenteuer für mich.
Ich mag es, an der Reling zu stehen, mein Gesicht in den Wind zu halten und sehe gerne die Gischt bei starkem Wellengang.

Das Meer - ein Ort, an dem ich zu mir selbst finden kann, wenn mich Trauer, Verzweiflung oder Sorgen belasten. Vielleicht auch, weil ich mich von der Weite und Unendlichkeit tragen lassen kann und so in dieser Haltlosigkeit Halt finde.
Rückzug an einem Ort, an dem ich für mich bin. Unerreichbar für alle und alles... es kann und soll mir jetzt egal sein.
Ich bin nur für mich - und bei mir.
Dabei entdecke ich oft die Sehnsucht nach Abstand in mir. Warum nicht mal eine Pause einlegen, eine Unterbrechung herbeiführen, egal in welcher Art?
Wenn schon die Sehnsucht nach der einsamen Insel ein unerfüllbarer Traum ist, der auch nicht wirklich erstrebenswert ist, so habe ich doch kleinere realisierbare Möglichkeiten.
Sie stehen mir immer offen, wenn mir alles zu viel wird.
Es zieht mich dann aber auch wieder zurück, zurück zu den Menschen, Gott sei Dank!

Herbert Grönemeyer vermittelt mir dieses Gefühl in einer Liedzeile:
dreh dich um
dreh dich um
dreh dein Kreuz in den Sturm
geh gelöst, versöhnt, bestärkt,
selbstbefreit den Weg zum Meer.


"Dreh dich um" singt Grönemeyer. Das könnte heißen: Schau auf das, was hinter dir liegt.

"Dreh dich um": Schau nicht länger auf das Bittere im Leben. Lass das Schwere dort liegen - und dann kappe die Leinen, lasse los.

"Dreh dich um" kann dann heißen: Jetzt schau endlich nach vorn! Sieh in eine neue Richtung! Traue deiner Zukunft!
Das braucht Kraft und Mut, vor allem bei Gegenwind.

Und deshalb singt Grönemeyer: "Dreh dein Kreuz in den Sturm" - das verstehe ich so: Nutze die gegebenen Möglichkeiten, die eigenen Begabungen, eine stützende Familie, Freunde, Gemeinschaft.

"Dreh dein Kreuz in den Sturm" heißt auch: Nimm deinen Glauben ernst und die Kraft, die darin liegt.
Nutze alles, was Schwung gibt und weitertreibt, was trägt und dir hilft, nach vorne zu kommen.
Dazu gehören auch die bitteren Erfahrungen, Enttäuschungen und Schwierigkeiten, aus denen wir lernen.

"Dreh dein Kreuz in den Sturm" - damit wir mit großer Kraft vorankommen: Zu unserem eigenen Leben.

Montag, 20. März 2017

Frühlingsanfang

Der Frühlingsanfang kann entweder astronomisch, meteorologisch oder phänologisch (nach dem Entwicklungsstand der Pflanzen) bestimmt werden.

Für die Astronomen ist klar: In diesem Jahr kommt der Frühling auf der Nordhalbkugel heute, am 20. März.
Um 11:29 Uhr Mitteleuropäischer Zeit haben wir die Tag- und Nachtgleiche, bei der Nord- und Südhalbkugel ihre Unterschiede ausgleichen.
Somit sind Tag und Nacht exakt gleich lang, unabhängig davon, wo man sich auf der Erde aufhält.

Der meteorologische Frühling startet auf der Nordhalbkugel am 01. März und endet am 21. Mai.

Der in der Natur beobachtete Frühling beginnt dagegen zu unterschiedlichen Zeiten und richtet sich auch nach dem Wetter.
Frühling ist, wenn die Zugvögel zurückkehren und die Mandel- oder Apfelbäume zu blühen beginnen.

Sonntag, 19. März 2017

Katze gefunden?

Wildkatze – Logo-Tier des Nationalparks Hunsrück-Hochwald

Die europäische Wildkatze hat einen ihrer Kernlebensräume bei uns im Hunsrück.
Zwar breitet sie sich zurzeit in Deutschland weiter aus, ist aber immer noch stark gefährdet.
Etwa 5.000 bis 7.000 Tiere leben in Deutschland.

Zwischen März und September kommen wieder junge Wildkatzen zur Welt. Die meisten Würfe gibt es im April.

Wie erkennt man Wildkatzen?
Vom Erscheinungsbild ist die Europäische Wildkatze massiger und kraftvoller als die Hauskatze.
Sie zeichnet sich vor allem durch den buschigen, relativ kurzen Schwanz aus, der in einer breiten, stumpfen Rundung endet.
Am Schwanzende finden sich häufig drei schwarze "Kringel".


Das Wildfreigehege Wildenburg weist auf richtiges Verhalten hin, wenn man Katzen im Wald findet.

Katze gefunden?

"Wir haben geglaubt, es habe jemand die armen Kätzchen böswillig ausgesetzt"
"Die Mutter hat die hilflosen Tiere verlassen - bestimmt ist sie tot"


So oder so ähnlich fangen die meisten Geschichten unserer Findelkatzen an.
Die armen, ach so süßen Katzenbabys mit ihren blauen Augen, die beim Waldbesuch entdeckt werden, erwecken das Helfersyndrom.
Schnell werden die kleinen Kätzchen mit nach Hause genommen. Liebevoll wird Katzenfutter besorgt und die kleinen Kätzchen gefüttert.
Die Kätzchen bekommen Durchfall und landen im Tierheim, bei Tierärzten oder Menschen, die sich um verwilderte Katzen kümmern.
Die Kätzchen fauchen, spucken, schlagen mit den Pfoten und knurren drohend.
Nun kommt der Verdacht auf, es könnte sich um Wildkatzen handeln.
Nachdem einige Tage vergangen sind, wird das Wildkatzenzentrum informiert.
Leider ist es zu spät um die Tiere an den Fundort zur Mutter zurückzubringen. Sie hat die Suche aufgegeben.

Nun schnell die Waisenkinder in Quarantäne bei unserer Tierärztin Frau Dr. Saxler unterbringen.
Die Ernährung wird umgestellt. Der Durchfall ist weg. Es folgen Untersuchungen, Impfungen und die Kleinen werden geschippt.
Es werden Proben entnommen um per Gentest festzustellen, ob es sich um echte Wildkatzen handelt.
Danach kommen sie in die Auffangstation ins Wildfreigehege. Nach der zweiten Impfung geht es in die Auswilderungsgehege.
Nach mehreren Monaten, wenn sie alt genug sind und selbständig Beute greifen können, erfolgt die Auswilderung.

Hätten sich die Waldbesucher richtig verhalten, wäre den Kätzchen unnötiger Stress und Gefangenschaft erspart geblieben. Sie hätten viel von ihrer Mutter für das Überleben in der Wildnis lernen können.
Das Team des Wildkatzenzentrums hätte viel Arbeit gespart. Außerdem sind je Tier zwischen 3.000 und 5.000 Euro an Kosten entstanden.

Katzenbabys im Wald gefunden - Wie verhalte ich mich richtig?
Bei getigerten Kätzchen im Wald besteht immer der Verdacht auf Wildkatzen!

  • Hände weg!
  • Kätzchen nicht anfassen!
  • Den Fundort merken und sich entfernen! Die Katzenmutter ist auf Beutezug, um Nahrung zu besorgen oder hat sich vor Ihnen versteckt. Sie kommt zurück und kümmert sich um ihren Nachwuchs.
  • Jäger, Förster oder Naturschutzbehörde informieren! Diese Personen können aus sicherer Entfernung beobachten, ob die Tiere wirklich verwaist sind.

Bei der Wildkatze handelt es sich um eine streng geschützte Art. Es ist strafbar, sich die Tiere anzueignen.
Das Wildkatzenzentrum mit seiner Auffang- und Auswilderungsstation ist für echte Notfälle da.
Etwa, wenn das Muttertier überfahren wurde oder bei Holzrücke-Arbeiten zu Tode kam sowie für verletzte Tiere.

Bitte beachten Sie diese Hinweise. Die Wildkatzen sind wild und wollen es auch bleiben.

"Das habe ich ja alles gar nicht gewusst!"

Nun, jetzt sind Sie informiert. Sie können uns helfen!
Geben Sie Ihr Wissen weiter, besonders an Wandervereine, Naturschutzvereine, Tierschutzorganisationen und Katzenhilfen. Diese können gerne durch einen Link oder Newsletter auf unsere Homepage verweisen.
Die Texte dürfen gerne für Presseartikel (mit Quellenangabe) übernommen werden.

Helfen Sie mit, dass mehr Menschen informiert sind!
Die Wildkatzen danken es Ihnen!


Mehr Informationen unter http://www.wildfreigehege-wildenburg.de

Mittwoch, 15. März 2017

Glück mit Nebenwirkungen

Gedanken während der Bahnfahrt von Düsseldorf nach Idar-Oberstein

Es hat immer auch etwas mit einer Entscheidung zu tun

Das Glück ist so individuell wie wir selbst.
Oft liegt es im Kleinen verborgen.
Das wichtigste ist, eine Balance zu schaffen zwischen Runterfahren und Gasgeben.
Stress gehört dazu, der ist nicht per se schlecht.
Man muss nur eine Ruhe-Insel als Gegenpol finden.
Manchmal reicht es, die Regentropfen am Zugfenster zu beobachten.
Das kann sehr beruhigend und meditativ sein.
Kommen Sie mit Ihrem Sitznachbarn ins Gespräch, verteilen Sie Komplimente.
Vor allem an grauen Tagen - meteorologisch wie emotional - ist das wichtig.
Freude kommt immer zu einem zurück.
Ich nenne das "Glück mit Nebenwirkungen".

Mittwoch, 22. Februar 2017

Als der Krieg nach Idar-Oberstein kam

Mittwoch, 22. Februar 2017:
Heute vor 72 Jahren, am 22. Februar 1945, es war ein Donnerstag, wurde ein Luftangriff auf den Idar-Obersteiner Stadtteil Idar geflogen, der 32 Menschen das Leben kostete, darunter auch Kinder.
An diesem Tag, es war herrliches Wetter, kamen amerikanische Jagdbomber im Tiefflug über Algenrodt.
Ziel des Angriffes war die Marktschule. Wahrscheinlich, weil dort ein Munitionslager vermutet wurde.
Andere Stimmen behaupten, das rote Backsteingebäude sei mit einer Kaserne verwechselt worden.
Warum einige Bomben zu spät ausgeklinkt wurden, bleibt wohl unklar. Möglicherweise, weil das im Tal liegende Zielgebäude von den Piloten der Fliegerstaffel zu spät erkannt wurde.
So kam es, dass 17 Häuser in der Kobach-, Schachen-, Kies- und Goethestraße völlig zerstört wurden, wie einem Bericht der Nahe-Zeitung zu entnehmen ist.
Das Haus in der Goethestraße 38, in dem meine Großeltern wohnten und in dem mein Großvater eine Schreinerei eingerichtet hatte, wurde nur knapp von einer der rund 70 Bomben, die insgesamt auf den Stadtteil gefallen sein müssen, verfehlt und schlug im darüber liegenden Wohnhaus in der Kiesstraße ein.


Zum Vergrößern anklicken:
Stummer Zeitzeuge: Spuren des Zweiten Weltkrieges.
Geschoss-Einschlag an der Nahebrücke
zwischen Idar-Oberstein und Kirn-Sulzbach
In Oberstein wurden in den folgenden Tagen der Bahnhof, die Hohlschule (die sich in der späteren Hohlkaserne befand), einige Häuser in der Hasbach, die Hindenburgbrücke am Bahnhof (heute Wilhelm-Leuschner-Brücke) sowie das Eisenbahnviadukt am "Gefallenen Felsen" bombardiert.

Bereits bei den ersten beiden Angriffen auf Idar am 11.10.1944 und 23.01.1945 gab es Tote zu beklagen.
Insgesamt blieb Idar-Oberstein weitgehend von Bombenangriffen verschont, obwohl gerade in Oberstein kriegsrelevante Industrie angesiedelt war.

Nach dem Bericht der Nahe-Zeitung vom 22.02.2015 sah der damalige Bürgermeister Ludwig Bergér dafür drei Hauptursachen: Zunächst einmal machte die topografische Situation Angriffe schwierig, zudem hätten sich die Amerikaner schon frühzeitig Klotzberg- und Straßburgkaserne als künftige Unterkunft ausgesucht, und zum Dritten habe er darauf geachtet, dass sich Idar-Oberstein nach außen immer nur als Schmuck- und Edelsteinstadt präsentierte und nicht als Hersteller von Rüstungsgütern.

Dienstag, 14. Februar 2017

Zum Valentinstag - Ich liebe dich!

Dienstag, 14. Februar 2017:

"Also kann ich annehmen, Madame, dass ich anfing zu sterben, als ich begann, Sie zu lieben.“

Klingt schon ein bisschen schwülstig, was Cyrano de Bergerac da im 17. Jahrhundert seiner Angebeteten schreibt.
Und doch hat so ein Liebesbrief auch in unserem modernen Zeitalter etwas unendlich Romantisches.
 

In meiner Jugend waren die Liebesbriefe weniger romantisch. Meistens waren es kleine Ankreuz-Zettelchen, die uns unser Objekt der Begierde in der Schule zusteckte und die oft nicht mehr enthielten als den Satz „Willst du mit mir gehen?
“Ja – Nein – Vielleicht“.
 

Auch heute gibt es noch Liebesbriefe. Meist kommen sie nicht mehr auf Papier daher, sondern werden per WhatsApp oder SMS geschickt.
Und kürzer sind sie auch noch geworden.
"HDGDL - Hab Dich Ganz Doll Lieb" oder „DAD“ für „Denk An Dich“.
 

Maximal fünf Buchstaben braucht man also heute, um seiner oder seinem Liebsten die Liebe zu gestehen.

Liebesbriefe, egal aus welcher Zeit, haben aber auch etwas gemeinsam. Sie sind alle, gleich welche Form, ein Angebot, das der Empfänger annehmen, aber auch ablehnen kann. 

Auch Gott macht ein Liebesangebot und ich bin frei, zu wählen, ob ich es annehme oder nicht.

Zum Valentinstag: Liebesbriefe von Gott

Wenn heute weltweit Menschen den Valentinstag als "Tag der Liebenden" zelebrieren, machen Christen in Wien auf eine besondere Liebe aufmerksam.

"Liebesbriefe von Gott" werden von 400 Mitarbeitern der Erzdiözese Wien verteilt. Darin heißt es:

Es ist meine Freude, dass es dich gibt. Denn ich habe dich gewollt. Du bist unendlich wertvoll in meinen Augen. Denn ich liebe dich! Wenn du schwach bist, bin ich deine Kraft. Wenn dein Herz gebrochen ist, bin ich dir nahe. Wenn du scheiterst, trage ich dich. Ich wende mich nicht ab von dir, selbst wenn du Schuld auf dich geladen hast - dann komm! Geh deiner Sehnsucht nach: Dein Leben ist so viel mehr. Ich will dir ein Leben in Fülle geben. Lass uns wieder einmal miteinander reden. 

Wunderschön zu lesen. Man kann es gut auf sich selbst und seine eigenen Beziehungen reflektieren.

Jeder von uns kann überlegen, ob er sich der schwierigen Aufgabe stellt, diese Formulierung als Leitsatz für sein Leben zu übernehmen, als Richtschnur zum Umgang mit seinem Partner, seiner Partnerin, Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und anderen Menschen um einen herum.

Freitag, 3. Februar 2017

Alles für die Füße

Freitag, 03. Februar 2017:
Alles für die Füße

Mal ehrlich, habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, was unsere Füße jeden Tag so leisten?
Unsere Füße lassen uns selten im Stich, egal, ob wir gehen, laufen, tanzen oder springen.
In ihnen befinden sich mehr Sinneszellen als in unserem Gesicht.
Fast 30 Knochen, beinahe 60 Muskeln, mehr als 100 Bänder und über 200 Sehnen machen unsere Füße zu einem komplexen und ausgeklügelten Meisterwerk.

Versucht mal, eure Zehen einzeln zu bewegen – nach oben, nach unten… mit dem großen Zeh bekommt ihr es vielleicht noch hin, aber klappt es auch mit den anderen?
Bei mir nicht und ich wette mal, bei den meisten von euch auch nicht. Wir kümmern uns auch einfach zu wenig um unsere Füße.

"Zeigt her eure Füße!"
Jeder von euch kennt sicher noch das alte Kinderlied!?

Jeder Fuß hat eine Geschichte.
"Unsere Füße sind ein Spiegel unseres Körpers", das sagen zumindest Menschen, die sich mit Fußreflexzonen gut auskennen.
Drückt man z.B. am linken Mittelfuß, wird das Herz besser durchblutet, massiert man am großen Zeh, merkt das die Hypophyse, denn unsere Nervenbahnen enden in den Sohlen und sind mit Organen und Knochenapparat verbunden.
Wissenschaftler allerdings zweifeln an der Wirkung, aber doch hilft es vielen, wenn ein Therapeut am Fuß Hand anlegt.

Dabei kann man sehr viel selber tun.
Sei es ein Fußbad, eine Fußmassage, den Fuß über einen Igelball rollen und natürlich barfuß gehen. Nicht auf Betonboden, sondern auf unebenem, weichen Gelände oder steinigem Boden.

Rund 10.000 Schritte sollten wir am Tag gehen. Das ist eine ganze Menge.
Diese Schritte muten wir unseren Füßen zu und das oft ohne gutes "Schuhwerk", wie man so schön sagt.
Die Schwierigkeit ist, dass sich die Füße sehr weit vom Kopf entfernt befinden und wir sie gar nicht so beachten. Vielen ist nicht bewusst, dass sie im Alltag eins unserer wichtigsten Trageorgane sind, die nämlich den ganzen Tag unser gesamtes Gewicht auf 10 bis 20 Quadratzentimeter ausbalancieren.

Unsere Füße sind wirklich beeindruckende Meisterwerke und ihre Funktion ist mit nichts vergleichbar. Sie balancieren unseren Körper auf dieser kleinen Fläche und dabei ist ihre Wahrnehmung immer gleich – egal ob bei Tag oder Nacht, egal in welchem Gelände.
Dazu trägt sicher auch bei, dass sie über mehr Sinneszellen verfügen als unser Gesicht. Sie sind nicht so gut damit versorgt wie unsere Finger und Hände, allerdings ist bei keinem unserer Organe die räumliche Wahrnehmung so ausgeprägt wie an unseren Füßen.
Füße mit Fehlstellung können negative Auswirkungen auf die Beinachse und somit auf benachbarte Gelenke, wie Knie, Hüfte, Wirbelsäule, haben.

Werdet euch dessen bewusst und schenkt euren Füßen mehr Aufmerksamkeit – sie sind es wert!

Donnerstag, 19. Januar 2017

Die Welt, in der wir leben

Donnerstag, 19. Januar 2017:
Die Welt, in der wir leben!

Sachsen erteilt Genehmigung für den Abschuss von „Problemwolf Pumpak“.
Es ist das erste Mal, dass in Sachsen ein „Problemwolf" „entnommen“ werden soll.

Es gab Zeiten, da war der Wolf das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde, doch die sind lange vorbei.
Seit Wölfe als Feind des Menschen galten, weil sie dessen Nutzvieh rissen und in Fabeln und Märchen als Inkarnation des Bösen herhalten mussten, wurde der Canis lupus bejagt.
In Deutschland galten die wilden Tiere seit Mitte des 19. Jahrhunderts faktisch als ausgerottet.

Ein Wolf in Deutschland, in freier Wildbahn, das geht nicht.
Das ist eine Gefahr für die Allgemeinheit. Das passt nicht ins System eines dicht besiedelten westlichen Industriestaates.
Ich will jetzt kein Mitleid für den armen Wolf wecken oder auf die Tränendrüse drücken. Ich kann einsehen, dass ein Wolf mitten in Sachsen zum Problem wird.
Aber die Frage, warum das so ist, beschäftigt mich doch. Erdgeschichtlich gesehen war der Mensch, soweit ich das weiß, einer der letzten, der auf der Erde als Wesen eine Rolle spielt.
Bis der Mensch wirklich seinen Platz eingenommen hatte, sind einige Millionen Jahre vergangen. Aber dann hat er Ernst gemacht. Er hat sich die Erde unterworfen. Er hat sie benutzt. Besser gesagt, wir benutzen sie, wir unterwerfen sie uns jeden Tag.
Und wir sind offensichtlich soweit gekommen, dass für einen freilebenden Wolf in Mitteleuropa einfach kein Platz mehr ist.
Kein Tier, das uns irgendwie gefährlich werden könnte, hat eine Chance. Für mich stellt sich die Frage, was denn von der Vielfalt des Lebens dieser Erde bleibt, wenn wir Menschen uns weiter mit dem gleichen Tempo ausdehnen.
Wenn wir die Natur und alle ihre Zusammenhänge nur noch nach unseren Erfordernissen und Regeln gestalten?

Die Vielfalt des Lebens existiert nicht ohne Grund in dieser Welt. Sie ist so geschaffen, dass alles seinen Sinn hat.
Dass es immer einen Ausgleich gibt, zwischen Jägern und Gejagten, zwischen fressen und gefressen werden.
Nur da, wo der Mensch auftaucht, wird das System auf den Kopf gestellt. Wir sind mit der Fähigkeit ausgestattet, die Welt zu gestalten und alle anderen Lebewesen mehr oder minder zu beherrschen.
Wir haben einen Vorsprung, der es uns ermöglicht, nur nach unseren Regeln zu handeln.
Diese Fähigkeiten, die wir haben, stellen uns alle auch in eine Verantwortung. In die Verantwortung, genau hinzuschauen, wie wir es tun. Und wie es gelingen kann, die gewollte Vielfalt des Lebens zu erhalten.
Für den Wolf hätte ich auch keine schnelle Antwort. Würde er tatsächlich einen Menschen, vielleicht sogar ein Kind anfallen, möchte ich nicht die Verantwortung dafür tragen wollen.
Aber ein Nachdenken darüber, was wir mit unserer Welt tun und wie wir es tun, sind wir dem Wolf vielleicht doch schuldig.

Dienstag, 10. Januar 2017

Gute Vorsätze für das neue Jahr

Dienstag, 10. Januar 2017:
Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


Nie mehr werde ich rauchen.
Nie mehr.
Nie mehr werde ich Alkohol trinken und Fast Food essen.
Und immer lieb sein.


Was ist noch übrig von den guten Vorsätzen zum Neuen Jahr?
Immerhin läuft es schon bald zwei Wochen.
Da ist wohl so manch guter Vorsatz gleich mit den Bach runter gegangen.
Sind wir ehrlich und fragen uns, ob der gute Vorsatz überhaupt eine Chance hatte.
Oder war es nur ein Satz, der viel vorgibt, aber letztlich unerreichbar ist?

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“
Dieses Sprichwort vermittelt uns die Lebenserfahrung einiger Generationen.
Und die lehrt: Gute Vorsätze nützen nichts, im Gegenteil:
Manch einer landet im Unglück, obwohl - oder gerade weil - er viele gute Vorsätze gefasst hatte.
Sie sind kontraproduktiv und führen zu weiterem Frust.

Im neuen Jahr soll sich immer einiges ändern.
Weil ein Jahreswechsel jedes Mal eine gute Gelegenheit bietet, eine „Betriebsprüfung der Seele“ durchzuführen. (http://timorisch.blogspot.de/2016/12/seelen-check.html)

Dafür gibt es zwei Tipps für gute Vorsätze, die auch gelingen können:

1. Nehmen Sie sich etwas Positives vor.

Es bringt nicht viel, zu sagen, was Sie alles nicht mehr machen wollen.
Kehren Sie es um und suchen sich etwas aus, das Sie machen wollen.
Statt: Ich will nie mehr mit meinem Partner streiten – lieber: Ich unternehme was Schönes mit ihm.
Darauf können Sie sich dann freuen und der Streit bleibt von selbst aus.

2. Legen Sie die Latte nicht zu hoch.
Wer kann schon sagen, dass er NIE wieder rauchen oder Alkohol trinken wird?
Setzen Sie sich erreichbare Ziele: Heute mal nicht rauchen, dafür einen Waldlauf.
Heute mal auf Süßigkeiten oder Alkohol verzichten.
Wenn es dann heute geklappt hat, ist das doch ein Grund, es morgen wieder zu versuchen. Das motiviert.

Zwei Tipps gegen die Frustration, schon wieder den guten Vorsatz gebrochen zu haben.
Ob es damit gelingt?
Ausprobieren müssen Sie es selbst.