Dienstag, 25. Juli 2017

Soonwald - die wilde Tour

Freitag, 21. Juli 2017:
Soonwald – die wilde Tour von der Bierstadt Kirn an der Nahe bis zur Weinstadt Bingen am Rhein


Über 84 Kilometer führt der Soonwaldsteig von Kirn an der Nahe im Hahnenbachtal durch eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands nach Bingen am Rhein.

Er besteht offiziell aus sechs etwa gleich langen Etappen. "Also fassen wir jeweils zwei davon zusammen und schaffen die Strecke gemütlich in drei Tagen" – das war unser Plan.
Allerdings zeigt sich schnell, dass es nicht so einfach ist, denn wildes Campen ist verboten und daran möchten wir uns auch halten.
Drei Trekkingcamps (Alteburg, Ellerspring, Ochsenbaumer Höhe) machen das legale Zelten im Wald möglich.
Auf den Plätzen ist jeder willkommen, der die Natur ganz nah erleben möchte und sie zu schätzen weiß. Nach dem Prinzip: "Hinterlasse nichts außer deinen Fußspuren und nimm nichts mit außer deinen Eindrücken."
Die Übernachtung auf den Trekkingplätzen kostet derzeit 10 Euro pro Zelt/Nacht (1-3 Personen).
Man muss die Plätze vor dem Start beim Fremdenverkehrsbüro buchen, erst dann gibt es die GPS-Daten.

Meine Planung für eine 3-Tages-Tour:
1. Tag: Kirn bis Camp Alteburg (37,5 km / etwa 1.640 Höhenmeter)
2. Tag: Camp Alteburg bis Lauschhütte (28,5 km / etwa 570 Höhenmeter)
3. Tag: Lauschhütte bis Bingen (18 km / etwa 350 Höhenmeter)



Beim Blickenstein (zum Vergrößern anklicken)
Den Rucksack ausreichend mit Proviant füllen
Der Soonwaldsteig steht für das Wandern im Einklang mit der Natur.
Doch die wunderschöne Lage bringt durchaus ihre Tücken mit sich, denn auf mehr als 40 km Wegstrecke berührt der Steig keine Siedlung.
Trinkwasser muss somit in ausreichender Mengen mitgenommen oder aber aus Flüssen gefiltert werden.
Da die Anzahl an Flüssen begrenzt ist, bleibt das Thema "Wasser" wohl die größte Herausforderung.
Ein Filter und Wasseraufbereitungstabletten sollten definitiv nicht fehlen!

Die letzte sichere Möglichkeit, an Trinkwasser zu kommen, ist derzeit das Hotel Forellenhof (Reinhardtsmühle) bei Rudolfshaus (ca. bei km 13,5).
Etwa bei km 15,3 gibt es dann noch die dem Besucherbergwerk Herrenberg angegliederte "Bergmannsschänke".
Auch hier besteht die Möglichkeit, Getränke zu kaufen bzw. Flaschen zu füllen (Öffnungszeiten beachten).
Dann folgt die 45 km lange "Durststrecke" bis zur Rheinböller Hütte.


Tag 1/3 - Freitag, 21. Juli 2017:

Auf nach Kirn an der Nahe - die Stadt der Fürsten, der Steine, des Leders und der Bierbraukunst.
Vom Bahnhof sind es nur 200 Meter zur Bäckerei Fickinger in der Gerbergasse, wo wir uns den noch fehlenden Proviant besorgen.
Das Bauernbrot, weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt und beliebt, muss unbedingt in den Rucksack.
Noch 100 Meter durch die Lindenstraße und wir stehen am historischen Marktplatz Kirn, dem offiziellen Startpunkt des Soonwaldsteigs.
Hier im Eiscafé Venezia gibt es eine weitere Besonderheit zu erleben. Die eiskalte Leidenschaft ist am Kirner Marktplatz eine Familientradition. Inhaber Gianni Toldo überzeugte beim Gelato-Festival in Berlin mit seiner neuen Sorte "Aphrodite" die Jury und kreierte damit Deutschlands bestes Eis 2016.
Genau diese Sorte – mit griechischem Joghurt, gerösteten Nüssen und Cranberries – könnte uns den Auftakt unserer Wanderung versüßen… "könnte", denn leider ist noch nicht geöffnet und so ziehen wir unseres Weges.


Teufelsfels
Kaum haben wir die Innenstadt verlassen, wartet Kallenfels, das kleine Örtchen mit drei Burgruinen, auf uns. Weiter geht es zu Schloss Wartenstein. Hier hat man einen schönen Blick ins Hahnenbachtal, eines der Durchbruchstäler des Soonwaldes.
Wir wandern durch das verträumte Hahnenbachtal an Rudolfshaus vorbei Richtung Reinhardtsmühle. Es folgt ein Anstieg und die Strecke führt uns durch einen Felsentunnel, vorbei an zwei Aussichtspunkten, weiter aufwärts zur Schinderhannestränke. Hier beginnt Etappe 2.
Gleich neben der Schiefergrube Herrenberg, wo wir uns zwei kühle Weizenbier gönnen, findet sich die Altburg. Auf den Resten einer Burganlage wurde ein Dorf rekonstruiert, das einen Eindruck von den Siedlungen der Kelten vermittelt.
Die Altburg ist zeitweise bewohnt von Menschen, die den keltischen Alltag nachempfinden möchten.
Hinter der Keltensiedlung geht der Steig ins Tal und quert den Hahnenbach nahe der Schmidtburg. Vom Hahnenbachtal führt der Weg auf den rauen Rücken des Lützelsoons. Die nächste Station ist der Teufelsfels mit seinem Aussichtsturm "Langer Heinrich", der einen Panoramablick auf die Hunsrückhöhe, den Hochwald, den Großen Soon und auf den Donnersberg bietet.
Ab hier geht es teilweise über Quarzitblockhalden weiter über die Womrather Höhe zum sogenannten Blickenstein.

Etappe 2 endet nach dem Abstieg nördlich um den Langenstein herum an der B 421 (Gemünden-Simmertal) an einer Fußgängerbrücke.
Einen Teil der 3. Etappe müssen wir noch in Angriff nehmen.
Es folgt die größte Herausforderung der Strecke: Ein Steilhang mit Quarzitsteinblöcken, der am oberen Rand des Steinbruchs Henau endet.
Unsere Trekkingstöcke erweisen sich hier sehr hilfreich, denn so muss der schwere Rucksack nicht ständig mit dem Oberkörper ausbalanciert werden. Vorsichtig setzen wir einen Fuß vor den anderen.
Wir haben schon 28 Kilometer in den Beinen und so mancher Fluch kommt über unsere Lippen.
Nach Umgehung des Steinbruchs führt der Weg zur sagenumwobenen Burgruine Koppenstein. Vor dem Turm ruht der berühmte "Wackelstein", ein großer Quarzitbrocken, der auf der schiefen Ebene seiner schmalen Unterlage zu schweben scheint.
Die Reste der Burganlage Koppenstein werden von den Soonwäldern als das Symbol ihrer Landschaft verehrt:
"Des Hunsrücks Wahrzeichen sollst du sein, du grauer trutziger Koppenstein."
(Röhrig, Liederbuch)

Solche Momente entschädigen für die Strapazen
Die Aussicht vom gut erhaltenen Turm sollte man sich nicht entgehen lassen. Nachdem wir das Asbachtal hinter uns gelassen haben, freuen wir uns auf die Einsamkeit des großen Soons.
Für heute ist aber Schluss. Unser Nachtlager, das Trekkingcamp Alteburg, suchen wir in der Dunkelheit mit Taschenlampen.
Die letzten Meter sind begleitet von Stimmen und Hundegebell. Auf dem ehemaligen Köhlerplatz erwarten uns Wildnis und Abgeschiedenheit.
Wir schauen uns um… keine Empfangsdame, keine Rezeption, kein Page. Kein Imbiss und kein Kiosk.
Es gibt ein paar Bänke und eine Feuerstelle. Etwas abseits, versteckt, eine Kompost-Toilette.
Alles beschränkt sich auf das Wesentliche.
 

Außer uns sind noch fünf Wanderer und drei Hunde hier.
Wir stellen uns kurz vor und bauen unsere Zelte auf. Nicht weit entfernt bewacht der Alteburgturm dieses ruhige Plätzchen.
Jetzt, wo ich zur Ruhe komme, machen sich die Strapazen des Tages bemerkbar. 38 Kilometer sind nicht das Problem, aber es waren ruppige Kilometer mit vielen Auf- und Abstiegen, mehr als 1.600 Höhenmeter; dazu 22 kg Gepäck auf dem Rücken.
Umso wichtiger ist es, dass der Rucksack richtig sitzt, damit das Gewicht auf der Hüfte und nicht auf den Schultern lastet.


Life sucks a lot less when you add mountain air,
a campfire and some peace and quiet
.
Wir setzen uns ans Lagerfeuer. Es gibt Würstchen mit Bauernbrot.
Im Camp steht eine alte Munitionskiste, in der vom zuständigen Revierförster ein Depot mit Mineralwasser angelegt wurde. Die 1,5-Liter-Flasche kostet 1 Euro, zu zahlen in eine "Vertrauenskasse". Eine gute Sache, so müssen wir unseren Wasservorrat nicht bis zur Grenze ausreizen.
Verlassen sollte man sich auf diesen Service allerdings nicht.


Bald schon zieht ein Gewitter auf – also ab ins Zelt.
Alle wichtigen Gegenstände, wie Taschenlampe, Schlüssel, Messer, Kamera und Portemonnaie nehme ich mit in den Schlafsack. So habe ich sie im Notfall schnell griffbereit und sie können nicht unbemerkt gestohlen werden.

Das Gewitter zieht vorbei. Wir bekommen nur Regen ab, der auf unsere Zelte klopft. 

Rückzug an einem Ort, wo ich für mich bin. Unerreichbar für alle und alles... es kann und soll mir jetzt egal sein. Ich bin nur für mich - und bei mir!

Tag 2/3 - Samstag, 22. Juli 2017:
Es ist kühl und angenehm still. Nebel hängt in den Bäumen.
Die Wolken brechen auf und geben die ersten Sonnenstrahlen frei während wir unsere Kaffee trinken.

Die direkte Berührung mit der Natur, diese Unmittelbarkeit zum Elementaren, zum Ursprünglichen, ist ein besonderes Erlebnis und genau für dieses Erlebnis, diese Eindrücke und Augenblicke haben wir uns auf den Weg gemacht. 


Auf dem Alteburggipfel steht seit 1893 der 20 Meter hohe Alteburgturm, der auf den Ruinen alter Ringwälle erbaut wurde.
Von der überdachten Aussichtsplattform des Turmes im Zentrum des Soonwaldes hat man einen Ausblick auf die Hunsrückhöhen mit Erbeskopf, Idarwald, Flughafen Hahn und Fleckertshöhe sowie Teile Rheinhessens, das Naheland (Gauchswald, Schanzenkopf, Lemberg) und das Nordpfälzer Bergland (Donnersberg, Bornberg). Bei guten Verhältnissen sind auch Teile der Eifel zu erkennen.
Durch alte Buchenbestände geht es weiter. Nach der Runden Tanne erreichen wir das Etappenziel, den Wanderparkplatz Ellerspring an der L 108.

Die 4. Etappe bringt uns zur Ellerspring, der mit 657,5 m ü. NHN höchsten Erhebung des Soonwaldes. Etwa 40 Meter nordöstlich des Gipfels steht der Fernmeldeturm Ellerspring, der sich als weithin sichtbare Landmarke 107 Meter hoch in den Himmel streckt.
Durch das Gräfenbachtal wandern wir zu den Glashütter Wiesen. Danach geht es durch das Naturschutzgebiet Schwappelbruch und – nach Querung der L 242 - zum 643 Meter hohen Schanzerkopf, einem weiteren markanten Soonwaldgipfel.
Anschließend überqueren wir die L 239 und gehen über den Kamm, vorbei am Katzenkopf und Fliegerdenkmal (wo am 21 März 1944 vier junge Männer starben), bis zum Hochsteinchen.
Etwas abseits des Weges kann ein Aussichtsturm bestiegen werden.
Von hier geht es steil bergab zur Rheinböller Hütte, dem Ende der Etappe, wo man sich auch gleich wieder in der Zivilisation angekommen fühlt.
In unmittelbarer Nähe, am Autohof Rheinböllen, besteht die Möglichkeit, Proviant zu kaufen. 

 
Etappe 5 führt uns zu Beginn unter der A 61 hindurch zum Binger Wald. Hier erwarten uns schöne Ausblicke ins Rheintal und einige alte Forsthäuser mit guter Gastronomie… aber der Reihe nach.
Nach einem Anstieg ist die nächste Station auf dem Weg die Emmerichshütte, ein ehemaliges Forsthaus. Von dort geht es auf die Höhe des Kandrich mit seinem Windpark und weiter zum Ohligsberg.
Hier kann man schon einen Blick auf den Rhein werfen.
Am Eselstein vorbei kommt man zum Ziel des zweiten Tages, die Lauschhütte, ebenfalls ein ehemaliges Forsthaus mit guter Küche und verschiedenen Freizeitangeboten.
Früher war die Lauschhütte Unterkunft und Aufenthaltsort für Waldarbeiter. Immer wieder wurde sie seitdem aus- und umgebaut – als Forsthaus und Waldgaststätte.
Auf der großen Wiese, die damals den Waldarbeitern als Rückeplatz für das gefällte Holz diente, schlagen wir unsere Zelte auf.

Duschen kann man hier zwar nicht ("Geduscht wird zu Hause", lautet der Kommentar auf der Website), dafür gibt es eine gute Gastronomie
Bei Forsthausschnitzel mit Kroketten, Salat und Kirner Pils genießen wir die Abendstunden auf der Terrasse.
Es gibt sogar noch Flaschenbier zu kaufen und damit setzen wir uns an die Feuerstelle vor der großen Jurte.
Christoph macht Feuer. Er weiß sich zu helfen und sucht Birken, denn sie enthalten ätherische Öle. Die Rinde der Birke brennt deshalb ganz gut, selbst wenn sie feucht ist.
Kaum ist unser Bier leer, beginnt es zu regnen. Christoph macht den Anfang und schleicht zum Zelt.

Schon der Schinderhannes und seine Bande wussten sie zu schätzen, die Ruhe im wilden, weiten Soonwald. In den abgeschiedenen Wäldern, wo nur die Natur die Geräuschkulisse bildet, kann man zu sich selbst finden und Kraft für den Alltag tanken.

Tag 3/3
- Sonntag, 23. Juli 2017:
08:30 Uhr: Es erwartet uns ein gutes Frühstück in der Lauschhütte.
Dann Sachen packen, Wasserflaschen füllen und weiter geht es.
Die ersten fünf Etappen waren relativ anspruchsvoll. Die Schlussetappe mit gerade mal 18 km dagegen lädt dazu ein, den Soonwaldsteig gemütlich ausklingen zu lassen.



Die erste Attraktion des neuen Tages ist der Aussichtsturm auf dem Salzkopf. Danach geht es abwärts in das Quellgebiet des Morgenbachs und weiter zum Jägerhaus. In der Nähe befindet sich die "Steckeschlääferklamm", wo ein Künstler Gesichter und Fratzen in Baumstämme geschnitzt hat.


Die 6. und letzte Etappe
Hinter dem Jägerhaus kommen wir zum landschaftlichen Höhepunkt, dem tief eingeschnittenen Morgenbachtal mit seinen steil abfallenden Felspartien.
Es steht unter Naturschutz und gilt als eines der schönsten Seitentäler des Rheins. Wir sind im UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal, das sich von Bingen/Rüdesheim bis Koblenz auf einer Länge von 67 km erstreckt.
Im Mittelalter war das Obere Mittelrheintal Kernland des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Zahlreiche historische Städte und Burgen gibt es zu erleben, die wie an einer Perlenkette aufgereiht, am Flussufer liegen.
Eine davon, Burg Reichenstein, sehen wir nach einer kleinen Kletterpassage auf dem steilen Eselspfad von oben.
Auf den Rheinhöhen geht es weiter über die Burg Rheinstein zum Schweizerhaus.
Durch das enge Poßbachtal wandern wir vorbei am Damianskopf zum Forsthaus Heiligkreuz. Wer möchte, kann einen Abstecher in die Kreuzbachklamm machen.
Wir folgen stattdessen dem Steig in Richtung Bingen über den Höhenzug zum Prinzenkopf.


Burg Rheinstein

Bald schon erreichen wir die Binger Jugendherberge, von der aus wir den Hauptbahnhof sehen können, an dem kurz darauf der Soonwaldsteig endgültig hinter uns liegt.

Fazit: "Manchmal liegt das Glück vor der Haustür"
Viel grün, wenig Menschen, kein Lärm.
Man wandert auf schmalen Pfaden durch einsame Wälder, zu verborgenen Orten und verwunschenen Plätzen.
Immer wieder setzt man seine Füße auf Hunsrückschiefer und Quarzitgestein des Devons. Die Gesteine sind rund 400 Millionen Jahre alt – eine unverstellbare Zahl.
Burgen und Schlösser erzählen von Kelten, Römern und dem Mittelalter.


Auf dem Soonwaldsteig erlebten wir eine ursprüngliche Wildnis, wie man sie heute nur noch selten findet.
Steile Auf- und Abstiege aber auch ruhige Passagen und schöne Fernsichten charakterisieren den Streckenverlauf. Der ideale Weg, um die Stille der Natur zu genießen.
Immerhin gehört der Soonwald zu den größten zusammenhängenden Wäldern Deutschlands.


Die Einschränkungen durch Unwetterschäden auf der letzten Etappe haben wir gerne in Kauf genommen.
Auf solch einem Weg, der praktisch über die gesamte Distanz durch die Natur führt, muss man eben auch mit Tücken und Gefahren rechnen.

Danke an Christoph, der sich mit mir zusammen auf dieses Abenteuer eingelassen hat
.

Eine Wanderung ist immer ein kleines Abenteuer.
Man wird vorab nicht erfahren, was einen unterwegs alles erwartet.
Wahrscheinlich wird gerade das Unerwartete eintreten.


Weitere Informationen und GPS-Dateien unter:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tttqevbqfnwdiaiy

Das komplette Fotoalbum gibt es bei flickr:
https://www.flickr.com/photos/136658873@N05/albums/72157684095070153


Auch im Sonnwald gelten die Trekkingregeln.  

Dienstag, 11. Juli 2017

Heimat

Heimat – das ist so vieles, und für jeden anders.
Meist steht Heimat für einen Ort, aus dem du kommst, wo du dich zuhause fühlst.
Die Stadt, die Straße, das Haus.
Ein Ort, den du erinnerst mit allen Sinnen, der Blick ins Tal von der alten Bank aus, das Geräusch der Schritt auf dem Kiesweg, das Gefühl der rauen, kalten Türklinke in der Hand, der Geruch beim Heimkommen, die bekannten Stimmen.
Heimat, ein Ort, an dem du dich wohlfühlst, zu dem du gerne zurückkehrst.
Heimat so verstanden ist etwas, aus dem du vertrieben werden kannst, das zerstört werden kann.
Diese Heimat kannst du verlieren.
Aber Heimat ist viel mehr.
Nicht nur Geografie. Heimat wird lebendig, wo die nächsten Menschen sind.
Die, die du liebst, die du auf Reisen vermisst, auf die du dich freust, wenn du heimkehrst.
Heimat ist dort, wo nicht alles hinterfragt wird, wo die eigenen Rituale und Gewohnheiten den Rhythmus bestimmen, wo du frei leben, lieben und glauben kannst.
Heimat heißt vertraut sein und aufgehoben.
In der Liebe von Menschen und in der Geborgenheit alter Zusagen.
Erkannt werden und gerufen sein.
Heimat ist etwas, das vielleicht erst wächst und das du dir schaffen kannst, gemeinsam mit anderen.
Diese Art Heimat kannst du mit dir führen, wie das Vertrauen darauf, begleitet zu sein.
Vielleicht so auch Josef, der sich aufmacht, die Vertraute mitnimmt, der aufbricht und Heimat neu schafft.

(Text: Sabine Schaefer-Kehnert)

Es gibt einen Song, der damit in Verbindung steht und dessen Zeilen ich immer wieder gerne höre.
Die Band Silbermond ist mittlerweile von Bautzen nach Berlin umgesiedelt. Dennoch sind sie oft in der Heimat.
Der Song "B 96" ist sehr emotional, denn er beschreibt das Gefühl, nach Hause zu kommen.
Die Bundesstraße 96 verbindet die Hauptstadt mit Bautzen. Jedes Mal, wenn Stefanie von Berlin auf der B 96 in Richtung Bautzen fährt, überkomme sie eine besondere Melancholie.

Im Hinterwald
Wo mein Zuhause ist
Schön, wieder hier zu sein


Immer, wenn ich dieses Lied höre, muss ich an meine Heimat denken.
An alte Begegnungen und Geschichten.
An längst Vergangenes und auch an das, was mich heute noch bewegt.

Versteckt unter Heu
Liegen Sachen von dir
Aber auch 'ne drei viertel Kindheit - verbeult und ramponiert


Wenn ich mit dem Auto in meiner Heimat unterwegs bin, sauge ich die Landschaft förmlich auf, kenne jede Kurve bis ich in meine Straße komme.
Und dann wird mir klar, wo meine Wurzeln sind.
Wo ich zuhause war und wo ich jetzt zuhause bin.
Dazu gehören für mich Menschen, Landschaften, Gebäude, aber auch Düfte und Gefühle.

Und die Welt steht still hier im Hinterwald
Und das Herz schlägt ruhig und alt


Heimat ist für mich mehr als nur ein Ort auf der Landkarte.
Wir im Hunsrück drücken das Gefühl von Heimat und Geborgenheit mit dem Wort "Geheischnis" aus.