Sonntag, 14. Februar 2016

Musik, die bewegt - Teil 8

Black Is The Colour (Of My True Love's Hair) - ein puristisches Liebeslied, das durch seine Kompromisslosigkeit berührt und mit einer ungewöhnlichen Melodie im Gedächtnis haften bleibt.
Bekannt gemacht hat es Christy Moore. Daraus zu schließen, es sei irischen Ursprungs, würde aber in die Irre führen. Es ist ein traditionelles Volkslied, das als erstes in der Appalachen-Region der Vereinigten Staaten im Jahre 1915 bekannt wurde, aber höchstwahrscheinlich aus Schottland stammt, was der Verweis auf den schottischen Fluss "Clyde" im Text des Liedes belegen könnte.
Zudem berichtet Christy Moore, er habe Black Is The Colour zu Beginn seiner Sängerlaufbahn in Schottland gelernt.

Viele verschiedene Versionen gibt es von diesem Song, einige auf Frauen gerichtet, andere auf Männer, wie auch einige andere Unterschiede:

...like some rosy fair... or ...like a rose so fair... or ... something wondrous fair
    ...the prettiest face and the neatest hands... or ...the sweetest face and the gentlest hands... or ...the clearest eyes and the strongest hands (addressed to a male)
    ...still I hope the time will come... or ...some times I wish the day will come... or ... I shall count my life as well begun, when he and I shall be as one.
    ...you and I shall be as one... or ...s/he and I can be as one...

Diese Wörter beziehen sich auf zwei verschiedene Melodien, eine traditionell, die andere von Kentucky Folk-Sänger und Komponist John Jacob Niles aus dem Jahr 1941.

Die erste Aufnahme stammt von Lizzie Roberts im Jahr 1916.
Seitdem wurde das Lied von unzähligen Künstlern verschiedener Stilrichtungen gecovert bzw. interpretiert.

Im Filmdrama Brokeback Mountain aus dem Jahr 2005 ist eine sehr gut gemachte Fassung mit Jaffa und Nina Simone zu hören. Dieser bewegende Film erzählt bekanntlich von der homosexuellen Liebesbeziehung zweier Cowboys, was dem Lied noch eine weitere Perspektive gibt.


Bei Black Is The Colour handelt es sich ohne Zweifel um eines der schönsten Liebeslieder, die es im Celtic Folk gibt.
Doch das Ende bleibt offen. Wer da schreibt, ist über beide Ohren verliebt. Der/die Angebetete ist der schönste, tollste Mensch der Welt. Aber warum können die beiden nicht zusammenkommen, obwohl es zumindest auf einer Seite treue, wahre Liebe ist?
Oft genug ging und geht es nicht nur um Gefühle, sondern die Partner wurden und werden von der Familie nach materiellen Gesichtspunkten ausgesucht.

Am 23. Oktober 2015, bei der Blind Audition von "The Voice Of Germany 2015", interpretiert Oscar Ivo Ackermann den Song "Heimat" von Johannes Oerding und spielt dabei auf einer selbstgebauten Gitarre seines Vaters.
Um ihn davon zu überzeugen, in sein Team zu kommen, lässt sich Rea Garvey die Gelegenheit nicht entgehen. Der Ire leiht sich kurzerhand das gute Stück des Gitarrenbaumeisters… plötzlich wird es still im Publikum. Rea schließt die Augen und singt innig, mit rauer Stimme, einen Teil des traditionellen Liebesliedes aus seiner Heimat. Bei einigen Zuschauern fließen die ersten Tränchen – eine tolle Performance.

Wer mehr sehen und hören möchte, sollte sich das Video des Auftrittes von Wallis Bird und Rea Garvey beim SWR3 New Pop Festival 2006 ansehen, als die beiden "Black Is The Colour" zum Besten geben.


Songtext (Christy Moore)

Black is the colour of my true love's hair
Her lips are like some roses fair
She has the sweetest smile and the gentlest hands.
I love the ground whereon she stands.

I love my love and well she knows
I love the ground whereon she goes.
I wish the day it soon would come
When she and I could be as one

Refrain:
Black is the colour of my true love's hair
Her lips are like some roses fair
She has the sweetest smile and the gentlest hands.
I love the ground whereon she stands.

I go to the Clyde
And I mourn and weep
For satisfied I never can be
I'll write her a letter,
just a few short lines
And suffer death ten thousand times.

Refrain:
Black is the colour of my true love's hair
Her lips are like some roses fair
She has the sweetest smile and the gentlest hands.
I love the ground whereon she stands.




Eine alte Fassung verlängert die 2. Strophe: 
I know my love and well she knows
I love the grass whereon she goes
If she on earth no more I see
My life will quickly fade away


A winter’s past and the leaves are green
The time has past that we have seen
But still I hope the time will come
When you and I will be as one

Drei Strophen sind zu lang? Dann hier eine amerikanische Kurzfassung:
Black, black, black is the color of my true love’s hair
Alone, my life would be so bare.
I would sigh, I would weep,
I would never fall asleep
My love is ‘way beyond compare
She with the wondrous hair.
Black, black, black is the color of my true love’s hair.