Mittwoch, 22. Juli 2015

Bärenbachpfad und idyllische Hunsrückdörfer

Dienstag, 21. Juli 2015:
Früh bin ich wach an meinem zweiten Urlaubstag. Nachdem ich am 12. Juli während der geführten Wanderung einen ersten Eindruck der Traumschleife Bärenbachpfad bekam, möchte ich sie heute erneut wandern. Nicht mit einer Herde Menschen, nein, ganz alleine.
Zu Hause schnell eine Tasse Kaffee und zwei Scheiben Brot - die erste mit Leberwurst, die zweite mit Käse - das wird für 15 km reichen. Flüssigkeit ist wichtiger und so fülle ich meine Flasche mit der bewährten Mischung aus rotem Traubensaft, stillem Mineralwasser und einer Brise Salz.
"Bärenbachpfad - Klappe, die Zweite!" würde es auf einem Filmset lauten.
Beim Bärenbach

Um 08:15 Uhr starte ich am Parkplatz beim Stadtweiher Baumholder und folge dem Weg auf kleinen Pfaden durch den Wald bis zum Ungeheuerstein. Der trägt seinen Namen nicht etwa, weil sich hier ein Ungeheuer herumtreibt, vielmehr soll er an den Förster namens Ungeheuer erinnern.
Durch den Stadtwald und später über den "Weg der Stille" gelange ich an das Waldhaus.
Unterhalb des Waldhauses kann man den ersten schönen Blick in die Pfalz genießen. Der Weg führt mich über abwechslungsreiche Pfade zur "Pforte der wilden Frau".
Solche Portale sind immer wieder am Wegesrand zu finden. Sie charakterisieren diese Traumschleife und zeigen dem Wanderer den richtigen Weg.
Am Bärenbach erwarten mich Ruhe und Natur pur. Ich bleibe stehen und halte inne. Viele Minuten bleibe ich hier, denke nach, reflektiere.
Mein Blick fällt zurück. Er fällt zurück auf den Weg, der hinter mir liegt - bei dieser Wanderung und im Leben gleichermaßen.
Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen nur rückwärts.
Häufig versuchen Menschen, ihr Leben verkehrt zu leben. Sie bemühen sich darum, mehr Dinge oder mehr Geld zu bekommen, um mehr das tun zu können, was sie wollen, und glücklicher zu sein.
Doch das funktioniert in Wirklichkeit anders herum.
Zunächst muss man der sein, der man ist, und dann das tun, was man will, um zu bekommen, was man sich wünscht.
Ich folge dem schmalen Pfad, der parallel zum Hang verläuft… begleitet nur vom Plätschern des Baches, dem Rauschen der Bäume und dem Zwitschern der Vögel.
Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen - manchmal sind es die kleinen Schritte im Leben, die einen nachdenklich machen und aufmerksamer werden lassen.
Beim Wildfrauenloch
Kurz darauf stehe ich unterhalb des Wildfrauenloches.
Ein paar Schritte den steilen Hang hinauf und man ist oben. Einige Meter, angeblich fünf bis sechs, führt der schmale Tunnel in den Berg hinein. Gut möglich, dass hier früher Bergleute nach Rohstoffen suchten, nicht fündig wurden und aufgaben.
An einem abgestorbenen Baumstamm ist eine Kette befestigt, die im Fels verankert ist. Etwas oberhalb des Stammes befindet sich ein verwittertes Seil. Schnell weg hier, denn auf eine Begegnung mit der wilden Frau, die wohl ein Faible für Bondage hat, bin ich nicht unbedingt scharf.
Die Strecke schlängelt sich auf neu angelegten Pfaden weiter am Bärenbach entlang bis zur Auersbach.
Ein schöner Trail entlang des Bärenbachs, der mit dem Mountainbike sicher viel Spaß macht, denke ich.
Der anstrengendste Teil der Wanderung ist der Aufstieg zum Rothenberg.
Auch hier bleibe ich kurz stehen, denn wer ununterbrochen vorwärts marschiert, steht die Hälfte seines Lebens auf einem Bein.
Nachdem ich mich um 180 Grad gedreht habe, schaue ich erneut zurück.
Erstaunlich, wie anders sich doch die Landschaft zeigt, wenn man sie aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Deshalb hat es auch seinen Reiz, bekannte Wege einfach mal in entgegengesetzter Richtung zu gehen. Man wird nicht selten überrascht sein, welch neue Perspektiven sich einem öffnen. Vor einem die Zukunft, dahinter die Vergangenheit und mittendrin, direkt unter den Füßen, das Hier und Jetzt.
Der Weg, der hinter mir liegt, verlief manchmal steil bergauf, dann wieder abwärts, unterbrochen von vielen flachen Passagen. Mal ist er gut zu gehen, mal erfordern Wurzeln und Steine Aufmerksamkeit - Bäume liegen quer. Wer nicht auf den Weg achtet, wird stolpern, straucheln und sogar fallen - wie im wahren Leben. Aber auch das gehört dazu… man steht auf, klopft sich den Staub von der Kleidung und geht weiter. Manchmal bleiben Flecken auf der Kleidung oder kleine Wunden am Körper zurück. Blickt man dann zurück und lernt aus seinen Fehlern, kommt man im Leben immer einen kleinen Schritt nach vorne. Vieles lernt man im Leben gerne, weil man es möchte und Freude daran hat. Manches aber lernt man, weil man es lernen MUSS, weil das Schicksal es so möchte. Das sind dann meist die leidvollen Lektionen. Absurd ist, dass man mit jedem Lebensjahr klüger wird, man aber immer weniger Zeit hat, das Gelernte anzuwenden, um das Leben für sich und sein Umfeld besser zu machen.
Ich setze die Wanderung fort. Oben angekommen schweift mein Blick nach rechts Richtung Truppenübungsplatz, als ich einen Düsenjet höre.
Kurz darauf erscheint er in meinem Blickfeld. So gut es geht, versuche ich ein Foto von ihm zu ergattern, während der Pilot sein Fluggerät fünf Runden über das Gelände jagt.
Allee der verschwundenen Heimat
Ob es sich um einen Eurofighter oder Tornado, die derzeit im Einsatz befindlichen Kampfflugzeuge der Luftwaffe, oder das Kampfflugzeug eines anderen NATO-Staates, die ebenfalls den Truppenübungsplatz zu Trainingszwecken nutzen, handelt, kann ich nicht sagen.
Mein Freund Frank hätte es sicher mit verbundenen Augen, nur anhand des Triebwerkgeräusches, erkannt.
Na ja, egal. Jedenfalls beeindruckend, wie scheinbar mühelos solch ein Koloss durch die Lüfte schwebt.
Begleitet wird man auf der folgenden Passage von der Allee der verschwundenen Heimat. Sie zeigt die Dörfer, die in den 1930er Jahren dem Truppenübungsplatz weichen mussten.
An der Hubertusruh werde ich durch eine einzigartige Aussicht über den Truppenübungsplatz für den Aufstieg entschädigt. Hier bietet sich auch wieder ein kleiner Einblick auf das Übungsgelände.
Aussicht bei der Hubertusruh
Leider sehe ich auch die Hinterlassenschaften eines sinnlosen Treibens. Der schöne Holztisch ist mit Lackstiften verkritzelt, überall Müll… Papier und eine geschmolzene Plastikflasche. Wut steigt in mir auf und ich opfere ein paar Minuten meiner Zeit, um den Platz vom Müll zu befreien. Der Wind spielt mit mir und weht die Blätter umher. Zum Glück beobachtet mich niemand dabei, wie ich jedes Blatt mit dem Fuß am Boden fixiere, um es besser greifen zu können. Man könnte mich für einen betrunkenen Tangotänzer halten.
Während ich die Blätter und Flasche zum Mülleimer bei der Ruhebank bringe, frage ich mich, wer sich so rücksichtslos verhält. Diese Halbstarken müsste man einen Monat lang in einen Steinbruch schicken. Zwölf Stunden täglich Steine klopfen… mit einem kleinen Hämmerchen, bis sie auf andere Gedanken kommen.
Bei der nun folgenden Passage handelt es sich wieder um einen schmalen Pfad, der sich zwischen Bäumen hindurch schlängelt. Auch hier würde sich der Mountainbiker in mir freuen, den Trail mit dem Rad zu erleben.
Schöner Trail für Mountainbiker

Auf dem Truppenübungsplatz scheint Schießbetrieb zu sein, denn immer mal wieder ist das Geräusch eines oder mehrerer Maschinengewehre zu hören. Der "Weg der Dachse" führt mich zu einem Barfußpfad.
Jetzt geht es über Wiesen und Felder direkt zum nächsten Höhepunkt - einem wunderschönen Blick in den Hunsrück mit dem 816 m hohen Erbeskopf. Von dort sind es nur noch wenige 100 m bis ich den Aussichtspunkt über die Stadt Baumholder wieder erreicht habe und über Wiesen und Felder zum Stadtweiher gelange. Drei Stunden und knapp 15 Minuten habe ich für den Bärenbachpfad gebraucht und mein Vorrat an Flüssigkeit reichte gerade so.
Außer einem Mann mit Hund ganz zu Beginn der Wanderung ist mir auf meinem Weg sonst niemand begegnet.
An einigen Stellen wurde die Streckenführung geändert. Die im Internet zur Verfügung gestellten gps-Dateien sind nicht mehr aktuell. Scheinbar wurde wegen einer Neu- bzw. Nachzertifizierung der Weg an einigen Stellen geändert, denn u.a. wurde auch ein Spielplatz neu angelegt.
Zum perfekten Zeitpunkt schickt mir mein Freund eine Nachricht und wir verabreden uns im Idarer Brauhaus zum Essen, denn langsam meldet mir mein Körper, dass die beiden Scheiben Brot nicht für den Rest des Tages reichen werden. 13:00 Uhr ist Treffpunkt, also nach Hause fahren und duschen.
Hauptmahlzeit des Tages - Flammkäse
Pünktlich suche ich uns einen schattigen Platz. Am Nebentisch genießen zwei nette Damen das Tagesmenü - Spaghetti all’arrabbiata. Ich grüße, wünsche guten Appetit und bestelle mir ein Radler, während ich warte.

Beim Essen fällt meine Wahl auf Flammkäse-Steaks vom Bornwiesenhof an Fettucininudeln mit Pesto und Pfannengemüse, denn auf Fleisch habe ich heute keine Lust.
Nach ein paar Radlern, gutem Essen und netten Gesprächen trennen sich unsere Wege.
Zu Hause heißt es für mich nun packen, Rennrad ins Auto laden und nach Weierbach fahren, wo wir uns mit acht Personen zu einer Tour durch idyllische Hunsrückdörfer treffen. Beim Start um 18 Uhr ist es noch immer sehr warm. Über den Nahe-Radweg geht es nach Kirn und von dort aus weiter nach Hahnenbach und Rudolfshaus. Der Anstieg nach Sulzbach ist bei dieser Witterung sehr anstrengend, zumal der Körper nicht vom Fahrtwind gekühlt wird. Oben ist meine erste Flasche schon so gut wie leer. Kurze Pause und weiter nach Hottenbach. Über die Höhe bei Hellertshausen gelangen wir nach Asbach. Jetzt folgt die schöne Abfahrt bis zur Weidener Brücke und Herrstein ist unser nächstes Ziel. Vorbei an Niederwörresbach folgen wir der Landstraße und radeln durch Fischbach. Überall sitzen Menschen gemütlich vor oder neben dem Haus, was bei diesen Temperaturen nicht wundert. Mir ist es auf dem Rad bei netter Gesellschaft aber doch lieber. Bis zum Parkplatz am Bahnhaltepunkt Weierbach sind es jetzt nur noch ein paar Meter.
Tomatenbrot mit Ei geht immer
Am Ende sind es 46 km und ca. 600 Höhenmeter… bei dieser Wärme völlig ausreichend.

Zu Hause klingt der Abend auf der Terrasse des Nachbarn gemütlich aus. Ein Tomatenbrot sowie ein gekochtes Ei genügen mir als Essen, dazu ein paar Bier - perfekt.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hkxrfppvybnqjvad
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=imnojbumtkvpjkoe


Update am 27.07.:
Das Kampfflugzeug war dann doch ein Tornado.
Zitat Frank: "
Klar, eindeutig Tornado - er hat zwei Zusatztanks drunter und auf Bild 9386 sieht man sogar noch weitere 2 Pylone an den äußeren Unterflügelstationen und eine Startschiene am linken Tankpylon  - entweder leer oder mit Raketen - kann man nicht sagen."