Samstag, 22. Oktober 2016

Nie vermissen?

Samstag, 22. Oktober 2016:
Nie vermissen?

Heute war ich am Grab meiner Großeltern. Auf dem Weg zum Parkplatz ging ich einen kleinen Umweg.
Auf einem Grab lag ein Kranz. Die Blumen waren noch in einigermaßen gutem Zustand.
Auf einer Hälfte der Schleife, die den Kranz zierte, stand mit goldenen Buchstaben: „Wir werden dich nie vermissen!“
Auf der anderen Seite waren etliche Vornamen zu lesen – wahrscheinlich Mitglieder einer Gruppe oder Mannschaft, zu der der Verstorbene gehörte.


Ich blickte verwundert auf den ungewöhnlichen Text und las ihn drei Mal: „Wir werden dich nie vermissen!“
Hatte sich jemand einen Scherz erlaubt? Wenn, wäre es allerdings sehr makaber.
Oder war es ein Fehler der Druckerei und der eigentliche Text sollte lauten: „Wir werden dich nie vergessen“? Oder: „Wir werden dich immer vermissen“?
Oder aber der Text war genau so gemeint, und nur die Auftraggeber wissen, wie er weitergehen musste: „Wir werden dich nie vermissen – denn du wirst immer bei uns sein: In unseren Herzen, in unseren Erinnerungen, bei unseren Treffen, bei unseren Veranstaltungen!“  


Meine Fragen begleiteten mich auf dem Heimweg.
Wollte sich die Gruppe mit dieser fragwürdigen Formulierung über den Verlust hinwegtrösten, den der Tod dieses Menschen für sie bedeutet? Indem sie behauptet: Es ist gar kein Verlust, weil er ja nicht weg ist? Jedenfalls nicht für uns.

Unsere Trauer um einen Menschen sucht sich manchmal eigenartige Wege.
Die Liebe mag stärker sein als der Tod, aber sie kann nicht so tun, als ob es ihn nicht gäbe.
Ich denke, die Anerkennung, dass jemand nicht mehr da ist und spürbar vermisst wird, gehört zur Liebe dazu, die über den Tod hinaus Bestand haben möchte.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Die Entdeckung Amerikas

Mittwoch, 12. Oktober 2016:
Die Entdeckung Amerikas... und was ich daraus lerne


Am 03. August 1492 stach ein Mann mit seinen drei Schiffen Santa María, Niña und Pinta sowie 90 Mann Besatzung von der spanischen Hafenstadt Palos de la Frontera in Andalusien Richtung Kanarische Inseln in See, um einen kurzen See- und Handelsweg nach Indien zu finden.

Sein Name: Christoph Kolumbus.

Ich bewundere Menschen wie ihn.
Er machte sich auf den Weg und war bereit, das Vertraute zu verlassen, ohne zu wissen, was ihn und seine Mannschaft erwartet.
Er startete ins Ungewisse, um Neues und Unbekanntes zu entdecken.

Am 12. Oktober 1492 schreibt Christoph Kolumbus in sein Logbuch: „Ein Matrose auf der Pinta, Rodrigo de Triana, hat Land gesichtet – eine Insel, etwa 10 Kilometer westlich. Aufregung erfasst die Mannschaft, aber die Skepsis bleibt.“

Vier Stunden später steht er mit einigen seiner Offiziere am Strand von Guanahani, der heutigen Bahamas-Insel San Salvador.
Und obwohl er auf einer der dem amerikanischen Kontinent vorgelagerten Karibischen Inseln gelandet war, gilt dieser 12. Oktober seitdem als Datum der Entdeckung Amerikas.

Doch diesem bedeutenden Tag waren Monate der Ungewissheit und Angst vorausgegangen.
Kolumbus musste Anfeindungen seiner Mannschaft ertragen, die seit Wochen kein Land gesehen hatten und sich fragten: Was ist, wenn die Erde – entgegen der Behauptung des Kapitäns – doch eine Scheibe ist und wir in den Untergang segeln?
Sie hatten Angst, nicht mehr nach Hause zu finden.
Einige Vertraute berichteten dem Seefahrer, man plane, ihn ins Meer zu werfen und anschließend als vermisst zu melden.

Der gläubige Kolumbus begann schließlich, nach Hoffnungszeichen Ausschau zu halten, um seiner Mannschaft die Angst zu nehmen und so die Stimmung zu verbessern.
Und tatsächlich: Schon bald entdeckte er im Wasser treibende Zweige und Äste. Und wo Äste sind, da muss auch Land sein.
Später haben die Seeleute auch mehrere Vögel gesichtet, die man selten weit draußen auf dem Meer sieht. Da wussten sie, dass Land in der Nähe sein muss.
Und kurze Zeit später hatten sie wieder festen Boden unter den Füßen.

Ich möchte mir ein Beispiel daran nehmen, wenn ich mich künftig auf den Weg ins Ungewisse mache, um Neues und Unbekanntes zu entdecken.
Denn in solchen Situationen habe ich auch oft Angst und fühle mich unwohl.
Doch statt umzukehren oder aufzugeben, werde ich dann Hoffnungszeichen suchen.
Zeichen, die mich darin bestärken, auf dem richtigen Weg zu sein und Zeichen, die mir die Kraft geben, durchzuhalten.
Damit ich irgendwann auch wieder festen Boden unter den Füßen habe.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Erntedankfest

Sonntag, 09. Oktober 2016:
Wenn sich die warme Jahreszeit dem Ende zuneigt, wird es draußen langsam wieder kälter und die Tage werden kürzer. Die Sonnenstrahlen sind nun spürbar kühler: Ein Zeichen dafür, dass der Herbst beginnt.
Jetzt färben sich die Blätter der Bäume bunt, außerdem sind jetzt viele Getreidesorten und Früchte reif - es ist Erntezeit.


Zur 68. Auflage der größten Festveranstaltung auf der Heide, die traditionell am zweiten Oktober-Wochenende stattfindet, zeigen sich die vier Heidedörfer Rohrbach, Rückweiler, Leitzweiler und Hahnweiler von ihrer besten Seite.

Der Erntedankumzug, an dem Traktoren, Erntemaschinen, Motivwagen und Fußgruppen teilnehmen, startet im Neubaugebiet Rückweiler und zieht durch die Schul- und Hauptstraße über die Heide zum Erntekreuz nach Hahnweiler, wo die Danksagung für die Erntegaben erfolgt. Der Umzug legt hierbei knapp 2 Kilometer zurück und wer ihn aufmerksam beobachtet, sieht, dass jede Ortschaft eine der vier Jahreszeiten symbolisiert: Beginnend mit dem Rohrbacher Frühling über den Sommer von Rückweiler und den Herbst von Leitzweiler bis hin zum Winter von Hahnweiler.

Besucher werden während des Festumzugs mit selbst hergestellten Produkten verwöhnt.

Der kalte Herbstwind pfeift uns um die Ohren, dabei wären uns wärmende Sonnenstrahlen lieber. Diese bleiben uns heute leider verwehrt - der guten Stimmung schadet es trotzdem nicht.
Nach der Segnung der Ernte am Erntekreuz kann man den Tag im und am Jugendheim Rückweiler ausklingen lassen.
Dort freuen nicht nur wir uns über Kaffee, Kuchen und Grillspezialitäten vom offenen Feuer.


Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=dglsjtqondawufku

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Warum bloggen Menschen?

Immer mehr Menschen fangen an, ihre Gedanken, Gefühle oder auch Ideen an die Öffentlichkeit zu bringen, indem sie sie in einem so genannten Blog veröffentlichen.
 
Was bringt jemanden dazu, ein so genannter „Blogger“ zu werden?
Zuerst einmal verarbeiten wir alle Dinge besser, wenn wir sie aufschreiben. Viele können ihre Emotionen und Gedanken besser begreifen, indem sie diese in Worte fassen. Durch das Bloggen erschafft man etwas Eigenes, etwas, was nur man selbst beeinflussen kann.

 
Wir finden uns selbst in unseren Texten wieder. Viele bloggen auch, um anderen ihre Interessen, Absichten und Meinungen näher zu bringen. Sie möchten manchmal auch die Wahrheit „ans Licht bringen“ und andere dazu bringen, sich anzuschließen. Nirgends erreicht man so viele Menschen auf einmal, wie durch das Internet und das versuchen Blogger zu nutzen.

„Schreiben heißt […] die Welt enthüllen“
(Texte zur Theorie der Autorschaft, Seite 118, Z.1)
 

Es hat jeder die freie Entscheidung, was er schreibt und worüber er schreibt und das könnte ein weiterer Grund dafür sein, warum viele das Bloggen für sich entdeckt haben.

Abschließend denke ich, dass es viele Gründe zum bloggen gibt und es im heutigen Zeitalter verständlich ist, dass immer mehr Menschen sich auf diese Art der Mitteilung konzentrieren. Nicht nur Blogger ziehen daraus ihre Vorteile, sondern auch die, die ihre Einträge lesen.

Samstag, 1. Oktober 2016

Nichts ist gewisser als der Tod, nichts ist ungewisser als seine Stunde

Samstag, 01. Oktober 2016:
Nichts ist gewisser als der Tod, nichts ist ungewisser als seine Stunde.  


Unsere Katze ist tot

Das Leben verlangt manchmal von uns, dass wir Dinge einstecken, für die wir gar keine Taschen haben.

Menschen sind traurig, wenn ihr Haustier stirbt und ich bin da keine Ausnahme.
Für mich hat der Tod keine Macht mehr.
Mein Gebet habe ich so formuliert: „Gott, wenn Du auch für Katzen da bist, dann kümmere Dich bitte um unsere Trixie.“
 


Ruhe in Frieden
Von ihr habe ich mich sehr bewusst verabschiedet. Gestreichelt habe ich sie noch einmal, als sie tot vor mir lag. Hinter den Ohren gekrault und über ihren kleinen, zarten Körper gestrichen. Meine Hand auf die Pfötchen gelegt - das hat mir geholfen.

Beerdigt habe ich sie an einem ruhigen, idyllischen Ort… in einer schönen Holzkiste mit ihrer Lieblingsdecke.
Es hat bisher den ganzen Tag geregnet, passend zu meiner Stimmung, aber kaum hatte ich Trixie begraben, kämpfte sich die Sonne durch die dichten, grauen Wolken – ein schönes Zeichen.

Ich akzeptiere, dass es Fragen gibt, die niemand beantworten kann. Nicht in diesem Leben.

Ich vertraue darauf, dass alles gut wird, wenn die Zeit dazu gekommen ist.
Meine Gedanken sind ruhiger geworden.

„Ein Tierfreund zu sein gehört zu den größten seelischen Reichtümern des Lebens.“
(Richard Wagner)

Freitag, 30. September 2016

Herbstanfang - Der Herbst ist ein zweiter Frühling

„Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird.“

Albert Camus, französischer Schriftsteller, Philosoph und Literaturnobelpreisträger hat diesen bemerkenswerten Satz geschrieben.
„Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird.“

Es sind Worte, die mir so kurz vor Erntedank oft durch den Kopf gehen.
Wenn ich jetzt an den Frühling denke, sehe ich Pflanzen vor mir, die erstmalig im Jahr erblühen.
Denke ich an Menschen, die mir unterwegs begegnen. Und alle strahlen eine gewisse Fröhlichkeit aus.
Gerade die ersten Sonnenstrahlen im März tun mir besonders gut.
Ich kann die Veränderungen deutlich spüren und riechen.
Es hat etwas Belebendes, genau das, was ich nach einem langen Winter brauche.


Der Herbst ist ein zweiter Frühling. Es gibt einen Grund, die beiden Jahreszeiten miteinander in Beziehung zu setzen: Am ersten Frühlingstag im März und am ersten Herbsttag im September sind der Tag und die Nacht genau gleich lang.
Nur: Nach dem Frühlingsanfang werden die Tage immer länger und die Nächte immer kürzer. Nach dem Herbstanfang ist es genau umgekehrt.


Die ersten Tage und Wochen im September sind - ähnlich wie im Frühling - von bestimmten Pflanzen geprägt. Von Leben also, auch von vielen Farben, die mich an den Bäumen faszinieren.
Und mit den Obst-Ernten und den Erntedank-Gottesdiensten kommen die Mittel zum Leben sozusagen ins Haus.
Auch das hat etwas Belebendes.
Wenn dann die Tage merklich kürzer werden und die Regengüsse deutlich kühler, ertappe ich mich hier und da, wie ich mich nach etwas sehne, was ich nun gerade nicht haben kann.
So etwas wie einen Frühling. Der Herbst ist leider doch kein zweiter Frühling.


Vielleicht meinte Albert Camus genau das. Dass ich mich gerade an Tagen, die mir nicht so gelingen, daran erinnern lasse, was mich im Leben bisher getragen hat und auch zukünftig tragen wird.
Dass ich gerade dann, wenn ich mich nicht so wohl fühle, an Situationen, Erlebnisse, Erfahrungen erinnere, die mir gut getan haben.
Es lohnt sich, die schönen und guten Tage im Leben im Herzen zu bewahren.
So steht es uns in nachdenklichen oder auch traurigen Zeiten zur Verfügung.



Einen schönen Herbst wünsche ich Euch!

Sonntag, 25. September 2016

Bunkerwanderung in Nohfelden

25. September 2016:
Der "Nahe.Wander.Sommer 2016" bietet 19 erlebnisreiche Wandertouren, die die ganze Vielfalt der Region zwischen dem Bostalsee im Saarland und dem Rhein bei Bingen zeigen.
Eine davon ist die Bunkerwanderung in Nohfelden am heutigen Tag, die um 13.30 Uhr am Golfpark Bostalsee nahe dem Ortsteil Eisen startet.
Die Wanderung unter sachkundiger Führung von Peter Waltje bringt uns auf einer Länge von ca. 8 Kilometern zu Bunkeranlagen rund um Nohfelden-Eisen.

Munitionsunterstand M 217

Im Saarland haben sich im Landkreis St. Wendel noch viele Bunker der 1938 eingerichteten Luftverteidigungszone (LVZ) West erhalten, davon 14 in und um Nohfelden-Eisen.
Da sich hier neben Gefechtsständen und Flakbatterien auch Mannschaftsunterstände, Munitionsbunker und Kleinstbauwerke finden, konnten wir einen umfassenden Eindruck von den verschiedenen Bautypen der LVZ West gewinnen.

Zu sehen gibt es u.a. einen Munitionsunterstand (M-Stand) mit der taktischen Nummer M 217, der auch betreten werden kann.
Bei den M-Ständen handelt es sich um Lagerbunker für Munition. Sie sind nicht für die Unterbringung von Truppen gedacht, also auch nicht gasdicht ausgelegt und besitzen demzufolge auch keine Gasschleuse.

Die beiden Räume der Anlage können durch jeweils eine 1,80 m hohe Stahltür betreten werden, die allerdings, entgegen der Vorgaben des Regelbauplanes, nicht 1,20 m sondern lediglich 0,80 m breit ist.
Von diesem Bauwerk existiert auch eine leichte Variante (MI) mit nur einer Tür und dünneren Außenwänden und Decke.
Das hier vorhandene Bauwerk ist eines von noch vier intakt erhaltenen im Saarland und das einzige, was mit seinen seltenen Originaltüren ausgestattet ist. 

Doppelgruppenunterstand U 218

Weiter geht es zu einem Doppelgruppenunterstand mit flankierender Anlage (U-Stand) mit der taktischen Nummer U 218, der ebenfalls betreten werden kann.
U-Stände sind Unterkunftsbunker für zwei Infanteriegruppen, die als reine Schutzbauten für die Truppe verwendet wurden, die zum Führen des Feuerkampfes die Anlage verlassen musste.
Die flankierende Anlage, obwohl in der Regel mit einem leichten MG ausgestattet, diente in der Hauptsache der Verteidigung des Eingangsbereichs.

Eine Nebenaufgabe begründet sich in der Forderung, dass diese so anzuordnen sei, dass ein Bestreichen benachbarter Anlagen möglich sein sollte.
Von diesem Bauwerk existiert auch eine sehr häufig ausgeführte Variante ohne flankierende Anlage.
Der hier vorhandene Bunker ist gemäß dem Regelbauplan spiegelbildlich ausgeführt worden.
Die Wand- und Deckenstärke beträgt 1,50 m Stahlbeton (Eingangsseite 1,00 m), die Stärke der Panzerbauteile 30 mm.
Die Anlage ist gasdicht ausgelegt und sollte mit einem Sehrohr ausgestattet werden.


Nur ein paar Schritte weiter gibt es an der restaurierten Bunkeranlage in Eisen die auf Vorbestellung gelieferte Erbsensuppe mit Würstchen.

B-Stand Sonderkonstruktion (unten links Munitionsloch)


Nach der kleinen Stärkung besichtigen wir den Maschinengewehrschartenstand mit Mauerscharte (B-Stand Sonderkonstruktion SK).
Bei den B-Ständen handelt es sich um die einzige Kampfanlage der Luftwaffen-Regelbauentwürfe.
Der hier vorhandene Bunker ist eine Sonderkonstruktion, da die im Regelbau vorgesehene Schartenplatte von 120 mm Stärke durch eine Mauerscharte (Treppenscharte), die zusätzlich mit einer schwächeren Schartenplatte verstärkt ist, ersetzt wurde.
Eine solche Variante des B-Standes wurde in der LVZ West bis dato erst zwei Mal gefunden.
Auch diese Anlage ist gasdicht ausgelegt und sollte mit einem Sehrohr ausgestattet werden.
Im Inneren des Bunkers ist u.a. die Schartenlaffette 08 zu sehen, auf der Peter Waltje ein MG 34 montiert hat. 

Bei diesem Bunker ist das "Munitionsloch" gut zu sehen.
Das Lüftungsrohr des Gebäudes knickt mindestens zweimal im 90-Grad-Winkel ab. Das schluckte im Falle einer Detonation einen großen Teil der Druckwelle und diente zudem als Splitterschutz.
Ein Rohr läuft allerdings gerade durch den Beton und mündet vor dem Eingangsbereich. Wurde von feindlichen Truppen eine Granate in das Lüftungsrohr geworfen, was die einzige Verbindung nach außen darstellt, fiel sie einfach durch und rollte vor den Bunker – da hat jemand mitgedacht.


Im B-Stand (Peter Waltje an Schartenlafefette mit MG 38)
An diesem Platz gibt es weitere interessante Dinge zu entdecken, u.a. die "Kochbunker".
Diese Ringstände sollen von einem aus Ostpreußen stammenden General Fiedler entwickelt worden sein, der an der Ostfront die Problematik von Schützenlöchern erkannt hatte, speziell wenn sich ein Panzer auf diesen dreht, und der zudem Besitzer einer Betonröhrenfabrik war.
Der Name stammt wohl von der Truppe, die diese Stände aufgrund ihrer Form "Kochtopf" nannten, woraus dann später der Begriff "Kochbunker" wurde.

Eine andere Theorie besagt, dass sie eine Entwicklung des ehemaligen Gauleiters von Ostpreußen, Koch, sein sollen.
Sie wurden im Jahre 1944 in das Stellungsbauprogramm aufgenommen und über 5.000 Mal in der Weststellung gebaut. Auch sie dienten dazu, Lücken in der Feuerlinie zu schließen.

Die "Kochbunker" stellen wohl die letzte Entwicklungsstufe der Ringstände dar.
Im Wesentlichen bestanden sie aus einer 1,70 cm hohen Betonröhre mit einer Wandstärke von 10 cm und einer seitlichen Zugangsöffnung von 75 cm Höhe. Darauf wurde dann ein Betonring mit einer Öffnung von 80 cm Durchmesser aufgesetzt. Die einzelnen Teile waren vorgefertigt und mussten nur noch eingebaut werden.
Die Einsatzmöglichkeiten der "Kochbunker" waren sehr vielfältig, so konnten sie als MG- Stand, als Beobachter mit einer kleineren Öffnung, als Unterstand mit verschlossenem Deckel, als Panzerfauststand oder sogar als erweiterter Unterstand verwendet werden, wobei zwischen zwei vertikal eingebauten Röhren eine dritte horizontal angeordnet wurde.
Die hier eingebauten Exemplare stammen aus dem Bereich Blieskastel.

Betonverstärkte MG-Stellung

Zuletzt sehen wir noch eine Betonverstärkung für MG-Stellungen, die aus dem Bienwald bei Bad Bergzabern stammt.
Als im Herbst 1939 die Anlagen des Westwalls besetzt wurden, erkannte man recht schnell, dass mit den vorhandenen Bauwerken nicht die geforderte durchgehende Feuerlinie erreicht werden konnte. Um diese Forderungen zu erfüllen und einen größeren Schutz der Schützen zu erreichen, verstärkte man feldmäßige MG-Stellungen mit Beton. Diese Betonverstärkungen gab es in verschiedenen Ausführungen, die stärkste war Ausbaustufe C - 60 cm - mit einer Panzerplatte als Verstärkung der Treppenscharte. Das hier gezeigte Exemplar ist eine sehr leichte Form, bei der man auf eine Treppenscharte wie auch eine Panzerplatte verzichtet hat. Ein gewisser Schutzwert ergibt sich jedoch dadurch, dass der größte Teil der Vorderseite angeerdet wurde.

Stilecht angereist

Viel zu früh geht es schon zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.

Auf die Veröffentlichung der GPS-Daten wurde absichtlich verzichtet.

Samstag, 24. September 2016

25 Jahre "Nevermind"

24. September 2016:
Vor 25 Jahren erschien "Nevermind" von Nirvana.
Bis heute gehört der Klassiker mit Songs wie "Smells like Teen Spirit" zu den erfolgreichsten Rock-Alben aller Zeiten.

Das legendäre Cover

Genauso legendär ist bis heute auch das Cover.
Wer erinnert sich nicht an das Baby, das nach einer Dollarnote taucht?


Für die US-Zeitung "New York Post" sprang das "Baby" jetzt noch einmal in das gleiche Schwimmbecken im "Pasadena Rose Bowl Aquatic Center" in Los Angeles - diesmal allerdings in Badehosen.

Spencer Elden heißt der junge Mann übrigens, der im zarten Alter von vier Monaten zur Grunge-Ikone wurde. 200 Dollar gab es vor 25 Jahren für das Foto.
Spencers Eltern gingen damals davon Taccos essen.

Damit er dieses bedeutende Ereignis in seinem Leben nie vergisst, hat sich Spencer mittlerweile den Album-Titel "Nevermind" auf die Brust tätowieren lassen.


Quelle: Berliner Zeitung

Dienstag, 20. September 2016

Unterwegs auf dem Hunsrückbahn-Wanderweg

19. September 2016:
Heute unterwegs auf dem Hunsrückbahn-Wanderweg.

Er führt - mal in Sichtweite, mal direkt entlang der Hunsrückbahn - zu den schönsten Aussichtspunkten entlang der Strecke. In der zweiten Hälfte teilt er sich den Weg auf manchen Passagen mit der Traumschleife "Elfenlay". 


Das Hubertusviadukt
Der Hunsrückbahn-Wanderweg beginnt direkt am Bahnhof Emmelshausen und endet am Bahnhof Boppard (Hbf).
Er führt immer im Geleit der Hunsrückbahn vorbei an Schluchten, Tunneln und Viadukten. Auf Infotafeln findet man die Fahrplanzeiten, an denen die Hunsrückbahn vorbeifährt - ideal für erinnerungswürdige Schnappschüsse!

Vom Aussichtspunkt an der Liesenfeldhütte genießt man den Blick auf das eindrucksvolle Hubertusviadukt, das die Schlucht überspannt, von oben.
Der Wanderweg hat eine Länge von 16,9 km und ist in beiden Richtungen sehr gut ausgeschildert.

Von Koblenz bis Rüdesheim erstreckt sich das 67 km lange UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal mit der Loreley – und mittendrin liegt Boppard. Ob die St.-Severus-Kirche, die Karmeliterkirche, das Römerkastell der Remigiusplatz, die Sesselbahn oder der Mittelrhein-Klettersteig - Boppard ist immer einen Besuch wert.
Die Stadt liegt inmitten einer „Perlenkette von Burgen“ entlang des Mittelrheins. Direkt am Rheinufer liegt die Kurfürstliche Burg, in deren Mauern sich seit rund 100 Jahren das städtische Museum befindet.

Vom Hauptbahnhof Boppard geht es mit eben jener Hunsrückbahn zurück nach Emmelshausen.
Landschaftlich ist diese 15 km lange Fahrt kaum zu überbieten. Tief eingeschnitten in den Hunsrückschiefer liegen die Schienen der Hunsrückbahn.
Die Besonderheit dieser Strecke ist der enorm große Höhenunterschied, den die Bahn zu überwinden hat, sowie die bestechend schöne Landschaft des Hunsrücks und des Mittelrheintales.
Die Hunsrückbahn gilt als die steilste, fahrplanmäßig betriebene Strecke Deutschlands und wird seit 2011 von Rhenus Veniro betrieben.
Die Züge fahren auf dem 8,5 Kilometer langen Steilstreckenabschnitt zwischen Boppard und Buchholz über zwei eindrucksvolle Viadukte, das Hubertus- und das Rauschenlochviadukt, durch fünf Tunnel (Kalmut-, Talber-, Rauherberg-, und Hinterburdentunnel 1 und 2) und überwinden einen Höhenunterschied von 336 Metern.


Die Fahrt dauert ca. 25 Minuten und der Einzelfahrschein kostet 4,70 Euro.

Traumschleifenverwöhnte Wanderer werden evtl. etwas enttäuscht sein. Gerade entlang des Industrieparks Hellerwald versprüht der Weg wenig Charme, trotzdem hat er es geschafft, bleibende Eindrücke bei mir zu hinterlassen.
Nicht nur die Herbstzeitlosen auf den Wiesen kündigen an, dass es bald soweit ist, auch die Bäume lassen schon ihr Blätterkleid fallen...
Moment, da war doch was...
"es blühen Herbstzeitlose, sagen tröstend zu mir: Was macht es schon, wenn ich einmal verlier'?"
 

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=bllrbjwsnxqpicxl

Sonntag, 18. September 2016

Nur Geld

Ein irisches Sprichwort lautet: "Manche Menschen sind so arm, dass sie nur Geld haben." 

Andere sagen jetzt vielleicht "So arm wäre ich gerne."
Allerdings fehlt denen dann offensichtlich der Blick für den Reichtum des Lebens.
Viel Geld zu haben, klingt zwar verlockend… was ich mir alles leisten könnte…


Aber genießen kann ich das alles doch nur, wenn es mir umfassend gut geht.
Wenn ich Freunde habe, die sich freuen, wenn sie mich sehen.
Wenn ich eine Nachbarschaft habe, vor der mir nicht graut und wenn ich auch relativ gerne zur Arbeit gehe.
Und wenn ich dazu noch gesund bin, das wäre ja auch nicht zu verachten.

Natürlich, ohne Geld geht vieles nicht oder nicht so gut. Und jeder darf froh sein, wenn er nicht jeden Euro zweimal umdrehen muss, bevor er sich etwas kauft.

Aber nur Geld allein ist zum Leben viel zu wenig.

Im Evangelium Matthäus, 16. Kapitel, Vers 26 steht: "Was würde es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele."
Die Bibel spielt damit auf eine Erfahrung an, die so alt ist wie die Menschheit: Immer wieder träumen Menschen den Traum, dass sie sich selber genug sind, dass sie nur genug Geld und Güter brauchen, um gut leben zu können.
Das Motto "Mein Haus, mein Auto, meine Yacht" hat sicher jeder schon mal gehört.

Der Traum, selbstbestimmt und unabhängig zu leben, ist ein schöner Traum – wenn alles glattgeht.

Aber manchmal merke ich, wie wertvoll es ist, dass ich zum Leben anderer Menschen dazugehören darf.
Wie gut es tut, dass sich Menschen einen guten Morgen wünschen oder sich die Türe aufhalten.
Wie kostbar, dass sich Menschen Zeit nehmen, wenn sie sich brauchen.
Oder wie schön ist es, wenn es jemanden gibt, der sich dafür interessiert, wie es mir geht und wie ich mich fühle.
Dann spüre ich Leben, das ich mir mit Geld nicht kaufen kann.
Dann gewinne ich Hoffnung, Vertrauen und Lebensmut.
So erschließt sich mir erst wirklich die Weite und Vielfalt menschlichen Seins.

Es stimmt: "Was würde es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele."

Donnerstag, 15. September 2016

Von Jochen Stilfser und dem Goldsee-Trail

14. und 15. September 2016:
Bike-Urlaub in den Dolomiten:

Das Stilfser Joch im Vinschgau

Superlative gibt es in den Alpen etliche.
In Südtirol ist vor allem einer berühmt-berüchtigt: Das Stilfser Joch im Vinschgau, die höchste Passstraße Italiens.
Härtetest mit dem Rennrad oder Mountainbike: 48 Kehren zum Pass auf 2.757 m Höhe.

Zum Vergrößern anklicken

"Die Königin der Passstraßen" und "Höchster Rummelplatz Europas" sind die beiden meistgebrauchten Beinamen des Stilfser Jochs. In wie weit diese Bezeichnungen tatsächlich zutreffen, kann jeder selbst beurteilen.
Unbestritten ist jedoch, dass es sich mit 2.757 m Höhe nicht nur um den höchsten Gebirgspass Italiens handelt, sondern – sofern man die Cime de la Bonette, bei der es sich definitiv um keinen Pass im geografischen Sinne handelt, nicht mitzählt – nach dem Col de l’Iseran um die zweithöchste Passstraße der Alpen, und dass die klassische 48-Kehren-Auffahrt von Prad wohl zu den bekanntesten und prestigeträchtigsten Anstiegen Europas gehört.
Das Stilfser Joch ist ein Übergang zwischen Südtirol und der Lombardei, genauer gesagt zwischen dem oberen Veltlin und dem Vinschgau. Der Pass wird im Süden eingerahmt vom Ortler-Massiv mit dem Ortler (3.905 m) und dem Monte Scorluzzo (3.094 m) als bekanntesten Gipfeln, so dass auch für ein angemessen grandioses Panorama auf der Anfahrt gesorgt ist.

Die Garibaldi-Hütte
Berühmtestes Fotomotiv dürfte jedoch die Kehrenfolge auf dem Schlusshang der Ostseite sein. Das Stilfser Joch liegt inmitten des gleichnamigen Nationalparks. Die Straße zählt auf Südtiroler Seite 48 und auf Veltliner Seite 34 Kehren. Man wird mit grandiosem Panoramablick auf die Ortlergruppe und die Ötztaler Alpen belohnt.

Kehre um Kehre schraubt sich die Straße bei durchschnittlich 9-11% und maximal 15% Steigung nach oben.
Bis zur Kehre 31 führt die Strecke durch den Wald und nach dem ersten Drittel geht einem durch den Kopf: "Kann nicht mehr so schlimm werden." Oh doch! Die Kehre 29 liegt knapp unter der Baumgrenze und öffnet den Blick auf das zentrale Bergmassiv im Nationalpark Stilfser Joch, den vergletscherten Ortler.

Ab der 24 ist der Blick frei und man ahnt, was tatsächlich noch alles auf einen zukommt. Am besten einfach nur treten und das wirklich unglaubliche Panorama genießen.
Weniger Trainierte greifen spätestens am Berghotel Franzenshöhe (2.188 Meter) beim Blick nach oben auf ihre Motivationsreserven zurück.
Aber keine Sorge. Spätestens in der Kehre 14 erreicht der Endorphinspiegel eine ungeahnte Höhe (oder es geht eben gar nichts mehr).


Die letzten Kurven bis zum Pass sind durch die dünne Höhenluft für alle nicht ohne.
Und dann... Endlich! 48 Kehren bezwungen, 2.757 m Passhöhe erreicht, runter vom Rad, Blick zum Ortler, ganz, ganz tief durchatmen und nur noch genießen. Nach einer kurzen Pause geht es weiter hoch zur Garibaldi-Hütte, wo wir eine Übernachtung gebucht haben. Nur das nötigste haben wir in unseren Rucksäcken, schließlich mussten wir alles mühsam hochstrampeln.
Ein schöner Abend bleibt uns im Gedächtnis...

Am nächsten Morgen... der legendäre Goldsee-Trail erwartet uns - ein spektakuläres Trail- und Naturerlebnis mit Gletscherblick.
Die Strecke vom Stilfser Joch bis nahe Glurns ist eine fahrtechnische Herausforderung. Schnell den Schlaf aus den Gliedern schütteln, warm einpacken und los geht's.

Dieser tolle Trail schlängelt sich an den Hängen entlang, nähert sich langsam dem noch weit entfernten Vinschgau, welches man aber in der Ferne schon erkennen kann. Wenn der Blick nach rechts schweift, ist das mächtige Ortlermassiv zu sehen, das bisher noch in Wolken gehüllt ist und hinter uns erstreckt sich der Gletscher des Sommerskigebietes des Passo Stelvio. Anfangs zieht sich der Trail glatt und schmal an der Bergflanke entlang. Man kann es richtig fliegen lassen, denn es stellt sich einem nichts in dem Weg. Einzig der Blick auf das Orltermassiv, welches direkt gegenüber dem Goldseetrail liegt, lädt zu kurzen Pausen ein.
Es geht weiter, immer diesen fast endlos wirkenden Kurven entlang, die sich um die Bergflanke in leichtem Gefälle herumschlängeln – ein wahrer Rausch ist vorprogrammiert.


Nach den ersten Kilometern ändert der Trail seine Charakteristik und wird etwas verblockter, weil er mehr oder weniger mitten durch ein Geröllfeld führt. Allerdings ist er dort immer noch gut zu fahren – er ist hier nur etwas technischer und nicht mehr einfach zum rollen.

Aber ein bisschen Abwechslung ist schließlich immer gut.
An der Glurnser Alm steigt man in den Weg mit der Nummer 24 ein, der bis nahe Glurns führt. Durch den Ort geht es weiter zum Ausgangspunkt nach Prad.


Freitag, 2. September 2016

Was wirklich zählt

Eine alte Geschichte behandelt die Frage: "Worauf es eigentlich im Leben ankommt"

Drei Frauen kommen an einen Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Sie sprechen unterwegs von ihren drei Söhnen. "Meinen Sohn solltet ihr singen hören", sagte die erste, "das klingt so schön, als wenn eine Nachtigall singen würde."

Die zweite sagte: "Mein Sohn ist stark und schnell. Er schleudert einen Stein fast bis zu den Wolken und fängt ihn dann wieder auf."


Die dritte Frau schweigt. Da fragten die anderen: "Und dein Sohn?"
"Was soll ich erzählen", sagt sie, "mein Sohn ist ein junger Bursche wie andere auch."


Nun machten sich die drei Frauen auf den Heimweg. Die Sonne brennt, der Wassereimer wird schwerer und schwerer.
Da kommen den drei Frauen deren drei Söhne entgegen.
Der erste singt so schön wie eine Nachtigall, der zweite schleudert ständig Steine in die Luft und fängt sie wieder.
Der dritte Sohn aber läuft zu seiner Mutter und nimmt ihr den Eimer ab.

Ein alter Mann neben dem Brunnen hat alles mit angesehen. Eine der drei Frauen fragt ihn: "Nun, was sagst du zu unseren drei Söhnen?"
"Drei Söhne?", fragte der Alte, "Ich sehe nur einen."

Montag, 29. August 2016

You'll never walk alone

„Geh' weiter, geh' weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen - und du wirst nie alleine gehen!“

An dieses Lied, das auch in der laufenden Saison wieder von tausenden Fans in den Fußballarenen gesungen wird, musste ich denken, als am 26. August die Fußball-Bundesliga 2016/2017 begann.
"You'll never walk alone". Ohne Vorsänger, wie auf ein Kommando, wird es von der dicht gedrängten Masse vor den Spielen angestimmt.

Begonnen hat es in Liverpool, doch schon bald sangen auch Fans in anderen Städten und Ländern das Lied.
Es erzählt vom silber-süßen Gesang der Lerche und passt für mich eigentlich überhaupt nicht in eine Sportart, die nicht gerade für leise Töne und Feinsinn bekannt ist.
Der Kultsong erblickte im April 1945 das Licht der Welt, als das Musical "Carousel" am New Yorker Broadway Premiere feierte.
Es geht darin um einen jungen Mann, der sich zu einem Raubüberfall verleiten lässt, weil er seine Arbeit auf dem Jahrmarktkarussell verloren hat. Auf der Flucht bringt er sich vor der Verhaftung selbst um.
Aus dem Himmel schaut er zu, wie die anderen Kinder seine Tochter hänseln. Deshalb bekommt er die Erlaubnis, für einen Tag zurückzukehren. Er erscheint zu ihrer Schulabschlussfeier, und die ganze Klasse verspricht, dass seine Tochter Louise ihren Lebensweg niemals allein gehen wird. Hart am Kitsch vorbei oder schon mittendrin?
 

Aber "You'll never walk alone" ist auch ein Lied über das Leben und passt wohl deshalb so wunderbar in ein Fußballstadion. Es geht um Widrigkeiten und Rückschläge, darum, niemals aufzugeben, die Hoffnung nicht zu verlieren und an seinen Träumen festzuhalten.
Das Lied spricht von dem, was im Fußball und im Leben ganz allgemein für jeden total wichtig ist, damit man gewinnt: Gemeinschaft, Zusammenhalt und Uneigennützigkeit.

Geh' weiter durch den Wind, geh' weiter durch den Regen - obwohl deine Träume verworfen und weggeblasen sind!
Geh' weiter, geh' weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen - und du wirst nie alleine gehen!"

Dienstag, 16. August 2016

Da hättest du genau so gut leuchten können

Kennt ihr das nicht auch?
Es gibt Dinge, die sind einfach zu schade für den Alltag, für das normale Leben. Zu schade, um sich einfach so daran zu erfreuen.
Ob das teure Porzellan, die gute Lederjacke, die hochwertige Uhr oder der wertvolle Schmuck.

Wenn man nicht aufpasst, kann man so sein eigenes Leben beeinflussen. Alles aufsparen für die besondere Gelegenheit, nichts verbrauchen, sich wenig gönnen.
Das ganze Leben gewissermaßen im Schongang leben oder in der Haltung des Abwartens.
Irgendwann gönnt man sich dann mal was... oder nie?

Der Dichter Erich Fried hat ein Bild dafür: "Auch ungelebtes Leben geht zu Ende... wie eine Batterie in einer Taschenlampe, die keiner benutzt."
Und dann stellt man fest, so schreibt Erich Fried weiter, wenn man die Taschenlampe nach vielen Jahren anknipsen will, "kommt kein Atemzug Licht mehr heraus".
Am Schluss des Gedichts schreibt er: "Da hättest du genau so gut leuchten können."

Erich Fried vergleicht damit ungelebtes Leben mit einer Taschenlampe, die nicht leuchtet.
Diese Taschenlampe - und damit auch das ungelebte Leben – halten zwar länger, werden aber schwierig bis gar nicht wieder zum Leuchten gebracht werden.

Ich glaube, er hat absolut Recht.
Wir können nicht einfach meinen, so ungeschoren durchs Leben zu kommen.

Wir haben keinen Anspruch darauf, gesund zu bleiben oder besonders alt zu werden.
Jeder von uns wird früher oder später sterben, keine Frage.

Jemand hat mal gesagt: "Das Leben ist wie der Aufenthalt in einem brennenden Haus."
Das Feuer wird mit unserer Geburt gelegt und wir wissen, dass das Haus eines Tages einstürzen wird.
Wir wohnen darin, hängen Bilder an die Wände, darunter noch Tapeten, stellen Blumen auf die Tische - und das ist auch gut so.
Wir richten uns ein - in dieser Zeit und in diesem Haus, obwohl wir wissen, dass es früher oder später ganz sicher einstürzen wird.
Ich finde ganz bemerkenswert, was er hier sagt.
Wir stehen vor der Wahl. Entweder versuchen wir, unser Leben zu schützen, auch auf die Gefahr hin, so zu sein, wie die Taschenlampe, die wir in die Schublade legen.... immer nur zu sichern und zu sparen.
Was passiert? Auch die Lampe wird ihr Licht verlieren, aber sie hat zwischendurch nicht geleuchtet.
Wir können es anders sagen: "Wir haben nicht gelebt."
Wir können ständig darum kreisen, was uns alles passieren könnte. Aber diese Einschätzung ist nicht einmal objektiv.
Es ist viel gefährlicher, am Straßenverkehr teilzunehmen, ob mit dem Auto, dem Fahrrad oder als Fußgänger; und trotzdem wird niemand auf die Idee kommen, deshalb nur noch zu Hause zu bleiben.
Wir hätten das Leben verpasst und am Ende auch nichts gewonnen.

"Ein Schiff ist im Hafen sicher,
aber dafür wurde es nicht gebaut."
 
Deshalb hoffe ich, dass wir auch jetzt, in dieser Zeit voller Angst vor Terrorismus und Anschlägen, weiterleben. Leben ist auch immer Risiko und wenn wir uns diesem Risiko nicht aussetzen, dann werden wir auch nicht richtig leben können.
Weiterhin hoffe ich, dass wir unsere Freiheit, die ein großes Gut ist, nicht völlig in Frage stellen. Manchmal realisieren wir nicht, dass wir in einer freien Gesellschaft leben, und somit zu den privilegierten Menschen dieser Erde zählen.

Es gibt einen Bibelvers im Johannes-Evangelium: "In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden."
Es ist wirklich so. Wir werden in der Welt immer Angst haben. Das ist Grundbedingung unseres Daseins. Es gehört zu unserer körperlichen Grundausstattung. Aber wir müssen auch zusehen, dass wir es ausbalancieren können und dass der große Rahmen stimmt.
Wir sollten uns in diesem Rahmen bewegen und unser Leben genießen. Wir sollten realisieren, dass wir nicht aus ihm "herausfallen" können, weil wir in etwas viel größerem aufgehoben sind und es gar kein "außerhalb" gibt.


Am Grab der meisten Menschen
trauert, tief verschleiert,
ihr ungelebtes Leben.
 
Leben hat die Chance, zu leuchten. Dafür ist es da. 

Sonntag, 7. August 2016

Die analoge Oase

Ich schreibe gerne. Und ich genieße die Vorzüge des digitalen Zeitalters.
Die Erfindung des Computers und damit die Möglichkeit, Texte immer wieder verändern und korrigieren zu können, empfinde ich als echte Befreiung.
Wie sehr habe ich mich noch als Schüler mit Tintenkiller und Tipp-Ex gequält. Wie viele Seiten habe ich gleich mehrfach abgeschrieben, weil mir etwas Neues eingefallen war, ich ein Wort oder einen Satz vergessen oder einen Fehler gefunden habe.

Das Schreiben mit PC ist ein Prozess. Ich muss mir vorher keinen genauen Plan machen. Ich darf kreativ und spontan sein, darf meinen Gedanken freien Lauf lassen. Schließlich kann ich ja bei Bedarf alles mühelos löschen oder korrigieren.

Und dennoch liebe ich es, mit Bleistift zu schreiben. Nicht mit Kuli oder Füller, nein, mit dem schnöden, altmodischen Bleistift. Am liebsten mit Härte B.


Er ist ausdauernd, anspruchslos, klimafest, schreibt selbst unter Wasser und im Weltall - in der Schwerelosigkeit und im Vakuum. Welches andere Schreibgerät kann das von sich behaupten als der Bleistift, dieses sympathische Multitalent?


Ich mag es, wenn die Mine auf dem Papier schabt. Ich mag das leise Schabgeräusch und den speziellen Geruch von Holz und Graphit, der besonders beim Anspitzen zur Geltung kommt.
Einen Bleistift in der Hand zu halten ist ein schönes Gefühl. Ein Stück Analogie in einer digitalen Welt. In einer Welt, in der die meisten nicht mehr verstehen, woher die Buchstaben auf dem Computerbildschirm kommen und wie der Drucker weiß, was er ausdrucken soll, ist so ein Bleistift eine kleine Oase.


Ich denke ein Wort, ich setze ihn an, von der Mine wird schwarzer Staub abgeschabt, der als Wort auf dem Papier hängenbleibt. Wenn ich fester drücke, wird das Wort hervorgehoben - wer Stenografie beherrscht, weiß, wovon ich rede.

Ganz einfach, ganz verständlich.

Vielleicht müssen wir uns ab und an solche Ausflüge schenken. In das Einfache, Simple, Durchschaubare, in das, was wir verstehen.

Dann ist es auch wieder besser auszuhalten, das digitale Zeitalter.

Montag, 1. August 2016

Mein Leben als Hybrid-Mensch

Mein Leben - etwa die Hälfte davon habe ich analog gelebt.
Im Wohnzimmer meiner Eltern stand ein dickes Lexikon.
Wenn ich eine Telefonnummer gebraucht habe, musste ich im Telefonbuch suchen.
Zuhause haben wir „Vier gewinnt“, „Spiel des Lebens“ oder „Monopoly“ gespielt, und wenn wir in Urlaub fuhren, hat mein Vater vorher die Straßenkarten studiert und die beste Route rausgesucht.


Dann kamen Internet und Mobiltelefone. „Düdeldü“ hörte man damals das Modem. Mein erstes Mobiltelefon hatte noch eine ausziehbare Antenne und ein zweifarbiges Display. Wir surften mit einem 56k-Modem, Internetseiten bauten sich zeilenweise auf und wer morgens völlig übermüdet wie ein Zombie durch die Gegend lief, war schnell entlarvt. Klar, er saß nachts am PC, weil Telefongebühren und Strom um diese Zeit günstiger waren… Flatrate? Smartphones? Fehlanzeige!
Aber die Entwicklung ging schnell - rasend schnell.


Seit mein digitales Leben begonnen hat, ist alles anders. Seitdem logge ich ein, sende, empfange, klicke, scrolle, like, teile. Wenn ich drei Balken habe, dann bin ich drin, kann alles abrufen, bin mit allen vernetzt und bekomme jede Information innerhalb weniger Klicks.

Nun ist auch noch die vielbeschworene Apple-Watch erhältlich. Mit dieser Uhr kann man auch Termine und Mails checken. Bald soll man sogar an der Kasse damit zahlen oder seine Gesundheitsdaten erfassen können. Die digitale Welt hält Einzug am Handgelenk. Nun muss jeder selbst entscheiden, welche Uhr er tragen und auf was er sich einlassen möchte oder nicht.


Und trotz der Vorteile des digitalen Lebens genieße ich auch ab und an die Einsamkeit der analogen Welt.
Das Funkloch, das mich dazu zwingt, abzuschalten, die Plätze, an denen online nichts geht. Kein Internet, kein WhatsApp, keine Verbindung.
Weil es nicht geht, weil es verboten ist, oder weil es sich nicht gehört. Im Flugzeug, im Hallenbad, im Kino, in der Kirche.

Ich bin froh, so ein Hybrid-Mensch zu sein. Dass ich auch noch die analoge Welt kenne, dass es eine Zeit vor dem „Düdeldü“ gab, an die ich mich ab und zu auch noch gerne erinnere.

Ich finde Internet und Smartphones gut und sie gehören zu meinem Leben, aber sie sind nicht mein Leben, denn das kann sich nur in der analogen Welt abspielen.
Hauptsache, alles hat seine Zeit. Und mein Leben wird nicht nur vom Takt der Uhr oder den Nachrichten auf dem Display bestimmt, sondern ich kann Zeit als Geschenk erleben.

Freitag, 29. Juli 2016

Don’t pay the ferryman - mit HaJos Fähre über die Nahe

Mittwoch, 27. Juli 2016:

Das Nahetal bietet jede Menge Wanderrouten. Einer der schönsten Wege ist die TourNatur im Salinental zum Rheingrafenstein.

Wer gerne auf Wanderschaft ist und ein paar schöne Stunden erleben möchte, braucht nicht viel.
Hier ein kleiner Bericht unseres Tages:
Am Schleiferplatz in Idar besteht die Möglichkeit, im IDARER BRAUHAUS gut zu frühstücken.

Von hier sind es nur wenige Meter bis zur katholischen Kirche Peter und Paul, wo wir in den Stadtbus der Linie 301 steigen und die RNN Tageskarte verlangen. Als Single zahlt man 21,00 Euro, für die Gruppenkarte (2 bis 5 Personen) werden 26,20 Euro fällig.
Vom Bahnhof geht es mit dem Zug weiter bis Bad Kreuznach. Dort steigen wir in den Bus der Linie 201, warten vier Stationen bis zur Karlshalle und sind am Ziel.
Hier im BRAUWERK, direkt neben einem Gradierwerk im Salinental, genießen wir ein kühles Bier bevor wir der mit einem Felsenahornblatt markierten Route der TourNatur folgen.



Schnell haben wir das Wohngebiet hinter uns gelassen und befinden uns im Stadtwald.
Der Weg führt uns durch das Naturschutzgebiet „Gans“ vorbei am Fernsehturm bis zur Sternwarte. Immer wieder bieten sich Ausblicke ins Salinental.
Das nächste Highlight ist die Burgruine Rheingrafenstein. Einen Blick vom Bergfried aus in das Nahetal und zur gegenüberliegenden Ebernburg darf man nicht versäumen.
Die Burg Rheingrafenstein wurde vermutlich im 11. bis 12. Jahrhundert von den Emichonen (Nahegaugrafen) gebaut. Mit Sicherheit gilt: Sie ist die Stammburg der Ritter vom Stein, der späteren Wild- und Rheingrafen, und verblieb bis zur Französischen Revolution in ihrem Besitz. 1196 nannte sich Wolfram von Stein erstmals "Rheingraf", daher auch der Name der Burg. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie von Spaniern und Schweden erobert und schließlich im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 von Truppen des französischen Generals Mélac zerstört.
Eine Treppe führt durch den Felsen zu einer Aussichtsplattform.
Von der Burg hinab verläuft ein Serpentinenweg über Treppen in ein dunkles und enges Bachtal, das Huttental, das seinen Namen von der lange Zeit in diesem Tal betriebenen Metallgewinnung hat.
Hier bieten sich von April bis Oktober zwei Möglichkeiten: Man wählt den nach links abzweigenden Weg bis zum Campingplatz und überquert die Speckerbrücke; dies ist auch die Alternativstrecke wenn der Fährbetrieb ruht.
Doch mit der Fähre ist es natürlich schöner und genau für diese Variante entscheiden wir uns. Wenige Schritte später stehen wir am Naheufer, wo Fährmann Hans-Joachim Gellweiler mit „HaJos Fähre“, der einzigen handgezogenen Fähre Südwestdeutschlands, auf seine Fahrgäste wartet.
Waren es früher vor allem Holz, Salz und Baumaterial, das die Fähre transportierte, so sind es heute Wanderer und Mountainbiker, die den Fährservice nutzen.
Allein das ist schon ein Erlebnis. Für einen Euro pro Person setzt der Fährmann über.
www.hajos-faehre.de



Wie Chris de Burgh schon sang, soll ich den Fährmann erst bezahlen, wenn er mich zur anderen Seite übergesetzt hat.

"Don't pay the ferryman,
don't even fix a price,
don't pay the ferryman,
until he gets you to the other side"


Man hört ja immer wieder vom geheimnisvollen, unheimlichen, schicksaltragenden Fährmann, sei es nun in Thomas Manns „Tod in Venedig“, in Dantes „Göttlicher Komödie“ oder im Grimmschen Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“.


Die Gestalt des Fährmanns besaß in vielen Kulturen eine mythologische Bedeutung und wurde oft mit dem Übergang vom Leben in den Tod assoziiert.

Aber wer ist dieser Fährmann und wie bezahlt man ihn?

Dafür muss man sich mit der griechischen Mythologie auseinandersetzen.
Die alten Griechen stellten sich das Leben nach dem Tod ähnlich wie die Römer vor. Nach dem Tod musste die Seele des Verstorbenen, nachdem sie vom Götterboten Hermes dorthin geführt wurde, einen dunklen Fluss überqueren. So kam sie in die Unterwelt.
Acheron ist in der griechischen Mythologie einer der fünf Flüsse der Unterwelt. Er gilt - neben der Styx - als Totenfluss, über den Charon mit seiner Fähre die toten Seelen in den Hades gebracht hat.
Hades bezeichnet den Totengott und Herrscher über die gleichnamige Unterwelt.
Kerberos, der dreiköpfige, schlangenhaarige Höllenhund, bewacht den Eingang zum Hades und sorgt dafür, dass kein Lebender die Unterwelt betritt und kein Toter sie verlässt. 

Demnach stellt der Fluss Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Hades dar. Die Seelen der Toten werden von Charon, dem Fährmann, über den Fluss geschifft.
Damit sie den Fährmann Charon bezahlen konnten, wurde den Toten eine Münze, auch „Charonspfennig“ genannt, unter die Zunge oder in die Hand gelegt.
Besonders die Lage der Münze im Mund stellte sicher, dass der Tote diese im Jenseits bei sich hatte. Diese Münze, der Obolus, um die es hier geht, wurde in der Antike in Griechenland verwendet: Ein obolos war die kleinste griechische Münze, der sechste Teil einer Drachme und angeblich entsprach sie dem Tageslohn für einfache Arbeiter. Sie wurde häufig für wohltätige Zwecke ausgegeben. Und schon ist klar, woher eine bekannte deutsche Redewendung stammt.
Ins Deutsche gelangte das Wort über die gleichbedeutende lateinische Form obulus.
Auch im angeblich von Prodikos von Phokis verfassten und nur fragmentarisch überlieferten Epos Minyas aus dem 7. bzw. 6. Jahrhundert vor Christus, heißt es, der Fährmann Charon bringe die Toten für den kargen Lohn eines ihnen in den Mund gelegten Obolus über den Fluss Acheron in die Unterwelt.

Die Toten sind längst an ihrem Ziel angekommen und vergessen, doch die unscheinbare Münze ist durch die Redensart unsterblich geworden.

Unbestattete Tote bzw. Verstorbene, die nicht die Begräbnisriten empfangen haben und denen Charon den Zugang verwehrte, mussten in der damaligen Glaubensvorstellung einhundert Jahre am Ufer des Acheron als Schatten umherirren.
Diese Begräbnissitte wurde später von den Römern übernommen und breitete sich auf weitere Kulturkreise aus. Sie hielt sich bis in das Frühmittelalter hinein.


Was uns Chris de Burghs Song „Don’t pay the ferryman“ sagen will, ist – wie so oft – Interpretationssache.
Fakt ist der Bezug zu dieser Mythologie.
Soll man seinem Gegenüber keinen Glauben schenken?
Bedeutet es, dass man niemanden bezahlen soll, bevor die Arbeit getan ist?
Man kann die Bedeutung auch als Metapher sehen: Du kannst dich nicht im Voraus für etwas "freikaufen".
Egal, was Du zu tun gedenkst, es gibt keine Absolution im Voraus. Jeder zahlt erst, wenn die Zeit gekommt ist.


Mir gefällt die Vorstellung der Überquerung des Totenflusses mit Hilfe des unbestechlichen Fährmannes Charon und einer Geldmünze als Bezahlung für die Überfahrt.
…Moment… unbestechlich? Charon war es untersagt, Lebende über den Fluss zu bringen. Einigen griechischen Helden gelang es jedoch, ihn zu überlisten.
Herakles (Herkules) stand am Fluss Styx. Als Charon sah, dass er die schwere Last einer lebenden Seele übersetzen sollte, weigerte er sich. Mit Gewalt zwang Herakles ihn zum Gehorsam und gelangte so zu Hades.
Orpheus beispielsweise bezauberte ihn mit dem magischen Klang seiner Leier, Aeneas besaß einen Goldenen Zweig, den er Persephone überreichte und der ihm so Zugang zur Unterwelt verschaffte und auch Odysseus kam an Charon vorbei und vermochte in der Unterwelt mit den Geistern der Toten zu reden.

Der Rotenfels (zum Vergrößern anklicken)

Noch in Gedanken versunken stehe ich längst auf der anderen Seite an der Nahe-Promenade am Kurpark.
Wir zahlen, laufen weiter über die Friedensbrücke und sehen schon die mächtige Steilwand des Rotenfelsmassivs.
Der vulkanische Rhyolithblock bildet auf einem Kilometer Länge die höchste Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien.
Es geht weiter parallel zum Radweg, wir überqueren die Straße und folgen dem Weg, der nach wenigen hundert Metern rechts in die Weinberge abzweigt. Durch die Weinberge wandern wir zum Götzenfels. Hier geht es steil auf engem felsigen Pfad hinauf auf das Rotenfelsmassiv. Am Ende des Weges durch Krüppeleichenwald stehen wir auf dem Aussichtspunkt „Bastei“ und erleben den faszinierenden Fernblick über die Ebernburg. Weit reicht der Blick über das Nahebergland: Vom nordwestlich gelegenen Lemberg über den Ortsteil Ebernburg mit der gleichnamigen Burg bis zum Rheingrafenstein. Bei klarem Wetter ist rechts vom Rheingrafenstein das Donnersbergmassiv (687 Meter), der höchste Berg der Pfalz, zu erkennen.
Von der Bastei aus wandern wir weiter an der Hangkante entlang in offenes Wiesenland. Bevor der Weg in den Wald hineinführt, gibt es nach links Gelegenheit zur Einkehr im Gasthaus Bastei. Hier füllen wir in gemütlicher Atmosphäre den Flüssigkeitshaushalt wieder auf und gehen weiter zum Stadtwald (Hardt).
Gradierwerk im Salinental beim BRAUWERK

Unser Weg zweigt bald nach rechts ab und führt über den Uhukopf zum Oranienberg durch dichten Kastanienwald. Vorbei an verschiedenen Hütten geht es ab dem Aussichtspunkt „Recumsblick“ auf einem Serpentinepfad steil hinab ins Nahetal, bis wir auf der Salinenbrücke stehen, von wo aus wir schon das Gradierwerk des Salinentals sehen, das den Beginn unserer Tour markierte.

Wieder am BRAUWERK angelangt, gönnen wir uns… ihr wisst schon was…

Es war eine tolle Wanderung. Auch wenn es sich nicht um eine ausgewiesene „Traumschleife“ handelt, gebe ich prinzipiell jedem Weg die Chance, Eindrücke bei mir zu hinterlassen… und das ist ihm geglückt.
Lange ist es her, dass ich einen Weg gewandert bin, der so viele traumhafte Aussichtspunkte bieten konnte.
Zudem verbreitet der Kiefernwald ein mediterranes Ambiente.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tybuumcmhckdhmsb