Sonntag, 18. September 2016

Nur Geld

Ein irisches Sprichwort lautet: "Manche Menschen sind so arm, dass sie nur Geld haben." 

Andere sagen jetzt vielleicht "So arm wäre ich gerne."
Allerdings fehlt denen dann offensichtlich der Blick für den Reichtum des Lebens.
Viel Geld zu haben, klingt zwar verlockend… was ich mir alles leisten könnte…


Aber genießen kann ich das alles doch nur, wenn es mir umfassend gut geht.
Wenn ich Freunde habe, die sich freuen, wenn sie mich sehen.
Wenn ich eine Nachbarschaft habe, vor der mir nicht graut und wenn ich auch relativ gerne zur Arbeit gehe.
Und wenn ich dazu noch gesund bin, das wäre ja auch nicht zu verachten.

Natürlich, ohne Geld geht vieles nicht oder nicht so gut. Und jeder darf froh sein, wenn er nicht jeden Euro zweimal umdrehen muss, bevor er sich etwas kauft.

Aber nur Geld allein ist zum Leben viel zu wenig.

Im Evangelium Matthäus, 16. Kapitel, Vers 26 steht: "Was würde es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele."
Die Bibel spielt damit auf eine Erfahrung an, die so alt ist wie die Menschheit: Immer wieder träumen Menschen den Traum, dass sie sich selber genug sind, dass sie nur genug Geld und Güter brauchen, um gut leben zu können.
Das Motto "Mein Haus, mein Auto, meine Yacht" hat sicher jeder schon mal gehört.

Der Traum, selbstbestimmt und unabhängig zu leben, ist ein schöner Traum – wenn alles glattgeht.

Aber manchmal merke ich, wie wertvoll es ist, dass ich zum Leben anderer Menschen dazugehören darf.
Wie gut es tut, dass sich Menschen einen guten Morgen wünschen oder sich die Türe aufhalten.
Wie kostbar, dass sich Menschen Zeit nehmen, wenn sie sich brauchen.
Oder wie schön ist es, wenn es jemanden gibt, der sich dafür interessiert, wie es mir geht und wie ich mich fühle.
Dann spüre ich Leben, das ich mir mit Geld nicht kaufen kann.
Dann gewinne ich Hoffnung, Vertrauen und Lebensmut.
So erschließt sich mir erst wirklich die Weite und Vielfalt menschlichen Seins.

Es stimmt: "Was würde es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele."