Samstag, 2. Januar 2016

Erste Schritte ins neue Jahr

Freitag, 01. Januar 2016:
Ich erinnere mich noch an 2015, als wäre es gestern gewesen.
Das neue Jahr 2016 hat begonnen… und ich versuche immer noch zu verstehen, was 2015 alles passiert ist!

Das neue Jahr beginnt mit einem Freitag, also muss es gut werden.

Heute schlafe ich lange - länger als gewöhnlich am Wochenende bzw. an einem freien Tag.
Wer viel schläft, gehört jedenfalls zu denen, die wirklich gut im Bett sind.

Es bleibt nicht viel Zeit, wenn ich rechtzeitig am Erbeskopf sein möchte.
Zwei Scheiben Brot mit kaltem Hackfleisch unserer Silvester-Grill-Aktion, eine Tasse Kaffee, Sachen packen und los geht es.
Während der Fahrt sehe ich links und rechts der Straßen die Überreste des gestrigen Feuerwerks. Besonders schlimm sieht es auf dem Schleiferplatz in Idar aus – wie auf einem Schlachtfeld.
Dieses Jahr habe ich keinen einzigen Euro für Feuerwerk ausgegeben. War auch nicht nötig, denn wir standen auf dem Balkon unseres Nachbarn. Von dieser erhöhten Position hatten wir einen 180-Grad-Panoramablick über Idar und konnten das Spektakel bis Oberstein und Algenrodt beobachten.

Es ist wenig los auf den Straßen. Kaum jemand unterwegs, bis auf einen Freund, der mir zwischen Allenbach und der Idarbrücke entgegen kommt. Jetzt erst von der Silvester-Party zurück? RESPEKT!
 
Hier stehe ich - auf dem Waldparkplatz oberhalb des Hunsrückhauses und schnüre meine Wanderschuhe.
30 wertvolle Minuten bleiben mir, die ich sinnvoll nutze.

Losgehen
Die Verheißung des Morgens atmen.
In die Stille des Unberührten aufbrechen.

Schlafende Häuser hinter sich lassen.
Wind im Gesicht spüren.

Dem neuen Jahr entgegenlaufen.
Mit eigenen Schritten hineinwandern.

Bekannte Wege wie Neuland erkunden.
Ins Weite wollen.

Dem Ungewissen vertrauen.
Aus der Dunkelheit heraustreten.

Trotz Winterpause im Nationalparkamt Hunsrück-Hochwald laufen die Angebote wie Ranger- und Erlebnistouren weiter.
http://www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de
Heute führt Dirk Paul um 13:00 Uhr die "Gipfeltour" und so gehe ich rechtzeitig zum Rangertreffpunkt am Hunsrückhaus.
Überraschend viele Autos und Wohnmobile sieht man hier.
Nur drei Leute sind wir, die sich für die geführte Wanderung entschieden haben, aber zu viert kommt man wenigstens gut voran.
Es ist frisch hier oben. Wolken und Nebel vermitteln eine etwas gespenstische Stimmung.

Wir wandern durch Bereiche, die schon jetzt zeigen, wie es im Nationalpark einmal aussehen wird. Dirk erzählt interessante Geschichten, vermittelt Infos und beantwortet jederzeit gerne unsere Fragen.
Es geht zum Naturwaldreservat Gottlob. Der Ausruf "Gottlob" war an dieser Stelle bereits vor Jahrhunderten zu hören, als  Markthändler schwer bepackt aus der Mark Thalfang bzw. der Moselregion nach Idar-Oberstein oder Birkenfeld marschierten und der schwere Anstieg hinter ihnen lag.
Von jetzt an folgen wir der Traumschleife "Gipfelrauschen", während Dirk von Störchen, Wildkatzen, Borkenkäfern sowie dem Zunderschwamm und dessen Drehwuchs bei umgestürzten Bäumen erzählt.
Wir erleben die idyllische, urige Landschaft des Nationalparks Hunsrück-Hochwald.
Immer wieder ziehen mich die Anblicke abgestorbener Baumstümpfe und bemooster Bäume in ihren Bann.
Das nächste Highlight ist der Langbruch, ein typisches Hangmoor. Um dorthin zu gelangen, müssen wir die Pfaffenstraße queren, eine römische Heeres- und Handelsstraße von Trier nach Mainz, die noch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges benutzt wurde. Die militärische Asphaltstraße führt von Züsch aus zur Fernmelde-Empfangsanlage "Fuchsbau" auf dem Sandkopf. Von dort weiter vorbei am Ruppelstein und entlang des Erbeskopfs bis zur "Hange Berk". Hange Berk steht für hängende Birke. Ehemals ein bedeutender Ort, der Grund für Streit um Wald und Geld war, da dort die Grenze zwischen den Territorien Kurtrier, den Wild- und Rheingrafen und Sponheim verlief. Die Landmarke scheidet noch heute Wasser, Ländereien, Dialekt und Wetter. Nahezu unscheinbar ist diese Landmarke heute - ein Parkplatz an der L 164, die von Allenbach nach Thalfang führt. Von dort aus starten Wanderer ihren Spaziergang, Radtouristen fahren auf dem Hunsrückradweg vorbei und Langläufer schnallen im Winter die Ski an. Gegenüber dem Parkplatz zweigt die K 121 ab, die hoch auf den Gipfel des Erbeskopfs führt. Wer heute dort wegen des Namens eine besonders mächtige Birke vermutet, irrt. Wenn dort eine gestanden hat, dann ist dies schon Jahrhunderte her, denn die "Hange Berk" ist schon auf einer Karte von 1585 zu sehen.
Beim Naturwaldreservat Gottlob

Jetzt nehmen wir den letzten Anstieg zum höchsten Punkt des Nationalparks in Angriff.

Der Erbeskopf - König des Hochwaldes - in den Landkreisen Bernkastel-Wittlich und Birkenfeld ist mit 816 m ü. NN der höchste Berg im Hunsrück, im Landkreis Bernkastel-Wittlich und in Rheinland-Pfalz sowie die höchste deutsche linksrheinische Erhebung.
Auf dem Gipfelplateau fällt mein Blick nach rechts auf die Radarstation.
Amerikanische Truppen besetzten am 17. März 1945 den Erbeskopf. Sie erweiterten die militärische Nutzung erheblich und überwachten den gesamten militärischen Flugverkehr bis tief ins Gebiet der damaligen Sowjetunion. Drei große Radartürme sowie der nach 1960 unter dem Südhang des Erbeskopfes erbaute Kommandobunker Börfink, genannt "Bunker Erwin", mit dem Kriegshauptquartier Europa Mitte dienten der NATO-Strategie als multinationale Gefechtsstelle im Kalten Krieg.
Vom "Bunker Erwin" wurde die Luftraumüberwachung Mitteleuropas gesteuert.
Augen und Ohren des Kommandubunkers waren neben dem Radar auf dem Erbeskopfgipfel auch die Funkanlagen auf dem Ruppelstein und Sandkopf, die alle durch die Pfaffenstraße miteinander verbunden sind.
Die Station dient auch heute noch der Bundeswehr zur Luftraumüberwachung.
Naturwaldreservat Langbruch

Hier steht auch der 1971 knapp außerhalb des militärischen Sperrgebietes errichtete Aussichtsturm Erbeskopf (Erbeskopfturm). Die 11 Meter hohe Holzkonstruktion mit drei Plattformen ist leider gesperrt und so müssen wir auf den Ausblick von der oberen Hauptaussichtsplattform verzichten.
Ursprünglich stand an der Stelle des heutigen Aussichtsturms ein vom Mosel-Hochwald-Hunsrückverein (heute Hunsrückverein) errichteter, am 8. September 1901 eingeweihter, 23 Meter hoher und aus Stein bestehender Kaiser-Wilhelm-Turm. Nach 60 Jahren wurde er am 18. August 1961 gesprengt, weil er den militärischen Radarrundblick behinderte.
Dirk zeigt uns Fotos der alten Türme bevor wir unseren Weg über das Gipfelplateau bis zur Aussichtsplattform "Windklang" fortsetzen. Auf die Aussicht von hier oben müssen wir leider verzichten, denn es ist immer noch neblig.
Die letzten Meter der knapp 8 km langen Wanderung führen uns parallel zur Skipiste hinunter zum Hunsrückhaus.
Eine schöne Wanderung, auf der ich wieder einiges lernen konnte.
Wir bedanken uns bei Dirk und nehmen noch Starterkarten des Nationalparks mit, dann trennen sich unsere Wege.
Ich hoffe, wir sehen uns mal wieder. 

Die zum Saar-Hunsrück-Steig gehörende Traumschleife "Gipfelrauschen", die zum großen Teil deckungsgleich mit der "Gipfeltour" ist, findet man hier: