Sonntag, 17. Januar 2016

Der Rymhart Troyer - mehr als ein Seemanspullover

Der Rymhart Troyer – der definitiv allerletzte Wollpullover, den ein Mann in seinem Leben noch braucht!

Tief "Emma" bringt maritime Polarluft ins Land – das bedeutet Frost, Schnee und gebietsweise Sturm.
Heute war ich das erste Mal in dieser Saison im Schnee unterwegs, genauer gesagt nahm ich an der von der Erlebnis Nationalpark (ENP) GmbH angebotenen Wanderung ab Rinzenberg teil, die unter dem Namen "Zu Urwald, Fliehburg und Luises letzter Ruhestätte" stand.

Grund genug, hier mal ein Produkt vorzustellen, von dem ich lange Zeit nicht zu hoffen gewagt hätte, dass es so etwas noch gibt... der Troyer von Rymhart zählt nämlich mit zu dem Besten, was man überhaupt aus der Wolle von Merinoschafen machen kann. Daher sollte es eigentlich für jedes Schaf ein ausgewiesenes Karriereziel sein, irgendwann einmal ein "Rymhart-Schaf" werden zu dürfen.

Ach ja: Der Troyer ist ein Rollkragenpullover, dessen Rollkragen meist durch Reißverschluss geöffnet wird. Er wird auch "Isländer" genannt und ist DER Seemannspullover überhaupt!

Generationen von Fischern und Seeleuten schwören auf ihn, und das seit Jahrhunderten. Außerdem passt dieser Troyer zu jedem Menschen, der sich gerne bei Wind und Wetter draußen aufhält, egal ob Mann oder Frau. Und er passt zu denen, die in einem Pullover mehr sehen als eine Klamotte, genauso wie zu denjenigen, die die "Qualität alter Zeiten" suchen. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft - das Ding geht eben immer, wenn's draußen frisch wird.

In der vierten Generation fertigt Karl Siegel Strickwaren und -stoffe, und das noch immer in Stade, an der Unterelbe bei Hamburg. Für seine Troyer, von denen der erste angeblich nur für den Chef selber zum Segeln gedacht war, wird bis heute ausschließlich 100% Merinowolle von freilaufenden Schafen benutzt. Diese wird in Deutschland gesponnen und gefärbt. Die Wolle hat eine selbstreinigende Wirkung, die übermäßiges Waschen unnötig macht und das Lanolin dieser natürlichen Wolle sorgt außerdem dafür, dass Feuchtigkeit und Gerüche nach außen transportiert werden. Das Ganze ist also eine Art "klassische Funktionsgarderobe". Auf die Vorzüge von Merinowolle möchte ich hier nicht näher eingehen, denn im Internet gibt es genügend Quellen hierzu.
Somit ist er ideal für alle, die auch draußen auf natürliches Material nicht verzichten wollen.
Wer jetzt Angst davor hat, dass ein solcher Troyer der guten alten Machart kratzen könnte – was Merinowolle im Gegensatz zur Schurwolle eigentlich nicht tut – der kann beruhigt sein. Auch daran wurde gedacht. Auf Wunsch und zur zusätzlichen Wärmeisolierung ist mein individuell nummerierter Troyer auch von innen baumwollgefüttert.
Doch der dickste Pullover kann keine Wärme speichern, wenn sich die Kälte durch Ärmel, Kragen und Saum ihren Weg ins Innere bahnt. Der Rymhart-Troyer kennt solche Probleme nicht. Er verteidigt die kostbare Körperwärme mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, denn sämtliche Bündchen bestehen aus zwei Lagen Gestrick. Der Effekt: Alle Ein- und Ausgänge werden praktisch doppelt bewacht. Die Nähte, an denen diese Stofflagen zusammengeführt werden, sind elastisch. Somit liegen sämtliche Bündchen eng an und leiern selbst nach langem Tragen nicht aus.
Besonderes Qualitätsmerkmal ist auch eine spezielle Verstärkung im Umbruch des Saums, die das Durchscheuern verhindert - also exakt an der Stelle, an der durch Bewegung besondere Reibungs-Belastungen entstehen.
Der Rymhart-Troyer in GRAPHIT
Der erste Eindruck:
Bereits der "erste Auftritt" des Troyers, wenn dieser denn seinen Besitzer (ausschließlich per Versand) erreicht, ist großes Kino. Der Troyer wird in einem festen Segelleinensack mit dem Logo der Rymhart Manufaktur, einem stilisierten Anker, geliefert. Das Erste, was mir auffiel, war das Gewicht – da wurde einiges an Material verarbeitet. Mein Exemplar mit individueller Seriennummer bringt immerhin fast 1.800 Gramm auf die Waage (Größe 50/52).
Doch obwohl er schwer in der Hand liegt, bemerke ich das Gewicht angezogen nicht mehr.
Der Pullover, der wesentlich mehr ist als das, sitzt wie angegossen und schon der Reißverschluss begeistert einen Kerl auf die gleiche Weise, wie ein zuschnappendes Feuerzeug oder Klappmesser oberster Kajüte – um im Jargon zu bleiben.
Das edle Teil ist zur Zeit in den fünf Farben Graphit, Marineblau, Schwarz, Stein und Teak Melange erhältlich.
Wählen kann man außerdem zwischen regulärem und komfortablem Schnitt.

Für mich kam nur der reguläre Schnitt in Frage, mehr Sorge bereitete mir die Farbwahl. Marineblau ist was für Seeleute, in Schwarz gefällt er mir nicht, der Farbton Stein lässt eine Person wie mich schnell blass darin wirken und so schwankte ich zwischen Teak Melange, was einem schönen braun entspricht, und Graphit, ein dunkles grau bzw. anthrazit. Letztlich überließ ich den braunen Farbton Jägern und Förstern, sodass es Graphit wurde. Diese Farbe schien mir ideal, um sie zu allen anderen tragen zu können.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für mich in Ordnung. Ok, 199,- Euro für einen klassischen und 249,- Euro für einen gefütterten Rymhart-Troyer sind schon mal 'ne Heuer, aber das ist er alle Male wert – und mehr, denn es könnte tatsächlich der letzte Pullover eures Lebens werden!
Außerdem ist einmal Einschicken und Auffrischen im Preis mit inbegriffen.

Auch bei der heutigen Wanderung hielt er meinen Körper konstant auf Temperatur. Selbst bei eisigen Minusgraden ist einem wohlig warm, ohne dass man schwitzt. Dadurch fällt der lästige Kleidungswechsel im Winter weg und man braucht oft nicht mal eine zusätzliche Jacke, wenn man das Haus verlässt.
Die passende Mütze dazu habe ich übrigens gleich mitbestellt.

In diesem Sinne:
"Rüm hart, klaar kiming" eine Botschaft, die auf Nordfriesisch nicht leicht zu verstehen ist und "weites Herz – klarer Horizont" bedeutet.

Ein Freund erinnnert mich an die Zeilen aus Reinhard Meys gleichnamigem Lied sowie auch Album "Rüm Hart":
"Der Wind treibt Regen her von See und Wolken schwer und grau,
er hat die bunte Wollmütze tief ins Gesicht gezogen.
Er sagt, die Leute hier haben in ihren Augen das Blau,
das ihrem Himmel so oft fehlt und dem Meer und den Wogen."


"Rüm hart, klaar kimming" – weites Herz, klare Kimme. Die Kimme ist bei den Seefahrern die Linie zwischen Meer und Himmel. Zeichnet die Kimme eine klare Linie, ist beständiges Wetter in Aussicht und eine Schiffsreise wird gut.
Die inselfriesischen Kapitäne, die für den Spruch verantwortlich sind, wollten damit ihre Weltläufigkeit ausdrücken, sagt man. "Rüm Hart – klaar Kiming", so lässt sich das auch auf andere Lebensbereiche übertragen. So soll man immer offen für andere sein, ein großes Herz haben – dabei aber nie das Ziel aus den Augen verlieren.