Montag, 19. Oktober 2015

Nervenkitzel in 100 Metern Höhe


Geierlay Hängeseilbrücke - Blick Richtung Mörsdorf
Freitag, 16. Oktober 2015:
Für Wanderfreunde und Radfahrer wird der Saar-Hunsrück-Steig im Saarland immer attraktiver: Das bisher 218 Kilometer lange Wegenetz wurde im April um 190 Kilometer erweitert. Nun ist auch der östliche Hunsrück zu entdecken. Bislang verlief der Saar-Hunsrück-Steig von Perl an der Mosel quer über den Hunsrück bis nach Trier. Er ist vom Deutschen Wanderinstitut als Premiumweg zertifiziert.

Am 03. Oktober 2015, dem 25. Jahrestag der Wiedervereinigung, wurde am Saar-Hunsrück-Steig eine weitere Attraktion eröffnet, die "Geierlay-Hängeseilbrücke" bei Mörsdorf.
Sie kreuzt den Saar-Hunsrück-Steig zwischen Etappe 19 und Etappe 20 und ist Bestandteil der beiden neuen Geierlay-Rundwege.
Ihren Namen "Geierlay" hat sie in Anlehnung an ein örtliches Flurstück erhalten
.

Augen auf - Kopfweh! Verdammt. Da geht man leichtfertig auf ein Haxenessen und kommt leicht fertig nach Hause.
Aber was soll ich sagen? Selbst schuld. Für mich trotzdem kein Grund, den heutigen freien Tag im Bett zu verbringen. Die gute Hunsrück-Luft wird es schon richten.

Geierlay Hängeseilbrücke - Brückenkopf Sosberg
Gestern besuchte ich mit Freunden das 28. Haxenessen in der Artillerieschule Idar-Oberstein. Da es dort immer etwas später wird, habe ich vorsorglich am heutigen Tag Mehrstundenausgleich eingetragen und mir vorgenommen, die Geierlay Hängeseilbrücke zu besuchen.
Die
"große" Geierlayschleife ist nur knapp 6 km lang und es lohnt sich nicht wirklich, dafür knapp 58 km Anfahrt in Kauf zu nehmen, allerdings reizt mich die Hängeseilbrücke doch enorm und je nach Lust und Laune kann ja noch eine Traumschleife angehängt werden.
Da es schon recht kühl geworden ist, wird mich eine Thermoskanne mit heißem Pfefferminztee im Rucksack begleiten, die Gesellschaft von meiner Regenjacke bekommt. Schnell los, bevor sich in Mörsdorf zu viele Menschen tummeln. Unterwegs kaufe ich mir mein Frühstück und einen mobilen Kaffee, den ich während der Fahrt von Idar über Veitsrodt, Mörschied, Hottenbach, Rhaunen, Gösenroth, Laufersweiler, Sohren, Bärenbach, Kappel und Bell nach Mörsdorf genieße… verdammt heiß, dieser Becher. Kurz hinter Rhaunen rufe ich mir die technischen Daten des nach dem Vorbild nepalesischer Hängeseilbrücken errichteten Bauwerks in Erinnerung.
Bei einem Eigengewicht von 57 Tonnen trägt sie ein Gewicht von rund 50 Tonnen, was etwa 600 Personen mit einem Durchschnittsgewicht von 80 kg entspricht.
Sie ist 360 Meter lang und schwingt 100 Meter über dem Erdboden.

Laufsteg der Brücke

Ausgeschilderte Parkplätze sind in Mörsdorf am Besucherzentrum und am Sportplatz vorhanden. Mein Auto muss am letztgenannten Ort auf mich warten, denn so kann ich noch durch das Dorf wandern und die Streckenlänge von 6,5 auf 7,6 km erweitern. Außerdem herrscht hier kein so großes Besucheraufkommen, was mir sowieso lieber ist.
Angeblich sollten die Parkplätze am Sportplatz kostenfrei sein, allerdings steht auch hier zu meiner Überraschung schon ein neuer Parkscheinautomat. Somit werden an beiden Punkten 2,00 Euro pro Tag als Gebühr fällig.
Durch das Dorf folge ich der Beschilderung und komme über einen größtenteils asphaltierten Feldweg bis zum vorläufigen Ziel. Es sind kühle 5 Grad, später am Tag wird sich die Temperatur zwischen 8 und 10 Grad einpendeltn. Dank frischer Luft, heißem Kaffee und Tee sind meine Kopfschmerzen mittlerweile Vergangenheit.
Nun stehe ich hier vor Deutschlands längster für Fußgänger erbauten Hängeseilbrücke – und das Mitten im Hunsrück.
Mein Blick fällt zuerst auf das Widerlager. Über zwanzig Meter tief wurden die Löcher für die Anker der beiden Widerlager in den Hunsrücker Schiefer gebohrt.
Wer am Brückenkopf angekommen ist, sollte erstmal den Anblick auf die ästhetische Konstruktion genießen.
Diese ähnelt, wie schon erwähnt, den Hängeseilbrücken in Nepal. Das klingt nach Abenteuer… und das ist es auch.
 

Auf der Geierlayschleife
Die ersten Meter auf den Douglasien-Bohlen sind noch unspektakulär.
Dann breitet sich das Tal vor einem aus, man blickt immer weiter in die Tiefe und es wird etwas wackelig, je nachdem wie stark der Wind weht und wie viele Leute sich gleichzeitig auf der Brücke befinden. Imposant ist es, wenn man genau in der Mitte über dem Tal bzw. dem Mörsdorfer Bach steht, da beginnt mein Herz auch etwas schneller zu schlagen. Hier bleibe ich viele Minuten stehen und beobachte alles ganz genau. Erst die Landschaft und dann die Stahlseilkonstruktion, die mich trägt. Die Brücke ist an insgesamt 6 Lastseilen aufgehängt, wobei die oben liegenden Tragseile als Handlauf dienen. Zur Sicherstellung der Anforderungen an das Schwingungsverhalten wurden parallel zu den Lastseilen parabolisch abgespannte Windlastseile montiert.
Die Brücke misst unten eine Breite von 85 cm und verläuft nach oben V-förmig auseinander, sodass zwei Personen nebeneinander passen. Räder sind übrigens erlaubt, müssen allerdings geschoben werden. Beim Gehen sollte man aufmerksam sein, da zahlreiche Schraubenköpfe aus dem Holz ragen. Außerdem kann der Laufsteg bei Nässe rutschig sein.

Auf der Geierlayschleife

Am Ende der Brücke, auf der Sosberger Seite, ist mein erster Gedanke "du bist drüber". Ich blicke zurück und bin ein wenig stolz, denn ich kann nicht von mir behaupten, hundertprozentig schwindelfrei zu sein. Die Aussicht von dieser Seite Richtung Mörsdorf gefällt mir noch besser. Am einfachsten ist es nun sicher, den Weg wieder zurück zu gehen. Möchte man es mir gleichtun, folgt man nach der Brücke links herum der markierten Geierlayschleife. Unter der Brücke geht es auf Waldwegen hinunter zum Mörsdorfer Bach. Leider ist die Strecke sehr matschig und ich muss ständig aufpassen, nicht auszurutschen. Nachdem die Brücke überquert ist, muss ich mich orientieren. Mein Navigationsgerät zeigt mir die aus dem Internet geladene Strecke nach halblinks bzw. geradeaus. Die Beschilderung weist allerdings irgendwie nach rechts über die Zuwegung des Saar-Hunsrück-Steigs. Meine Entscheidung fällt auf rechts und so wandere ich entlang des idyllischen Bachtals aufwärts bis kurz vor Mörsdorf.
Hier interessiert mich dann allerdings doch die original Streckenführung, insbesondere die Aussicht am Gipfelkreuz, die bei dieser Variante ausgelassen wurde. Die Strecke ist kurz und daher gehe ich zurück, bis ein kleiner, unscheinbarer Weg in den Wald abzweigt, der mich nach etwa 80 Metern zum Gipfelkreuz bringt.

Blätterteppich im Mörsdorfer Bachtal

Vom Gipfelkreuz wieder zurück folge ich dem Forstweg bis hinunter zum Bach, quere diesen über eine Brücke und stehe wenig später wieder an der Abzweigung, an der ich vorhin rechts abgebogen bin. Na ja, ehrlich gesagt gefiel mir die erste Variante besser und so wähle ich diese erneut, um wieder nach Mörsdorf zu kommen.
Ein kleiner Abstecher bringt mich zum Besucherzentrum, wo sich am Parkplatz schon viele Besucher tummeln… ganz schön viel Betrieb hier.
Nachdem ich während des Rückwegs drei Autofahrern den Weg zum Besucherzentrum bzw. dessen Parkplätzen erklärt habe und sogar gefragt wurde, ob man für die Nutzung der Brücke etwas zahlen muss, findet man mich kurz darauf am Sportplatz wieder… mein Auto steht immer noch ganz alleine hier.
 

Das war nun also meine Hängepartie im Hunsrück. Wenn sich der Himmel auch trüb und grau zeigte, bin ich doch froh, nicht nass geworden zu sein.
Im Mörsdorfer Bachtal

Ach ja - wer sich das auch fragt - die Nutzung der Brücke ist übrigens kostenlos.
Hinweis: Auf der Homepage www.haengeseilbruecke.de existiert ein Link zur Webcam auf der Sosberger Seite.
Hier kann die Brücke früh morgens bestaunt werden, wenn sie in dichten Hunsrücker Nebel gehüllt ist. Ein mystisches Bilid, als führe die Brücke ins Nichts.

Kondition und Zeit sind noch ausreichend vorhanden und da Mörsdorf in der Nähe der zum Saar-Hunsrück-Steig gehörenden Traumschleifen "Dünnbach-Pfad", "Masdascher Burgherrenweg" und "Layensteig Strimmiger Berg" liegt, muss ich mich nur noch für eine der drei entscheiden.


Meine Wahl fällt nach kurzer Recherche auf den mit 87 Punkten bewerteten Layensteig, obwohl – oder gerade weil – er wegen der drei Klettersteige als schwer eingestuft ist. Drei mögliche Portale gibt es bei dieser Traumschleife, wobei das Portal im Ort Mittelstrimmig für mich am günstigsten liegt.

Wer mit auf Erlebnistour gehen möchte, folgt mir zum nächsten Post.


Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=rfqubiupcxumgeex