Montag, 7. März 2016

Nationalpark ON TOP

Sonntag, 06. März 2016:
Der persönlichen Einladung des zertifizierten Nationalparkführers (ZNF), Sascha Becker, nach Rinzenberg folge ich gerne.

Unsere heutige Mission ist die Erstbegehung der Tour „Nationalpark ON TOP“ mit Saschas Kollegen der ENP GmbH sowie deren Partnern und Freunden.
ENP, das steht für „Erlebnis Nationalpark“.
Unter diesem Motto werden vom 20.03. bis 23.10.2016 jeden Sonntag um 10:00 Uhr Wanderungen angeboten, bei denen Gästen, aber auch Einheimischen, die Schönheiten unserer Region nähergebracht werden.


Sie führen unter Leitung zertifizierter Nationalparkführer/-führerinnen und jeweils zum Programm passenden Überraschungen durch Teile des an Pfingsten 2015 eröffneten Nationalparks Hunsrück Hochwald.
Vier durchdachte Touren im monatlichen Turnus sorgen für Planungssicherheit und dafür, dass niemand etwas verpassen muss.


Ob nun die
Köhlertour in Muhl, die zur einigen Kirche im Nationalpark führt, „Ruff un Runner“ in Kirschweiler zum Silberich mit der ältesten, keltischen Befestigungsanlage der Region, dem „Sturm auf den Ringwall“ in Neuhütten zur mächtigen keltischen Festungsanlage am Hang der Dollbergkette oder „Nationalpark ON TOP“ hier in Rinzenberg zum Wehlenstein, von dem man eine tolle Aussicht genießen kann… dies sind nur ein paar Beispiele für zahlreiche Highlights, bei denen alles garantiert ist, nur keine Langeweile.

Weitere Infos gibt es immer aktuell auf Facebook und der ENP-Homepage
www.erlebnis-hunsrueck.de

 
Das Thermometer meldet genau Null Grad, als wir uns mit 13 Personen um kurz nach 10 Uhr vom Gasthaus Gordner aus auf den Weg Richtung Ortsausgang machen.
Der Winter, der diese Saison spät Einzug hält, legt sein weißes Kleid über Feld und Flur, Schnee knirscht unter den Stiefeln und große, weiße Flocken schmelzen langsam auf unseren Schultern.


Der erste Anstieg ist geschafft - auf der Traumschleife "Trauntal Höhenweg" (Foto: Norbert Hoff)
Sascha klärt uns auf, was eine Brücke in Koblenz mit dem Ort Alt-Rinzenberg zu tun hat, bevor wir auf Teilen der Traumschleife „Trauntal-Höhenweg“, die vom Deutschen Wanderinstitut mit 71 Erlebnispunkten bewertet wurde, den ersten Anstieg in Angriff nehmen. Wir befinden uns nun im Nationalpark auf der südlichen Grenze in einer Pflegezone, deren Aufgabe es ist, negative Wirkungen, wie z.B. Ungezieferbefall, von der Naturzone fernzuhalten.

Der Weg führt uns ständig leicht bergauf bis in uralte Buchen- und Eichenwälder, an denen Schnee, Eis und Wind bizzare Formen gebildet haben. Die Hälfte der Strecke haben wir bereits geschafft. Sascha hat recht, man fühlt sich hier wie bei „Herr Der Ringe“ im Reich der Ents und wartet nur darauf, bis einer der knorrigen Bäume zum Leben erwacht und sich in Bewegung setzt.
Ein Zitat von Theodor Heuß sagt schon, dass Holz ein einsilbiges Wort ist, hinter dem sich aber eine Welt der Märchen und Wunder verbirgt.


Gebt mir Natur, den Rest könnt ihr behalten
Es sind nur ein paar Meter bis zum „Wehlenstein“, jenem besonderen Geländepunkt oberhalb von Rinzenberg. Sein Gipfel liegt auf 668 m. ü. NN. Normalerweise bietet sich von hier ein toller Fernblick, heute müssen wir allerdings wegen des Schneetreibens darauf verzichten.
In warmen Sommern kann man ab Juli Heidelbeeren pflücken. Wer dann hierher kommt, und weiß, dass „Wähle“ im Hunsrück als mundartliches Synonym für die Heidelbeere steht, die hier in der Region sowieso Blaubeere heißt, weiß auch, warum die Felsformation den Namen „Wehlenstein“ trägt.
Hier wartet dann auch eine Überraschung auf uns, von der an dieser Stelle aber nicht mehr verraten wird.

Von jetzt an geht es nur noch bergab – zunächst über eine improvisierte Querfeldein-Passage und dann vorbei am Hochbehälter zurück in den Ort.
Wenig später haben wir den Ausgangspunkt der Wanderung erreicht und betreten das Gasthaus Gordner.
Es waren nur knapp fünf Kilometer, im Schnee allerdings wie gefühlte acht im Sommer.
130 Höhenmeter haben wir zurückgelegt und füllen mit guter Hausmannskost unsere Energiespeicher wieder auf.


Bäume predigen das Urgesetz des Lebens (Hermann Hesse)
Die Zahl 13 war heute gewiss keine Unglückszahl – ganz im Gegenteil. Danke für die schöne Tour und die tollen Gespräche.

Ich verabschiede mich, denn es widerspricht ganz klar der Natur des Menschen, sich über allzu lange Zeit in geschlossenen Räumen aufzuhalten! 
Der Erbeskopf wartet, wo heute viel mehr Betrieb herrscht als gestern.
Mein Ziel ist die Aussichtsskulptur „Windklang“ und ich mache mich auf den Weg entlang der Skipiste, wo ich vier Kindern auf ihren Schlitten im wahrsten Sinne des Wortes „Starthilfe“ gebe. Auf den 130 Höhenmetern bis zum Gipfel ändert sich das Wetter beachtlich. Unten noch angenehm klar und relativ warm, sieht man hier oben die Hand kaum vor Augen und meine Jacke muss sich beweisen, um eisigen Wind und Schnee abzuschirmen. Ein bisschen beobachte ich das Treiben auf der Skipiste und stapfe zurück.
Die Après-Ski-Hütte ist brechend voll und so gehe ich gleich weiter zum Auto.

Ein schöner Tag im winterlichen Nationalpark