Dienstag, 12. Juli 2016

Oh je, wie grau ich schon bin

Ich habe ein neues Bild von mir selbst gewonnen.

Viele Jahre lang bin ich schon beim gleichen Friseur. Der hatte fürs Haareschneiden immer einen dunklen Umhang angelegt - entweder dunkelblau oder schwarz. Die hellen Haare fielen auf dem dunklen Umhang natürlich besonders auf. „Oh je, wie grau ich schon bin.“ – das war mein bisheriger Eindruck beim Friseur.

Beim letzen Mal sah ich einen weißen Umhang am Haken hängen und bat meinen Friseur, mir diesen anzulegen. Auf dem stachen beim Haareschneiden die dunklen Haare viel stärker hervor als die grauen. Also war das Fazit: „Toll, wie viele dunkle Haare ich noch habe!“
Derselbe Kopf, dieselben Haare – aber eine ganz unterschiedliche Wahrnehmung.
Durch die anderen Umstände konnte ich mit einem Mal die andere Seite der Wirklichkeit sehen, das, was mir in der alten Perspektive so nicht aufgefallen war.
Dadurch habe ich ein neues Bild von mir selbst gewonnen.

Was spiegelt diese Erfahrung wider?
Meistens nimmt jeder nur einen bestimmten Ausschnitt der Wirklichkeit wahr. Das, was er durch seine Brille und in seiner Perspektive sieht.
Andere Aspekte erkennt man nicht so deutlich oder gar nicht. Deshalb ist es hilfreich, ab und zu bewusst die Perspektive zu wechseln. Das Vertraute aus einem gewissen Abstand anzuschauen, aus einer anderen Richtung, vor einem anderen Hintergrund.
Dazu tut äußerer und innerer Abstand gut.

Wenn ich beim Wandern ein oder zwei Kilometer weitergehe, dann eröffnen sich ganz neue Aspekte der gleichen Landschaft; sie wirkt ganz anders, ich kann neue Seiten an ihr entdecken. Genau so kann es mit dem Blick auf mein Leben und auf mich selbst gehen.

Die beginnende Urlaubszeit ist eine Chance, aus dem Tunnelblick des Alltags herauszukommen, ein wenig Abstand vom Gewohnten zu gewinnen und es aus anderer Perspektive neu zu entdecken - auch neue Seiten am Leben und an sich selbst wahrzunehmen. 

Ich wünsche euch eine Entdeckungsreise mit ein paar schönen Überraschungen!