Dienstag, 1. November 2016

Ich mag den November

Die Tage werden kürzer und die Abende länger – die dunkle Jahreszeit ist angebrochen.
Je dunkler die Tage, desto trüber ist bei vielen Menschen die Stimmung.
Das lässt sich einfach erklären: Wenn Licht fehlt, geht unsere Stimmung in den Keller. Dieses Phänomen ist unter dem Namen „November-Blues“ bekannt geworden.
Ich mag dieses Wort nicht, aber „Winterdepression“ oder „SAD“ (saisonal-affektive Störung) hört sich auch nicht besser an.

November: Für viele Menschen eine graue, triste und bedrückende Zeit.
Auch Gedenktage wie Volkstrauertag, Buß- und Bettag sowie Totensonntag tragen zur getrübten Stimmung bei, denn sie beladen uns mit schweren Worten.
Gerade der Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, erinnert uns an die Verstorbenen – kurz bevor es weihnachtlich wird.

Zu diesem „Trauerspiel“ trägt auch noch die Natur auf ihre Weise bei: Die nassen, kalten, grauen Tage, wenn der raue Wind die letzten Blätter von den Bäumen und Sträuchern reißt und die abgestorbenen Pflanzenreste auf dem Boden verrotten.
Die Natur zeigt uns in ihren Bildern unsere eigene Vergänglichkeit.
Da wundert es mich nicht, wenn es einem schwer ums Herz wird.

Aber auch Grau kann wunderbar sein, besonders die Vielfalt der Grautöne. Es gibt eben nicht nur schwarz und weiß, nicht nur die bunten Farben im Frühling, sondern eben die unterschiedlichen Grautöne.
Auch unser Leben verfügt über eine Vielzahl von Zwischentönen – so viel mehr als die Alternativen Ganz oder Gar nicht, Alles oder Nichts, Schwarz oder Weiß.
Auch wenn uns gerade jetzt das Sterben, die Trauer und die eigene Vergänglichkeit so vor Augen geführt werden, können wir „grau“ statt „schwarz oder weiß“ wählen.
Mit Blick auf die Endlichkeit des Lebens haben wir mehr als nur die beiden Alternativen, zu verdrängen oder traurig zu werden, weil wir erkennen können: Das Leben hält all seine Schattierungen für uns bereit, die hellen und die dunklen Lebensfarben.

Gelassenheit gewinnen wir, wenn wir uns nicht an Extremen orientieren müssen, sondern wir unsere eigene Mitte finden können, bei den Menschen oder Dingen, die uns wirklich wichtig sind.

Dass mich der November darauf hinweist, macht ihn mir so sympathisch - ich mag ihn, den November.