Sonntag, 30. August 2015

Angedacht - Das Plus vor der Klammer

Im Mathematikunterricht lernten wir viele Rechenwege, die nach festgelegten Regeln schließlich zu den richtigen Ergebnissen führten.
Wir hörten, dass der "Satz des Pythagoras" eine unumstößliche Voraussetzung in der Geometrie ist: "Das Quadrat über der Hypotenuse ist gleich der Summe der Quadrate über den Katheten."
In der Algebra konnte man schwierige Aufgaben lösen, wenn man sich an die Regel der "binomischen Formel" hielt, die besagt, dass (a + b)2 = a2 + 2ab + b2 ist.
Bis heute bewegt mich eine im Mathematikunterricht gewonnene Erkenntnis, an der ich mich in der Frage nach den Grundvoraussetzungen für ein christliches Leben orientiere.
Wir mussten damals mit Klammern, in denen mehrere bekannte oder unbekannte Größen untergebracht waren, zu rechnen und hatten sehr darauf zu achten, was für ein Vorzeichen vor der Klammer steht.
Wir lernten: Steht ein "Minus" vor der Klammer, so ist der gesamte Inhalt negativ, wie groß auch der darin enthaltene Wert ist.
Steht ein "Plus" vor der Klammer, so ist auch der in der Klammer vorhandene Wert positiv.
Mir kam in der Übertragung dieses Sachverhaltes auf mein Leben der Gedanke, dass in der Klammer der Gesamtwert meiner Existenz steht, meine Erfahrungen und Erlebnisse, meine Wünsche und Erfolge, meine Pläne und Vorstellungen, kurz – alles was mein Leben ausmacht, worauf ich stolz bin und auch das, was mich betrübt.
Es wurde mir deutlich, dass alles abhängig ist von dem, was vor dieser Klammer steht: Entweder der Segen Gottes, für den ich mich offenhalte oder mein menschlicher Ehrgeiz, der mir einredet, alles, was ich bin, bin ich aus mir selber.
Wenn ich also die persönlichen, selbstherrlichen Aspekte vor die Klammer meines Lebens setze, kommt es zu lauter negativen Ergebnisse; mögen die einzelnen Erfahrungen und Erfolge menschlich gesehen noch so hoch eingeschätzt werden.
Steht jedoch der Segen Gottes davor, dann erhalten sämtliche Lebensabschnitte einen positiven Wert.
Mich faszinierte die Vorstellung, dass unter dieser Voraussetzung auch meine Schwachheiten, meine Fehlentscheidungen und meine Schuld einen neuen Aspekt bekommen: Gott, der in Jesus Christus seine grenzenlose Gnade sichtbar gemacht hat, wendet meine Unvollkommenheiten zum Guten. Der Segen Gottes, den ich als freundschaftliches Eingreifen des Schöpfers in mein Leben verstand, veränderte die menschlichen Sichtweisen. Denn die für die meisten Menschen erstrebenswerten Dinge, wie Glück, Gesundheit, Geld und irdische Güter, sind vergänglich und haben keinen Ewigkeitswert.
Was schon in diesem Leben bleibende Bedeutung erhält, sind die Ereignisse, die vom Segen Gottes begleitet werden und die ER in seiner Güte zum Guten wendet und die ER durch Jesus Christus vergibt.
In der Gewissheit, dass Gottes Segen das große "Plus" vor der Klammer meines Lebens ist, werde ich dankbar gegenüber der unverdienten Gnade Gottes. ER führt und begleitet mich durch die Gegenwart. ER lässt mich auch in den dunklen Phasen der Trauer oder der Einsamkeit nicht ohne seine Nähe.
Solche Hoffnung und Zuversicht ist in meinem Leben die Quelle göttlichen Segens.
Für mich ist es immer wieder ein Grund zum Staunen, dass ich in Bereichen, die scheinbar gar nichts mit Religion zu tun haben, wie dem Mathematikunterricht, etwas von dem Wirken Gottes entdecken kann.