Montag, 27. Juni 2016

42 km auf dem Saar-Hunsrück-Steig

Der 7. Saar-Hunsrück-Steig Wandermarathon führt heute, am 26. Juni, auf spannenden Pfaden durch die Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald.
Nach sechs Jahren im Saarland wird der erfolgreiche Saar-Hunsrück-Steig Wandermarathon erstmals in Rheinland-Pfalz veranstaltet.

Die Herausforderung ist eindeutig: 42 Kilometer anspruchsvolles Wandern auf einem der besten Fernwanderwege Deutschlands! 
Schon im Jahr 2009 wurde der Saar-Hunsrück-Steig zu Deutschlands schönstem Wanderweg gewählt und zählt seitdem zu den "Top-Trails of Germany - Deutschlands beste Wanderwege".

Die Mörschieder Burr
Wir haben uns für die Marathon-Distanz von 42 km angemeldet und dafür vorab je 15 Euro überwiesen. Als Gegenleistung gibt es eine Startnummer, Streckenkarte, Streckenverpflegung, Streckensicherung und medizinischer Notfallservice, Teilnehmer-Urkunde, Teilnehmer-Foto und den Rücktransport zu Start/Ziel bei frühzeitiger Aufgabe.

Mit dem Auto fahren wir zum Hunsrückhaus am Erbeskopf, um unsere Unterlagen abzuholen. Die Startnummern 33, 34 und 520 sind für uns reserviert. Über 800 Personen haben sich im Vorfeld angemeldet. Hierbei war die 31-km-Distanz am beliebtesten, dicht gefolgt von 19 und 42 km.

Fahrer steigen aus ihren Fahrzeugen, öffnen die Heckklappe und setzen sich in den Kofferraum. Sie ziehen die Straßenschuhe aus, schnüren ihre Wanderschuhe und schultern ihren Rucksack. Unzählige Male lässt sich dieses Bild am Samstag hier auf dem Gelände beim Hunsrückhaus beobachten.

Blocksteinfelder der Mörschieder Burr
Der Bus-Shuttle bringt uns zum Startpunkt in Veitsrodt, wo wir u.a. vom Bürgermeister der VG Herrstein und der neu gekürten 21. Edelstein-Königin, Anna-Lena Märker, begrüßt werden. Es ist noch neblig und die Sonne steht tief am Himmel, als wir uns um 06:30 Uhr auf den Weg zurück zum Erbeskopf machen.

Vorbei am Steinernen Gästebuch, das seit 1976 an die zahlreichen prominenten Besucher der Deutschen Edelsteinstraße erinnert, folgen wir dem Weg bis Herborn und weiter in den Wald. Wir gehen jetzt Richtung Mörschied genau auf der Grenze des an Pfingsten 2015 eröffneten Nationalparks Hunsrück Hochwald, der links des Weges liegt. Rechts sehen wir den Wenzelwald. Kaum haben wir die Willkommens-Stele passiert, folgt das vielleicht schönste Gebiet im gesamten Nationalpark sowie auf dem Saar-Hunsrück-Steig. Die knapp 3 Kilometer lange Passage auf dem Felsenpfad führt uns zunächst zur Mörschieder Burr, die mit Geröllfeldern und herrlichen Aussichten aufwartet.
Die Mörschieder Burr liegt auf 646 Metern am östlichsten Ausläufer des Parks. Das Felsmassiv diente einst der Verteidigung und ist heute wegen seiner Wandermöglichkeiten und der tollen Aussicht beliebt. Zusammen mit der natürlichen Vegetation bieten die Blocksteinfelder einen eindrucksvollen Anblick.

Ausblick bei der Kirschweiler Festung
Durch urige Landschaft und Blocksteinfelder geht es weiter zum Hexentanzplatz, wo sich einst an Walpurgisnacht die Hexen der Region versammelt haben sollen. Die mystisch anmutende Felslandschaft am Wildenburger Kopf mit keltischer Fliehburg zieht uns in ihren Bann. Der 22 Meter hohe Aussichtsturm bietet einen überwältigenden Rundumblick. Über die Rosselhalde wandern wir vorbei am Bärloch nach Kirschweiler. Von hier geht es weiter zum 623 Meter hohen Silberich. Bei diesem Naturschutzgebiet handelt es sich um einen bewaldeten Berg, der vermutlich eine keltische Kultstätte war. Die natürliche Felsbildung wird deshalb auch "Kirschweiler Festung" genannt.

Vorbei am Geopark Krahloch, zwischen Sensweiler und Wirschweiler, geht es weiter nach Langweiler, wo wir fast genau die Hälfte der Strecke zurückgelegt haben.
Nach den Wetterkapriolen der letzten Wochen haben wir heute alle Glück. Es bleibt den ganzen Tag trocken und die Temperaturen klettern auf teilweise bis zu 25 Grad. Perfektes Wanderwetter also.

Im Ortelsbruch bei Morbach
 
Der Wandermarathon ist kein Wettkampf, es erfolgt KEINE ZEITNAHME! Durchhalten, Wanderspaß und Ankommen ist das Ziel.

Nach neun Stunden und 15 Minuten sind wir am Erbeskopf, der höchsten Erhebung in Rheinland-Pfalz, angekommen. Hier ist offiziell das Ziel, doch ich lasse es mir nicht nehmen und gehe 800 Meter weiter bergauf bis zur Aussichtsplattform auf dem Gipfel.

Wenn das Leben am Ende des Tages nur ein Mal fragen würde: "Änderungen speichern?"

 
Wir lassen mit den anderen Teilnehmern gemeinsam den Tag ausklingen, gönnen uns Kaffee und Kuchen, holen unsere Urkunde inkl. Zielfoto ab und machen uns dann auf den Rückweg. Danke an meine beiden Mitwanderer, auch wenn ihr mich teilweise verflucht habt.
Michael, deine Idee, die Strecke morgen wieder abzugehen, um den Müll einzusammeln, ist gut. Habe schließlich Urlaub.

Wie ich auf Nachfrage erfahre, waren es heute insgesamt 1.072 Teilnehmer, wovon nur 17 aufgegeben haben. Ich fand die erste Hälfte der Strecke bis Langweiler wesentlich attraktiver als die zweite. Es hat Spaß gemacht, wenn auch die Wege aufgrund der heftigen Regenfälle der letzten Tage und Wochen sehr matschig waren. Man lief oft wie auf Schmierseife. Die Veranstaltung war gut organisiert, wenn auch leider nicht an jeder Verpflegungsstation alles ausreichend zur Verfügung stand, obwohl die Verantwortlichen bemüht waren, rechtzeitig für Nachschub zu sorgen.


Auf dem Gipfel des Erbeskopfs

Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.
(Marie von Ebner-Eschenbach)


Schon 1967 formulierten Aaron Sussman & Ruth Goode in "The Magic of Walking" eine immer wieder gern zitierte Hymne auf die Bewegung in der Natur:
"Laufen ist eines der ersten Dinge, die ein Kind tun möchte und eines der Dinge, die man am schwersten aufgeben will. Laufen ist eine Bewegung, die keine Turnhalle braucht. Es ist ein medizinisches Rezept ohne Medikament, es ist eine Gewichtskontrolle ohne Diät und eine Kosmetik, die man nicht chemisch beschreiben kann. Es ist ein Schlafmittel ohne Tablette, eine Psychotherapie ohne Analyse und ein Ferientag der fast nichts kostet. Außerdem trägt Wandern nicht zur Umweltverschmutzung bei, verbraucht fast keine Rohstoffe und ist hocheffektiv. Wandern ist bequem, es braucht meist keine besondere Ausrüstung. Es reguliert sich von selbst und ist kaum verletzungsträchtig. Laufen ist so natürlich wie Atmen."

 


Geschundene Füße, müde Muskeln, überreizte Sehnen - mal ehrlich: Was ist schön daran?
Diese Frage stellen sich viele Wanderfans scheinbar nicht, denn Extremwanderungen wie 24-Stunden-Events oder Wandermarathons sind sehr beliebt, wenn man sich die Meldezahlen anschaut. Besonders Extremwanderungen sind binnen kürzester Zeit ausgebucht. Faszinierend dabei ist, die eigenen Grenzen ausloten zu können, sich dabei aber in einem organisierten, berechenbaren Rahmen zu wissen und so nicht in extreme Situationen zu kommen. Weder die eigene Planung noch die logistische Organisation sind es, die eine Gefahr zum Scheitern bergen. Extremwanderer haben bei einer durchorganisierten Veranstaltung die Muße, sich auf die eigene Leistungsfähigkeit zu konzentrieren, denn für eine gute Verpflegung, einen Shuttle-Service zum Zielort und oft auch eine regenerierende Massage im Ziel ist gesorgt. So kann man testen, was der Körper hergibt.

Geschundene Füße sorgen für tiefe Täler in der Seele, der umsichtige Wanderer sorgt daher vor und reibt täglich Hirschtalg-Creme, das Fett der Hirschhaut, auf seine kostbaren Füße und verhindert damit Wundreiben, Blasen und Hornhaut. Wetten, dass es hilft?


Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ieibqveidywjsvmr

Sonntag, 5. Juni 2016

Archäologischer Fund im Jahre 3994 AD

Das Skelett eines Mannes auf den Überresten eines mechanischen Pferdes mit Gummirädern wurde 200 Meilen von Salt Lake City entfernt, im US-Bundesstaat Utah, gefunden.
Der "Giro-Mensch", benannt nach der Inschrift auf seinem Kopfschutz, stellt einige Thesen der Anthropologie dieser frühen Zeit in Frage.
So nahm man bisher an, dass die Menschen dieser Zeit eine fettleibige, sesshafte Spezies waren, die jede körperliche Betätigung - außer der Benutzung der Finger zur Bedienung ihrer Computer, Fernsehapparate, Klimaanlagen und zum Essen von Pommes Frites - ablehnten. 35% des Körpers bestanden aus Fett. Sie inhalierten rauchende Stäbchen und bewegten sich in altertümlichen, mit fossilen Brennstoffen angetriebenen Maschinen fort, die sie "Autos" nannten.
Die Funde zeigen, dass daneben auch mindestens eine andere Spezies existiert haben muss. Der "Giro-Mensch" bewegte sich intensiv auf seinem mechanischen Pferd, hatte nur 5% Körperfett und enorme Körperkräfte. So betrug auch seine Lebensspanne nahezu das Doppelte der "fetten" Spezies. Sein Lungen- und Herzvolumen war deutlich vergrößert, ebenso weist er eine deutlich vergrößerte Beinmuskulatur auf - wahrscheinlich eine Folge der häufigen Bewegung in bergigem Gelände.
Der "Giro-Mensch" bewegte sich hauptsächlich in kleineren Rudeln mit hoher Geschwindigkeit. Tat er dies aus sportlichem Interesse oder war er auf der Flucht vor der fettleibigen Spezies? Handelt es sich um eine andere Gattung oder hat sich der "Giro-Mensch" aus der degenerierten, fettleibigen Art fortentwickelt?
War es nur sein Lebensstil oder auch die hochwertige Ausrüstung, die er trug, die ihm halfen, länger zu überleben? Fragen, die wohl nie ganz geklärt werden...

Mittwoch, 1. Juni 2016

Marilyn Monroe

Elton John hat sie besungen. Udo Lindenberg auch.
Mächtige Männer haben sie geliebt – oder zumindest begehrt.
Sie sei die schönste Frau aller Zeiten gewesen, sagen viele. Und ich widerspreche ihnen nicht. Millionen von Menschen haben sie bewundert: Norma Jeane Baker, besser bekannt als Marilyn Monroe.
Heute, am 1. Juni, wäre sie 90 Jahre alt geworden.

Doch Marilyn Monroe wurde nur 36. „Wahrscheinlich Suizid“ stand auf ihrer Sterbeurkunde. Sie starb an einer Überdosis Schlaftabletten. Bis heute halten sich allerlei Verschwörungs- und Mordtheorien. Aber die sind abstrus und keiner weiteren Erwähnung wert.

Sicher ist: Marilyn Monroe war manisch-depressiv und schwer medikamentenabhängig. Ohne ständige psychologische Betreuung konnte sie zuletzt keinen Tag mehr existieren. Bedenkt man ihre Lebensgeschichte, ist das alles nicht verwunderlich. Ihre Kindheit war geprägt durch verworrene Familienverhältnisse. Mindestens einmal wurde sie nach eigenen Schilderungen sexuell missbraucht. Zeit ihres Lebens war sie auf der Suche nach Liebe und Anerkennung – mehr als Sex und Bewunderung ihrer Schönheit hat sie kaum je gefunden. „Wahrscheinlich Suizid“. Ja, wahrscheinlich. 

„Ich hätte dich gerettet, doch ich kam viel zu spät“, singt Udo Lindenberg und macht Norma Jeane Baker damit einmal mehr zum Objekt. Das Leben der Diva war wie eine Projektionsfläche der jeweils eigenen Phantasien. Ihr Leben war ein benutztes Leben. Davor hat sie keiner bewahrt.

Was mich tröstet: Bei Gott ist ihr verletztes Leben heil.

Heute wäre sie 90 Jahre alt geworden: Norma Jeane Baker, besser bekannt als Marilyn Monroe, die zu ihrer Zeit bekannteste und meistfotografierte Frau der Welt.

"Goodbye Norma Jeane"

Mittwoch, 18. Mai 2016

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht


"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht"
Dieses Zitat ist an keiner Stelle schriftlich belegt.
Von daher ist es - ähnlich wie das "Wein, Weib und Gesang" Martin Luthers – lediglich als fiktionale Zuschreibung an Franz Kafka zu verstehen.

"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht"
wurde ähnlich bereits von Antonio Machado zitiert: "Caminante no hay camino, se hace camino al andar."

Wörtlich steht es für "Wanderer, es gibt keinen Weg, der Weg entsteht beim Gehen"

Ich habe den Spruch vor Kurzem als "Wandernde haben keinen Weg, sie schaffen ihn im Gehen" gelesen.

Beim Gehen entsteht der Weg, und wendest du den Blick zurück, so siehst du die Spur, die kaum jemals wieder begangen wird.


"Manche Wege entstehen, wenn man sie geht"

Dieser Franz Kafka zugeschriebene Satz beflügelt, beschwingt, ermutigt und stärkt mich immer wieder.
Der Fuß schwebt noch über dem Nichts – und ich scheue mich, einen Schritt zu machen, doch beim vertrauensvollen Absetzen, beim Schritt nach vorn entsteht erst der Grund, von dem aus der nächste Schritt getan werden kann: Plötzlich ist ein Weg da.


Samstag, 14. Mai 2016

Kaiser Nero - ein Monster, besser als sein Ruf

Kaiser Nero lädt zur Audienz nach Trier!

Hollywood und die schlechte Presse der Antike prägten ein düsteres Bild von Nero.

Drei Museen in Trier zeigen auch ein anderes Bild.


Heute, am 14. Mai 2016, wird in Trier die große Sonderausstellung über den römischen Kaiser Nero eröffnet.
Die erste Nero-Schau in Mitteleuropa wartet bis zum 16. Oktober mit fast 800 Objekten aus 21 Ländern auf.

Nero ist sicherlich der bekannteste aller römischen Kaiser.

Das Bild, das viele von ihm haben, entspricht angeblich aber nicht der Realität.
Die Wissenschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten ein viel differenzierteres Nero-Bild gewonnen - jenseits des Brandstifters von Rom, des Muttermörders und des Christenverfolgers.
Dieses differenzierte Bild möchte man den Besuchern vermitteln.

Mit Nero begegnet uns ein römischer Kaiser, von dem beinahe jeder Mensch schon einmal gehört hat. Politische Morde, Ausschweifungen und nicht zuletzt der Brand von Rom während seiner Regentschaft zeichneten ihn zum Prototypen des wahnsinnigen Herrschers.

Doch war er auch ein Förderer der Künste und spielte selbst auf der Leier.

Bei dem Wort "Leier" denke ich an den bekannten Komiker, Musiker, Komponist, Unterhaltungskünstler, Kabarettist, Schauspieler und Dichter Heinz Erhardt, der Nero folgendes Gedicht gewidmet hat:


NERO

Nero war nicht nur Kaiser,
sondern auch fast immer heiser,
was hauptsächlich daran lag,
daß bei Nacht er und am Tag,
je nachdem, wo etwas los war,
wenn's auch eine Kirmes bloß war,
kurz: bei jeder frohen Feier - 
Lieder sang zu seiner Leier
und das stets mit vollem Ton,
denn noch gab's kein Mikrofon.

Selbst als Rom hellodernd brannte

und das Volk sich an ihn wandte,
stand er mittendrin im Dampfe,
sang Couplets und schlug die Klampfe.

Er war in der Welt des Scheins

eine, wenn auch heisre, Eins.
Sonst jedoch war Kaiser Nero
- unter uns gesagt - ein Zero.

Stufen - ein Gedicht wie ein Gebet

Samstag, 14. Mai 2016:

Mein Geburtstag!

Geburtstage sind gut für die Gesundheit.
Studien haben bewiesen, dass Menschen länger leben, wenn sie mehr Geburtstage haben.

Schriftsteller Hermann Hesse erlangte mit seinen Prosawerken wie "Der Steppenwolf" und mit seinen Gedichten weltweite Bekanntheit und wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Sein wohl bekanntestes Gedicht trägt den Namen "Stufen".


Hermann Hesses Meisterwerk ist Gedicht, Gebet und philosophische Erkenntnis in einem.
Die Zeile "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" ist selbst vielen Menschen bekannt, die Hesse und sein Gedicht nicht kennen.


Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulisch eingewohnt, so droht Erschlaffen,
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegensenden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
wohlann denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(
Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel


Sonntag, 8. Mai 2016

Der Weg

Vielleicht ist das Bild vom Weg das wichtigste symbolische Zeichen für den Verlauf unseres Lebens.
Wir sprechen ja vom "Lebensweg", weil wir im Grunde immer unterwegs sind, Beweglichkeit brauchen, manchmal auch eine etwas problematische Verwegenheit haben, dann möglicherweise vom Wege abkommen oder in eine ausweglose Situation geraten.
Wir sind froh über Weg und Steg, müssen auch immer wieder weg-gehen, befinden uns auf Suchbewegungen, hoffen auf Zugänge, Eingänge und Übergänge, oft genug sind Umwege in Kauf zu nehmen, wir hoffen, dass wir Weggefährten finden und dass uns jemand beisteht, wenn wir einen Ausweg aus der Sackgasse nötig haben.

Wenn wir etwas über unser Leben erzählen sollen, dann zeichnen wir unsere Wege nach, die Stationen unserer persönlichen Geschichte, mit all den Verirrungen und dem Finde-Glück, das uns widerfahren ist. Und wenn wir auch sesshaft geworden sind, so erinnern wir uns doch mit Vorliebe an unsere Reisen und Wanderungen, an die Abenteuer des Unterwegs-Seins. Und manchmal fragen wir uns vielleicht, ob die Wege unseres persönlichen Weges uns dazu geholfen haben, die eigene Identität zu finden, das, was uns von allen anderen unterscheidet. Man kann sich ja auch selbst davonlaufen, in blinde Betriebsamkeit geraten, um nur ja nicht auf den Weg zu kommen, der für uns der richtige ist, der zu unserer Wahrheit gehört.

Wege, Reise, Wanderung, das sind Bilder für die nötigen Wandlungen, die auch zu unserem Leben gehören. Wir durchlaufen ja immer Prozesse eines Gestaltwandels, können nicht die Alten bleiben und wisssen nicht, was auf uns zukommt. Das Abschiedhafte gehört ebenso zu unserem Leben wie die Neigung, an einem Ort zu verharren. Und sind es nicht die Wegkehren, die Entscheidungssituationen, die sich am folgenreichsten für unser Schicksal auswirken? Ob wir die wichtigsten Augenblicke im Leben erkannt haben oder ob wir dafür blind waren und einfach weitergetappt sind, das wird sich erst zu einer späteren Zeit zeigen.


Es ist auffällig, dass in unseren Tagen das Wallfahren wieder entdeckt wird. Viele - auch junge - Menschen, möchten einen weiten Weg gehen, auf Annehmlichkeiten verzichten, sich der Hitze und Kälte aussetzen und ihre eigenen Kräfte ausloten.
Allzu große Sesshaftigkeit scheint problematisch zu sein.
"Wir haben hier keine bleibende Stätte", heißt es im Hebräerbrief (13, 14). Von Jesus wissen wir, dass er in der Zeit seiner öffentlichen Tätigkeit immer unterwegs war. Und wenn er gesagt hat: "Die Vögel haben ihre Nester und die Füchse ihre Höhlen, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann" (Matthäus 8, 20), dann wollte er nicht über sein Schicksal jammern, sondern seine Lebensform verdeutlichen.
Alfons Rosenberg hat deshalb sehr treffend gesagt: "Will man erfahren, was er weisen wollte, muss man den festen Standort aufgeben und mit ihm wandern - denn seine Weisheit ist keine ersessene, sondern eine erwanderte."
Und wenn Jesus sich selbst in einem Deutewort vorstellen wollte, hat er nicht gesagt: "Ich bin die Ruhebank und der Rückzugsort", sondern: "Ich bin der Weg" (Johannes 14, 16).

Sprachforscher machen uns darauf aufmerksam, dass unser Wort "Sinn" etymologisch mit Weg, Reise, Bewegung zusammenhängt. Um den Sinn unseres Lebens zu finden, muss man sich "auf den Weg" machen, muss die Welt kennen lernen, sich "vom Sinnstrahl der Dinge" treffen lassen, wie Romano Guardini gern gesagt hat.

Der Weg ist zwar nicht das Ziel; wer sich aber nicht auf den Weg macht, wie kann der "erfahren" werden und zum Ziel gelangen?

(Otto Betz)

Montag, 2. Mai 2016

35 Kilometer Naturparadies

Samstag, 30. April 2016:
Jedes Jahr freuen wir uns auf die Wanderung mit Pfarrer Burkard Zill und Stabsfeldwebel Oliver Giesler, die schon seit vielen Jahren Wanderungen über den Truppenübungsplatz Baumholder anbieten. Zill ist als exzellenter Kenner des ausgedehnten Geländes und seiner mehr als 75jährigen Geschichte über die Grenzen seiner Heimatstadt Baumholder hinaus bekannt. 


Vom Totenalbtal zum Leitzenberg
Der Zugang zum Naturparadies wird dieses Jahr begrenzt, denn es gilt ein Limit von 50 Teilnehmern. Grund hierfür ist die neue Soldatenarbeitszeitverordnung, die den Spielraum für Überstunden am Wochenende deutlich einschränkt, erklärte Übungsplatzkommandant Reinhard Walter gegenüber der Nahe-Zeitung und bittet um Verständnis.
Um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, mussten bisher drei bis vier Personen aus den Reihen der Kommandantur abgestellt werden, hinzu kam noch ein Begleitfahrzeug. Dies sei nun aufgrund der neuen Verordnung nicht mehr machbar.

S
tart ist um 07:30 Uhr an ''Edingers Mühle''. Zu viert sind wir heute angetreten.
Nachdem die Formalitäten erledigt sind, geht es endlich los.
Die Tour führt uns dieses Mal über den südöstlichen Teil des Übungsplatzes.
 

Oberhalb des Steinbruchs Ronnenberg wandern wir entlang einiger Mauerreste zur gleichnamigen Wüstung.
Panzer-Teststrecke

Der erste Nachweis über Ronnenberg datiert von 1388. 1938 wurde der Ort aufgegeben. Zu diesem Zeitpunkt lebten hier 330 Menschen.
Am Erzweiler Hof im Totenalbtal, an der L169, wartet nach knapp 9 km der Bus zum ersten Mal.
Weiter geht es entlang der Schießbahn 21 am Faulenberg zur Schießbahn 18 mit herrlichem Blick zum Donnersberg und über das Pfälzer Bergland bis zum Pfälzer Wald. Dieser Platz ist wie geschaffen für unsere Rast.
Der Oberst-Wacker-Weg bringt uns hinab ins Totenalbtal. Wir kreuzen die L169 im ehemaligen Ort Erzweiler, wo nach knapp 9 km der Bus zum ersten Mal wartete. Die nächste Passage führt steil hinauf über den Leitzenberg und Rotenberg zum "Steinernen Mann".
Auch hier ein atemberaubender Blick über die Westpfalz bis zum Lemberg bei Bad Kreuznach. Man kann den Eckersweiler Turm sehen. Links davon den Teufelskopf als Teil der Preußischen Berge. Das fast 1.000 Hektar große Landschaftsschutzgebiet bildet den dortigen Grenzverlauf zwischen den ehemaligen königlichen Herrschaftsgebieten Bayern und Preußen.
Nach der Niederlage Napoleons 1814 wurde die deutsche Landkarte auf dem Wiener Kongress neu gezeichnet. Die Rheinlande wurden Preußen zugesprochen, die linksrheinische Pfalz mit rund 430.000 Einwohnern fiel 1816 an Bayern.


Nach rund 19,5 km hält der Bus zum zweiten Mal im Totenalbtal an der L169, die als einzige öffentliche Straße über den Truppenübungsplatz führt.

Der nächsten Etappe folgen wir über 190 Höhenmeter hinauf östlich der Basis der Schießbahn 18 durch den Buchwald nach Grünbach mit seinem ehemaligen Friedhof.
Noch einige Höhenmeter weiter passieren wir den Bunker Emesberg, bis nach einem erneuten steilen Anstieg das 550 Meter hohe "Plättchen" erreicht wird. An diesem Punkt bietet sich uns ein schöner Ausblick, u.a. zum Luftwaffenzielkreis Gemickel, dem zentralen Zielpunkt des Truppenübungsplatzes.
Unser Busfahrer wartet hier zum dritten und letzten Mal. Wer jetzt einsteigt, hat immerhin 30 Kilometer zurückgelegt.
Uns geht es gut, auch wenn wir unsere beiden treuen Mitwanderer vermissen, und so machen wir uns auf den Weg bergab - fünf Kilometer sind es noch zum Ausgangspunkt an der Edingers Mühle.
Für diejenigen, die bis zum Schluss durchgehalten haben, bedeutete das an diesem Tag rund 35 km und 1.165 Höhenmeter.
Dieser Weg wird kein leichter sein

Trotz schlechter Wettervorhersage ab 14 Uhr konnten die Regenjacken und –schirme im Rucksack bleiben. Kein einziger Tropfen ärgerte uns – mal wieder alles richtig gemacht.
Durch dichte Wälder und offene Heideflächen, aber teilweise auch über breite Panzerstraßen führte die Strecke. Selten waren hingegen Querfeldeinstrecken, denn durch die jahrzehntelange Nutzung für Artillerieübungen verbirgt sich so manch gefährlicher Blindgänger im Boden.
Tiefe Spuren haben die Panzer an einigen Stellen hinterlassen, so wird trotz aller Idylle immer wieder deutlich, welches die Funktion des Platzes ist.
Überall tauchen die Zeichen militärischer Nutzung im Gelände auf, so führte die Strecke auch durch Kulissendörfer, in denen für Straßenkämpfe geübt wird.
Wenig ist von den früheren Siedlungen übrig geblieben, an vielen Stellen wird den Prozessen der Natur einfach freier Lauf gelassen.

Es war eine gute Möglichkeit, einen Blick in diesen sonst unzugänglichen Landstrich zu werfen.

Zum Abschluss gehen wir gut Essen, das haben wir uns verdient!

Im ''Buchwald'' mit der RANGE CONTROL

Informationen zum Truppenübungsplatz:
Der Truppenübungsplatz Baumholder gehört mit einer Fläche von 11.900 Hektar zu den größten Übungsplätzen in der Bundeswehr. Kennzeichnend ist ein stark durchschnittenes Gelände mit zum Teil ausgesetzten Steilhängen.
Mit der Aufnahmekapazität von bis zu zehn Kompanien täglich werden auf den großen Flächen vielseitige Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten angeboten.
Auf ihm ist der Einsatz von Bordkanonen, Bordmaschinenkanonen, Panzerabwehrhandwaffen, Panzerabwehrlenkflugkörpern, Handwaffen, Artillerie, Mörser, Unmanned Aerial Vehicles sowie Luft-Boden-Schießen vorgesehen.

Die Schießanlagen bieten das Schießen mit Bordkanonen (bis 120 mm), mit Granatpistolen und Granatmaschinenwaffen (40 mm), mit Panzerabwehrhandwaffen und -lenkflugkörpern und selbstverständlich mit aller Art von Handwaffen.
Für das Schießen der Artillerie und der Mörser sind entsprechende Feuerstellungsräume und -stellungen für Mörser (bis 120 mm), für Rohrartillerie (bis 155 mm), für Raketenartillerie MARS (Mittleres Artillerie Raketensystem bis 298 mm)
allerdings nur mit Übungsmunition und verkürzter Reichweite gegeben. Dank der großen Fläche des Truppenübungsplatzes bietet sich die Möglichkeit auf eine Entfernung von 11.000 bis 15.000 Meter zu schießen.
Hauptsächlich wird der Übungsplatz durch die Artillerieschule aus Idar-Oberstein genutzt. Aber auch die US-Einheiten der First Armored Division und Einheiten aus der näheren Umgebung Baumholders nutzen das Übungsgelände zum Üben und Schießen.

Friedhof Grünbach

Geschichte des Truppenübungsplatzes:
Der Truppenübungsplatz wurde für das XII. Armeekorps der Wehrmacht angelegt, dessen Generalkommando seinen Sitz in Wiesbaden hatte. Mit der Anlage wurde 1937 begonnen.
Für den Platz wurden Gemeinden und Weiler mit 3.970 Einwohnern geräumt und zu Wüstungen. Es waren Aulenbach, Ausweiler, Breungenborn, Ehlenbach, Erzweiler, Frohnhausen, Grünbach, Ilgesheim, Kefersheim, Mambächel, Oberjeckenbach, Ronnenberg, Zaubach, Wickenhof und Wieselbach.
Die Infanterieregimenter 105 und 70 hielten im April 1937 die ersten Übungen ab.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Kriegsgefangene Angehörige der Roten Armee, die vom Stammlager 326 VI K in Nordrhein-Westfalen nach Baumholder gebracht worden waren, in Arbeitskommandos auf dem Truppenübungsplatz eingesetzt.
Im Spätsommer 1941 waren es etwa 450.

Ab dem 17. Dezember 1943 wurden die Bataillone der Strafdivision 999 nur noch auf dem Truppenübungsplatz Baumholder aufgestellt.
Im Herbst 1944 wurde die Gebäude des Truppenübungsplatzes bombardiert. Dabei wurden Kasernen- und Wirtschaftsgebäude sowie das Theater beschädigt.
1945 nahm die United States Army den Truppenübungsplatz ein. Sie übergab ihn im August 1945 an das Französische Heer, das ihn bis 1960 führte. Die 2. US-Panzerdivision nutzte den Platz ab 1951/1952.
Deutsche Soldaten übten ab 1956 nach der Gründung der Bundeswehr wieder auf dem Truppenübungsplatz. Sie übernahm ihn 1960 in ihre Zuständigkeit.

2003 wurde ein neues Nutzungskonzept entwickelt und die Zahl der Schießanlagen seither reduziert. Die Anlage verfügt über 26 Schießbahnen, sechs Sprengplätze, Handgranatenwurfstände, eine ABC-Übungsbahn, einen Pionierübungsplatz und weitere militärische Einrichtungen. 5400 Hektar sind Freifläche und 6200 Hektar Forstbetriebsfläche.
Mit dem Baumholder Army Airfield verfügt der Truppenübungsplatz über einen eigenen Flugplatz.
Klappziele auf Schießbahn 18
Auf Grund der Luftraumstruktur ist der TrÜbPl Baumholder derzeit in Deutschland der einzige, der taktische Luft-Boden-Einsätze der Luftwaffe mit Übungs- und Gefechtsmunition aus mittleren und großen Höhen erlaubt.

Flora und Fauna des Truppenübungsplatzes:
Auf dem Truppenübungsplatz leben 104 Vogelarten, darunter Schwarzstörche, Heidelerchen und Raubwürger. Mehr als 80 Tagfalter wurden nachgewiesen.
Auch Populationen von Luchsen und Wildkatzen finden sich. Von 721 Farn- und Blütenpflanzen stehen 27 auf der deutschen Roten Liste gefährdeter Arten.
Der Truppenübungsplatz ist geschützt nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Vogelschutzgebiet.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter:

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=zqxuxqztgfowvmse