Samstag, 27. Februar 2016

Winterwunderland

Samstag, 27. Februar 2016:
Weißt du, wie gut so ein Winterwald riecht? Gehe wandern und höre nichts als deinen Herzschlag und das Knirschen des Schnees unter deinen Füßen.
Vielleicht siehst Du ja auch den einen oder anderen Waldbewohner auf Futtersuche.

Man kann sich kaum einen schöneren Tag für eine Winterwanderung vorstellen.
Hier in Idar-Oberstein ist der Schnee, der vor einigen Tagen gefallen ist, schon wieder geschmolzen… aber ich weiß, wo noch welcher zu finden ist.
Wenn nicht am Erbeskopf, dem höchsten Berg in Rheinland-Pfalz, wo dann?
Ein Blick auf die Webcam des Hunsrückhauses am Fuß des Erbeskopfs beseitigt alle Zweifel.


Die weiße Pracht
Aber darf man überhaupt noch "Schnee" sagen oder heißt es korrekt "Niederschlag mit Kristallisationshintergrund"?

Wenn die Seen mit einer dicken Eisschicht bedeckt sind, die glitzert und funkelt wie Diamanten und Schneeflocken sich leise auf die Schultern legen, wenn der Atem gefriert, dann spürt man die Magie des Winters.
Ja, Schnee ist magisch. Er breitet seine schützende Decke aus über Wiesen und Feldern.
Er verzaubert die Landschaft und macht aus ihr ein Winterwunderland.


Schnee wie Samt und Seide
Die Natur versinkt in einem friedlichen Schlaf. Alles ist Harmonie. Das Land liegt vor uns wie ein weißes, unbeschriebenes Blatt.

Ermuntert uns, auch einmal in uns zu gehen und ruhig zu werden, keinen trüben Erinnerungen nachzuhängen, keine Sorgen in die Zukunft zu richten. Keine Hektik, kein Stress.
Jetzt ist die richtige Zeit, einmal innezuhalten, den Augenblick zu genießen, ganz im Hier und Jetzt zu sein.

Die Bäume scheinen zu Eis erstarrt.

Trotz Kälte wärmt der Winter unsere Seele.
Frost mit Rost oder Rost mit Frost
Die Welt ist entschleunigt, leise, alles klingt gedämpft. Nur das Knirschen und Knarzen unter den Stiefeln ist zu hören.

"Seien wir mal ganz ehrlich zueinander.
Was von Dauer war das nie zwischen uns.
Das weiß ich. Das habe ich immer gewusst...."

(kleine Liebesbekundung an den Schnee)

Mittwoch, 17. Februar 2016

Richtig lesen ist halb gewonnen

Was ist ein Wort mit drei Buchstaben,
welches hat jedoch sieben und trotzdem acht.
Aber nur vier und immer hat dann doch fünf.

Sonntag, 14. Februar 2016

Musik, die bewegt - Teil 8

Black Is The Colour (Of My True Love's Hair) - ein puristisches Liebeslied, das durch seine Kompromisslosigkeit berührt und mit einer ungewöhnlichen Melodie im Gedächtnis haften bleibt.
Bekannt gemacht hat es Christy Moore. Daraus zu schließen, es sei irischen Ursprungs, würde aber in die Irre führen. Es ist ein traditionelles Volkslied, das als erstes in der Appalachen-Region der Vereinigten Staaten im Jahre 1915 bekannt wurde, aber höchstwahrscheinlich aus Schottland stammt, was der Verweis auf den schottischen Fluss "Clyde" im Text des Liedes belegen könnte.
Zudem berichtet Christy Moore, er habe Black Is The Colour zu Beginn seiner Sängerlaufbahn in Schottland gelernt.

Viele verschiedene Versionen gibt es von diesem Song, einige auf Frauen gerichtet, andere auf Männer, wie auch einige andere Unterschiede:

...like some rosy fair... or ...like a rose so fair... or ... something wondrous fair
    ...the prettiest face and the neatest hands... or ...the sweetest face and the gentlest hands... or ...the clearest eyes and the strongest hands (addressed to a male)
    ...still I hope the time will come... or ...some times I wish the day will come... or ... I shall count my life as well begun, when he and I shall be as one.
    ...you and I shall be as one... or ...s/he and I can be as one...

Diese Wörter beziehen sich auf zwei verschiedene Melodien, eine traditionell, die andere von Kentucky Folk-Sänger und Komponist John Jacob Niles aus dem Jahr 1941.

Die erste Aufnahme stammt von Lizzie Roberts im Jahr 1916.
Seitdem wurde das Lied von unzähligen Künstlern verschiedener Stilrichtungen gecovert bzw. interpretiert.

Im Filmdrama Brokeback Mountain aus dem Jahr 2005 ist eine sehr gut gemachte Fassung mit Jaffa und Nina Simone zu hören. Dieser bewegende Film erzählt bekanntlich von der homosexuellen Liebesbeziehung zweier Cowboys, was dem Lied noch eine weitere Perspektive gibt.


Bei Black Is The Colour handelt es sich ohne Zweifel um eines der schönsten Liebeslieder, die es im Celtic Folk gibt.
Doch das Ende bleibt offen. Wer da schreibt, ist über beide Ohren verliebt. Der/die Angebetete ist der schönste, tollste Mensch der Welt. Aber warum können die beiden nicht zusammenkommen, obwohl es zumindest auf einer Seite treue, wahre Liebe ist?
Oft genug ging und geht es nicht nur um Gefühle, sondern die Partner wurden und werden von der Familie nach materiellen Gesichtspunkten ausgesucht.

Am 23. Oktober 2015, bei der Blind Audition von "The Voice Of Germany 2015", interpretiert Oscar Ivo Ackermann den Song "Heimat" von Johannes Oerding und spielt dabei auf einer selbstgebauten Gitarre seines Vaters.
Um ihn davon zu überzeugen, in sein Team zu kommen, lässt sich Rea Garvey die Gelegenheit nicht entgehen. Der Ire leiht sich kurzerhand das gute Stück des Gitarrenbaumeisters… plötzlich wird es still im Publikum. Rea schließt die Augen und singt innig, mit rauer Stimme, einen Teil des traditionellen Liebesliedes aus seiner Heimat. Bei einigen Zuschauern fließen die ersten Tränchen – eine tolle Performance.

Wer mehr sehen und hören möchte, sollte sich das Video des Auftrittes von Wallis Bird und Rea Garvey beim SWR3 New Pop Festival 2006 ansehen, als die beiden "Black Is The Colour" zum Besten geben.


Songtext (Christy Moore)

Black is the colour of my true love's hair
Her lips are like some roses fair
She has the sweetest smile and the gentlest hands.
I love the ground whereon she stands.

I love my love and well she knows
I love the ground whereon she goes.
I wish the day it soon would come
When she and I could be as one

Refrain:
Black is the colour of my true love's hair
Her lips are like some roses fair
She has the sweetest smile and the gentlest hands.
I love the ground whereon she stands.

I go to the Clyde
And I mourn and weep
For satisfied I never can be
I'll write her a letter,
just a few short lines
And suffer death ten thousand times.

Refrain:
Black is the colour of my true love's hair
Her lips are like some roses fair
She has the sweetest smile and the gentlest hands.
I love the ground whereon she stands.




Eine alte Fassung verlängert die 2. Strophe: 
I know my love and well she knows
I love the grass whereon she goes
If she on earth no more I see
My life will quickly fade away


A winter’s past and the leaves are green
The time has past that we have seen
But still I hope the time will come
When you and I will be as one

Drei Strophen sind zu lang? Dann hier eine amerikanische Kurzfassung:
Black, black, black is the color of my true love’s hair
Alone, my life would be so bare.
I would sigh, I would weep,
I would never fall asleep
My love is ‘way beyond compare
She with the wondrous hair.
Black, black, black is the color of my true love’s hair.

Dienstag, 9. Februar 2016

Statt "Humba, humba, humba, täterää!"


Sonntag, 07. Februar 2016:
Statt "Humba, humba, humba, täterää!", "Helau!" und "Alaaf!" möchte ich dieses Jahr dem Karnevalsrummel entgehen, denn ich habe genug von den Höhnern und den ganzen Faschingsliedern.
Stattdessen bin ich auf der Suche nach Ruhe in der Natur.
Passend bietet die Erlebnis Nationalpark (ENP) GmbH eine "Wanderung für Fastnachtsmuffel" an, die vom ZNL Sascha Becker geleitet wird.
Ihn kenne ich schon von der Winterwanderung am 17. Januar, bei der er uns ab Rinzenberg über Teile der Traumschleife "Trauntal Höhenweg" führte.

Zugegeben, es kostet schon etwas Überwindung, sich aufzurappeln bei verhangenem Himmel, grauen Regenwolken und Temperaturen im einstelligen Bereich. Aber mit der richtigen Kleidung und Ausrüstung kann man Wanderungen auch bei Schmuddelwetter wagen.
Beim Joggen heute Morgen regnete es durchgehend, jetzt wird es aber langsam besser. 

Auf dem Weg zum Erbeskopf fahre ich durch Allenbach und sehe am Ortseingang jeweils vor und nach der Bushaltestelle am Straßenrand das Gefahrzeichen Nummer 136 nach Anlage 1 zu § 40 der StVO: "Achtung Kinder!" 
...Pffff, als ob ich Angst vor denen hätte. 
Im Hunsrückhaus am Fuß des Erbeskopfs können wir uns noch etwas die Zeit vertreiben bis Sascha uns begrüßt, denn wir sind viel zu früh. Irgendwie ist mir bei der Fahrzeitberechnung wohl ein Fehler unterlaufen… da war ich unkonzentriert… wobei… wenn ich mich konzentrieren könnte, wäre ich Orangensaft geworden.

Mittlerweile sieht es gut aus, es scheint trocken zu bleiben.
Nur vier Personen sind heute hier, obwohl einige mehr angemeldet waren. Die Grippe hat sie erwischt. Ihr haben wir auch zu verdanken, dass wir auf meinen Joggingpartner verzichten müssen. Vorhin war ich noch mit ihm laufen und jetzt liegt er mit Fieber flach.

Außer einer Sportsfreundin hat sich noch ein nettes Ehepaar dazu entschlossen, mitzuwandern.

Wir starten nach Südwesten in Richtung Springenkopf. Ein steiler Anstieg liegt vor uns. Die Hose der netten Dame, genauer gesagt eine gefütterte Synthetikhose, raschelt bei jedem Schritt… ganz schön nervig. Nach 1,7 Kilometern biegen wir rechts ab und folgen dem Weg. Hier sieht man viele Stellen mit Windbruch.
Ein Stück weiter wird es idyllisch, hier kann man die für den Erbeskopfkamm charakteristischen Berg-Buchenwälder sehen. Ein besonderes Merkmal dieser Vegetation bilden auch viele durch das raue Klima sowie durch Schneebruch und flachgründigen Boden zu bizarren Wuchsformen gestalteten Krüppelbuchen.
Schön ist es hier… und auf eine Armlänge Abstand muss man auch nicht achten.
"Die Karawane zieht weiter" über Teile des Saar-Hunsrück-Steigs zu "Siegfrieds Quelle", die mit der Nibelungensage in Verbindung gebracht wird.
Siegfrieds Quelle
Hier an der Siegfried-Quelle am Hohltriefbach, einem Nebenarm des Röderbachs, soll Hagen von Tronje den Drachentöter Siegfried von Xanten erstochen haben.
Es ist eine von vielen Siegfried-Quellen, denn der Held soll auch im Odenwald beim Trinken aus einer Quelle von Hagen hinterrücks erstochen worden sein.
Solches lässt sich in der Touristik-Branche gut vermarkten. Mindesten sieben Orte behaupten, ihre Quelle sei die, an welcher der fürchterliche Mord geschehen sei.
Am bekanntesten ist die Siegfried-Quelle bei Gras-Ellenbach.

Der Bundenbacher Autor Uwe Anhäuser geht in seinem Buch "Sagenhafter Hunsrück" der Frage nach, ob die Sagengestalt Hagen von Tronje und sein Waffengefährte Hunold aus dem Hunsrück stammen. Die Namensähnlichkeiten sind in der Tat frappierend: Gegenüber dem Berg, auf dem die Burg Hunolstein (Hunold) gebaut worden ist, liegt der Ort Haag (Hagen). Im Tal dazwischen fließt die Dhron (Tronje). Und möglicherweise war die Burg Dhronecken in der VG Thalfang, gelegen an der kleinen Dhron, der Stammsitz von Hagen von Tronje, der in einigen Fassungen des Nibelungenliedes auch als Hagen von Troneg (Dhronecken) bezeichnet wird.
Zudem gibt es vier Kilometer südöstlich der Röderbachquelle, unterhalb des Erbeskopfes, den Ort Thranenweiher.
Für den Ortsnamen finden sich die verschiedensten Schreibweisen; erklärt wird er durch die Sage, dass hier Kriemhild Tränen vergossen haben soll und sich ein "Tränenweiher" gebildet habe, als sie vom Tod ihres Gemahls Siegfried erfuhr.
Andere Kandidaten für Hagens Geburtsort sind Kirchberg im Elsass (im Mittelalter Tronje).
Das alles ist faszinierende Erzählung. Wer weiß schon, wie es sich wirklich zugetragen hat? Vielleicht wurde die Quelle ja auch vom Sohn des hier zuständigen Försters entdeckt, der Siegfried hieß?
Jedenfalls ist es schön, einen Ort zu haben, der zum Nibelungenlied sprachlich und geografisch passt.

So war es also ein winziges Fleckchen auf Siegfrieds Rücken, wo das Blatt einer Linde niederfiel und so verhinderte, dass das Blut des Drachen die Haut benetzte, um auf diese Weise unverwundbar zu werden. Die Stelle wurde zu Siegfrieds Achillesferse - auch wenn er nicht Achilles sondern Siegfried war, und es auch nicht die Ferse sondern der Rücken.... ach vergesst es, ihr wisst, was ich meine.

Zurück zur Gegenwart… die Siegfried-Quelle ist übrigens auch das Quellgebiet der kleinen Dhron, denn das "Dhrönchen" entsteht aus einem Zusammentreffen des Röderbachs mit dem Thalfanger Bach in Dhronecken.

Auch Realität sind gefüllte Berliner, die Sascha aus seinem Rucksack zaubert.
Nach dieser kleinen Stärkung geht es weiter… und wieder dieses Rascheln der Hose im Takt der Schritte. Nur 300 Meter weiter kommen wir zum nächsten markanten Punkt, dem "Stern", eine Wegspinne.
Von hier wandern wir weiter 900 Meter aufwärts in nordöstlicher Richtung auf der Pfaffenstraße, einer römischen Heeres- und Handelsstraße von Trier nach Mainz, die noch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges benutzt wurde. Die militärische Asphaltstraße führt von Züsch aus zur "Hange Berk" und verbindet dabei die Fernmeldeanlage "Fuchsbau" auf dem Sandkopf, die Fernmeldeanlage auf dem Ruppelstein und die Radaranlage auf dem Erbeskopfgipfel miteinander. "Hange Berk" steht für hängende Birke. Ehemals ein bedeutender Ort, der Grund für Streit um Wald und Geld war, da dort die Grenze zwischen den Territorien Kurtrier, den Wild- und Rheingrafen und Sponheim verlief. Die Landmarke scheidet noch heute Wasser, Ländereien, Dialekt und Wetter. Nahezu unscheinbar ist diese Landmarke heute ein Parkplatz an der L 164, die von Allenbach nach Thalfang führt. Von dort aus starten Wanderer ihren Spaziergang, Radtouristen fahren auf dem Hunsrückradweg vorbei und Langläufer schnallen im Winter die Ski an. Gegenüber dem Parkplatz zweigt die K 121 ab, die hoch auf den Gipfel des Erbeskopfs führt.
Wer heute dort wegen des Namens eine besonders mächtige Birke vermutet, irrt. Wenn dort eine gestanden hat, dann ist dies schon Jahrhunderte her, denn die "Hange Berk" ist schon auf einer Karte von 1585 zu sehen.

Es geht zum Naturwaldreservat Gottlob. Der Ausruf "Gottlob" war an dieser Stelle bereits vor Jahrhunderten zu hören, als die Markthändler schwer bepackt aus Thalfang bzw. der Moselregion ins Birkenfelder Land marschierten und der schwere Anstieg hinter ihnen lag. Hier dankten sie dann Gott für den Beistand auf der überwundenen Strecke.

Ich bekomme das raschelnde Geräusch nicht aus meinem Kopf.... bei jedem Schritt!!!
Wir amüsieren uns über die Szene aus Staffel 6, Folge 8 der Serie "The Big Bang Theory" (Das Rätsel der 43), in der Sheldon seine Assistentin zum Umziehen nach Hause schickt, weil ihre Cordhose zu laut ist.
In diesem Sinne... "Narrhallamarsch!!!"

Jetzt nehmen wir die letzte Etappe in Angriff.
Sascha führt uns zu einem umgestürzten Baum und erzählt interessante Dinge über Totholz.
Totholz ist ein charakteristisches Merkmal natürlicher Wälder und spielt im Ökosystem des Waldes eine zentrale Rolle. Totholz bildet die Lebensgrundlage für eine Fülle von Tier- und Pflanzenarten.
Es wird durch eine Vielzahl von Organismen genutzt, die sich im Laufe der Evolution an diesen Lebensraum angepasst haben. Pilze und Käfer sind an der vollständigen Remineralisierung eines Holzkörpers beteiligt, wobei zwischen ihnen auch unterschiedliche Abhängigkeiten bestehen. Insekten übertragen Pilzsporen auf den Holzkörper, die Pilze können wiederum Nahrungsquelle und Teillebensraum für Insekten sein.
Dies führt dazu, dass jeder Totholztyp - egal ob liegend oder stehend - mit seiner eigenen Flora und Fauna assoziiert ist.
Sozialer Wohnungsbau
Viele Tiere und Pflanzen, die auf Totholz angewiesen sind, stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Diese Arten sind in ihrer Lebensweise hochgradig auf bestimmte Zerfalls- und Zersetzungsphasen von Holz angewiesen. Pilze, Flechten, Moose, Farne und viele Insektenarten, wie etwa Ameisen und Schmetterlinge, finden hier ihre Habitatnische.

Totholz bietet größeren Tieren die Möglichkeit, ihre Bauten und Nester anzulegen, und ist Lebensraum der Nahrung von Vögeln und anderen Tieren. Von den Insektenlarven im Holz ernähren sich die Spechte und andere heimische Vögel. Spechte zimmern ihre Bruthöhlen in morschem Holz. Diese Baumhöhlen werden, wenn die Spechte sie verlassen haben, von anderen Tieren als Nistplatz genutzt, so zum Beispiel von den Eulenarten Raufußkauz, Sperlingskauz und Waldkauz, aber auch von Kleinsäugern wie Siebenschläfer und Eichhörnchen.
Verlassene Spechthöhlen dienen außerdem einer Reihe von Fledermausarten als Sommer- und Winterquartier. Ein modernes Beispiel also für sozialen Wohnungsbau.

Verschiedene Amphibien und Reptilien suchen liegendes Totholz als Tagesversteck, zum Sonnenbad oder zum Überwintern auf. Darunter fallen etwa die Erdkröte und die Waldeidechse, sowie die Europäische Sumpfschildkröte, die Totholz in Gewässernähe braucht. Marienkäfer überwintern gern in großen Gruppen unter Rinde oder im Moos.
Blindschleichen und Kreuzottern suchen Baumhöhlen in Bodennähe zum Überwintern und als Nistplatz auf. Die Blindschleiche nutzt alte Baumstämme tagsüber zum Sonnenbad. Die Kreuzotter versteckt sich tagsüber bei großer Hitze in oder unter Totholz.

Unsere Nerven werden auf die Probe gestellt. Meine Begleiterin behauptet sogar, das Rascheln sei schlimmer geworden...  der Stoff der Hose reibt jetzt auch im Kniebereich aneinander… scheinbar muss die gute Frau zur Toilette.

Gleich haben wir es geschafft, dann sind wir am Erbeskopfgipfel, dem höchsten Punkt des Nationalparks, angekommen.
Der Erbeskopf - König des Hochwaldes - in den Landkreisen Bernkastel-Wittlich und Birkenfeld ist mit 816 m ü. NN der höchste Berg im Hunsrück, im Landkreis Bernkastel-Wittlich und in Rheinland-Pfalz sowie die höchste deutsche linksrheinische Erhebung.
Auf dem Gipfelplateau steht eine Radarstation.
Amerikanische Truppen besetzten am 17. März 1945 den Erbeskopf. Sie erweiterten die militärische Nutzung erheblich und überwachten den gesamten militärischen Flugverkehr bis tief ins Gebiet der damaligen Sowjetunion. Drei große Radartürme sowie der nach 1960 unter dem Südhang des Erbeskopfes erbaute Kommandobunker Börfink, genannt "Bunker Erwin", mit dem Kriegshauptquartier Europa Mitte dienten der NATO-Strategie als multinationale Gefechtsstelle im Kalten Krieg.
Vom "Bunker Erwin" wurde die Luftraumüberwachung Mitteleuropas gesteuert.
Augen und Ohren des Kommandobunkers waren neben dem Radar auf dem Erbeskopfgipfel auch die Funkanlagen auf dem Ruppelstein und Sandkopf, die alle durch die Pfaffenstraße miteinander verbunden sind.
Die Station dient auch heute noch der Bundeswehr zur Luftraumüberwachung.
Hier steht auch der 1971 knapp außerhalb des militärischen Sperrgebietes errichtete Aussichtsturm Erbeskopf (Erbeskopfturm). Die 11 Meter hohe Holzkonstruktion mit drei Plattformen ist leider gesperrt und so müssen wir auf den Ausblick von der oberen Hauptaussichtsplattform verzichten.
Ursprünglich stand an der Stelle des heutigen Aussichtsturms ein vom Mosel-Hochwald-Hunsrückverein (heute Hunsrückverein) errichteter, am 8. September 1901 eingeweihter, 23 Meter hoher und aus Stein bestehender Kaiser-Wilhelm-Turm. Nach 60 Jahren wurde er am 18. August 1961 gesprengt, weil er den militärischen Radarrundblick behinderte.
Von der Aussichtsplattform "Windklang" können wir heute eine schöne Aussicht genießen, bevor es auf der Skipiste, auf der sogar noch Schneefelder zu sehen sind, zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung geht.

Die Tour führte zu einigen markanten Punkten im Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Die Wälder rund um den Erbeskopf zählen wegen ihrer Ursprünglichkeit zu den schönsten Waldgebieten im Hunsrück. Ich hätte mir ein paar mehr schmale Pfade abseits bekannter Wege gewünscht, aber nach der langen Regenphase waren die geschotterten Waldwege wohl letztendlich besser. Sogar die Regenjacke konnte im Rucksack bleiben, also alles richtig gemacht.
Danke, Sascha. Es hat Spaß gemacht.

Es wird aber wohl vorerst der letzte erträgliche Tag gewesen sein, denn das heftige Sturmtief namens "Ruzica" (gesprochen: Ruschiza) bringt neben Sturm auch starken, anhaltenden Regen und sogar Gewitter. Der Deutsche Wetterdienst erwartet für Montag in weiten Teilen Deutschlands Sturmböen der Stärke 8 bis 9.

Viele Karnevalshochburgen haben ihre Rosenmontagsumzüge bereits abgesagt, darunter Mainz, Münster und Düsseldorf. Auch in Duisburg und Idar-Oberstein finden sie nicht statt. In Köln soll es eine abgespeckte Variante ohne Pferde und große Figuren geben.
Das tut mir leid für alle, die an der Planung und Umsetzung beteiligt sind und für alle Narren, die sich auf diesen Tag gefreut haben.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=lsutbgojhqgpnidd

Montag, 8. Februar 2016

Vom Erbeskopf ins Singende Tal

Samstag, 06. Februar 2016:

Dass Wecker nur wecken und nicht wach machen, ist doch eine Fehlkonstruktion.


Heute freue ich mich auf eine schöne Wanderung am Erbeskopf. Das Wetter ist herrlich, so fällt das Aufstehen etwas leichter.
Morgen soll es schon wieder schlechter werden, am Montag sogar viel Regen und Sturm, deshalb schnell noch die Sonnenstrahlen genießen.

Am Hunsrückhaus beim Erbeskopf startet die Wanderung mit Edgar Schmitt, Wanderführer der Tourist-Information Thalfang.
Fünf Personen haben sich angemeldet, eine davon begleitet von Emma, der Golden-Retriever-Hündin.
Edgar hat keine feste Route geplant sondern richtet sich nach uns und möchte die Tour unseren Bedürfnissen anpassen.
Jeder kennt den Erbeskopf-Gipfel sowie die dazugehörige Traumschleife und so möchten wir gerne mal etwas abseits der gewohnten Pfade wandern.
Wir lassen den König des Hochwaldes hinter uns und gehen Richtung Bromerkopf bis wir etwa 500 Meter südöstlich von ihm beim "Schwarzen Stein" angekommen sind. Warum der Zugang zum "Singenden Tal" seit alters her so heißt, weiß niemand. Vermutlich handelt es sich um eine Gerichtsstätte der Kelten. Um 1900 jedenfalls ließ ein traditionsbewusster Oberförster einen großen Felsblock hierher schaffen... nun ist er zumindest sichtbar... der ''Schwarze Stein'', wenn auch mehr grau als schwarz.

Im Singenden Tal
Das "Singende Tal" ist ein Teil des Röderbachtales am Fuße des Erbeskopfes und geprägt von idyllischer Schönheit. Der Grund für diese poetische Bezeichnung ist wahrscheinlich auf Wahrnehmungen eines gewissen Professors H. Reuleaux zurückzuführen, der 1877 an einer Treibjagd im Röderbachtal teilgenommen und von seinem Standort aus liebliche Töne wahrgenommen hatte. Er sprach von "selbsttönenden Luftgebilden oder tönenden Körpern, die gleich unsichtbaren, singenden Schwänen durch die Luft segeln".
Diese Eindrücke beschrieb der Gelehrte in seiner Schrift "Das Singende Tal bei Dhronecken, ein Hochwaldrätsel".
Stützen konnte er sich dabei auch auf Erfahrungen des Dhronecker Oberförsters Helbron, der bereits Mitte der 1860er Jahre die geheimnisvollen Töne gehört haben soll und bei Treffen mit Forstbeamten die Bezeichnung "Singendes Tal" geprägt haben dürfte.

Ich denke noch darüber nach, was bzw. wie viel die beiden Herren damals wohl geraucht oder getrunken hatten, als eine Info-Tafel eine wissenschaftliche Erklärung für die Hörphänomene als Besonderheit des hier herrschenden Kleinklimas liefert. 
"Im Röderbachtal wechseln sich Stauweiher und Wiesenareale mit kleinen Wäldern ab. Diese Waldriegel bilden natürliche Barrieren, welche die von den Berghängen absinkende Kaltluft aufhalten. Über den Wasserflächen im Tal sammeln sich sogenannte Kaltluftseen.
Die enge geologische Furche des Taleingangs wirkt wie eine Düse und beschleunigt ankommende Winde. Wenn warme Luftmassen von Südwesten in das nordöstlich orientierte Tal einströmen, kommt es an der horizontalen Berührungsfläche zu Reibungen mit der bodennahen Kaltluft. Bei höheren Windgeschwindigkeiten werden Schwingungen ausgelöst, die für das menschliche Ohr als harmonisch singende Töne wahrnehmbar sind."

Aaaaha… nun gut. Wieder etwas schlauer.

Das Singende Tal hat aber noch mehr zu bieten. Im unteren Talabschnitt finden sich neben alten Buchenwäldern auch Erlen- und Moorbirkenbruchwälder.

Wir wandern im Tal rechts entlang des Röderbachs. Einige Schilder weisen mit der Bezeichnung "TT1" auf den "Themenweg Thalfang 1" hin, der in älteren Karten noch eingezeichnet ist. Er führt uns hinauf zur "Klink", einer bekannten Landmarke.
Wenn Markthändler einst aus der Mark Thalfang nach Idar-Oberstein oder Birkenfeld wollten, mussten ihre Fuhrwerke diesen enormen Steilanstieg bewältigen. Dabei halfen zusätzliche Zugtiere, Pferde oder Ochsen, die hier am Standhort ''ausgeklinkt'' und wieder zurück ins Tal geschickt wurden - für den nächsten Transport.

Ein grünes Schild an dieser Wegkreuzung trägt die Überschrift "Wolfstreiben". Ich trete näher und lese, dass hier im Winter 1878/1879 der angeblich letzte Wolf im Hochwald vom damaligen Förster Tesch aus Deuselbach geschossen wurde.
Kleiner Hunnenring auf dem Röderberg
Genau einen Kilometer ist es von hier bis zum "Kleinen Hunnenring" auf dem 641 Meter hohen Röderberg.
Auf dem Taunusquarzit des Schwarzwälder Hochwaldes und Idarwaldes liegen auf einer rund 40 km langen Strecke als Ringwälle der Hunnenring von Otzenhausen, Vorkastell, Ringkopf, Wildenburg sowie Altburg bei Bundenbach.
Der Name "Hunnenring" hat nichts mit dem Volksstamm der Hunnen zu tun, sondern ist wahrscheinlich auf die dicken Mauern aus großen Felsblöcken zurückzuführen, die nach der Überlieferung als Werke von "Hünen" angesehen wurden. Auch eine Ableitung vom alten Begriff "Hunnich" (für König) ist denkbar.
Die zum Schutz vor angreifenden Germanenstämmen von Kelten (Treverer) erbaute Fliehburg hat einen Durchmesser von etwa 60 Metern und ist damit deutlich kleiner als die bekannte Anlage in Nonnweiler-Otzenhausen. Von der gesamten Befestigungsanlage auf dem Röderberg ist heute noch der Verlauf der ehemaligen Mauerkonstruktion zu erkennen.


Die Steine sind mit Moos überzogen und liefern ein tolles Motiv für Fotos.
Wir müssen weiter, wenn wir einigermaßen im Zeitplan bleiben möchten.
Nach etwa 100 Metern warten meine beiden männlichen Begleiter auf unsere drei Damen. Während ich langsam weitergehe, höre ich es im Dickicht rechts von mir rascheln. Den Gedanken, dass es sich um Emma handelt, habe ich noch nicht ausgedacht, da stürmt ein großer Keiler einen Meter vor mir über den Weg, ohne nach rechts oder links zu schauen… das Schwein!
Emma läuft ein Stück hinterher, kann aber nicht mithalten. Es wäre wohl auch eine dumme Idee, denn sie hätte keine Chance gegen das größere und schwerere Wildschwein, das zudem zäh ist wie ein Panzer.

Ich warte, bis sich mein Herzschlag beruhigt hat und atme tief durch. Raimund, Emmas Herrchen, schätzt das Tier auf etwa vier Zentner. Einem Wildschwein bin ich bisher noch nicht begegnet. Es ist auch eher unwahrscheinlich, denn Wildschweine haben ein gutes Gehör und einen ausgeprägten Geruchssinn. Das heißt, sie bemerken den Mensch früh und halten Abstand.
Wenn diese Tiere flüchten können, tun sie das normalerweise auch.
Steht man allerdings einer Bache mit Frischlingen gegenüber, hat man schlechte Karten, denn sie wird wohl eher ihre Jungen verteidigen, als zu flüchten. Sie hat keine Hauer, kann einen Feind aber mit ihrem kräftigen Gebiss böse verletzen.
Die Konfrontation mit einem Männchen kann durchaus lebensgefährlich sein. Keiler versuchen immer, einen Gegner umzuwerfen, was bei ihrer Körpermasse und Schnelligkeit einem Menschen so gut wie keine Chance lässt.
Am Röderberg, kurz nach der Begegnung mit dem Keiler

Sie können mit ihren Hauern gefährliche Verletzungen verursachen. Vor allem aber haben sie rasiermesserscharfe Zähne. Die obere und untere Zahnreihe reibt gegeneinander, wodurch das Gebiss ständig geschärft wird.
Es heißt, dass es am besten ist, das Tier einfach zu ignorieren.
Keine hektischen Bewegungen machen und langsam entfernen.
Das Wildschwein wird dann seinerseits auf Distanz bleiben und den Menschen nicht weiter beachten. Ganz wichtig: Auch wenn Frischlinge süß aussehen, sollte man ihnen auf keinen Fall zu nahe kommen.
Diese Begegnung werde ich so schnell jedenfalls nicht vergessen.

Ein kleiner Single-Trail führt uns ins Röderbachtal, wo die Hälfte der Strecke hinter uns liegt.
Durch das Hohltriefbachtal wandern wir weiter.
Auf der heutigen Strecke sieht man viele Bäume, an denen Zunderschwämme wachsen. Bei dieser Pilzart, die früher als Zusatz zum Schießpulver und in der Medizin verwendet wurde, handelt es sich um einen Parasit, der vor allem geschwächte Laubbäume befällt.
In unserer Region ist die nur in Europa heimische Rotbuche verbreitet – eine weltweit eher seltene Art.
Aber auch Birken und Pappeln werden besiedelt.
Eine Besonderheit des Zunderschwamms ist sein Drehwuchs.
An der Unterseite des Fruchtkörpers befindet sich die empfindliche Porenschicht, die nach dem Umstürzen des Baumes ungeschützt der Witterung ausgesetzt sind. Neue Fruchtschichten werden daher um etwa 90 Grad gegenüber den schon vorhandenen gebildet.
Ein Baum mit Zunderschwämmen

Wir kommen nicht richtig voran, denn ständig warten wir auf unsere Nordic-Talking-Gruppe. So gut zu Fuß, wie die Damen anfangs behaupteten, sind sie dann wohl doch nicht.
Nach 1,6 Kilometern biegen wir an der Spitzkehre ab und gehen auf der linken Seite des Röderbaches aufwärts bis zum "Springenbruch".
Hier auf der Mittelschneise befindet man sich auf der Grenze zum Nationalpark.
Die männliche Fraktion, begleitet von der treuen Hündin, wandert das letzte Stück auf der Traumschleife "Gipfelrauschen" zurück zum Ausgangspunkt.
Die Nordic-Talking-Gruppe hingegen hat sich für den einfachen Weg entschieden und bleibt auf der Mittelschneise.

Insgesamt war es eine tolle Wanderung, auf der ich während den 15 Kilometern viele neue Eindrücke mitnehmen konnte.
Einige Punkte werden denjenigen Mountainbikern bekannt vorkommen, die am Erbeskopfmarathon teilgenommen haben. 
Edgar Schmitt ist ein angenehmer Zeitgenosse und zudem als ehemaliger Soldat ein guter Partner für Gespräche von Bunker Erwin bis zum Starfighter.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fsxhjcxwamwoqrnr

Donnerstag, 4. Februar 2016

Schönen Valentinstag!

Er ist nicht mehr weit entfernt - der Tag der Romantikhotels, Herzchenkarten, Pralinenschachteln, Kerzen und Rosen: Valentinstag!
(Den Konfettiregen denkt ihr euch jetzt einfach dazu!)

Braucht den Tag noch jemand, oder kann der weg?

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Manche würden lieber von einer Brücke fallen, als sich zu verlieben, weil es angeblich weniger schmerzhaft ist.
Und ich? …
… Viel mehr als Herzchenschokolade, Rosen und schöne Worte auf einer hübschen Karte sind es meiner Meinung nach die Taten an den 364 anderen Tagen im Jahr, die wahre Liebe ausmachen.
Interessant wird es ja immer erst, wenn es schwierig wird, egal ob bei Alltagsproblemchen oder Schicksalsschlägen. Dann zeigt sich, ob die Liebe Bestand hat und was tatsächlich hinter den ganzen schönen Worten und Schokoherzchen steckt.
"Bei gutem Wetter kann jeder leicht Steuermann sein", heißt es nicht umsonst.

Nach vielen wunderschönen Valentinstagen mit der, wie man mit fester Überzeugung glaubte, ganz großen Liebe, ist diese – zack - ein paar Monate später weg.
Die schönen, leeren Worte bleiben dann im gebrochenen Herzen und auf der Karte zurück.

Mit dem Single-Leben kann man sich jedoch gut anfreunden, denn das Alleinsein hat ja auch sein Gutes (Das Alleinsein lernen)
Man kann viel reflektieren, sogar mit Psychokram-Büchern, die man vorher nie im Leben angefasst hätte, und dadurch eine Menge über sich selbst und seine Macken lernen.
So weiß man sehr genau, was man will - und vor allem was nicht.
Man ist niemandem Rechenschaft schuldig, kann spontan und solange man will jeglichen schönen Aktivitäten nachgehen.
Man hat die Möglichkeit, tausend neue Sachen auszuprobieren und dadurch viele neue Leute kennenzulernen.

Der Kummer, der nicht spricht,
nagt leise an dem Herzen, bis es bricht.
(William Shakespeare)
Aber natürlich gibt es diese Momente. Momente, in denen man schmerzlich daran erinnert wird, dass es doch irgendwie ganz schön ist, mit jemandem das Leben zu teilen.
Jemanden zu haben, mit dem man über kleine, niveaulose und verrückte Insider-Witze lachen kann, der kleine Macken akzeptiert und sie nicht allzu ernst nimmt.
Bis dieser Jemand vielleicht ins Leben tritt, kann man Zeit mit Freunden verbringen oder seine Freiheit genießen.

Für all die Singles unter euch gibt es ein prima "ScheißaufdenValentinstagunddiesenHerzchenkram-Alternativprogramm" für den 14. Februar oder auch für die restlichen 364 Tage im Jahr.

Outdooraktivitäten
Anspruchsvolles Wandern auf einem der besten Fernwanderwege Deutschlands! Schon im Jahr 2009 wurde der Saar-Hunsrück-Steig zu Deutschlands schönstem Wanderweg gewählt und zählt seitdem zu den "Top-Trails of Germany - Deutschlands beste Wanderwege".
Ich mag unsere Gegend. Man kann schnell aus der Stadt in die Natur flüchten… und die ist ein Traum. Der Erbeskopf bietet mit 816 Metern im Nationalpark Hunsrück-Hochwald ein Paradies und damit die perfekte Umgebung, um dem ganzen Herzchenkram aus dem Weg zu gehen. Ob nun das Wintersportzentrum mit seinen Angeboten oder Wandern, zu dem man keine teure Spezialkleidung braucht… Grübeleien kommen dabei garantiert nicht auf.

Neue Leute kennenlernen: Ein Wochenende im Single-Hotel
Ihr habt keine Single-Freunde mehr? Schade, aber kein Grund zum weinen. In Österreich gibt es nämlich Abhilfe: Das Single-Hotel Aviva richtet sich speziell an Singles und Alleinreisende. Hier habt ihr die Chance, Gleichgesinnte kennenzulernen. Vielleicht ist nicht unbedingt die große Liebe dabei, den Valentinstag verbringt ihr aber dank des angebotenen Freizeitprogramms auf jeden Fall in Gesellschaft und nicht alleine. Und vielleicht ergeben sich sogar neue Freundschaften?

Kino oder gruseliges Couching
Vielleicht zieht es euch auf die Couch oder ins Kino?
Liebesschnulzen und Romantikkram sind tabu! Erlaubt sind Horror- und brutale Actionfilme! Hauptsache wenig Gefühl, ganz viel Gemetzel und viel Blut!
Momentan bieten sich "The Revenant – Der Rückkehrer" oder auch "The Hateful Eight" von Kultregisseur Quentin Tarantino an.
Bevor ihr jetzt darüber nachdenkt, nach Wyoming zu reisen, um auf dem Weg nach Red Rock die hasserfüllten Acht zu fragen, ob in der Hütte noch Platz für eine neunte Person ist, seid nicht traurig darüber, dass ihr nicht in einem romantischen Pärchen-Hotel seid… und falls doch, dann weiß ich leider auch nicht weiter.

Liebeskummer ist vergänglich
"Die Zeit heilt alle Wunden", heißt es doch. Einen Scheiß macht die Zeit. Sie heilt nicht, sondern kann einem lediglich dabei helfen, mit der jeweiligen Situation umzugehen… das ist ein Unterschied, aber immerhin etwas.

Nicht jede Beziehung endet glücklich
Manchmal ist es tröstlich zu sehen, dass es auch andere Menschen gibt, denen Trennungen widerfahren sind. Im kroatischen Zagreb gibt es sogar ein Museum für gescheiterte Beziehungen: Das "Museum of Broken Relationships".
Hier werden Objekte des "Schlussmachens" ausgestellt. Es können sogar eigene Exponate eingereicht werden… Also auf geht’s nach Zagreb! Alternativ: Päckchen packen mit den schmerzvollsten Beziehungsandenken und gleich zur Post bringen!

Tag der Freundschaft
In den skandinavischen Ländern wird übrigens nicht der Tag der Liebenden, sondern der Tag der Freundschaft gefeiert. In Finnland heißt er "Ystävänpäivä". Dort ist es Brauch, sich am 14. Februar gegenseitig mit kleinen Nettigkeiten zu beschenken. Ob Blumen, Schokolade, selbst geschriebene Gedichte oder einfach etwas Zeit in trauter Zweisamkeit.
Beschenkt werden alle Menschen, die einem am Herzen liegen. Diese Interpretation des Valentinstages finde ich weitaus schöner.

Vergessen, dass der Tag überhaupt existiert

Morgens um 8 Uhr nimmt man am 13. Februar das erste Flugzeug nach Los Angeles. 11 Stunden später kommt man um 11 Uhr Ortszeit an.
Genug Spielraum, um kurz in die Stadt zu wandern.

Abends geht es dann weiter in Richtung Sydney, Australien. Dank Zeitverschiebung und Datumsgrenze kommt man dort dann aber erst am 15. Februar morgens gegen 8 Uhr an. Und der Valentinstag ist bis zum nächsten Jahr Geschichte.

Böse Zungen behaupten ja, der Valentinstag sei eine Erfindung der Blumen- und Süßwarenindustrie, der auch die Herzen der Hotel- und Gaststätteninhaber höher schlagen lässt.

In diesem Sinne… verbringt einen wunderbaren 14. Februar, seid einfach glücklich mit euch selbst, wenn das Deckelchen noch auf sich warten lässt, und denkt daran:
"Das Herz will, was das Herz will".
Aber manchmal muss man mit dem Herz in eine dunkle Gasse gehen und es verprügeln, bis es etwas anderes will.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Gehasst, verdammt, vergöttert

Sie heißen Wanderstöcke, Trekkingstöcke, Nordic-Walking-Stöcke oder auch Teleskopstöcke und sind weit verbreitet.
Die einen schwören drauf, die anderen hassen sie.
Ob Wanderstöcke wirklich gesund sind oder doch nur einer Mode-Erscheinung der Industrie entsprechen, wird sehr unterschiedlich diskutiert.

1974 brachte die Firma Leki die ersten Teleskopstöcke für Bergsteiger heraus.

Das Wort "Leki" kommt nicht aus Finnland, wie viele Wanderfreunde vermuten, sondern ist die Abkürzung von Lenhart und Kirchheim, denn der Firmensitz der Lenhart GmbH befindet sich im baden-württbemergischen Kirchheim unter Teck nahe Stuttgart.

Es gibt sie in verschiedenen Varianten. Man hat die Wahl zwischen Modellen mit und ohne Dämpfungssystem und auch faltbare Stöcke sind erhältlich, die platzsparend im Rucksack verstaut werden können.

Als Material wird heute meist Aluminium verwendet, seltener auch Verbundmaterialien wie Carbon, das zwar steifer und leichter, aber teilweise empfindlicher ist.
Metalle ertragen Belastungen in allen Richtungen ungefähr gleich gut.
Carbon hingegen ist ein kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff und erträgt Belastungen in Faserrichtung deutlich besser als quer dazu. Obwohl es außerordentlich zugfest ist, mag es punktuelle Druckbelastung gar nicht. So kann Carbon, wenn es gegen einen Stein schlägt, schon beschädigt sein.
Stöcke aus Carbon haben zudem den "Nachteil", dass sie im Extremfall nicht verbiegen sondern gleich brechen.
Wer das Nachschwingen/Vibrieren der Stöcke, welches bei allen Alu-Modellen mehr oder weniger stark auftritt, nach dem Aufsetzen nicht mag, ist mit Carbon grundsätzlich besser bedient.


Wie so viele Ausrüstungsgegenstände haben die Stöcke Vor- und Nachteile.

Vorteile:
Beim Aufstieg kann man sich hochdrücken oder an ihnen hochziehen, was einen Teil des Kraftaufwandes von den Beinen auf die Arme verlagert. Das steigert die Ausdauer.

Beim Abstieg entlasten sie die Beine, und damit die Kniegelenke. Dies ist besonders wertvoll bei langen Abstiegen, und/oder Abstiegen mit schwerem Rucksack.

Für Leute mit Knieproblemen sind Wanderstöcke sehr hilfreich!

Nachteile:

Das größte Problem bei der Nutzung von Trekkingstöcken ist, dass man "richtiges" Gehen verlernt. Das heißt, man verliert an Trittsicherheit und der Gleichgewichtssinn wird nicht geübt. Das alles resultiert in einer wachsenden Unsicherheit in schwierigem Gelände, falls die Stöcke mal nicht dabei sind.

Bei unsauberem Einsatz kann auch die Gehtechnik darunter leiden.

Bei Stürzen verhindern Stöcke oft ein gutes Abfangen.


Wanderstöcke sind bei Alpin- oder Mittelgebirgswanderungen eine große Erleichterung für den gesamten Bewegungsapparat. Besonders die Knie werden durch sie erheblich entlastet. Nach Berechnungen des TÜV Süd müssen die Kniegelenke während einer dreistündigen Wanderung rund eine Tonne weniger Gewicht abfedern, wenn Wanderstöcke verwendet werden.
Dazu müssen allerdings die Stöcke zur jeweiligen Aktivität passen, auf die richtige Länge eingestellt sein und man sollte die entsprechende Technik beherrschen, denn sonst zahlen Rücken und Gelenke die Rechnung.

In der Ebene sollten die Stöcke so lang eingestellt sein, dass Ober- und Unterarm im Winkel von 90 Grad zueinander stehen, wenn man die Griffe umfasst und aufrecht steht.

Die Griffschlaufen garantieren nur dann perfekten Kraftschluss, wenn man sie richtig einsetzt. Die Hände führt man von unten durch die Schlaufen, die zwei Enden laufen in der Handfläche zum Stock. Man legt die Daumen über die Schlaufenbänder und umfasst die Griffe.

Bei manchen asymmetrischen Modellen geben ein "L" und ein "R" vor, an welche Hand welche Schlaufe gehört.

Tja, braucht man sie nun oder nicht?

Meistens sind gar keine Stöcke nötig. Auf glattgebügelten Premiumwanderwegen sowieso nie und selbst bei Mittelgebirgswanderungen nur selten.
Man sollte die Stöcke nicht immer nutzen, sondern genau überlegen, ob man sie wirklich für eine kleine Halbtagestour braucht.
Gerade diejenigen, die jung und fit sind, sollten möglichst oft die Finger von Trekkingstöcken lassen.

Leki Khumbu AS.
Antischock Dämpfung und leichte
Rohre aus hochfestem Aluminium.
Ein absoluter Alleskönner.

Bei Gruppenwanderungen hört man oft statt dem Rauschen der Bäume und dem Zwitschern der Vögel das ständige klackern, das entsteht, wenn die Hartmetallspitze (meist Wolframcarbid oder Widia-Stahl) mit Asphalt in Berührung kommt.
Vielen scheint es entgangen zu sein, dass es für den Einsatz auf Asphalt spezielle Gummiaufsätze gibt, die neben der Spitze auch noch die Nerven schonen.
Wobei das nervige Geräusch meist proportional zur zurückgelegten Strecke abnimmt, denn immer mehr Wanderer empfinden ihre Stöcke irgendwann selbst als störend und haben genug von der Klangtherapie. Wie sonst lässt es sich erklären, dass die geliebten Ausrüstungsgegenstände entweder unter den Arm geklemmt oder in der Hand gehalten werden? Dann jedenfalls sollte man auf Henriette Rekers Rat hören und nicht nur in Köln "eine Armlänge Abstand halten", wenn man durch die sich im Takt der Schritte nach hinten oben bewegenden Spitzen kein Auge verlieren möchte.


Es ist auch immer wieder amüsant, mit anzusehen, wie anfangs die Stöcke zu weit vor den Körper gesetzt werden, nach einigen Kilometern dann nur noch daneben, bevor sie letztlich im Endstadium der Ermüdung über den Boden schleifen.

Hier fällt mir die lustige Schlagzeile auf der Homepage "Der Postillon" ein, die da lautet: "Stock abgebrochen: Mann walkt tagelang nordic im Kreis."
Hier der ganze Bericht:

Todesfalle Nordic Walking