Dienstag, 5. April 2016

Musik, die bewegt - Teil 9

„Smells Like Teen Spirit“ führt die bis dato unbekannte Band Nirvana 1991 an die Spitze der weltweiten Charts. Es die DIE Hymne der noch jungen Grunge-Bewegung. Mit dem Mix aus Aggression und Resignation trifft der Sound aus Seattle in den 90ern den Nerv der Zeit und wird zum Sprachrohr einer ganzen Generation, obwohl Kurt Cobain sich noch nicht mal als echten Musiker begreift.

Im Interview 1993 sagte er: „Ich habe kein Konzept und weiß nicht, was Musiker so machen.
Ich meine, ich weiß nicht, wie die Akkorde heißen und ich weiß nicht, wie man Dur oder Moll auf der Gitarre spielt.“ 

Trotz Understatements wird Sänger Kurt Cobain zum Held wider Willen. Ausgerechnet er, der Kommerz, Erfolg und das ganze Musikgeschäft verabscheut, wird zum größten Rockstar seiner Generation aufgebauscht.
Sein Selbstmord im April 1994 macht Nirvana auf dramatische Weise unsterblich. 

Bob Geldof im Interview: „Leute, die Songs schreiben, beginnen, die Welt durch sehr kalte Augen zu betrachten. Und in einem von tausend Fällen passiert es, dass eins dieser Kids mit seinem Sound den Nerv der Zeit trifft. Man hört das und denkt sich: Alter, das stimmt. Ich weiß nicht, was du tust, aber du hast Recht.“ 

Und genau diesen Nerv trifft Kurt Cobain.
Alles beginnt mit einem Schriftzug - nach einer durchzechten Nacht auf die Wand von Cobains Appartement gesprüht. 
KURT SMELLS LIKE TEEN SPIRIT 
„Kurt riecht nach Teen Spirit“, dem Deodorant, das seine damalige Freundin benutzt.
Cobain kennt die Marke und den Werbespot nicht, findet den Titel aber gut und macht ein Lied daraus.
Es wird der Song, der die Rock-Musik der 90er Jahre prägt wie kein zweiter.
Die Zeile „Here we are now, entertain us” bringt die Einstellung einer ganzen Generation auf den Punkt. Desillusionierte Kids, die dem oberflächlichen Pop-Zirkus überdrüssig geworden sind.

Nirvana hatten zu dieser Zeit einen riesigen Einfluss auf die gesamte Musikindustrie. Ich denke, den haben sie immer noch. Man hört diesen Einfluss bei vielen Bands, die es heute gibt.
Gemessen am kurzen Zeitraum, in dem es sie gab, ist es vermutlich eine der einflussreichsten Bands überhaupt.

Völlig unerwartet stößt das Nirvana-Album Nevermind 1991 sogar Michael Jacksons LP „Dangerous“ von der Spitze der US-Charts.

Der Clip zu „Smells Like Teen Spirit“ ist bis heute das meistgespielte Video bei MTV Europe.

Nirvana stammen aus Aberdeen, einem verschlafenen Kaff im Nordwesten der USA.
Knapp 130 Kilometer außerhalb von Seattle. Dort gibt es Ende der 80er Jahre eine rege Musikszene, die aus Punk und Rock den dreckigen und völlig neuen Seattle-Sound kreiert – Grunge.
Neben Nirvana sind Bands wie Soundgarden und Pearl Jam die Pioniere des neuen Genres.

Es war jetzt wirklich an der Zeit, dass der Rock & Roll sozusagen zu seinen schmutzigen Fingernägeln zurückkehrt, und genau das hat Nirvana repräsentiert.
Ungepflegt ist auch die Erscheinung. Lange Haare, abgetragene Jeans, Chucks und Karo-Flanellhemden werden zum neuen Modetrend.
Ein großes Missverständnis, denn der Look ist nicht bewusst gewählt, sondern einfach nur bequem. Trotzdem will Anfang der 90er bald jeder genau so aussehen.

Schon bald verflucht die Band ihren größten Hit. Bei Konzerten verzichtet sie auch mal auf ihn. Zumindest weigern sich Nirvana, „Smells Like Teen Spirit“ ganz gewöhnlich zu spielen. Zudem unterlaufen sie Absprachen mit TV-Shows und zerstören die Bühne und ihr Equipment.
Kurt Cobain wird dennoch – oder gerade deshalb – zum Idol. Der charismatische Eigenbrödler singt in den 90er Jahren Millionen von frustrierten Jugendlichen aus der Seele.
Er war die kreative Kraft hinter der Band und er stand natürlich als Gitarrist und Leadsänger an vorderster Front. Das ist eine harte Nummer und offensichtlich war es schlimm.
Er war wahrscheinlich ein innerlich zerrissener Mensch, was auch seine gewisse Genialität ausmachte.
Die Texte von Kurt Cobain verbreiten nicht gerade gute Laune. Er vertont eigene, trübsinnige Gedichte, schreibt über Vergewaltigungen und Antidepressiva, wie im Song LITHIUM, ein starkes Medikament für manisch Depressive, das er auch selbst nimmt.
Eigentlich kein Stoff für die Top 10, aber Kurt macht auch bei Texten keine Zugeständnisse an den Markt. Er schont den Zuhörer so wenig wie sich selbst. Bei Interviews wirkt er zunehmend zugedröhnt.

Ich denke, als Künstler kann das Schreiben eine Form der Therapie sein. Kurt hatte viele Dämonen in sich und das war seine Art, sie rauszulassen.
Ob Kurt Cobain mit dem Leben im Allgemeinen oder mit dem enormen Erfolg nicht klar kommt, ist schwer zu sagen.
Er flüchtet sich jedenfalls in Drogen und wird von Depressionen, Magenschmerzen und Selbstmordgedanken gequält. Seine turbulente Ehe mit Courtney Love von der Band Hole bringt keine Ruhe. Auch die Geburt seiner Tochter Frances Bean im August 1992 kann Kurt über seinen Weltschmerz nicht hinwegtrösten.


Im März 1994 haben Nirvana in München ihren letzten Auftritt.
Kurz darauf fällt Cobain nach einer Überdosis Beruhigungsmittel und Alkohol in einem römischen Hotel ins Koma.
Einer anschließenden Entziehungskur in Kalifornien entzieht er sich, indem er aus dem Exodus Recovery Center in Marina del Rey flieht und untertaucht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Band bereits aufgelöst, was Dave Grohl und Krist Novoselić aber erst Jahre später bestätigten.
Vier Tage später, am 5. April, starb Cobain in seinem Haus in Seattle.
Er wurde mit einer Überdosis Heroin und einem Kopfschuss aus seiner Browning Auto-5 Selbstladeflinte aufgefunden.
Er hinterließ einen Abschiedsbrief, der mit einem Zitat des Neil-Young-Songs „My My, Hey Hey (Out Of The Blue)“ endete: 
“It’s better to burn out than to fade away.” 
Wörtlich übersetzt: „Es ist besser, auszubrennen, als zu verblassen.“
Andere Quellen übersetzen: „Es ist besser, zu verbrennen, als langsam zu verglimmen.“

Er wird nur 27 Jahre alt. Fans auf der ganzen Welt trauern und der „Klub 27“ bekommt ein neues Mitglied. Er stirbt im selben Alter wie Jimmy Hendrix, Janis Joplin, Brian Jones und Jim Morrison.
2011 wird dann auch Amy Winehouse in den morbiden Klub aufgenommen.

Kurts dramatischer Selbstmord läutet auch das Ende der Grunge-Bewegung ein. 
„Smells Like Teen Spirit“ aber wird für immer die Hymne der letzten Rock-Explosion der Musikgeschichte bleiben.

Obwohl der Vorfall offiziell als Selbstmord deklariert wurde, rissen die Spekulationen um seinen Tod nie ganz ab. Hatte sich einfach jemand Cobains reißerische Weltschmerzpose zunutze gemacht, um einen Mord zu vertuschen? Geriet seine skandalträchtige Witwe Courtney Love zu Unrecht immer wieder in Verdacht, am Tod ihres Mannes nicht ganz unschuldig zu sein?
Die Journalisten Ian Halperin und Max Wallace sind den Ungereimtheiten in ihrem Buch „Mordfall Kurt Cobain - was bisher verschwiegen wurde“ auf den Grund gegangen.

Auf einer vom Magazin Forbes im Jahr 2006 veröffentlichten Liste war Cobain übrigens auf Platz eins der „am besten verdienenden Toten“ gelistet.

(Quelle: Auszugsweise aus der VOX-Serie "100 Songs, die die Welt bewegten")

Montag, 28. März 2016

Saar-Hunsrück-Steig - Verlängerung - Etappe 12

Schon im Jahr 2009 wurde der Saar-Hunsrück-Steig zu Deutschlands schönstem Wanderweg gewählt und zählt seitdem zu den "Top-Trails of Germany - Deutschlands beste Wanderwege".
Nun wurde er verlängert und in der gesamten Länge erneut zertifiziert.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit einer erneuten Verbesserung wird der Steig nun wohl lange an der Spitze der europäischen Wanderwege stehen.
Der Premium-Fernwanderweg Saar-Hunsrück-Steig führte bisher auf 218 km von Perl und Schengen an der Mosel durch den Naturpark Saar-Hunsrück nach Idar-Oberstein und mit einem Abzweig nach Trier (Ruwer-Route). Ab April 2015 wurde er nach Boppard am Rhein verlängert und hat nun eine Länge von 410 km. Mit der Verlängerung kommen 12 weitere Etappen hinzu, so dass der Weg jetzt aus insgesamt 27 Etappen besteht. 


Der Saar-Hunsrück-Steig ist der am besten bewertete Wanderweg Deutschlands.

Die ab April 2015 erwähnte Verlängerung (12 weitere attraktive Etappen von Idar-Oberstein bis Boppard mit einer Länge von ca. 192 km) wandern wir in 8 Etappen inkl. 2 Übernachtungen.
Die neue Streckenführung erfolgt durch den östlichen Hunsrück von Idar-Oberstein über Herrstein, Rhaunen, Sohren, Flughafen Hahn, Altlay, Blankenrath, Mastershausen, Kastellaun, Morshausen, Udenhausen und Oppenhausen bis nach Boppard.


https://de.wikipedia.org/wiki/Saar-Hunsr%C3%BCck-Steig 
http://www.saar-hunsrueck-steig.de 

Samstag, 26. März 2016:
Mit einer kleinen Gruppe um Pfarrer Burkard Zill machen wir uns heute auf den Weg, die neue Streckenführung der 12. Etappe des Saar-Hunsrück-Steigs zu erkunden.


Start ist an der Wildenburg, eines der Tore des an Pfingsten 2015 eröffneten Nationalparks Hunsrück-Hochwald.

Die mystisch anmutende Felsenlandschaft rund um die Reste der mittelalterlichen Burg ist einer der Höhepunkte des Nationalparks.
Eine weitere Attraktion ist das Wildfreigehege mit Wildkatzenzentrum sowie der Wolfsblut-Wolfslandschaft.

Der 22 Meter hohe Aussichtsturm bietet normalerweise einen überwältigenden Rundumblick. Leider verwehrt uns heute Morgen um kurz nach 8 Uhr dichter Nebel diese Blicke.

An der Mörschieder Burr
Vom Wildenburger Kopf mit keltischer Fliehburg erleben wir zunächst eine der schönsten Stellen des Saar-Hunsrück-Steigs: Die knapp 3 Kilometer lange Passage auf dem Felsenpfad durch urige Landschaft und Blocksteinfelder aus Taunusquarzit – vorbei am Hexentanzplatz, wo sich einst an Walpurgisnacht die Hexen der Region versammelt haben sollen – hin zur Mörschieder Burr, die mit Geröllfeldern und herrlichen Aussichten aufwartet.
Die Mörschieder Burr liegt auf 646 Metern am östlichsten Ausläufer des Nationalparks. Das Felsmassiv diente einst der Verteidigung und ist heute wegen seiner Wandermöglichkeiten und der tollen Aussicht beliebt. Sie ist ein besonders typisches Beispiel für den Taunusquarzit und seine Verwitterungsbildungen im westlichen Hunsrück. Zusammen mit der natürlichen Vegetation bieten die Blocksteinfelder einen eindrucksvollen Anblick.

Die Buchenwälder prägen unsere Heimat. Sie stellen weltweit betrachtet eine große Besonderheit dar, weil die Rotbuche ausschließlich in Europa vorkommt.
Obwohl sie von Forstleuten "Mutter des Waldes" genannt wird, findet man die Buche heute nur noch in 15 Prozent der Wälder. Buchen können älter als 400 Jahre werden. In Rheinland-Pfalz soll soll es den Buchen wieder ermöglicht werden, auf größerer Fläche ihr maximales Lebensalter zu erreichen - in einem Nationalpark im Hunsrück.
Hündin Nala beim Aussichtspunkt ''Burr Süden''
  
Weiter geht es über Herborn zum Steinernen Gästebuch.
Es erinnert seit 1976 an die zahlreichen prominenten Besucher der Deutschen Edelsteinstraße. Die von den Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur signierten Steine sind entlang eines mit dem Saar-Hunsrück-Steigs verbundenen Rundwegs aufgestellt.
Bei Veitsrodt folgen wir ein Stück dem Vollmersbach Richtung gleichnamigem Ort. Hier haben wir neun Kilometer hinter uns gebracht und rasten am Weiher bei der Hütte der Anglerfreunde.
Zwischen Veitsrodt und Vollmersbach führte die Etappe früher an der Ziegelhütte vorbei Richtung Tiefenstein zur Weiherschleife. Die neue Wegführung des Premium-Steigs bringt die Wanderer oberhalb der Ziegelhütte weiter über den Panoramapfad sowie den Alten Steinbruch am Bangelsberg nach Regulshausen.

Weiher bei Veitsrodt

Nach Überqueren der K 35 begleiten wir ein Stück den Rehlenbach und gehen hinauf zum Reisberg. In diesem Bereich lag einst der Ort Reisberg, der noch im Jahr 1491 urkundlich erwähnt wird
Um 1600 soll noch eine Familie hier gewohnt haben Heute erinnern nur noch zwei Flurnamen an diese untergegangene Siedlung.
Vorbei am Linzwieserkopf queren wir unterhalb der Tennisplätze die Flugplatzstraße zum Wiesenkopf, wo wir uns zwischen den Stadtteilen Idar und Göttschied befinden.
Durch ein Waldstück wandern wir zwischen Karschholz und Klinikum vorbei, queren erst die K 37, dann den Göttenbach und schlagen den Weg Richtung Oberstein ein, wo wir gleich die nächste Pause machen. Etwa 150 Höhenmeter auf 1,2 Kilometer gilt es beim letzten schweren Anstieg zu überwinden.
Blick von oberhalb der Ziegelhütte auf Veitsrodt

Vom Pfaffenwald führt uns das letzte Stück hinunter zum Schloßweiher.
Wir verlassen kurz den Steig, um das Neue Schloss zu besuchen. Von hier gibt es dann die letzte Aussicht auf Oberstein, bevor wir nach wenigen Metern am Endpunkt, dem Alten Schloß bzw. der Burg Bosselstein, angelangt sind.

Offiziell endet hier nach fast genau 20 Kilometern die 12. Etappe, wir wandern allerdings weiter zur Felsenkirche.
Sie ist ein heute evangelisches Gotteshaus an exponierter Stelle und das Wahrzeichen der Stadt. Auf den Fundamenten einer älteren Höhlenburg ließ Wirich IV. von Daun-Oberstein zwischen 1482 und 1484 die Felsenkirche Idar-Oberstein errichten. Oberhalb der Kirche ragen eine Felswand und die Burg Bosselstein empor. Unterhalb liegen die Häuser des Stadtteils Oberstein. Die Kirche ist durch ihre Lage und ihre weithin sichtbare Präsenz zum Wahrzeichen der Stadt Idar-Oberstein geworden. Um das Innere der Kirche zu betreten, muss man durch einen 1980/81 in den Felsen geschlagenen Tunnel gehen.
Auf Schloss Oberstein

Um die Erbauung rankt sich eine Sage: Um die Mitte des elften Jahrhunderts lebten die Brüder Wyrich und Emich von Oberstein auf der Burg Bosselstein. Beide liebten Bertha von Lichtenburg und, als Wyrich von der Verlobung seines jüngeren Bruders mit eben jener erfuhr, stürzte er Emich aus dem Fenster der Burg. Gezeichnet von seiner schweren Schuld beichtete Wyrich die Tat einem Abt. Als Sühne sollte er mit eigenen Händen eine Kapelle an der Stelle, an der sein Bruder gestorben war, errichten. Als der Bau vollendet war, bat Wyrich Gott um ein Zeichen der Vergebung. Ein Quell entsprang dem Felsen, der heute noch fließt. Bei der Einweihung der Kapelle sank Wyrich am Altar tot vor dem Abt nieder.

Treppen führen uns anschließend durch verwinkelte Gassen zur Obersteiner Altstadt.
Durch die Fußgängerzone schlendern wir Richtung Bahnhof. Einige Mitwanderer gönnen sich ein Eis, bevor sich unsere Wege trennen.
Glas leer, Teller voll

Während die Gruppe mit der Bahn zurück nach Baumholder fährt, nehme ich die letzten Kilometer nach Idar in Angriff, wo ich mir im IDARER BRAUHAUS leckeres Bier und ein Schnitzel mit Bratkartoffeln, Champion…, Champijon…, Champingjo... Pilze eben… schmecken lasse.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=kurhavfhycqarjkh

Sonntag, 27. März 2016

Tour des Grauens

Freitag, 25. März 2016:
Tour des Grauens – Wanderung zum "Grauen Kreuz"

Heute ist Karfreitag - im Zusammenhang mit Ostern für die Christen einer der höchsten Feiertage.
Es ist der Tag der Kreuzigung Jesu auf dem Hügel Golgatha vor den Toren Jerusalems.
Der Name leitet sich von "karen" (altdeutsch: wehklagen) ab.
Traditionelle Lexika beziehen sich auch oft auf "kara" (althochdeutsch für Klage, Kummer, Trauer) als Ursprung.
Morgen endet auch die 40-tägige Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Karsamstag/Osternacht. Dabei werden die Sonntage als sogenannte Feiertage der Auferstehung nicht mitgerechnet.
Die 40 Tage sollen an die Zeit erinnern, die Jesus in der Wüste fastete.
Die Zahl 40 erinnert aber auch an die 40 Tage der Sintflut, an die 40 Jahre, die das Volk Israel durch die Wüste zog, an die 40 Tage, die Mose auf dem Berg Sinai in der Gegenwart Gottes verbrachte und an die Frist von 40 Tagen, die der Prophet Jona der Stadt Ninive verkündete, die durch ein Fasten und Büßen Gott bewegte, den Untergang von ihr abzuwenden.


Keine Weicheier - die Truppe am Grauen Kreuz
Nationalparkführer Gerhard Hänsel hat für heute die "Tour des Grauens" angesetzt.
Als ich von dieser Wanderung las, machte sich Verunsicherung breit, denn ich kannte bisher nur das "Graue Kreuz", das etwa 50 Meter seitlich der Landstraße 159 zwischen Bruchweiler und Hinzerath zu finden ist.
Hoch oben auf dem Idarwald-Scheitel grenzten schon im Mittelalter die Gemarkungen mehrerer Ortschaften sowie die Herrschaftsgebiete der Wild- und Rheingrafen, der Veldenzer und der Sponheimer Grafen an Kurtriers mächtigen Kirchenstaat.
Dort, auf 695 Metern ü. NN, wo seit alters her das sagenumwobene "Graue Kreuz" einen wichtigen Orientierungspunkt bildet, führt heute der Europäische Fernwanderweg E3 vom Atlantik zum Böhmerwald vorbei. Auch als Skilangläufer passierte ich vor vielen Jahren mit meinem Vater im Winter - bei damals noch guten Schneebedingungen - auf der 15 km langen Graue-Kreuz-Loipe das Holzsymbol.
Bei der heutigen Tour handelt es sich allerdings um das "Graue Kreuz" im Hochwald zwischen Thranenweier, Börfink, Rinzenberg und Oberhambach. Die beiden Namensvetter liegen Luftlinie knapp 16 Kilometer auseinander.


Von ursprünglich 14 angemeldeten Personen sind nur noch 8 übrig geblieben, dazu zwei Hunde. Vom Treffpunkt, dem Wanderparkplatz "Wolfskaul" bei Rinzenberg, wandern wir mit Gerhard den Weg rechts entlang des Moorgebietes Kohlhäu und nähern uns dem Gefällberg. Das Wetter passt zum Thema der Tour... es regnet und der Himmel zeigt sich bedeckt und trüb. Nebel begleitet uns und hüllt alles in seinen schaurig schönen Mantel.
Richtung Norden kommen wir nach vier Kilometern an einen besonderen Punkt im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.
Auf 644,4 Meter Höhe, im Staatsforstrevier Rinzenberg, in unmittelbarer Nähe des alten Grenzsteines mit der Jahreszahl 1853 und den Buchstaben OB auf der Westseite und KP auf der Ostseite des Steines, der einst den Grenzverlauf zwischen den Ländern "Königreich Preußen" und „Großherzogtum Oldenburg“ zeichnete, steht ein drei Meter hohes aus Eichenholz grob gefertigtes Kreuz ohne Corpus, ohne Verzierung und Namen. Es wird im Volksmund "Graues Kreuz" genannt. Der Trigonometrische Punkt ist in Kataster- und Wanderkarten ebenfalls mit der Bezeichnung "Am Grauen Kreuz" eingetragen.
Einheimische wie Fremde, die hier vorübergehen, werden sich wohl fragen, wie dieses Kreuz an diesen Namen kommt. Denn selbst in den Sagensammlungen und geschichtlichen Abhandlungen dieser Landschaft wird dieses Kreuz nicht erwähnt. Wo kommt es her? Warum steht es ausgerechnet an einer Stelle, wo einst die römische Heeres- und Handelsstraße von Trier nach Mainz vorbeiführte, und die noch bis tief ins Mittelalter benutzt wurde? Der frühere Birkenfelder Heimatkundeforscher Professor Baldes weiß darauf in seinem Buch "Geschichtliche Heimatkunde der Birkenfelder Landschaft" eine Antwort.
Es geschah zur Zeit des 30 jährigen Krieges im Jahre 1632, als Truppen des Schwedenkönigs Gustav Adolf die von Mainz aus sich zurückziehenden Truppen, die auf der Seite des Kaisers Ferdinand I. von Österreich kämpften, im "Schwarzwälder Hochwald" zur Schlacht herausforderten. Auf ihrem Rückzug plünderten und brandschatzten die Spanier auch die Ortschaft Rinzenberg. Die Bewohner des Dorfes flüchteten beim Herannahen der Truppen in den Hochwald. Die schwedischen Einheiten, verbündet mit den Franzosen, holten die Spanier hoch oben auf dem Berg ein. Es kam zur Schlacht, in der die Spanier vernichtend geschlagen wurden. Niemand kümmerte sich um die umherliegenden Toten, sie blieben im Walddickicht liegen. Als die Kriegshorden abgezogen waren, wagten es einige der in den Wald geflohenen Rinzenberger, in den Ort zurückzukehren. Hierbei kamen sie an der grauenvollen Todesstätte vorbei. In der Morgendämmerung mit ihren Nebelschwaden, die die Gegend dort oben sowieso schon gespensterhaft erscheinen lässt, den Verwesungsgeruch der Toten in den Nasen, eilten sie, von Angst und Grauen getrieben, ins Dorf zurück. Einige wenige Beherzte kehrten mit Hacken und Schaufeln zum unseligen Ort zurück, begruben die umherliegenden Toten in ein großes Grab und errichteten auf ihm ein hohes Kreuz. Das Kreuz des Grauens. Das "Graue Kreuz". Da niemand die Namen der Toten kannte, vermerkte man weder was hier geschehen war, noch Zeit und Namen.
Im Martinshütter Bruch

So lässt sich wohl der Name dieses schmucklosen Kreuzes erklären. Und ist dieses Kreuz vom Zahn der Zeit zernagt, oder vom Sturmwind zerbrochen, so wird es bis zum heutigen Tage immer wieder neu errichtet. Als im Frühjahr 1990 die verheerenden Stürme, die um das Kreuz stehenden alten Bäume umwarfen, brach auch das Kreuz unter deren Last zusammen. Wieder waren es Rinzenberger Bürger, die ein neues schlichtes Kreuz aus Eichenholz zimmerten und es, mit Zustimmung des örtlichen Forstbeamten, an dieser historischen Stelle errichteten.
Quelle: Brucker, Heinrich: Rinzenberg. Dokumentation einer Hochwaldgemeinde mit vielen Bildern der letzten 100 Jahre, Rinzenberg: Ortsgemeinde o.J. (1995), S.120f

Wir rasten und ich genieße die geheimnisvolle Atmosphäre hier oben.
Die Grenze zwischen Preußen und Oldenburg (Fürstentum Birkenfeld) verlief nur ein paar Meter weiter, was ein alter Grenzstein aus dem Jahr 1853 mit den Inschriften GO für Großherzogtum Oldenburg und KP für Königreich Preußen beweist. Der Zusatz 653 gibt wohl die fortlaufende Nummer des Steins an.
Mit etwas Feuerwasser wärmen wir uns von innen, während wir gespannt Gerhards Geschichten lauschen. So erfahren wir auch, warum Bäume schäumen.
Auf dem Rückweg müssen wir die Trasse der neu angelegten Verbindungsleitung von der Primstalsperre zur Steinbachtalsperre queren. Diese ca. 32 km lange Verbindung ist u.a. erforderlich, um die Steinbachtalsperre zu Damm-Sanierungszwecken entleeren zu können, ohne dass die Wasserversorgung gefährdet wird. Schön sieht es hier momentan nicht aus, ein breiter Graben voller Matsch und Schlamm muss überquert werden.
Kurz darauf sind wir schon beim Moorgebiet "Martinshütter Bruch" angekommen. Immer noch ziehen Nebelschwaden um uns herum, während wir auf dem weichen Waldboden langsam und bedacht einen Fuß vor den anderen setzen. Es ist wie im Märchen hier, umgeben von geheimnisvollen Moorbirken und Gerhard entdeckt sogar einen Moorfrosch, der sich völlig unbeeindruckt fotografieren lässt.

Mord im Moor?
Über den sich über Rinzenberg erhebenden Wehlenstein wandern wir zurück zum Ausgangspunkt.
Die Tour durch den schaurig schönen Hochwald bot vielfältige Einblicke in das heutige Schutzgebiet. Trotz Dauerregen eine schöne Tour mit tollen Leuten.


Koordinaten des Grauen Kreuzes:
Dezimalgrad (WGS84): N 49.696959 E 7.109856


Gerne möchten wir uns aufwärmen und mit einer Kleinigkeit stärken. Da das Gasthaus Gordner noch geschlossen hat, fahren wir in den Nachbarort Hattgenstein.
Schauriger Blick vom Wehlenstein
Dort, am ehemaligen Sportplatz, beim 21 Meter hohen Aussichtsturm, kann man in der Rothenburghütte, dem ehemaligen Clubheim des Sportvereins, in schöner Atmosphäre einkehren. Sei es nur ein Getränk zur Erfrischung oder ein kleiner Imbiss, "Hans von der Hütte" ist auf jeden Fall einen Besuch wert. 

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter