Mittwoch, 18. Mai 2016

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht


"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht"
Dieses Zitat ist an keiner Stelle schriftlich belegt.
Von daher ist es - ähnlich wie das "Wein, Weib und Gesang" Martin Luthers – lediglich als fiktionale Zuschreibung an Franz Kafka zu verstehen.

"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht"
wurde ähnlich bereits von Antonio Machado zitiert: "Caminante no hay camino, se hace camino al andar."

Wörtlich steht es für "Wanderer, es gibt keinen Weg, der Weg entsteht beim Gehen"

Ich habe den Spruch vor Kurzem als "Wandernde haben keinen Weg, sie schaffen ihn im Gehen" gelesen.

Beim Gehen entsteht der Weg, und wendest du den Blick zurück, so siehst du die Spur, die kaum jemals wieder begangen wird.


"Manche Wege entstehen, wenn man sie geht"

Dieser Franz Kafka zugeschriebene Satz beflügelt, beschwingt, ermutigt und stärkt mich immer wieder.
Der Fuß schwebt noch über dem Nichts – und ich scheue mich, einen Schritt zu machen, doch beim vertrauensvollen Absetzen, beim Schritt nach vorn entsteht erst der Grund, von dem aus der nächste Schritt getan werden kann: Plötzlich ist ein Weg da.


Samstag, 14. Mai 2016

Kaiser Nero - ein Monster, besser als sein Ruf

Kaiser Nero lädt zur Audienz nach Trier!

Hollywood und die schlechte Presse der Antike prägten ein düsteres Bild von Nero.

Drei Museen in Trier zeigen auch ein anderes Bild.


Heute, am 14. Mai 2016, wird in Trier die große Sonderausstellung über den römischen Kaiser Nero eröffnet.
Die erste Nero-Schau in Mitteleuropa wartet bis zum 16. Oktober mit fast 800 Objekten aus 21 Ländern auf.

Nero ist sicherlich der bekannteste aller römischen Kaiser.

Das Bild, das viele von ihm haben, entspricht angeblich aber nicht der Realität.
Die Wissenschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten ein viel differenzierteres Nero-Bild gewonnen - jenseits des Brandstifters von Rom, des Muttermörders und des Christenverfolgers.
Dieses differenzierte Bild möchte man den Besuchern vermitteln.

Mit Nero begegnet uns ein römischer Kaiser, von dem beinahe jeder Mensch schon einmal gehört hat. Politische Morde, Ausschweifungen und nicht zuletzt der Brand von Rom während seiner Regentschaft zeichneten ihn zum Prototypen des wahnsinnigen Herrschers.

Doch war er auch ein Förderer der Künste und spielte selbst auf der Leier.

Bei dem Wort "Leier" denke ich an den bekannten Komiker, Musiker, Komponist, Unterhaltungskünstler, Kabarettist, Schauspieler und Dichter Heinz Erhardt, der Nero folgendes Gedicht gewidmet hat:


NERO

Nero war nicht nur Kaiser,
sondern auch fast immer heiser,
was hauptsächlich daran lag,
daß bei Nacht er und am Tag,
je nachdem, wo etwas los war,
wenn's auch eine Kirmes bloß war,
kurz: bei jeder frohen Feier - 
Lieder sang zu seiner Leier
und das stets mit vollem Ton,
denn noch gab's kein Mikrofon.

Selbst als Rom hellodernd brannte

und das Volk sich an ihn wandte,
stand er mittendrin im Dampfe,
sang Couplets und schlug die Klampfe.

Er war in der Welt des Scheins

eine, wenn auch heisre, Eins.
Sonst jedoch war Kaiser Nero
- unter uns gesagt - ein Zero.

Stufen - ein Gedicht wie ein Gebet

Samstag, 14. Mai 2016:

Mein Geburtstag!

Geburtstage sind gut für die Gesundheit.
Studien haben bewiesen, dass Menschen länger leben, wenn sie mehr Geburtstage haben.

Schriftsteller Hermann Hesse erlangte mit seinen Prosawerken wie "Der Steppenwolf" und mit seinen Gedichten weltweite Bekanntheit und wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Sein wohl bekanntestes Gedicht trägt den Namen "Stufen".


Hermann Hesses Meisterwerk ist Gedicht, Gebet und philosophische Erkenntnis in einem.
Die Zeile "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" ist selbst vielen Menschen bekannt, die Hesse und sein Gedicht nicht kennen.


Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulisch eingewohnt, so droht Erschlaffen,
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegensenden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
wohlann denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(
Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel


Sonntag, 8. Mai 2016

Der Weg

Vielleicht ist das Bild vom Weg das wichtigste symbolische Zeichen für den Verlauf unseres Lebens.
Wir sprechen ja vom "Lebensweg", weil wir im Grunde immer unterwegs sind, Beweglichkeit brauchen, manchmal auch eine etwas problematische Verwegenheit haben, dann möglicherweise vom Wege abkommen oder in eine ausweglose Situation geraten.
Wir sind froh über Weg und Steg, müssen auch immer wieder weg-gehen, befinden uns auf Suchbewegungen, hoffen auf Zugänge, Eingänge und Übergänge, oft genug sind Umwege in Kauf zu nehmen, wir hoffen, dass wir Weggefährten finden und dass uns jemand beisteht, wenn wir einen Ausweg aus der Sackgasse nötig haben.

Wenn wir etwas über unser Leben erzählen sollen, dann zeichnen wir unsere Wege nach, die Stationen unserer persönlichen Geschichte, mit all den Verirrungen und dem Finde-Glück, das uns widerfahren ist. Und wenn wir auch sesshaft geworden sind, so erinnern wir uns doch mit Vorliebe an unsere Reisen und Wanderungen, an die Abenteuer des Unterwegs-Seins. Und manchmal fragen wir uns vielleicht, ob die Wege unseres persönlichen Weges uns dazu geholfen haben, die eigene Identität zu finden, das, was uns von allen anderen unterscheidet. Man kann sich ja auch selbst davonlaufen, in blinde Betriebsamkeit geraten, um nur ja nicht auf den Weg zu kommen, der für uns der richtige ist, der zu unserer Wahrheit gehört.

Wege, Reise, Wanderung, das sind Bilder für die nötigen Wandlungen, die auch zu unserem Leben gehören. Wir durchlaufen ja immer Prozesse eines Gestaltwandels, können nicht die Alten bleiben und wisssen nicht, was auf uns zukommt. Das Abschiedhafte gehört ebenso zu unserem Leben wie die Neigung, an einem Ort zu verharren. Und sind es nicht die Wegkehren, die Entscheidungssituationen, die sich am folgenreichsten für unser Schicksal auswirken? Ob wir die wichtigsten Augenblicke im Leben erkannt haben oder ob wir dafür blind waren und einfach weitergetappt sind, das wird sich erst zu einer späteren Zeit zeigen.


Es ist auffällig, dass in unseren Tagen das Wallfahren wieder entdeckt wird. Viele - auch junge - Menschen, möchten einen weiten Weg gehen, auf Annehmlichkeiten verzichten, sich der Hitze und Kälte aussetzen und ihre eigenen Kräfte ausloten.
Allzu große Sesshaftigkeit scheint problematisch zu sein.
"Wir haben hier keine bleibende Stätte", heißt es im Hebräerbrief (13, 14). Von Jesus wissen wir, dass er in der Zeit seiner öffentlichen Tätigkeit immer unterwegs war. Und wenn er gesagt hat: "Die Vögel haben ihre Nester und die Füchse ihre Höhlen, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann" (Matthäus 8, 20), dann wollte er nicht über sein Schicksal jammern, sondern seine Lebensform verdeutlichen.
Alfons Rosenberg hat deshalb sehr treffend gesagt: "Will man erfahren, was er weisen wollte, muss man den festen Standort aufgeben und mit ihm wandern - denn seine Weisheit ist keine ersessene, sondern eine erwanderte."
Und wenn Jesus sich selbst in einem Deutewort vorstellen wollte, hat er nicht gesagt: "Ich bin die Ruhebank und der Rückzugsort", sondern: "Ich bin der Weg" (Johannes 14, 16).

Sprachforscher machen uns darauf aufmerksam, dass unser Wort "Sinn" etymologisch mit Weg, Reise, Bewegung zusammenhängt. Um den Sinn unseres Lebens zu finden, muss man sich "auf den Weg" machen, muss die Welt kennen lernen, sich "vom Sinnstrahl der Dinge" treffen lassen, wie Romano Guardini gern gesagt hat.

Der Weg ist zwar nicht das Ziel; wer sich aber nicht auf den Weg macht, wie kann der "erfahren" werden und zum Ziel gelangen?

(Otto Betz)

Montag, 2. Mai 2016

35 Kilometer Naturparadies

Samstag, 30. April 2016:
Jedes Jahr freuen wir uns auf die Wanderung mit Pfarrer Burkard Zill und Stabsfeldwebel Oliver Giesler, die schon seit vielen Jahren Wanderungen über den Truppenübungsplatz Baumholder anbieten. Zill ist als exzellenter Kenner des ausgedehnten Geländes und seiner mehr als 75jährigen Geschichte über die Grenzen seiner Heimatstadt Baumholder hinaus bekannt. 


Vom Totenalbtal zum Leitzenberg
Der Zugang zum Naturparadies wird dieses Jahr begrenzt, denn es gilt ein Limit von 50 Teilnehmern. Grund hierfür ist die neue Soldatenarbeitszeitverordnung, die den Spielraum für Überstunden am Wochenende deutlich einschränkt, erklärte Übungsplatzkommandant Reinhard Walter gegenüber der Nahe-Zeitung und bittet um Verständnis.
Um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, mussten bisher drei bis vier Personen aus den Reihen der Kommandantur abgestellt werden, hinzu kam noch ein Begleitfahrzeug. Dies sei nun aufgrund der neuen Verordnung nicht mehr machbar.

S
tart ist um 07:30 Uhr an ''Edingers Mühle''. Zu viert sind wir heute angetreten.
Nachdem die Formalitäten erledigt sind, geht es endlich los.
Die Tour führt uns dieses Mal über den südöstlichen Teil des Übungsplatzes.
 

Oberhalb des Steinbruchs Ronnenberg wandern wir entlang einiger Mauerreste zur gleichnamigen Wüstung.
Panzer-Teststrecke

Der erste Nachweis über Ronnenberg datiert von 1388. 1938 wurde der Ort aufgegeben. Zu diesem Zeitpunkt lebten hier 330 Menschen.
Am Erzweiler Hof im Totenalbtal, an der L169, wartet nach knapp 9 km der Bus zum ersten Mal.
Weiter geht es entlang der Schießbahn 21 am Faulenberg zur Schießbahn 18 mit herrlichem Blick zum Donnersberg und über das Pfälzer Bergland bis zum Pfälzer Wald. Dieser Platz ist wie geschaffen für unsere Rast.
Der Oberst-Wacker-Weg bringt uns hinab ins Totenalbtal. Wir kreuzen die L169 im ehemaligen Ort Erzweiler, wo nach knapp 9 km der Bus zum ersten Mal wartete. Die nächste Passage führt steil hinauf über den Leitzenberg und Rotenberg zum "Steinernen Mann".
Auch hier ein atemberaubender Blick über die Westpfalz bis zum Lemberg bei Bad Kreuznach. Man kann den Eckersweiler Turm sehen. Links davon den Teufelskopf als Teil der Preußischen Berge. Das fast 1.000 Hektar große Landschaftsschutzgebiet bildet den dortigen Grenzverlauf zwischen den ehemaligen königlichen Herrschaftsgebieten Bayern und Preußen.
Nach der Niederlage Napoleons 1814 wurde die deutsche Landkarte auf dem Wiener Kongress neu gezeichnet. Die Rheinlande wurden Preußen zugesprochen, die linksrheinische Pfalz mit rund 430.000 Einwohnern fiel 1816 an Bayern.


Nach rund 19,5 km hält der Bus zum zweiten Mal im Totenalbtal an der L169, die als einzige öffentliche Straße über den Truppenübungsplatz führt.

Der nächsten Etappe folgen wir über 190 Höhenmeter hinauf östlich der Basis der Schießbahn 18 durch den Buchwald nach Grünbach mit seinem ehemaligen Friedhof.
Noch einige Höhenmeter weiter passieren wir den Bunker Emesberg, bis nach einem erneuten steilen Anstieg das 550 Meter hohe "Plättchen" erreicht wird. An diesem Punkt bietet sich uns ein schöner Ausblick, u.a. zum Luftwaffenzielkreis Gemickel, dem zentralen Zielpunkt des Truppenübungsplatzes.
Unser Busfahrer wartet hier zum dritten und letzten Mal. Wer jetzt einsteigt, hat immerhin 30 Kilometer zurückgelegt.
Uns geht es gut, auch wenn wir unsere beiden treuen Mitwanderer vermissen, und so machen wir uns auf den Weg bergab - fünf Kilometer sind es noch zum Ausgangspunkt an der Edingers Mühle.
Für diejenigen, die bis zum Schluss durchgehalten haben, bedeutete das an diesem Tag rund 35 km und 1.165 Höhenmeter.
Dieser Weg wird kein leichter sein

Trotz schlechter Wettervorhersage ab 14 Uhr konnten die Regenjacken und –schirme im Rucksack bleiben. Kein einziger Tropfen ärgerte uns – mal wieder alles richtig gemacht.
Durch dichte Wälder und offene Heideflächen, aber teilweise auch über breite Panzerstraßen führte die Strecke. Selten waren hingegen Querfeldeinstrecken, denn durch die jahrzehntelange Nutzung für Artillerieübungen verbirgt sich so manch gefährlicher Blindgänger im Boden.
Tiefe Spuren haben die Panzer an einigen Stellen hinterlassen, so wird trotz aller Idylle immer wieder deutlich, welches die Funktion des Platzes ist.
Überall tauchen die Zeichen militärischer Nutzung im Gelände auf, so führte die Strecke auch durch Kulissendörfer, in denen für Straßenkämpfe geübt wird.
Wenig ist von den früheren Siedlungen übrig geblieben, an vielen Stellen wird den Prozessen der Natur einfach freier Lauf gelassen.

Es war eine gute Möglichkeit, einen Blick in diesen sonst unzugänglichen Landstrich zu werfen.

Zum Abschluss gehen wir gut Essen, das haben wir uns verdient!

Im ''Buchwald'' mit der RANGE CONTROL

Informationen zum Truppenübungsplatz:
Der Truppenübungsplatz Baumholder gehört mit einer Fläche von 11.900 Hektar zu den größten Übungsplätzen in der Bundeswehr. Kennzeichnend ist ein stark durchschnittenes Gelände mit zum Teil ausgesetzten Steilhängen.
Mit der Aufnahmekapazität von bis zu zehn Kompanien täglich werden auf den großen Flächen vielseitige Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten angeboten.
Auf ihm ist der Einsatz von Bordkanonen, Bordmaschinenkanonen, Panzerabwehrhandwaffen, Panzerabwehrlenkflugkörpern, Handwaffen, Artillerie, Mörser, Unmanned Aerial Vehicles sowie Luft-Boden-Schießen vorgesehen.

Die Schießanlagen bieten das Schießen mit Bordkanonen (bis 120 mm), mit Granatpistolen und Granatmaschinenwaffen (40 mm), mit Panzerabwehrhandwaffen und -lenkflugkörpern und selbstverständlich mit aller Art von Handwaffen.
Für das Schießen der Artillerie und der Mörser sind entsprechende Feuerstellungsräume und -stellungen für Mörser (bis 120 mm), für Rohrartillerie (bis 155 mm), für Raketenartillerie MARS (Mittleres Artillerie Raketensystem bis 298 mm)
allerdings nur mit Übungsmunition und verkürzter Reichweite gegeben. Dank der großen Fläche des Truppenübungsplatzes bietet sich die Möglichkeit auf eine Entfernung von 11.000 bis 15.000 Meter zu schießen.
Hauptsächlich wird der Übungsplatz durch die Artillerieschule aus Idar-Oberstein genutzt. Aber auch die US-Einheiten der First Armored Division und Einheiten aus der näheren Umgebung Baumholders nutzen das Übungsgelände zum Üben und Schießen.

Friedhof Grünbach

Geschichte des Truppenübungsplatzes:
Der Truppenübungsplatz wurde für das XII. Armeekorps der Wehrmacht angelegt, dessen Generalkommando seinen Sitz in Wiesbaden hatte. Mit der Anlage wurde 1937 begonnen.
Für den Platz wurden Gemeinden und Weiler mit 3.970 Einwohnern geräumt und zu Wüstungen. Es waren Aulenbach, Ausweiler, Breungenborn, Ehlenbach, Erzweiler, Frohnhausen, Grünbach, Ilgesheim, Kefersheim, Mambächel, Oberjeckenbach, Ronnenberg, Zaubach, Wickenhof und Wieselbach.
Die Infanterieregimenter 105 und 70 hielten im April 1937 die ersten Übungen ab.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Kriegsgefangene Angehörige der Roten Armee, die vom Stammlager 326 VI K in Nordrhein-Westfalen nach Baumholder gebracht worden waren, in Arbeitskommandos auf dem Truppenübungsplatz eingesetzt.
Im Spätsommer 1941 waren es etwa 450.

Ab dem 17. Dezember 1943 wurden die Bataillone der Strafdivision 999 nur noch auf dem Truppenübungsplatz Baumholder aufgestellt.
Im Herbst 1944 wurde die Gebäude des Truppenübungsplatzes bombardiert. Dabei wurden Kasernen- und Wirtschaftsgebäude sowie das Theater beschädigt.
1945 nahm die United States Army den Truppenübungsplatz ein. Sie übergab ihn im August 1945 an das Französische Heer, das ihn bis 1960 führte. Die 2. US-Panzerdivision nutzte den Platz ab 1951/1952.
Deutsche Soldaten übten ab 1956 nach der Gründung der Bundeswehr wieder auf dem Truppenübungsplatz. Sie übernahm ihn 1960 in ihre Zuständigkeit.

2003 wurde ein neues Nutzungskonzept entwickelt und die Zahl der Schießanlagen seither reduziert. Die Anlage verfügt über 26 Schießbahnen, sechs Sprengplätze, Handgranatenwurfstände, eine ABC-Übungsbahn, einen Pionierübungsplatz und weitere militärische Einrichtungen. 5400 Hektar sind Freifläche und 6200 Hektar Forstbetriebsfläche.
Mit dem Baumholder Army Airfield verfügt der Truppenübungsplatz über einen eigenen Flugplatz.
Klappziele auf Schießbahn 18
Auf Grund der Luftraumstruktur ist der TrÜbPl Baumholder derzeit in Deutschland der einzige, der taktische Luft-Boden-Einsätze der Luftwaffe mit Übungs- und Gefechtsmunition aus mittleren und großen Höhen erlaubt.

Flora und Fauna des Truppenübungsplatzes:
Auf dem Truppenübungsplatz leben 104 Vogelarten, darunter Schwarzstörche, Heidelerchen und Raubwürger. Mehr als 80 Tagfalter wurden nachgewiesen.
Auch Populationen von Luchsen und Wildkatzen finden sich. Von 721 Farn- und Blütenpflanzen stehen 27 auf der deutschen Roten Liste gefährdeter Arten.
Der Truppenübungsplatz ist geschützt nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Vogelschutzgebiet.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter:

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=zqxuxqztgfowvmse

Dienstag, 5. April 2016

Musik, die bewegt - Teil 9

„Smells Like Teen Spirit“ führt die bis dato unbekannte Band Nirvana 1991 an die Spitze der weltweiten Charts. Es die DIE Hymne der noch jungen Grunge-Bewegung. Mit dem Mix aus Aggression und Resignation trifft der Sound aus Seattle in den 90ern den Nerv der Zeit und wird zum Sprachrohr einer ganzen Generation, obwohl Kurt Cobain sich noch nicht mal als echten Musiker begreift.

Im Interview 1993 sagte er: „Ich habe kein Konzept und weiß nicht, was Musiker so machen.
Ich meine, ich weiß nicht, wie die Akkorde heißen und ich weiß nicht, wie man Dur oder Moll auf der Gitarre spielt.“ 

Trotz Understatements wird Sänger Kurt Cobain zum Held wider Willen. Ausgerechnet er, der Kommerz, Erfolg und das ganze Musikgeschäft verabscheut, wird zum größten Rockstar seiner Generation aufgebauscht.
Sein Selbstmord im April 1994 macht Nirvana auf dramatische Weise unsterblich. 

Bob Geldof im Interview: „Leute, die Songs schreiben, beginnen, die Welt durch sehr kalte Augen zu betrachten. Und in einem von tausend Fällen passiert es, dass eins dieser Kids mit seinem Sound den Nerv der Zeit trifft. Man hört das und denkt sich: Alter, das stimmt. Ich weiß nicht, was du tust, aber du hast Recht.“ 

Und genau diesen Nerv trifft Kurt Cobain.
Alles beginnt mit einem Schriftzug - nach einer durchzechten Nacht auf die Wand von Cobains Appartement gesprüht. 
KURT SMELLS LIKE TEEN SPIRIT 
„Kurt riecht nach Teen Spirit“, dem Deodorant, das seine damalige Freundin benutzt.
Cobain kennt die Marke und den Werbespot nicht, findet den Titel aber gut und macht ein Lied daraus.
Es wird der Song, der die Rock-Musik der 90er Jahre prägt wie kein zweiter.
Die Zeile „Here we are now, entertain us” bringt die Einstellung einer ganzen Generation auf den Punkt. Desillusionierte Kids, die dem oberflächlichen Pop-Zirkus überdrüssig geworden sind.

Nirvana hatten zu dieser Zeit einen riesigen Einfluss auf die gesamte Musikindustrie. Ich denke, den haben sie immer noch. Man hört diesen Einfluss bei vielen Bands, die es heute gibt.
Gemessen am kurzen Zeitraum, in dem es sie gab, ist es vermutlich eine der einflussreichsten Bands überhaupt.

Völlig unerwartet stößt das Nirvana-Album Nevermind 1991 sogar Michael Jacksons LP „Dangerous“ von der Spitze der US-Charts.

Der Clip zu „Smells Like Teen Spirit“ ist bis heute das meistgespielte Video bei MTV Europe.

Nirvana stammen aus Aberdeen, einem verschlafenen Kaff im Nordwesten der USA.
Knapp 130 Kilometer außerhalb von Seattle. Dort gibt es Ende der 80er Jahre eine rege Musikszene, die aus Punk und Rock den dreckigen und völlig neuen Seattle-Sound kreiert – Grunge.
Neben Nirvana sind Bands wie Soundgarden und Pearl Jam die Pioniere des neuen Genres.

Es war jetzt wirklich an der Zeit, dass der Rock & Roll sozusagen zu seinen schmutzigen Fingernägeln zurückkehrt, und genau das hat Nirvana repräsentiert.
Ungepflegt ist auch die Erscheinung. Lange Haare, abgetragene Jeans, Chucks und Karo-Flanellhemden werden zum neuen Modetrend.
Ein großes Missverständnis, denn der Look ist nicht bewusst gewählt, sondern einfach nur bequem. Trotzdem will Anfang der 90er bald jeder genau so aussehen.

Schon bald verflucht die Band ihren größten Hit. Bei Konzerten verzichtet sie auch mal auf ihn. Zumindest weigern sich Nirvana, „Smells Like Teen Spirit“ ganz gewöhnlich zu spielen. Zudem unterlaufen sie Absprachen mit TV-Shows und zerstören die Bühne und ihr Equipment.
Kurt Cobain wird dennoch – oder gerade deshalb – zum Idol. Der charismatische Eigenbrödler singt in den 90er Jahren Millionen von frustrierten Jugendlichen aus der Seele.
Er war die kreative Kraft hinter der Band und er stand natürlich als Gitarrist und Leadsänger an vorderster Front. Das ist eine harte Nummer und offensichtlich war es schlimm.
Er war wahrscheinlich ein innerlich zerrissener Mensch, was auch seine gewisse Genialität ausmachte.
Die Texte von Kurt Cobain verbreiten nicht gerade gute Laune. Er vertont eigene, trübsinnige Gedichte, schreibt über Vergewaltigungen und Antidepressiva, wie im Song LITHIUM, ein starkes Medikament für manisch Depressive, das er auch selbst nimmt.
Eigentlich kein Stoff für die Top 10, aber Kurt macht auch bei Texten keine Zugeständnisse an den Markt. Er schont den Zuhörer so wenig wie sich selbst. Bei Interviews wirkt er zunehmend zugedröhnt.

Ich denke, als Künstler kann das Schreiben eine Form der Therapie sein. Kurt hatte viele Dämonen in sich und das war seine Art, sie rauszulassen.
Ob Kurt Cobain mit dem Leben im Allgemeinen oder mit dem enormen Erfolg nicht klar kommt, ist schwer zu sagen.
Er flüchtet sich jedenfalls in Drogen und wird von Depressionen, Magenschmerzen und Selbstmordgedanken gequält. Seine turbulente Ehe mit Courtney Love von der Band Hole bringt keine Ruhe. Auch die Geburt seiner Tochter Frances Bean im August 1992 kann Kurt über seinen Weltschmerz nicht hinwegtrösten.


Im März 1994 haben Nirvana in München ihren letzten Auftritt.
Kurz darauf fällt Cobain nach einer Überdosis Beruhigungsmittel und Alkohol in einem römischen Hotel ins Koma.
Einer anschließenden Entziehungskur in Kalifornien entzieht er sich, indem er aus dem Exodus Recovery Center in Marina del Rey flieht und untertaucht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Band bereits aufgelöst, was Dave Grohl und Krist Novoselić aber erst Jahre später bestätigten.
Vier Tage später, am 5. April, starb Cobain in seinem Haus in Seattle.
Er wurde mit einer Überdosis Heroin und einem Kopfschuss aus seiner Browning Auto-5 Selbstladeflinte aufgefunden.
Er hinterließ einen Abschiedsbrief, der mit einem Zitat des Neil-Young-Songs „My My, Hey Hey (Out Of The Blue)“ endete: 
“It’s better to burn out than to fade away.” 
Wörtlich übersetzt: „Es ist besser, auszubrennen, als zu verblassen.“
Andere Quellen übersetzen: „Es ist besser, zu verbrennen, als langsam zu verglimmen.“

Er wird nur 27 Jahre alt. Fans auf der ganzen Welt trauern und der „Klub 27“ bekommt ein neues Mitglied. Er stirbt im selben Alter wie Jimmy Hendrix, Janis Joplin, Brian Jones und Jim Morrison.
2011 wird dann auch Amy Winehouse in den morbiden Klub aufgenommen.

Kurts dramatischer Selbstmord läutet auch das Ende der Grunge-Bewegung ein. 
„Smells Like Teen Spirit“ aber wird für immer die Hymne der letzten Rock-Explosion der Musikgeschichte bleiben.

Obwohl der Vorfall offiziell als Selbstmord deklariert wurde, rissen die Spekulationen um seinen Tod nie ganz ab. Hatte sich einfach jemand Cobains reißerische Weltschmerzpose zunutze gemacht, um einen Mord zu vertuschen? Geriet seine skandalträchtige Witwe Courtney Love zu Unrecht immer wieder in Verdacht, am Tod ihres Mannes nicht ganz unschuldig zu sein?
Die Journalisten Ian Halperin und Max Wallace sind den Ungereimtheiten in ihrem Buch „Mordfall Kurt Cobain - was bisher verschwiegen wurde“ auf den Grund gegangen.

Auf einer vom Magazin Forbes im Jahr 2006 veröffentlichten Liste war Cobain übrigens auf Platz eins der „am besten verdienenden Toten“ gelistet.

(Quelle: Auszugsweise aus der VOX-Serie "100 Songs, die die Welt bewegten")