Samstag, 17. Juni 2017:
Jeder kennt sicher den Satz "Lass die Kirche im Dorf."
Im Soonwald hat man sich sprichwörtlich daran gehalten.
Bei der heutigen Rennrad-Tour ging es zu einer Kirche ohne Dorf, denn dieses wurde Opfer des Kalten Krieges.
Vom Marktplatz Idar führt die Strecke zunächst über Tiefenstein, Kirschweiler, Katzenloch, Kempfeld und Bruchweiler nach Schauren.
Vorbei am Steinbruch Kappelbach geht es weiter über Stipshausen, Rhaunen, Hausen, Woppenroth, Schlierschied, Gemünden und Sargenroth nach Tiefenbach, wo wir die K57 verlassen und der höchsten den Soonwald überquerenden Passstraße (L108) folgen, die Tiefenbach im Norden mit Winterburg im Süden verbindet.
Ein paar Serpentinen und Höhenmeter später steht man am nahe der höchsten Stelle liegenden Parkplatz auf 629 Meter. Von hier ist es nicht weit zur Ellerspring, der mit 657,5 m ü. NHN höchsten Erhebung des Soonwaldes.
Etwa 40 Meter nordöstlich des Ellerspringgipfels steht der Fernmeldeturm Ellerspring, der sich als weithin sichtbare Landmarke 107 Meter hoch in den Himmel streckt.
Jetzt folgt die Abfahrt zum Winterbacher Ortsteil Kreershäuschen, wo sich das Cafe & Restaurant "Malepartus" zur Einkehr anbietet.
Im nächsten Ort gibt es etwas zu bestaunen, denn in Gebroth, dem im südlichen Hunsrück am Ellerbach gelegenen Dorf, fühlt sich seit über 90 Jahren wieder ein Storch wohl.
Im Jahr 2010 stellte Rolf Merg einen Telegrafenmast mit Nistmöglichkeit nahe seiner Fruchtkellerei auf.
Nach vier Jahren bezog dann Storch Conrad das Nest.
Ein Jahr später brachte er seine erste Frau, Emma-Margarete, mit und so gab es im Sommer 2015 den ersten Storchennachwuchs, der auf den Namen "Heimat 1" getauft wurde.
Das zweite Küken überlebte das Gewitter am 17. Juni nicht.
Über Allenfeld und Daubach folgen wir der Route Richtung Industriepark Pferdsfeld.
Südlich davon befindet sich die Wüstung Eckweiler, das Ziel der Fahrt.
Einsam und in einer etwas verwunschen wirkenden Landschaft steht die Kirche "Heilig-Kreuz" in dem ehemaligen Dorf Eckweiler.
Erbaut im 15. Jahrhundert, ist sie – neben dem Friedhof – das einzige Überbleibsel eines Ortes, der Ende der 70er Jahre umgesiedelt wurde.
Nur wenige Meter entfernt von Eckweiler lag früher der NATO-Flugplatz Pferdsfeld, der bis ca. 1960 von der US-Air-Force und danach bis 1997 von der Bundeswehr genutzt wurde.
Die 350 Einwohner mussten im Zuge der Umrüstung auf die F-4 Phantom wegen des Fluglärms und der Gefahr eines Flugzeugabsturzes innerhalb der Einflugschneise ihr Dorf verlassen.
Der Beschluss hierzu wurde 1976 gefasst.
Am 10. Juni 1979 wurde die Gemeinde Eckweiler aufgelöst und existierte bis zur Einebnung 1981/82 als Geisterdorf weiter.
Die Kirche Heilig-Kreuz blieb erhalten, weil sie unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Neben Eckweiler traf es auch die Orte Pferdsfeld und Rehbach, deren Einwohner ihre Heimat verloren.
Traurige Ironie des Schicksals: Nur 10 Jahre nach der Auflösung Eckweilers und 5 Jahre nachdem das letzte Haus dem Erdboden gleichgemacht wurde, erachtete man Infolge der Veränderungen der politischen Lage nach dem Mauerfall 1989 den Standort Pferdsfeld als nicht mehr notwendig.
Wo früher Häuser standen, gibt es nun nur noch grüne Wiesen und Felder.
Nichts mehr ist zu hören vom Lärm der damals hier stationierten F-4 Phantom, dem lautesten Kampfflugzeug der Bundeswehr.
Das Areal des ehemaligen Flugplatzgeländes wird heute unterschiedlich genutzt. Man findet dort u.a. den größten rheinland-pfälzischen Solarpark sowie das Test- und Eventzentrum der Adam Opel AG.
Ist man schon mal hier, bindet man noch den damaligen Ort Pferdsfeld mit ein, in dem 1897 der Pfarrersohn Paul Schneider geboren wurde.
Die Nazis ermordeten den "Prediger von Buchenwald", wie ihn später seine Mithäftlinge nannten, im Juli 1939 im KZ Buchenwald.
Zurück führt die Strecke über Kallweiler, Waldfriede, Seesbach und Brauweiler ins Kellenbachtal. Weiter über Simmertal, Hochstetten-Dhaun, Kirn, Weierbach, Nahbollenach und Oberstein nach Idar.
Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=lmhxvjgvoddufvja
Ein Blog über Outdoor-Aktivitäten und Gedanken zum Leben. Kann Spuren von Sonstigem enthalten!
Posts für Suchanfrage soonwald werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage soonwald werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Samstag, 17. Juni 2017
Dienstag, 25. Juli 2017
Soonwald - die wilde Tour
Soonwald – die wilde Tour von der Bierstadt Kirn an der Nahe bis zur Weinstadt Bingen am Rhein
Über 84 Kilometer führt der Soonwaldsteig von Kirn an der Nahe im Hahnenbachtal durch eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands nach Bingen am Rhein.
Er besteht offiziell aus sechs etwa gleich langen Etappen. "Also fassen wir jeweils zwei davon zusammen und erleben die Strecke in drei Tagen" – das war unser Plan.
Allerdings zeigt sich schnell, dass es nicht so einfach ist, denn wildes Campen ist verboten und daran möchten wir uns auch halten.
Drei Trekkingcamps (Alteburg, Ellerspring, Ochsenbaumer Höhe) machen das legale Zelten im Wald möglich.
Auf den Plätzen ist jeder willkommen, der die Natur ganz nah erleben möchte und sie zu schätzen weiß. Nach dem Prinzip: "Hinterlasse nichts außer deinen Fußspuren und nimm nichts mit außer deinen Eindrücken."
Die Übernachtung auf den Trekkingplätzen kostet derzeit 10 Euro pro Zelt/Nacht (1-3 Personen).
Man muss die Plätze vor dem Start beim Fremdenverkehrsbüro buchen, erst dann gibt es die GPS-Daten.
Meine Planung für eine 3-Tages-Tour:
1. Tag: Kirn bis Camp Alteburg (37,5 km / etwa 1.640 Höhenmeter)
2. Tag: Camp Alteburg bis Lauschhütte (28,5 km / etwa 570 Höhenmeter)
3. Tag: Lauschhütte bis Bingen (18 km / etwa 350 Höhenmeter)
![]() |
| Beim Blickenstein (zum Vergrößern anklicken) |
Der Soonwaldsteig steht für das Wandern im Einklang mit der Natur.
Doch die wunderschöne Lage bringt durchaus ihre Tücken mit sich, denn auf mehr als 40 km Wegstrecke berührt der Steig keine Siedlung.
Trinkwasser muss somit in ausreichender Mengen mitgenommen oder aber aus Flüssen gefiltert werden.
Da die Anzahl an Flüssen begrenzt ist, bleibt das Thema "Wasser" wohl die größte Herausforderung.
Ein Filter und Wasseraufbereitungstabletten sollten definitiv nicht fehlen!
Die letzte sichere Möglichkeit, an Trinkwasser zu kommen, ist derzeit das Hotel Forellenhof (Reinhardtsmühle) bei Rudolfshaus (ca. bei km 13,5).
Etwa bei km 15,3 gibt es dann noch die dem Besucherbergwerk Herrenberg angegliederte "Bergmannsschänke".
Auch hier besteht die Möglichkeit, Getränke zu kaufen bzw. Flaschen zu füllen (Öffnungszeiten beachten).
Dann folgt die 45 km lange "Durststrecke" bis zur Rheinböller Hütte.
Tag 1/3 - Freitag, 21. Juli 2017:
Auf nach Kirn an der Nahe - die Stadt der Fürsten, der Steine, des Leders und der Bierbraukunst.
Vom Bahnhof sind es nur 200 Meter zur Bäckerei Fickinger in der Gerbergasse, wo wir uns den noch fehlenden Proviant besorgen.
Das Bauernbrot, weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt und beliebt, muss unbedingt in den Rucksack.
Noch 100 Meter durch die Lindenstraße und wir stehen am historischen Marktplatz Kirn, dem offiziellen Startpunkt des Soonwaldsteigs.
Hier im Eiscafé Venezia gibt es eine weitere Besonderheit zu erleben. Die eiskalte Leidenschaft ist am Kirner Marktplatz eine Familientradition. Inhaber Gianni Toldo überzeugte beim Gelato-Festival in Berlin mit seiner neuen Sorte "Aphrodite" die Jury und kreierte damit Deutschlands bestes Eis 2016.
Genau diese Sorte – mit griechischem Joghurt, gerösteten Nüssen und Cranberries – könnte uns den Auftakt unserer Wanderung versüßen… "könnte", denn leider ist noch nicht geöffnet und so ziehen wir unseres Weges.
![]() |
| Teufelsfels |
Wir wandern durch das verträumte Hahnenbachtal an Rudolfshaus vorbei Richtung Reinhardtsmühle. Es folgt ein Anstieg und die Strecke führt uns durch einen Felsentunnel, vorbei an zwei Aussichtspunkten, weiter aufwärts zur Schinderhannestränke. Hier beginnt Etappe 2.
Gleich neben der Schiefergrube Herrenberg, wo wir uns zwei kühle Weizenbier gönnen, findet sich die Altburg. Auf den Resten einer Burganlage wurde ein Dorf rekonstruiert, das einen Eindruck von den Siedlungen der Kelten vermittelt.
Die Altburg ist zeitweise bewohnt von Menschen, die den keltischen Alltag nachempfinden möchten.
Hinter der Keltensiedlung geht der Steig ins Tal und quert den Hahnenbach nahe der Schmidtburg. Vom Hahnenbachtal führt der Weg auf den rauen Rücken des Lützelsoons. Die nächste Station ist der Teufelsfels mit seinem Aussichtsturm "Langer Heinrich", der einen Panoramablick auf die Hunsrückhöhe, den Hochwald, den Großen Soon und auf den Donnersberg bietet.
Ab hier geht es teilweise über Quarzitblockhalden weiter über die Womrather Höhe zum Blickenstein.
Etappe 2 endet nach dem Abstieg nördlich um den Langenstein herum an der B 421 (Gemünden-Simmertal) an einer Fußgängerbrücke.
Einen Teil der 3. Etappe müssen wir noch in Angriff nehmen.
Es folgt die größte Herausforderung der Strecke: Ein Steilhang mit Quarzitsteinblöcken, der am oberen Rand des Steinbruchs Henau endet.
Unsere Trekkingstöcke erweisen sich hier als sehr hilfreich, denn so muss der schwere Rucksack nicht ständig mit dem Oberkörper ausbalanciert werden. Vorsichtig setzen wir einen Fuß vor den anderen.
Wir haben schon 28 Kilometer in den Beinen und so mancher Fluch kommt über unsere Lippen.
Nach Umgehung des Steinbruchs führt der Weg zur sagenumwobenen Burgruine Koppenstein. Vor dem Turm ruht der berühmte "Wackelstein", ein großer Quarzitbrocken, der auf der schiefen Ebene seiner schmalen Unterlage zu schweben scheint.
Die Reste der Burganlage Koppenstein werden von den Soonwäldern als das Symbol ihrer Landschaft verehrt:
"Des Hunsrücks Wahrzeichen sollst du sein, du grauer trutziger Koppenstein."
(Röhrig, Liederbuch)
![]() |
| Solche Momente entschädigen für die Strapazen |
Für heute ist aber Schluss. Unser Nachtlager, das Trekkingcamp Alteburg, suchen wir in der Dunkelheit mit Taschenlampen.
Die letzten Meter sind begleitet von Stimmen und Hundegebell. Auf dem ehemaligen Köhlerplatz erwarten uns Wildnis und Abgeschiedenheit.
Wir schauen uns um… keine Empfangsdame, keine Rezeption, kein Page. Kein Imbiss und kein Kiosk.
Es gibt ein paar Bänke und eine Feuerstelle. Etwas abseits, versteckt, eine Kompost-Toilette.
Alles beschränkt sich auf das Wesentliche.
Außer uns sind noch fünf Wanderer und drei Hunde hier.
Wir stellen uns kurz vor und bauen unsere Zelte auf. Nicht weit entfernt bewacht der Alteburgturm dieses ruhige Plätzchen.
Jetzt, wo ich zur Ruhe komme, machen sich die Strapazen des Tages bemerkbar. 38 Kilometer sind nicht das Problem, aber es waren ruppige Kilometer mit vielen Auf- und Abstiegen, mehr als 1.600 Höhenmeter; dazu 22 kg Gepäck auf dem Rücken.
Umso wichtiger ist es, dass der Rucksack richtig sitzt, damit das Gewicht auf der Hüfte und nicht auf den Schultern lastet.
![]() |
| Life sucks a lot less when you add mountain air, a campfire and some peace and quiet. |
Im Camp steht eine alte Munitionskiste, in der vom zuständigen Revierförster ein Depot mit Mineralwasser angelegt wurde. Die 1,5-Liter-Flasche kostet 1 Euro, zu zahlen in eine "Vertrauenskasse". Eine gute Sache, so müssen wir unseren Wasservorrat nicht bis zur Grenze ausreizen.
Verlassen sollte man sich auf diesen Service allerdings nicht.
Bald schon zieht ein Gewitter auf – also ab ins Zelt.
Alle wichtigen Gegenstände, wie Taschenlampe, Schlüssel, Messer, Kamera und Portemonnaie nehme ich mit in den Schlafsack. So habe ich sie im Notfall schnell griffbereit und sie können nicht unbemerkt gestohlen werden.
Das Gewitter zieht vorbei. Wir bekommen nur Regen ab, der auf unsere Zelte klopft.
Rückzug an einem Ort, wo ich für mich bin. Unerreichbar für alle und alles... es kann und soll mir jetzt egal sein. Ich bin nur für mich - und bei mir!
Tag 2/3 - Samstag, 22. Juli 2017:
Es ist kühl und angenehm still. Nebel hängt in den Bäumen.
Die Wolken brechen auf und geben die ersten Sonnenstrahlen frei, während wir unseren Kaffee trinken.
Die direkte Berührung mit der Natur, diese Unmittelbarkeit zum Elementaren, zum Ursprünglichen, ist ein besonderes Erlebnis und genau für dieses Erlebnis, diese Eindrücke und Augenblicke haben wir uns auf den Weg gemacht.
Auf dem Alteburggipfel steht seit 1893 der 20 Meter hohe Alteburgturm, der auf den Ruinen alter Ringwälle erbaut wurde.
Von der überdachten Aussichtsplattform des Turmes im Zentrum des Soonwaldes hat man einen Ausblick auf die Hunsrückhöhen mit Erbeskopf, Idarwald, Flughafen Hahn und Fleckertshöhe sowie Teile Rheinhessens, das Naheland (Gauchswald, Schanzenkopf, Lemberg) und das Nordpfälzer Bergland (Donnersberg, Bornberg). Bei guten Verhältnissen sind auch Teile der Eifel zu erkennen.
Durch alte Buchenbestände geht es weiter. Nach der Runden Tanne erreichen wir das Etappenziel, den Wanderparkplatz Ellerspring an der L 108.
Die 4. Etappe bringt uns zur Ellerspring, der mit 657,5 m ü. NHN höchsten Erhebung des Soonwaldes. Etwa 40 Meter nordöstlich des Gipfels steht der Fernmeldeturm Ellerspring, der sich als weithin sichtbare Landmarke 107 Meter hoch in den Himmel streckt.
Durch das Gräfenbachtal wandern wir zu den Glashütter Wiesen. Danach geht es durch das Naturschutzgebiet Schwappelbruch und – nach Querung der L 242 - zum 643 Meter hohen Schanzerkopf, einem weiteren markanten Soonwaldgipfel.
Anschließend überqueren wir die L 239 und gehen über den Kamm, vorbei am Katzenkopf und Fliegerdenkmal (wo am 21 März 1944 vier junge Männer starben), bis zum Hochsteinchen.
Etwas abseits des Weges kann ein Aussichtsturm bestiegen werden.
Von hier geht es steil bergab zur Rheinböller Hütte, dem Ende der Etappe, wo man sich auch gleich wieder in der Zivilisation angekommen fühlt.
In unmittelbarer Nähe, am Autohof Rheinböllen, besteht die Möglichkeit, Proviant zu kaufen.
Etappe 5 führt uns zu Beginn unter der A 61 hindurch zum Binger Wald. Hier erwarten uns schöne Ausblicke ins Rheintal und einige alte Forsthäuser mit guter Gastronomie… aber der Reihe nach.Nach einem Anstieg ist die nächste Station auf dem Weg die Emmerichshütte, ein ehemaliges Forsthaus. Von dort geht es auf die Höhe des Kandrich mit seinem Windpark und weiter zum Ohligsberg.
Hier kann man schon einen Blick auf den Rhein werfen.
Am Eselstein vorbei kommt man zum Ziel des zweiten Tages, die Lauschhütte, ebenfalls ein ehemaliges Forsthaus mit guter Küche und verschiedenen Freizeitangeboten.
Früher war die Lauschhütte Unterkunft und Aufenthaltsort für Waldarbeiter. Immer wieder wurde sie seitdem aus- und umgebaut – als Forsthaus und Waldgaststätte.
Auf der großen Wiese, die damals den Waldarbeitern als Rückeplatz für das gefällte Holz diente, schlagen wir unsere Zelte auf.
Duschen kann man hier zwar nicht ("Geduscht wird zu Hause", lautet der Kommentar auf der Website), dafür gibt es eine gute Gastronomie.Bei Forsthausschnitzel mit Kroketten, Salat und Kirner Pils genießen wir die Abendstunden auf der Terrasse.
Es gibt sogar noch Flaschenbier zu kaufen und damit setzen wir uns an die Feuerstelle vor der großen Jurte.
Christoph macht Feuer. Er weiß sich zu helfen und sucht Birken, denn sie enthalten ätherische Öle. Die Rinde der Birke brennt deshalb ganz gut, selbst wenn sie feucht ist.
Kaum haben wir unsere Flaschen geleert, beginnt es zu regnen. Christoph macht den Anfang und schleicht zum Zelt.
Schon der Schinderhannes und seine Bande wussten sie zu schätzen, die Ruhe im wilden, weiten Soonwald. In den abgeschiedenen Wäldern, wo nur die Natur die Geräuschkulisse bildet, kann man zu sich selbst finden und Kraft für den Alltag tanken.
Tag 3/3 - Sonntag, 23. Juli 2017:
08:30 Uhr: Es erwartet uns ein gutes Frühstück in der Lauschhütte.
Dann Sachen packen, Wasserflaschen füllen und weiter geht es.
Die ersten fünf Etappen waren relativ anspruchsvoll. Die Schlussetappe mit gerade mal 18 km dagegen lädt dazu ein, den Soonwaldsteig gemütlich ausklingen zu lassen.
Die erste Attraktion des neuen Tages ist der Aussichtsturm auf dem Salzkopf. Danach geht es abwärts in das Quellgebiet des Morgenbachs und weiter zum Jägerhaus. In der Nähe befindet sich die "Steckeschlääferklamm", wo ein Künstler Gesichter und Fratzen in Baumstämme geschnitzt hat.
Die 6. und letzte Etappe
Hinter dem Jägerhaus kommen wir zum landschaftlichen Höhepunkt, dem tief eingeschnittenen Morgenbachtal mit seinen steil abfallenden Felspartien.
Es steht unter Naturschutz und gilt als eines der schönsten Seitentäler des Rheins. Wir sind im UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal, das sich auf einer Länge von 67 km erstreckt, genau genommen 67 Rhein-Kilometer von Bingen/Rüdesheim mit dem Flusskilometer 526 bis nach Koblenz mit dem Kilometer 593.
Im Mittelalter war das Obere Mittelrheintal Kernland des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Zahlreiche historische Städte und Burgen gibt es zu erleben, die wie an einer Perlenkette aufgereiht, am Flussufer liegen.
Eine davon, Burg Reichenstein, sehen wir nach einer kleinen Kletterpassage auf dem steilen Eselspfad von oben.
Auf den Rheinhöhen geht es weiter über die Burg Rheinstein zum Schweizerhaus.
Durch das enge Poßbachtal wandern wir vorbei am Damianskopf zum Forsthaus Heiligkreuz. Wer möchte, kann einen Abstecher in die Kreuzbachklamm machen.
Wir folgen stattdessen dem Steig in Richtung Bingen über den Höhenzug zum Prinzenkopf.
![]() |
| Burg Rheinstein |
Bald schon erreichen wir die Binger Jugendherberge, von der aus wir den Hauptbahnhof sehen können, an dem kurz darauf der Soonwaldsteig endgültig hinter uns liegt.
Fazit: "Manchmal liegt das Glück vor der Haustür"
Viel grün, wenig Menschen, kein Lärm.
Man wandert auf schmalen Pfaden durch einsame Wälder, zu verborgenen Orten und verwunschenen Plätzen.
Immer wieder setzt man seine Füße auf Hunsrückschiefer und Quarzitgestein des Devons. Die Gesteine sind rund 400 Millionen Jahre alt – eine unverstellbare Zahl.
Burgen und Schlösser erzählen von Kelten, Römern und dem Mittelalter.
Auf dem Soonwaldsteig erlebten wir eine ursprüngliche Wildnis, wie man sie heute nur noch selten findet.
Steile Auf- und Abstiege aber auch ruhige Passagen und schöne Fernsichten charakterisieren den Streckenverlauf. Der ideale Weg, um die Stille der Natur zu genießen.
Immerhin gehört der Soonwald zu den größten zusammenhängenden Wäldern Deutschlands.
Die Einschränkungen durch Unwetterschäden auf der letzten Etappe haben wir gerne in Kauf genommen.
Auf solch einem Weg, der praktisch über die gesamte Distanz durch die Natur führt, muss man eben auch mit Tücken und Gefahren rechnen.
Tipp:
Zeckenkontrolle: Rheinland-Pfalz zählt lt. Robert Koch-Institut zum Risikogebiet. Ich rate dazu, den Körper nach Zecken abzusuchen bevor man ihn abends im Schlafsack versteckt. Mich hatte am zweiten Tag so ein Mistvieh in der Kniekehle erwischt. Je früher man diese Blutsauger entfernt, desto besser. Eine Pinzette/Zeckenzange sollte daher unbedingt mitgenommen werden.
Nach dem Entfernen die Zecke bitte nicht einfach wegschnippen sondern mit einem Feuerzeug thermisch entsorgen.
Empfehlung:
Trekkingstöcke: Zugegeben, lange habe ich sie belächelt und bin normalerweise ohne unterwegs, aber bei diesem Projekt haben sie gezeigt, was sie können. Richtig eingestellt und korrekt benutzt sparen sie Kraft bei Anstiegen und helfen, bei Abstiegen Gewicht abzufedern… Knie- und Fußgelenke werden es euch danken.
Zeitfaktor: Wir sind am ersten Tag um 9 Uhr gestartet, was – rückwirkend betrachtet – zu spät war für eine Strecke von 38 km mit 1.600 Höhenmetern und über 20 kg Gepäck auf dem Rücken.
Auch hier ist klar zu sagen "Je früher desto besser".
Generell empfehle ich, darüber nachzudenken, den Soonwaldsteig auf vier Tage aufzuteilen, gerade für Wanderer, die nicht so gut trainiert sind. Die Schmidtburg bietet sich mit ihrem schönen Zeltplatz als Ziel für den ersten Tag an. So sitzt einem die Zeit nicht im Nacken und man hat mehr Spielraum für Fotopausen oder eine zusätzliche Rast.
Danke an Christoph Lorenz, der sich mit mir zusammen auf dieses Abenteuer eingelassen hat.
Eine Wanderung ist immer ein kleines Abenteuer.
Man wird vorab nicht erfahren, was einen unterwegs alles erwartet.
Wahrscheinlich wird gerade das Unerwartete eintreten.
Weitere Informationen und GPS-Dateien unter:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tttqevbqfnwdiaiy
Das komplette Fotoalbum gibt es bei flickr:
https://www.flickr.com/photos/136658873@N05/albums/72157684095070153
Auch im Sonnwald gelten die Trekkingregeln.
Update Juni 2019:
Seit Juni 2019 wird ein "Netz der offenen Wasserhähne" zur kostenfreien Versorgung mit Trinkwasser für eine Mehrtagestour auf- und ausgebaut.
Hierbei stellen Privatpersonen, Gasthäuser und Gemeinden frei zugängliche Trinkwasserhähne auf ihren Grundstücken zur Verfügung.
Informationen zum Projekt sowie ein Übersicht findet man auf der Homepage des Soonwaldsteigs.
Dienstag, 29. Dezember 2015
Dritter Weihnachtsfeiertag
Sonntag, 27. Dezember 2015:
Nach
stressfreien, erholsamen und gemütlichen Weihnachtstagen ist es endlich so weit.
Ein ganzes Jahr freue ich mich auf diesen Tag. Ja, manchmal machen einfache Dinge im Leben glücklich.
Ein ganzes Jahr freue ich mich auf diesen Tag. Ja, manchmal machen einfache Dinge im Leben glücklich.
Eine Stunde
früher als sonst treffen wir uns im Tiefensteiner Staden.
Vorsichtshalber
schmiere ich mir zwei Brote und packe sie in den Rucksack – eins mit Käse und
etwas Ketchup, das andere mit Wildschwein-Leberwurst.
Von Idar
aus gehe ich gemütlich durch den Rödgesberg Richtung Weiherschleife.
Angenehme
acht Grad sind es um acht Uhr. Wahrscheinlich wird sich die Temperatur im Laufe
des Tages aber nicht proportional zur Uhrzeit verändern.
War schon
der November außergewöhnlich warm, so ändert sich also nichts an den für diese
Jahreszeit viel zu milden Temperaturen, die teilweise auch im Dezember in den
frühlingshaften Bereich angestiegen sind.
Schaut man
auf den aktuellen Temperaturmittelwert der bereits vergangenen Dezember-Tage,
so wird schnell klar, dass der Dezember sich in eine ganze Reihe von zu warmen
Monaten in 2015 einreihen wird.
Unterwegs
schließen sich noch zwei Wanderhungrige an. Wenig später treffen wir an der
Stadenhalle auf den vorläufigen Rest der Truppe. Kurz nach 09:00 Uhr starten wir bei gutem Wetter, um an
den „Bündelchestag“ zu erinnern.
Der
''Bündelstag'' (auch: ''Bündelchestag'', auf Hunsrückisch:
''Bindelschesdaach'') war im späten Mittelalter der Tag des
Dienstbotenwechsels. An den Weihnachtsfeiertagen erhielten die Mägde und
Knechte ihren Jahreslohn ausbezahlt.
Diejenigen,
die von ihrem Dienstherrn nicht über den Winter versorgt wurden, mussten ihre
armselige Habe in ein Stück Stoff zum Bündel schnüren, denn Tücher konnten sie
sich nicht leisten.
Alternativ
legten sie ihr Zeug in einen Weidenkorb und machten sich auf die Suche nach
einer neuen Anstellung. In der ungemütlichen und kalten Jahreszeit endeten
diese Wanderungen meistens recht schnell in einem nahe gelegenen Gasthaus.
Im Nahetal,
in der Nordpfalz und im Soonwald finden am Bündelstag noch heute traditionell
Wanderungen statt, mit anschließendem Picknick am Lagerfeuer im Freien oder
einer Einkehr in einem Wirtshaus.
![]() |
| An der Kreuzbuche |
Der
Bündelchestag gilt dort als dritter Weihnachtsfeiertag und wird nach der
Wanderung in geselliger Runde gerne ausgiebig gefeiert.
Wir lassen
den Ortsteil „Auf der Lüh“ links liegen und kommen nach Herborn. Am Ortsausgang
weht uns auf freiem Feld der Wind um die Ohren. Im Schutz des Waldes gehen wir
dann hoch zur „Kreuzbuche“, wo schon zwei Helfer der Herborner Feuerwehr auf
die Meute des heutigen Tages warten. Kaltes KIRNER Bier, warmer Glühwein und
Würstchen gibt es hier wie jedes Jahr, darauf ist Verlass. Obwohl es aussieht,
als seien wir die erste Gruppe, waren schon zwei ältere Damen vor uns hier.
Wir
bestellen sieben Bier und sieben Mettwürste – eine kluge Entscheidung, denn die
erste Packung ist wohl noch ein Restbestand. Ich kann mich nicht erinnern, wann
ich das letzte Mal eine so wohlschmeckende Wurst gegessen habe. Schon optisch
wirkt sie außergewöhnlich, denn sie ist schön dunkel und Gewürze schimmern
durch die Pelle. Die Konsistenz ist etwas grober als gewöhnlich. Schnell sind
meine Brote im Rucksack vergessen und ich kaufe noch eine zweite, so lange es
noch welche gibt. Denn schon ist die zweite Gruppe da und sorgt dafür, dass
sich das Rost schnell leert.
| Nationalpark Hunsrück-Hochwald |
In den
Jahren 2010 und 2014 hatten wir schöne Wanderungen im Schnee. Richtung
Wildenburg waren wir die ersten, die mit ihren Stiefeln Spuren im Schnee
hinterließen. Teilweise bis zu 35 Zentimeter versank man in der weißen Pracht,
die das Vorwärtskommen erschwerte. Heute ist daran nicht zu denken, der Boden
ist nass und aufgeweicht.
Wir müssen
weiter, wenn wir unser gestecktes Ziel erreichen möchten. Obwohl die Wildenburg
wieder geöffnet ist, halten wir uns rechts. Durch den östlichen Ausläufer des
Nationalparks Hunsrück-Hochwald wandern wir am Wildenburger Kopf vorbei nach
Kempfeld. Der Biker-Pub „Black Bear“ ist unser Ziel. So früh ist auch hier noch
nicht so viel Betrieb.
Die angebotene
Rinderbrühe mit Hackfleischklößchen brauchen wir heute nicht, und so bestellen
wir nur eine Runde Bier.
Letztes
Jahr sind wir von hier aus ins Tal nach Katzenloch, doch da wir heute eine
Stunde früher unterwegs sind, erweitern wir die Runde um zwei schöne Dörfer.
| Zwischen Bruchweiler und Katzenloch |
Erweitert
hat sich auch unsere Gruppe um eine Person. Sechs Grad sind es noch, als wir
den Weg Richtung Schauren einschlagen.
Das
Gasthaus Zuck war die letzten Jahre eine feste Anlaufstelle, denn hier saß man
gemütlich an der Theke, bekam leckere, eingelegte Heringe, KIRNER Bier und
guten Schnaps. Heute ist an der Theke niemand erwünscht und so setzen
wir uns brav an einen der Tische. Heringe gibt es auch nicht, nur die normale
Speisekarte. Na ja, dann eben eine Runde Bier.
Bis
Bruchweiler ist es nicht mehr weit, deshalb findet man uns bald im Tankstübchen
am Hochwald, wo noch ein befreundetes Paar zu uns stößt.
Kaum haben
wir die letzten Häuser hinter uns gelassen, müssen wir uns über einen
matschigen Feldweg kämpfen. Über Teile der Traumschleife „Köhlerpfad am
Steinbach“ wandern wir nach Katzenloch.
Eine
Einkehr im Treff am Wasserfall ist leider nicht möglich, denn der alte Stall,
in dem wir letztes Jahr gemütlich saßen, hat diesmal über Winter geschlossen.
| Köhlerpfad am Steinbach (Saar-Hunsrück-Steig) |
Wir können
jetzt zwischen zwei Varianten wählen. Eine führt links über den Hohenfels und
die Rosselhalde ins Tal bis zur Bundesstraße. Dann müssen wir den Berg auf der
anderen Seite wieder hoch bis zum Bärloch.
Die
Entscheidung fällt auf die etwas entschärfte Variante. Durch den Wald gehen wir
auf einem dicht mit nassen Blättern bedeckten Weg bis zum Bärloch. Hier bleiben
wir kurz stehen und schauen ins Tal. Langsam wird es dunkel und so nehmen wir
den letzten Anstieg Richtung Kirschweiler Festung in Angriff, der uns bis zum
Sportlerheim Kirschweiler bringt.
Hier habe
ich uns einen Tisch bestellt. Genau 17
Uhr, damit sind wir sogar sehr pünktlich – mehr Zufall als Planung.
Wir Männer
haben jetzt auch Gefühle… zum Beispiel Hunger und Durst.
Ich
bestelle ein Schweizer Schnitzel mit Pommes Frites und Salat. Eine gute Wahl, obwohl
meine neidischen Blicke zwei Plätze nach links schweifen, wo eine Portion Rehpfeffer
mit Klößen und Rotkohl steht - inklusive Nachschlag von der Köchin persönlich.
Gut
gesättigt treten wir raus in die Dunkelheit und hinterlassen die feuchte
Erde aus unseren Schuhen unter den beiden Tischen. Na ja, dafür gab es ja
Trinkgeld. Taschenlampen haben wir im Gepäck, brauchen sie aber nicht, denn die
Augen haben sich schnell an die Dunkelheit gewöhnt und das, obwohl der Mond
noch nicht am Himmel zu sehen ist.
Vorbei am Golfplatz
Kirschweiler geht es über die Höhe nach Hettenrodt.
Beim Hundeverein brennt Licht, wir möchten allerdings weiter. Noch ein kleiner Anstieg am Ortsausgang Richtung Mackenrodt, dann links zur Silver-Ranch.
Beim Hundeverein brennt Licht, wir möchten allerdings weiter. Noch ein kleiner Anstieg am Ortsausgang Richtung Mackenrodt, dann links zur Silver-Ranch.
| Luna beleuchtet die Silver-Ranch |
Hier ist im
wahrsten Sinne des Wortes „Tag der offenen Tür“, denn Zigarettenqualm und die
wohlige Wärme des Holzofens scheint zu viel des Guten. KIRNER Stubbi kostet
hier nur 1 Euro. Wir genießen es draußen im Freien. Erinnerungen an früher, als
wir hier viel Zeit verbrachten, werden wach. Dafür sorgen auch die bekannten Rock-Klassiker.
Mittlerweile
zeigt sich der Mond am Himmel. Erst ein kleines Stück, dann in fast voller
Größe – vor zwei Tagen war Vollmond. Glühend orange
liefert er ein tolles Motiv für einen Schnappschuss.
Nach einer
zweiten Runde Bier machen wir uns auf die letzte Etappe. Kürzer wäre für mich
der Weg durch den Steinkaulenberg nach Algenrodt, aber ich beschließe, bei der
Herde zu bleiben. Vorbei am Hasenhaus sind wir schnell in Tiefenstein.
Hier löst
sich die Gruppe auf, bis wir zu zweit die letzten Kilometer bis Idar vor uns
haben. Auf ein letztes Bier im Idarer Brauhaus müssen wir verzichten, denn es
hat momentan für ein paar Tage geschlossen.
Aber es ist
ja nicht so, dass wir am verdursten sind.
Noch ein
Glas Mineralwasser, duschen und dann muss ich mich um mein Bett kümmern, das emotionale
Zuneigung braucht.
Nach genau
35 Kilometern und 700 Höhenmetern hat sich mein Körper etwas Ruhe verdient. Gute
Nacht!
Weitere
Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
Abonnieren
Posts (Atom)









