Dienstag, 3. November 2015

Kirche oder Karneval

Samstag, 31. Oktober 2015:
Es ist Reformationstag - ein Feiertag, den nur wenige kennen und kaum jemand feiert.
Reformationstag, Allerheiligen, Allerseelen – der Übergang vom Oktober zum November ist die Zeit christlicher Feiertage.
Gleichzeitig feiern Unzählige den „All Hallows’ Evening“, besser bekannt als Halloween.
Ob nun Kirche oder ein bisschen Karneval… es sei jedem selbst überlassen.
In meinem Kopf scheint heute jedenfalls Karneval zu sein. Die Ursache liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am übermäßigen Alkoholkunsum des gestrigen Abends. Zu sehr lockte das Oktoberfest im Idarer Brauhaus, bei dem sogar ein Ochse am Spieß angeboten wurde.
Na ja, viel habe ich wirklich nicht getrunken, es liegt wohl eher daran, dass die untergärige Bierspezialität der Lahnsteiner Brauerei zu einer Dehydration geführt hat – Frechheit! Wie ich später erfahren werde, geht es aber nicht nur mir alleine so.

Heute werden wir uns die Zeit mit dem „Indoor-Cycling Marathon 2015“ vertreiben, der von „The B-Site“ in Baumholder veranstaltet wird.
Zum Glück steht meine Tasche schon gepackt bereit, trotzdem muss ich mich beeilen, um pünktlich um 10 Uhr bei meiner Sportsfreundin zu sein, wo wir uns mit vier Personen zum Frühstück verabredet haben.
Beladen mit einer Tüte Brötchen nehme ich am liebevoll gedeckten Tisch Platz. Unsere Gastgeberin hat an alles gedacht, sogar Lachs ist auf einem Tellerchen angerichtet.
Bei netter Gesellschaft genießen wir allerlei Leckereien, bevor wir uns auf den Weg zur Brühlhalle machen. Erst mal zur Anmeldung, unser T-Shirt sowie einen Essensbon abholen und ein Bike sichern.
Um 14 Uhr startet der Marathon, wir haben also noch ausreichend Zeit, uns in der aufwändig geschmückten Halle, die passend zum Halloween-Motto dekoriert ist, einen Überblick zu verschaffen. Es stehen sogar eine „Chill-Out-Lounge“ und zwei Massageliegen inkl. Team zur Verfügung, und das alles im Startgeld enthalten.

Sechs Stunden lang kann man sich als Einzelfahrer/in verausgaben. Da morgen allerdings noch eine Mountainbiketour auf dem Programm steht, machen wir im wahrsten Sinne des Wortes „halblang“ und teilen uns mit vier Personen zwei Räder.
Presenter David Hetzel

Noch schnell ein paar Worte des Veranstalters David (Dave) Hetzel vom Baumholderer Fahrradladen The B-Site, der die sechs Presenter des heutigen Abends vorstellt sowie von Frank Richter, Fitnesstrainer im B-Site, auf den die Idee zu diesem Indoor-Cycling Marathon in der Westrichstadt zurückgeht, und es geht los.
In der verdunkelten Halle leuchten nur noch die bunten Scheinwerfer, Michael Jacksons Thriller liefert die passenden Beats während eine Nebelmaschine auf der Bühne die Atmosphäre perfektioniert.
Mark auf seinem Trailbike sorgt für ein gelungenes Intro und zeigt, welche Kunststücke möglich sind, wenn man solch ein Rad beherrscht.

Meine Partnerin beginnt ihren ersten Einsatz - zwei Stunden, die nur durch eine fünfminütige Pause unterbrochen werden.
Jeweils nach einer Stunde wechseln in dieser Pause auch die Presenter.
Den Anfang macht Dave Hetzel selbst, der motiviert, Abwechslung ins Dauertreten bringt sowie den Takt vorgibt. Und von Takt versteht Dave, der früher als Sänger seine Fans begeistert hat, eine Menge.
Für mich bleibt also erst mal genügend Zeit, meinen Körper mit Flüssigkeit zu versorgen.
Hier wurde wirklich an alles gedacht. Energie-Drinks, Wasser, Kohlehydrat-Riegel, Müsli-Riegel, Laugengebäck, Bananen und Äpfel – fein säuberlich in handliche Stückchen portioniert – liegen bereit.
Dazu serviert ein Team im hinteren Eck der Halle belegte Brötchen und Kuchen. Dieser Service ist dann allerdings nicht im Startgeld enthalten.
Apropos Service… natürlich sorgt die zweite Person unseres Teams immer dafür, dass es seinem Partner/seiner Partnerin an nichts fehlt und so werden Flaschen gefüllt, Handtücher gereicht und Erinnerungsfotos geknipst.

Die Sportler aus Sicht des Sklaventreibers
Die ersten beiden Stunden sind schnell vorbei und so kann ich endlich aufs Rad.
Zum Rhythmus der Musik, die überwiegend den Genres Techno und Hard Rock zuzuordnen ist, bewegen sich unsere Beine. Schneller Takt bedeutet weniger Widerstand und hohe Trittfrequenz. Verlangsamt sich der Takt, wird der Widerstand am Regler erhöht, worauf sich folglich die Trittfrequenz verlangsamt, um einen Anstieg am Berg zu simulieren. YELLOs The Race im 12-Inch-Mix wird mir den ganzen Abend im Gedächtnis bleiben.
Es geht hier nicht um Plätze, Zeiten, Sieg oder Niederlage. Es werden keine Leistungsdaten gemessen und verglichen. Jeder fährt für sich alleine aus Spaß an der Freude, für die Gesundheit und den guten Zweck.
Leider ist auch meine Einheit nach 120 Minuten viel zu schnell vorbei und ich räume den Sattel für meine Partnerin, die ihre letzten 60 Minuten in Angriff nimmt.
Der Sauerstoffgehalt in der Halle ist nicht mehr ideal, was aber vorauszusehen war. Immer wieder nutze ich meine freie Zeit, um draußen frische Luft zu schnappen.
Auch ich schaffe es leider nicht, während meines letzten 60-minütigen Einsatzes ein paar Plätze nach vorne zu fahren. In der vorletzten Reihe gestartet, befinden wir uns nach sechs Stunden immer noch genau auf dem gleichen Platz… vor dem Charity-Bike unserer Freunde.
Nächstes Mal muss dann doch ein Carbon-Rad her, um unsere Chancen zu erhöhen.
 

Jetzt lösen wir aber erst mal unsere Bons gegen Pasta ein. Es gibt Fusilli... dem Geschmack nach wohl all'arrabbiata. Die Konsistenz überzeugt - von „al dente“ würde man in Italien sprechen - gar, aber nicht zu weich, klebrig oder zerkocht.
Aber Feinschmecker Timo hat trotzdem etwas auszusetzen, denn es fehlt eindeutig Salz.
95 Räder wurden insgesamt von rund 120 Teilnehmern besetzt.
Es starteten 54 Einzelfahrer, 46 Fahrer, die als Zweierteams zusammen fuhren, und 11 Firmen und Vereine, die Charitybikes mieteten und jeweils mit bis zu sechs Leuten in die Pedale traten.

Gegen Ende, die Räder sind fast alle aus der Halle verschwunden, dankt Dave persönlich allen fleißigen Helfern, ohne die diese Veranstaltung nicht hätte stattfinden können und ruft die von Beifall begleiteten Personen zu sich in die Mitte.
Auch Mark gibt eine Zugabe seiner Fähigkeiten und führt noch ein paar seiner Kunststücke vor.
Sogar Preise werden vergeben. Ein Fahrradcomputer geht an den jüngsten Teilnehmer, ein großer Präsentkorb an den ältesten und ein Smartphone an die Person mit der weitesten Anreise. Wie es der Zufall möchte, ist der älteste Teilnehmer mit 270 Kilometern auch am weitesten gefahren und staubt somit zwei Preise ab. Dieser zeigt sich als wahrer Sportsmann, verzichtet dankend und somit darf sich der Zweitplatzierte über das Gerät freuen.

876 Euro, Erlös aus der Miete der Charitiybikes sowie aus der aufgestellten Spendendose, übergab Hetzel als Spende an den Hospizdienst Obere Nahe in Idar-Oberstein.

Insgesamt eine gelungene Veranstaltung mit Wiederholungscharakter… „Hut ab“, um Daves Worte zu benutzen.