Dienstag, 6. Oktober 2015

Ist für heute wirklich Schluss?

Sonntag, 04. Oktober 2015:
Meine Katze weckt mich… müde folge ich ihr vom Schlafzimmer in die Küche, wo sie ungeduldig am Futternapf wartet. Na ja, viel länger wäre die Nacht sowieso nicht gewesen, denn um 08:00 Uhr hätte mein Wecker seine Pflicht erfüllt.
Einen Kaffee mit Milch ohne Zucker während die Katze noch genüsslich schmatzt.
Wie vorhergesagt regnet es. Tief „Quirin“ aus Frankreich scheint angekommen.
Nach 11:00 Uhr soll es trocken bleiben, hoffentlich behält die Vorhersage Recht.
Um das Frühstück brauche ich mir keine Gedanken zu machen, denn heute lasse ich das Sorge des Personals der Brasserie sein, wo ich am Freitag einen Tisch reserviert hatte.
Pünktlich um 09:30 Uhr trifft mein Date des heutigen Tages ein, eine nette Sportsfreundin, mit der ich mich zu einer Rennradtour verabredet habe.
Zwischen Becherbach und Otzweiler

Mittlerweile nieselt es nur noch leicht.
Schnell noch einen Kaffe und wir laufen die paar Meter zur Brasserie am Schleiferplatz.
Viel Betrieb herrscht heute nicht, die Reservierung hätte ich mir sparen können, aber wer weiß so etwas vorher?
An einem Tisch im Eck nehmen wir Platz und warten auf Orangensaft und Milchkaffee, bevor wir schauen, was das Frühstücksbuffet für uns bereit hält.
Es ist ausreichend und gut, aber nicht außergewöhnlich. Lachs vermisse ich, den ich immer gerne in Verbindung mit Rührei genieße. Früher war dieser im Buffet enthalten – schade.
Als nächstes teste ich dann endlich auch mal das Frühstück im Idarer Brauhaus.
Es hat aufgehört zu regnen, lediglich die grauen Wolken stören uns. Bleibt es trocken wie erhofft und können wir Plan A umsetzen? Ansonsten hat das Alphabet ja schließlich noch 25 verbleibende Buchstaben für alternative Pläne.

Auf dem Nachhauseweg haben sich die dunkelgrauen Wolken in hellgraue verwandelt und es wird heller.
Zwischen Otzweiler und Hundsbach

Also sind wir mutig, ziehen uns um und starten. Unterstellen kann man sich immer irgendwo und notfalls auch abbrechen.
Die gestrige Mountainbike-Tour spüre ich noch etwas in den Beinen. Auch ist der Umstieg aufs Rennrad gewöhnungsbedürftig, umgekehrt fällt es mir leichter.
Von Idar geht es nach Oberstein. An einigen Stellen ist der Asphalt schon trocken, nur in Spurrillen und Vertiefungen hält sich die Feuchtigkeit hartnäckig.
Durch Nahbollenbach und Weierbach fahren wir weiter bis zum Nahe-Radweg, dem wir bis Kirn folgen. Hier befinden wir uns bereits im Landkreis Bad Kreuznach.
Heimweiler ist das nächste Ziel, von wo aus der Rundkurs durch zwei Landkreise und drei Verbandsgemeinden startet. Bereits in Becherbach kommt man sich vor wie in einer anderen Welt. Wenig Verkehr und ländliche Idylle genießt man hier als Rennradfahrer.

Bei Desloch

Die Sonne zeigt sich gelegentlich, wenn auch hier und da Wolken zu sehen sind.
Über Otzweiler geht es vorbei an Hundsbach bis Schweinschied, weiter nach Löllbach, Jeckenbach und Desloch. Einige Male müssen wir unsere Windjacken aus- und wieder anziehen. Gerade bei längeren Abfahrten ist der Fahrtwind ohne entsprechende Kleidung unangenehm kühl.
Es lässt sich ansonsten prima fahren, lediglich in Passagen, die durch Wald führen, ist der noch feuchte Asphalt in Verbindung mit Laub nicht zu unterschätzen.
Auf der Höhe bei Lauschied halten wir an und genießen die Aussicht bei völliger Windstille.
Durch den Ort geht es weiter bis Bärweiler und über den 408 Meter hohen Schwarzenberg nach Limbach. Rund fünf Kilometer sind es von hier bis Heimweiler.
Meine Befürchtungen, wir müssten heute gegen starken Wind ankämpfen, sind nicht eingetreten – im Gegenteil, wir sind uns einig, dass es heute gut rollt.

Wieder auf dem Nahe-Radweg bei Weierbach spüre ich ein Leistungstief und dabei sind es noch knapp 12 Kilometer, die bis Oberstein und von dort ständig leicht bergauf nach Idar führen. Wie war das noch? Über sieben Brücken musst du geh’n?
Bärweiler

Meinen Vorschlag, uns im Idarer Brauhaus ein kühles Radler in der Sonne zu genehmigen, wird gerne angenommen.
Und so sitze ich mit meiner reizenden Begleitung um 16:40 Uhr entspannt am Tisch im Freien, wo wir mit anderen Gästen die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen können. Hier möchten wir auch zum Abendessen einfallen.
Kaum ist der wärmende Stern hinter den Bäumen Richtung Algenrodt verschwunden, wird es kühl und das Verlangen nach einer warmen Dusche steigt. Davor müssen wir allerdings noch den Anstieg durch die Meitzenbach überwinden.
Der Blick auf den Fahrradcomputer zeigt 82 km und laut Garmin waren es fast 1.050 Höhenmeter am heutigen Tag.

Nach einer erfrischenden Dusche und gehüllt in zivile Kleidung, bekommen wir im Obergeschoss des Brauhauses noch einen der wenigen freien Tische.
Vor Limbach
Gemeinsam laben wir uns erst an den Beilagensalaten, bevor dann zügig die Hauptspeisen serviert werden – Biergulasch mit Semmelknödeln sowie Schnitzel mit gebratenen Champion… Champijn… Champinon… Pilze eben, Zwiebeln und Bratkartoffeln.
Mir ist ganz entgangen, dass wir mittlerweile die einzigen Gäste im oberen Stockwerk sind. Normalerweise behalte ich gerne den Überblick und sitze daher auch ungern mit dem Rücken zu einer Menschenmenge. Heute allerdings war der Fensterplatz dann anderweitig vergeben.
Lange halten wir es nach dem Essen nicht mehr aus, verwerfen unser Vorhaben, an der Theke noch ein Bier zu trinken und machen uns gemeinsam auf den Heimweg, wo sich unsere Wege trennen.

 

Vier Radler im Brauhaus, davon zwei im Glas
Heute ist alles perfekt gelaufen. Eine schöne Radtour ohne Zwischenfälle über einsame Landstraßen inmitten herrlicher Umgebung liegt hinter uns. Das Wetter war uns wohlgesonnen und diverse Gespräche – von sachlichen, über lustige bis hin zu ernsten Themen – haben uns die Langeweile vertrieben.
Unwillkürlich muss ich an Paulchen Panther denken:
"Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät?
Schade, dass es sein muss.
Ist für heute wirklich  Schluss?"


Ich für meinen Teil mache jedenfalls einen flotten Dreier… meine Bettdecke, mein Kopfkissen und ich… das wird eine tolle Nacht.