Dienstag, 22. September 2015

Von denen, die auszogen, die Wingerte zu durchwandern

Samstag, 19. September 2015:
Ganz sicher ist das Weinwanderwegfest Mittlere Nahe zu einem bedeutenden Fest der Region geworden. Denn was sich auf dem Weinwanderweg "Mittlere Nahe" zwischen Martinstein und Bad Sobernheim abspielt, ist kaum noch zu toppen.
Tausende fröhliche Menschen wandern - meist in Gruppen - über den knapp 14 Kilometer langen Weinwanderweg, genießen die köstlichen Weine der regionalen Lagen und dazu passende Speisen.
Insgesamt 13 Weingüter präsentieren ihre Produkte.

Jedes Jahr wird der Weg etwas abgeändert, dann werden die Wanderer an anderen Weingütern vorbei geführt, denn man hat sich auf ein Rotationsmodell geeinigt.
Mit dem Bus geht es zum Bahnhof Oberstein und von dort um 09:52 Uhr mit dem Zug nach Bad Sobernheim. Vom Bahnhof aus sind es nur wenige Minuten zum Ort des Geschehens.

Obwohl der Flyer die Stände von Martinstein bis Bad Sobernheim aufsteigend durchnummeriert zeigt, halten wir uns an das Motto "Bad Sobernheim bis Martinstein" und wandern die Strecke umgekehrt in Richtung Heimat.
Bereits am für uns ersten Stand des Weinguts Michel mit der Nummer 13 herrscht reger Betrieb. Hier gönnt sich unsere Gruppe, die dieses Mal acht Personen umfasst, ein paar Flaschen Sekt und verspeist genüsslich das zweite Frühstück, was heute aus Fleischwurst und Spießbratenbrötchen besteht, um eine solide Grundlage für den Rest des Tages zu schaffen.

Fast immer bei dieser Veranstaltung konnten sich die Wanderer auf bestes Wetter freuen. Letztes Jahr allerdings gab es einen kurzen, aber heftigen Regenschauer und so soll es wohl auch heute sein. 2002 erstmal ins Leben gerufen, ist dies nun das 13. Fest... jemand abergläubisch?  
Während wir uns von Stand 12 aus auf den Weg bergauf machen, beginnt es zu tröpfeln. Die Wettervorhersage hat also nicht ganz unrecht. Oben auf der Höhe angelangt, schüttet es wie aus Eimern. Die Menschen suchen Schutz unter Bäumen, in einer kleinen Schutzhütte oder Scheune. Dank meiner Regenjacke und meines Rucksack-Regenschutzes bin ich gut gewappnet. Meine Wanderhose hält allerdings den Wassermassen, die - vom Wind beschleunigt - von vorne angreifen, nicht ganz stand. Die Füße bleiben aber zum Glück trocken, das ist die Hauptsache.
 
So schnell der Regen kam, so schnell ist er wieder verschwunden. Nur ein paar Minuten später strahlt die Sonne am Himmel, die wir an Stand 11 ausgiebig genießen.
Irgendwann ab dem ersten Viertel der Strecke muss man dann, je nachdem wo die anderen Menschenmassen starten, bereits mit dem ersten "Gegenverkehr" rechnen.
Über Nußbaum bewegen sich die Wanderer nach Monzingen. Dort kann man sich erholen, bevor es den steilen Anstieg zur nächsten Station zu bewältigen gilt. Durch ein Waldstück führt der Weg serpentinenartig einige Höhenmeter aufwärts und man hat den Eindruck, dass einige Mitstreiter schon mit den ersten Ausfallerscheinungen zu kämpfen haben. Daher achten wir als erfahrene "Weinwanderer" darauf, zwischendurch immer genügend Mineralwasser zu trinken.
Auf dem Weg kommen uns Freunde aus Leitzweiler entgegen, jenem einzigartigen Dorf nahe der saarländischen Grenze, dessen Einwohner das seltene Glück haben, ein Messingbergwerk zu besitzen.
Hier oben, an einem der schönsten Plätze des gesamten Weinwanderweges, hat wieder Winzerfamilie Jaeger ihren Stand aufgebaut. An diesem Aussichtspunkt sind auch mehrere Reihen mit eckigen Strohballen ausgelegt. Von den urigen Sitzgelegenheiten genießt man einen schönen Ausblick ins Nahetal. Meine Hose ist wieder völlig trocken, wie auch besagte Strohballen.
Ein Trauerflor soll an jedem Stand den fünf jungen Todesopfern des tragischen Verkehrsunfalls am Bahnübergang Monzingen vor genau einer Woche gedenken. Am auffälligsten geschieht dies beim Weingut Lauf in Monzingen, wo auf einem Stehtisch eine Kerze sowie eine kleine eingerahmte Anzeige mit den Namen der Opfer zu finden ist.
Die erste Flasche Rotwein des Tages wird bestellt. Obwohl Dornfelder normalerweise nicht mein roter Favorit ist, mundet dieser Rebensaft ganz vorzüglich.
Kurz vor Schluss, um 19:25 Uhr, es wird schon langsam dunkel, beobachten wir an der vorletzten Station ein bemerkenswertes Naturschauspiel und müssen wenig später am letzten Stand erneut ein paar Tropfen Regen aushalten, bevor wir am gut besuchten Bahnsteig in Martinstein um 20:30 Uhr in den Zug steigen, der uns sicher nach Oberstein bringt.

Ein Teil lässt sich chauffieren, während drei Unermüdliche den Fußweg nach Idar antreten. Da die gute Adresse, das Hotel-Restaurant Picard in Martinstein, leider geschlossen ist, haben wir uns zu einem Besuch im schönen Idarer Brauhaus entschieden. Mild genug ist es, um bequem draußen sitzen zu können, wovon auch etliche Gäste Gebrauch machen.
Wir entscheiden uns allerdings dazu, unser Abendessen im 1. Stock einzunehmen. Für mich gibt es Bratkartoffeln mit zwei Spiegeleiern... einfach aber gut. Dazu passt am besten Bier - in meinem Fall ein Augustiner Edelstoff sowie ein Lahnsteiner Pils.



Es ist schön, wenn jährlich Gästen aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland das Naheland noch näher gebracht werden kann.
 
Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=dunufugxuvevjxip