Montag, 10. August 2015

Soonwald-Tour bei 40 Grad

Freitag, 07. August 2015:
Immerhin 14 Mountainbiker, die sich von der Hitze nicht abhalten lassen und die obligatorische Freitagsrunde fahren möchten, haben sich am Parkplatz beim Bahnhof Martinstein getroffen.
Mit so vielen Bikern hatte ich heute nicht gerechnet.
Es wird noch diskutiert, ob es nun 39 oder 40 Grad sind. Die Temperaturanzeigen in den Autos und sonstigen Geräten schwanken zwischen 38,5 und 40,5 Grad Celsius.
Auf kühlenden Fahrtwind hoffend setzt sich die Gruppe in Bewegung.
Vorbei an der Gänsmühle geht es über einen Feldweg Richtung Merxheim und weiter nach Monzingen. Hier auf offener Fläche ist man der Sonne voll ausgesetzt. Kein Schatten und die kühlende Wirkung des Fahrtwindes stellt sich auch nicht ein. Vielmehr hat man das Gefühl, als hätte man einen Fön vor dem Gesicht.
Kurz nachdem wir uns im Wald befinden, folgt die erste Überraschung. Der Weg ist von Forstmaschinen zerstört worden. Tiefe Furchen, große Steine und querliegende Äste fordern viel Kraft und Aufmerksamkeit. Die meisten Fahrer steigen ab und schieben.
Vorbei an der Utsch-Hütte und Willigis-Kapelle bei Auen fahren wir über Teile der "Vitaltour Willigisweg" Richtung ehemaligem Fliegerhorst Pferdsfeld.
Vor der Tour habe ich im Internet nach Informationen des nicht mehr bestehenden Ortes Pferdsfeld gesucht.

Die Ortsgemeinde Pferdsfeld gibt es nicht mehr. Sie wurde Opfer des „Kalten Krieges". Am 10.06.1979 wurde die Gemeinde mit ca. 400 Einwohnern offiziell aufgelöst und in die Stadt Sobernheim eingemeindet. In den siebziger Jahren gehörte der Bundeswehr-Flugplatz Pferdsfeld fest in die westliche Verteidigungsstrategie. Täglich starteten und landeten 40 - 50 Düsenjäger. Für die Dörfler aus Pferdsfeld ist das Militär Alltag geworden. Am 30.10.1974 zeichnete sich eine einschneidende Zäsur in der Geschichte des Dorfes ab, das Geschwader des NATO-Flugplatzes sollte auf den Flugzeugtyp „Phantom" umgerüstet werden. Die Folge war, dass Pferdsfeld nach Meinung der Presse zum „lautesten Dorf" Deutschlands wurde. Am 10. September 1976 verkündeten Vertreter von Bund und Landesregierung die Umsiedlung des Ortes und somit die Aufgabe der alten Siedlungsanlage. Als Umsiedlungsort wurde der Leinenborn im Osten der Stadt Sobernheim ausgewählt. 1978 begannen dort die Erschließungsarbeiten und 1979/1980 zogen die ersten Umsiedler in ihre neuen Häuser. In den Jahren 1981/1982 wurde dann der Ort Pferdsfeld eingeebnet. Am 26. Januar 1984 um halb zwei nachmittags wurde der evangelische Kirchturm von Pferdsfeld gesprengt. Der damalige Pfarrer Manfred Wallnauer erinnert sich an das „seltsame Gefühl", das ihn als Augenzeuge beschlich.

Die Flüssigkeit in meiner Trinkflasche hat schon längst Außentemperatur angenommen und schmeckt pisswarm. Zum Glück ist die Trinkblase im Rucksack besser abgeschirmt und der Inhalt deutlich kühler, auch wenn der erste warme Schluck aus dem Schlauch immer wieder Überwindung kostet.
Weiter geht es zur westlich des ehemaligen Flugplatzes Pferdsfeld im Hoxbachtal liegenden "Schinderhanneshöhle", bei der es angenehm kühl ist.


Schinderhanneshöhle im Hoxbachtal
Auf dem Weg dorthin merke ich, dass mein Hinterreifen Luft verliert. An der Ruhebank bei der Höhle pumpe ich Luft nach, die allerdings nicht lange halten wird. Nachdem ich zum dritten Mal meine Pumpe in der Hand halte, entschließe ich mich kurz hinter der zu Seesbach gehörenden Siedlung Waldfriede dazu, den Schlauch zu wechseln. Dabei fällt mir ein, dass mich im Jahr 2013 bei unserer Soonwaldtour, die fast deckungsgleich mit der heutigen war, auch ein Platten im Hinterreifen ärgerte. Was die heutige Ursache war, können wir nicht sagen, denn im Mantel befindet sich kein Fremdkörper. Die harten und langen Dornen der am Wegesrand befindlichen Schwarz- oder Weißdornsträucher können die Ursache sein… oder einfach nur ein spitzer Stein.
Ein paar geübte Griffe, die Hilfe zweier Mitfahrer und 5 Minuten später geht es weiter zum beschaulichen Ort Horbach.
Nun folgen Teile der "Vitaltour Felsengarten". Theoretisch könnte man an den Aussichtspunkten "Falkenstein", "Uhuwarte" und "Rabenkanzel" atemberaubende Blicke in das Kellenbachtal genießen, allerdings ist hierfür heute keine Zeit.
Auf dem schnellsten Weg fahren wir zurück nach Martinstein, um bei einem Freund und Mitfahrer, der sogar eine Campingdusche zwecks Erfrischung im Garten installiert hat, den Abend auf der Terrasse gemütlich ausklingen zu lassen. Es gibt echten Idar-Obersteiner Spießbraten (auch Rollbraten genannt), leckere Brötchen in allen denkbaren Variationen aus der eigenen Bäckerei und verschiedene Sorten kalte Getränke. Dazu nette Gespräche, einige Witze und ein toller Panoramablick von erwähnter Terrasse.