Sonntag, 2. August 2015

Gräfin Loretta lässt bitten

Freitag, 31. Juli 2015:
Gräfin Loretta lässt bitten und ich überlege, ob ich der Einladung folgen soll.
Einerseits könnte ich mich erholen und faul auf der Couch oder Terrasse sitzen, andererseits möchte ich an meinem letzten Urlaubstag meine Zeit sinnvoller verbringen.
Noch ein bisschen im Bett liegen, Gedanken sortieren und dann aufstehen.
Zum Frühstück gibt es zwei große Tassen Kaffee, zwei Scheiben Brot mit Käse und eine Banane. Dabei lese ich gemütlich Zeitung und lade mir die gpx-Datei der Traumschleife auf mein Navigationsgerät.
Jetzt nur noch umziehen und Rucksack packen. Wenig später sitze ich im Auto und mache mich auf den Weg zum Parkplatz am Nahe-Ufer unterhalb der Frauenburg.
Von hier beginne ich die Wanderung bei bestem Wetter entgegen dem Uhrzeigersinn. Man muss nur ein paar Hundert Meter zurücklegen, bis man am Eingangsportal der Traumschleife steht. Es ist 12:06 Uhr als ich durch das Portal schreite und dem Weg hinauf zur Frauenburg folge - idyllisch ist es hier. Oben angelangt freue ich mich, dass die hässlichen, aber notwendigen Gerüste, die das Bauwerk lange Zeit umgaben, endlich abgebaut wurden. Die Burg erstrahlt nun im neuen Glanz.
Am 30. August findet übrigens ein Fest anlässlich des Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Burg statt.


Um 10:30 Uhr beginnt es mit der Begrüßung im Burghof. Anschließend gibt es musikalische Unterhaltung mit den Nahetalmusikanten. Ab 12.00 Uhr stehen Mittagessen und Getränke am Wendehammer vor der Burg zur Verfügung und ab 14.00 Uhr Kaffee und Kuchen.
Burgführungen werden um 11.30 Uhr, 14.00 Uhr und 15.00 Uhr angeboten.
Aussicht beim "Burgblick" auf die Frauenburg

Nach einem Hofknicks betrete ich die Burganlage und mache mich auf die Suche nach ein paar schönen Ausblicken, bevor ich meinen Rundweg um die Burg beende. Wenig später stehe ich auf der Brücke, die über den Ellerbach führt. Es folgt ein kurzer Anstieg und nach Überquerung einer Straße gelange ich zum Aussichtspunkt "Burgblick".
Nach einem weiteren kurzen Anstieg liegen links von mir die Aussichtspunkte "Sperlings Klippe" sowie "Wilde Ley". Bei Letzterem handelt es sich um eine keltisch/römische Sichtverbindung zur Wildenburg.
Die Siedlung auf dem Nahekopf war vermutlich ein keltisches Castellum, die meist in Sichtverbindung zu vergleichbaren Anlagen errichtet wurden, um im Notfall eine Signalmöglichkeit zu haben. Von diesem Punkt aus sieht man zum 12 Kilometer Luftlinie entfernten mittelalterlichen Turm der Wildenburg. Dort befand sich ebenfalls eine keltische Wallanlage, die in der Römerzeit besiedelt war. Ich mache mit meinem Smartphone noch ein Foto des Schildes "Wilde Ley", das ich per WhatsApp an alle Personen mit dem Familiennamen Ley schicke, die ich kenne.
Auf dem Nahekopf
Nur ein paar Schritte weiter befindet man sich auf dem 424 Meter hohen Nahekopf, auf dem die Kaiserallee angelegt wurde. Hier war ich 2013 schon mit dem Mountainbike. Nach einer Runde durch die Allee, wo mich ein Schild darüber informiert, das Roma in 1.222 km Entfernung liegt, folge ich dem Weg durch ein kurzes Waldstück. Wenig später stehe ich vor der Heidenquelle, die auch in den trockensten Jahren nicht versiegt. Vielleicht diente sie der Versorgung der Befestigungen auf dem Nahekopf.
Über den "Pfad der Trolle", auf dem u.a. dem Steintroll, dem Wurzeltroll und dem Donnertroll gedacht wird, gelange ich zum Aussichtspunkt "Dirks Ruh". Dieser Platz ist mir auch von einer unserer Mountainbike-Touren bekannt. Bei "Dirks Ruh" genieße ich den "Dirks Blick", denn von hier sieht man – von Ost nach West – folgende Punkte:
Ehborner Berg, Siedlung Vogelsbusch, Fischerhof, Buhlenberg, Rinzenberg, 17 km entfernt den Ruppelstein, Sonnenberg, Hattgenstein, 16 km entfernt den Erbeskopf (mit 816 Meter ü. NN höchster Berg von Rheinland-Pfalz), Winnenberg und Oberbrombach.
Ich setze meinen Weg fort und sehe hinter einer Linkskurve einen großen Greifvogel auf dem Dach eines Hochsitzes thronen. Bevor ich die Hand an der Kamera habe und ihn eindeutig identifizieren kann, steigt er auf und ist verschwunden. Wahrscheinlich habe ich ihn gerade bei der Suche nach seinem Mittagessen gestört.


Der Traum eines Mountainbikers
Über den "Pfad des Jägers" gelange ich in das "Reich der Ameisen". Nach Überquerung des Klausgrabens wandere ich ein kurzes Stück im Tal, bevor ich darauf hingewiesen werde, dass ich mich nun auf den "Pfad der Wilderer" begebe. Dass mit den Wilderern nicht zu spaßen ist, zeigt der am Wegesrand sichtbar zur Schau gestellte skelettierte Tierschädel. 300 Meter später stehe ich an der Schutzhütte Hammerstein und nach weiteren 1.100 Metern, auf denen zwei Aussichtspunkte liegen, befinde ich mich schon in Hammerstein. Am Vereinsheim des Verschönerungsvereins, wo auch ein alternativer Start-/Zielpunkt der Traumschleife liegt, kann man Richtung Oberbrombach blicken.
Hier liegen wir bei etwa 380 Metern ü. NN und es sollte jetzt bergab gehen. Ein wunderschöner, schmaler Pfad führt serpentinenartig über eine Rosselhalde und bringt mich bis zur Brücke, unter der ich nur ein paar Schritte bis zum Nahe-Radweg laufen muss.
Obwohl mir bisher viele Passagen der Traumschleife bekannt waren, kannte ich den Trail-Abschnitt von Hammerstein zur Nahe bisher nicht. Den muss ich unbedingt mal mit dem Mountainbike erleben.
Beim Teufelsgraben
Hier unten lautet der Wegpunkt der Traumschleife "Bei den Nahenixen". Diese Passage verläuft etwa 300 Meter dicht an der Nahe entlang, nutzt die Brücke des Nahe-Radweges als Querung, um dann – ebenfalls dicht am Fluss – unter einer Eisenbahnlinie hindurch zu führen.
Nun biegt man links ab und wandert – parallel zur Bahnlinie – durch einen Buchenwald. Nach fast 800 Metern gelangt man zum Teufelsgraben, einer natürlichen Grenze zwischen Oberbrombach und Winnenberg.
Der Aussichtspunkt "Weibersprung" ist das nächste Ziel. Obwohl ich schon einige Male hier war, ist es immer wieder schön, auf den gegenüberliegenden Klausfelsen, der auch als "Nahe-Loreley" bekannt ist, zu blicken.
Durch die "Elfensümpfe", einem Feuchtgebiet, setze ich die Tour fort. Links von mir liegt der Nahe-Radweg, dessen Teil in diesem Bereich den Namen "Rudi-Altig-Alle" trägt.

Klausfelsen - Die "Nahe-Loreley"
Hinter einer Kurve sehe ich kurz einen jungen Fuchs auf dem Weg sitzen, der mich erst neugierig anschaut und dann flüchtet. Langsam setze ich einen Fuß vor den anderen und hoffe, Meister Reineke wieder zu sehen, aber er ist wohl einfach zu scheu – schade.
Schade auch, dass die Traumschleife schon fast zu Ende ist. Bei diesem schönen Wetter hätte ich Lust, noch weiter zu wandern.
Am Ende sind es 12,5 schöne Kilometer, die ich heute zurückgelegt habe. Viele neue Eindrücke und interessante Fakten werde ich von der Gräfin Loretta mitnehmen. Leider hatte ich heute mein Fernglas nicht dabei, was ein Fehler war. So gebe ich dies als Tipp weiter: "Fernglas mitnehmen, es lohnt sich."
Bei Hammerstein traf ich auf eine Frau, die zum Vereinsheim des Verschönerungsvereins spazierte, ansonsten war ich – wie so oft – völlig alleine unterwegs.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=eirdfxmrioxozdjq