Montag, 13. Juli 2015

Bärenbachpfad in Baumholder - Naheland Wander.Sommer


Sonntag, 12. Juli 2015:
Wanderevents einen ganzen Sommer lang, das bietet der Naheland Wander.Sommer 2015 von April bis Oktober.

Heute habe ich mich entschieden, an der Hauptveranstaltung des Naheland Wander.Sommers in Baumholder teilzunehmen.
Alles dreht sich an diesem Tag um die Themen Wandern, Sommer und Erholen. Die Verantwortlichen in der Garnisonsstadt im westlichen Teil des Nahelandes haben ein Programm für Jung und Alt zusammengestellt.
So gibt es neben der Hauptwanderung auf der Traumschleife Bärenbachpfad mit einer Länge von ca. 14 km noch eine 3 Kilometer lange Gesundheitswanderung sowie eine Kinderwanderung mit einer Länge von ebenfalls 3 Kilometern.
Alle Touren beginnen gegen 10 Uhr am Stadtweiher.
Normalerweise sind diese Massenveranstaltungen nicht unbedingt meine liebste Freizeitbeschäftigung, wandere ich doch gerne in einer kleinen Gruppe oder auch mal ganz für mich alleine. Es hat durchaus seinen Reiz, alleine zu wandern. Man nimmt die Natur viel intensiver wahr. Mit der Zeit merkt man, dass man "sich selber genug ist" und kann diese "Auszeiten" auch genießen.

So mache ich mich auf den Weg zum Parkplatz am Stadtweiher und warte auf meine Bekannte, die ebenfalls den Bärenbachpfad erleben möchte.
Landrat Dr. Matthias Schneider, Bundestagsabgeordnete Antje Lezius, Edelsteinkönigin Sonja Mzyk, Bürgermeister Peter Lang und die Geschäftsführerin der Naheland-Touristik in Kirn, Ute Meinhard, eröffnen die Veranstaltung, die gut 100 Teilnehmer nach Baumholder gelockt hat. Wie viele davon den Bärenbachpfad wandern, kann ich nicht sagen. Meine Schätzung geht von etwa 60 Personen aus.
Am Montag wird dem Artikel in der Nahe-Zeitung zu entnehmen sein, dass sogar Wanderer aus Stuttgart angereist sind.

Foto: Günter Weinsheimer

Wie zu erwarten, haben auch heute wieder viele Menschen ihre Wander- bzw. Trekkingstöcke im Einsatz und begleiten die Gruppe mit nervigem klackern.
Ich bin kein Gegner dieser Stöcke, sind sie doch in schwierigem Gelände bzw. alpinen Einsatz durchaus sinnvoll.
Sie bieten eine Entlastung der Knie beim Abstieg, gleichmäßigere Belastung von Armen und Beinen beim Bergaufgehen und sie sind hilfreich bei der Überquerung von Bächen.
Aber genau dieses schwierige Gelände findet man bei Traumschleifen nicht vor.
Auch ist den meisten Menschen wohl nicht bewusst, dass es sich um eine Ausdauersportart, bei der das schnelle Gehen durch den Einsatz zweier Stöcke im Rhythmus der Schritte unterstützt wird, handelt, wenn sie von "Nordic Walking" reden.
Es fehlt hier meistens schon an dem Adjektiv "schnell".
Schaut man in Wikipedia nach, wird der Bewegungsablauf wie folgt beschrieben:
Nordic Walking ist eine Sportart mit zyklischem Bewegungsablauf. Der rechte Stock hat immer dann Bodenberührung, wenn die linke Ferse aufsetzt, der linke Stock, wenn die rechte Ferse aufsetzt. Die Stöcke werden nah am Körper geführt. Der jeweilige Stock wird schräg nach hinten eingesetzt; der Stockeinsatz sollte immer unterhalb des Körperschwerpunktes, also in der Schrittstellung auf der vertikalen Körperachse erfolgen. Es gibt Trainingsarten, bei denen die Hand ständig geöffnet und geschlossen wird: Geht der Stock nach, öffnet sich hinten die Hand; wird der Stock vor den Körper geführt und zum Abstoßen in den Boden gestoßen, schließt sie sich wieder.
Klingt kompliziert. Ist es auch, wenn man die Technik nicht beherrscht. Genau das hat dann zur Folge, dass die Stöcke schon nach wenigen Kilometern auf dem Weg schleifen, hinterher gezogen oder getragen werden. Ganz rücksichtslose Menschen klemmen sie unter den Arm, um mit der Spitze die hinter ihnen befindlichen Personen zu nerven. Das kann im wahrsten Sinne des Wortes schnell ins Auge gehen.
Wären diese nervtötenden "Gehhilfen" nicht aus Carbon oder einer Glasfaser-Kunstoff-Mischung hergestellt, würde ein kraftvoller Tritt von oben auf den Stock das Problem beheben.
Wobei das zur Folge hätte, dass der Antrieb auf der einen Seite stärker wäre, als auf der anderen und der Trendsportler dadurch die Kontrolle über seine Walkrichtung verlieren würde. Er wäre dann dazu verdammt, im Kreis mit einem Radius von mehreren 100 Metern zu walken. Mehr zur "Todesfalle Nordic Walking" unter
http://www.der-postillon.com/2009/04/todesfalle-nordic-walking.html
Dafür möchte ich dann doch nicht verantwortlich sein.

Wir folgen Wanderführer Ernst Schmitz und passieren das Eingangsportal der Traumschleife. Nach Überqueren der Straße führt uns der Weg aufwärts und wir können schon bald die erste Aussicht auf die Stadt Baumholder und den Hunsrück genießen. Die Dörfer Hattgenstein und Rinzenberg sowie der Erbeskopf sind gut zu sehen.

Ausblick auf Baumholder und den Hunsrück
Wir folgen dem Weg auf kleinen Pfaden durch den Wald bis zum Ungeheuerstein. Der trägt seinen Namen nicht etwa, weil sich hier ein Ungeheuer herumtreibt, vielmehr soll er an den Förster namens Ungeheuer erinnern.
Wir durchwandern den Stadtwald, gelangen zur ersten Verpflegungsstation, an der sich jeder mit Mineralwasser versorgen kann und wenig später erreichen wir über den "Weg der Stille" das Waldhaus. Hier bieten Helfer der Arbeiterwohlfahrt belegte Brote sowie Kaffee und Kuchen an. Frau Jung, bei der Verbandsgemeindeverwaltung in der Abteilung Urlaub, Freizeit, Touristik tätig, hält die Eindrücke mit einer Digitalkamera fest. Unterhalb des Waldhauses können wir den ersten schönen Blick in die Pfalz genießen. Der Weg führt uns über abwechslungsreiche Pfade zur "Pforte der wilden Frau".
Solche Portale sind immer wieder am Wegesrand zu finden. Sie charakterisieren diese Traumschleife und zeigen dem Wanderer den richtigen Weg.
Am Bärenbach erwarten uns Ruhe und Natur pur - theoretisch, denn heute wird die Stille durch die Vielzahl der Menschen unterbrochen.
Am Wildfrauenloch erleben wir eine besondere Überraschung. Danke hierfür an die "Wilde Frau", die sich heute ganz zahm zeigte.
Wanderführer Ernst Schmitz versorgt uns auch hier, wie an jedem markanten Punkt, mit allerlei interessanten Informationen.
Der gestrige Abend in Bergen hat keine negativen Auswirkungen auf mein körperliches Wohlbefinden. Das Wetter ist gut und es macht Spaß. Brav folge ich meiner Begleiterin bzw. sie mir. Immer wieder versuchen wir, uns nach den kurzen Pausen an die Spitze zu arbeiten, was allerdings auf den schmalen Pfaden sehr schwierig ist, muss man doch ständig den Wanderstöcken ausweichen.
Die Strecke schlängelt sich auf neuangelegten Pfaden weiter am Bärenbach entlang bis zur Auersbach.
Etwa fünf Kilometer vor Ende beschließen wir, uns zu zweit vom Rest der Gruppe zu trennen, um den Weg alleine fortzusetzen. Jetzt kommen wir zügiger voran, können wir doch unser gewohntes Tempo gehen.

Beim Bärenbach

Der anstrengendste Teil der Wanderung ist der Aufstieg zum Rothenberg. Hier werden wir von der Allee der verschwundenen Heimat begleitet. Sie zeigt die Dörfer, die in den 1930er Jahren dem Truppenübungsplatz weichen mussten.
An der Hubertusruh werden wir durch eine einzigartige Aussicht über den Truppenübungsplatz für den Aufstieg entschädigt. Hier bietet sich uns auch ein kleiner Einblick auf das Übungsgelände. Wir folgen der Markierung bis wir auf den "Weg der Dachse" gelangen. Ein Abstecher zur nahegelegenen Sittichfarm mit dem Bienenlehrpfad ist lohnenswert.
Der Bärenbachpfad aber führt wieder in den Wald hinein. Jetzt geht es über Wiesen und Felder direkt zum nächsten Höhepunkt - einem wunderschönen Blick in den Hunsrück mit dem 816 m hohen Erbeskopf.
Von dort sind es nur noch wenige 100 Meter bis wir unseren Aussichtspunkt über die Stadt Baumholder wieder erreicht haben und über Wiesen und Felder
zum Stadtweiher gelangen.
Am Ende wartet am Stadtweiher die DLRG mit Gegrilltem auf die Schar der Wanderer.

Wiesen, Felder und gemischtes Waldgebiet mit reizvollen Bachläufen. Einzigartige Fernsichten und Rundumblicke über die Region bis hinein in den Hunsrück und die Pfalz sind ein Erlebnis. Vor allem die Blicke auf den noch aktiven Truppenübungsplatz sind außergewöhnlich.
Die gut organisierten Verpflegungsstellen und die vielen interessanten Informationen von Wanderführer Ernst Schmitz machten das Besondere an dieser geführten Tour aus.
Auch wurde die Traumschleife durch einen Spielplatz und einen Barfußpfad aufgewertet.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hkxrfppvybnqjvad