Sonntag, 7. Juni 2015

Wanderung Truppenübungsplatz

Sonntag, 07. Juni 2015: Der Tag beginnt….
In meinem Terminkalender steht die Wanderung des VfR Baumholder 1886 e.V. über den Truppenübungsplatz. Die schon zur Tradition gewordene Veranstaltung beginnt am Brühlstadion. Start ist um 09.00 Uhr.

Ich packe meinen Rucksack und überlege, was ich mitnehme… mein Navigationsgerät zum Aufzeichnen der Strecke sowie meine Outdoor-Digitalkamera gehören sowieso zur Standardausrüstung bei Wanderungen. Heute nehme ich noch mein Fernglas mit. Ausreichend Flüssigkeit in Form von Mineralwasser darf nicht fehlen und ein paar Fruchtschnitten sowie eine Banane, um den Körper mit Energie zu versorgen.
Für mich ist es schon der zweite Besuch des Truppenübungsplatzes in diesem Jahr, denn am 18. April nahm ich zusammen mit Freunden an der Wanderung teil, die von der Ev. Kirchengemeinde Baumholder bzw. Herrn Pfarrer Zill organisiert wurde und mit 85 Wanderfreudigen ab „Edingers Mühle“ (Guthausmühle) startete. Für uns, die nicht die Möglichkeit nutzten, nach ca. 12, 20 und 28 km in den Bus zu steigen, bedeutete das an diesem Tag rund 35 km und 1.040 Höhenmeter.
Die ca. 12 km lange Strecke am heutigen Tag ist daher mehr ein „Spaziergang“ als eine Wanderung.
Nach der Beschreibung auf der Homepage des VfR Baumholder werden u.a. die Orte Mambächel und Frohnhausen, der Kaiserbrunnen und die Hügelgräber besichtigt.
Mambächel, Frohnhausen und den Kaiserbrunnen haben wir am 18 April bereits besucht. Ebenso kenne ich von diesem Tag schon die auf über 600 m ü. NN liegenden keltischen Grabhügel beim Erbenwald, dem höchsten Bergrücken des Geländes.
Trotzdem entschied ich mich, an der heutigen Veranstaltung teilzunehmen, da sie eine gute Möglichkeit bietet, einen Blick in diesen sonst unzugänglichen Landstrich zu werfen.
Bereits um 08:25 Uhr parke ich meinen Wagen, zahle 5 Euro „Startgeld“, trage mich anschließend in die Teilnehmerliste ein und genieße ein Stück Kuchen sowie eine Tasse Kaffee. Mein Fernglas habe ich dann doch im Auto zurück gelassen.
Im Steinbruch bei der Schießbahn 21

Über 140 Personen werden an diesem Tag gezählt, die in Bussen der Fa. Westrich Reisen zur Zufahrt der Schießbahn 21 gebracht werden. Dort, nördlich der durch den Truppenübungsplatz verlaufenden L 169, befand sich ein Steinbruch. Bei Sprengungen entdeckte man einen erkalteten Lavastrom, welcher in dieser gut erhaltenen Form in Deutschland selten zu bestaunen ist.
Die Teilnehmer werden über das korrekte Verhalten als Zivilperson auf dem Truppenübungsplatz hingewiesen. „Es ist verboten, Munition und Munitionsteile zu berühren, aufzunehmen oder in ihrer Lage zu verändern.
Ebenso ist es verboten, in die Erde, in Bäume usw. eingedrungene Geschosse und Zünder freizulegen.
Widerrechtliches Aneignen von Munition und Munitionsteilen wird strafrechtlich verfolgt. Auch der nächste Satz ist eindeutig: In der Gruppe zusammenbleiben, die Wege dürfen nicht verlassen werden.“
Diese Regeln kenne ich von früheren Wanderungen über den Platz, sollten aber für jeden vernünftig denkenden Menschen sowieso selbstverständlich sein.

Unter fach- und ortskundiger Leitung der Truppenübungsplatzkommandantur wird die Wanderung gestartet.
Wie geplant werden die Orte Mambächel und Frohnhausen, der Kaiserbrunnen und die Hügelgräber besichtigt. Auch die fantastische Aussicht vom Reckelsberg kann man an diesem Tag genießen. Rast wird an einer herrlich gelegenen Hütte in der Nähe des Kaiserbrunnens gemacht. Hier gibt es die Möglichkeit, sich mit Getränken zu erfrischen.
Am Rastplatz nahe des Kaiserbrunnens

Durch dichte Wälder und offene Heideflächen, aber teilweise auch über breite Panzerstraßen führte die Strecke. Selten waren hingegen Querfeldeinstrecken, denn durch die jahrzehntelange Nutzung für Artillerieübungen verbirgt sich so manch gefährlicher Blindgänger im Boden.
Tiefe Spuren haben die Panzer an einigen Stellen hinterlassen, so wird trotz aller Idylle immer wieder deutlich, welches die Funktion des Platzes ist.
Überall tauchen die Zeichen militärischer Nutzung im Gelände auf.
Wenig ist von den früheren Siedlungen übrig geblieben, an vielen Stellen wird den Prozessen der Natur einfach freier Lauf gelassen.
Das Tempo heute ist gemäßigter, als ich es von Herrn Zill gewohnt bin.
Begleitet werde ich von einem Mitglied aus unserer Laufgruppe, der noch ein befreundetes Pärchen für den heutigen Tag angeworben hat.
Bei den Hügelgräbern im Erbenwald

Bei mehr als 140 Wanderern zieht sich das Feld nach jedem Halt, an dem interessante Informationen zum Platz und dessen Geschichte geliefert werden - wie z.B. die Frage, warum beim Mambächlerhof die Pfannkuchen nur auf einer Seite gebacken wurden, schnell auseinander. Über mehrere hundert Meter erstreckt sich die Menschenmenge, die wie ein Wurm über das Gelände zieht. Bei 23-25 Grad genieße ich die Tour und bin froh, dass die Temperatur an diesem Tag nicht weiter steigt. Immer wieder wundere ich mich über so manch interessante modische Entgleisung.  Viele scheinen nicht zu wissen, dass ein Rucksack so eingestellt werden sollte, dass der Beckengurt dort sitzt, wonach er zweckmäßig benannt wurde - am Becken. 
Einige scheinen sich den Rucksack des Kindes oder Enkelkindes ausgeliehen zu haben und nutzen den Beckengurt als Brustgurt... lustig. Dazu das ständige klappern der Nordic-Walking-Stöcke, wobei dies proportional zur zurückgelegten Strecke abnimmt. Immer mehr Nordic-Walker empfinden ihre Stöcke wohl als störend, denn sie werden entweder unter den Arm geklemmt oder in der Hand gehalten - da heißt es vorsichtig sein, wenn man kein Auge verlieren möchte. Hier fällt mir die lustige Schlagzeile auf der Homepage "Der Postillon" ein, die da lautet: "Stock abgebrochen: Mann walkt tagelang nordic im Kreis."
Hier der ganze Bericht:
Todesfalle Nordic Walking 

Am Endpunkt "Plättchen"
Während des Rückwegs vom Erbenwald bin ich so sehr in das interessante Gespräch mit einer Radler-Kollegin vertieft, dass ich nicht merke, wie schnell wir uns dem Endpunkt der Wanderung nähern. Erst als wir den Bus sehen, realisieren wir, dass die Wanderung zu Ende ist. Gerne würde wir noch ein paar Kilometer weiterlaufen. Wir lassen den erschöpften Menschen den Vortritt in den ersten Bus und genießen noch die Sonnenstrahlen sowie die Aussicht hier am Plättchen.
Wir sahen an diesem Tag ein Reh, ein Rudel Damwild und einen Feldhasen.
Während der Rückfahrt zeigt sich sogar ein Wildschwein im Feld.
Mein Navigtionsgerät meldet mir rund 13 km zurückgelegte Strecke sowie fast genau 400 Höhenmeter.
Zurück im Brühlstadion ist für das leibliche Wohl bestens gesorgt, lediglich vom Geschmack der gegrillten Mettwurst bin ich nicht überzeugt. Eine harte Pelle und der dominante Geschmack nach Kümmel sind nicht nach meinem Gusto - dafür gibt es das gute Kirner Bier.
Danke an alle Verantwortlichen des VfR für die gelungene Veranstaltung.

Ich verabschiede mich schnell von unserer Gruppe, steige in mein im wahrsten Sinne des Wortes "heißes" Auto und fahre zurück nach Idar.
Hier schließe ich noch eine 25-km-Mountainbiketour rund um die Idarer Gemarkung an. Nach einer ausgedehnten Dusche sitze ich auf der Terrasse, genieße ein Veltins, einen frischen Bauernsalat und eine Pizza Funghi Salami mit Zwiebeln.
Der Abend endet mit einigen weiteren Bierchen im Garten des Nachbarn - Feierabend.

Ach ja, denkt ihr auch noch an die Pfannkuchen und den Mambächlerhof?
Die Frage war, warum dort die Pfannkuchen nur auf einer Seite gebacken wurden!
Wisst ihr es?
Die Häuser der Siedlung Mambächlerhof standen nur auf einer Straßenseite!!!