Donnerstag, 4. Juni 2015

Schleiferweg - rund um Idar

Donnerstag, 04. Juni 2015: Der Beginn eines schönen Tages.
Es ist Fronleichnam und ich kann ausschlafen, was an diesem Tag 07:40 Uhr bedeutet.
Durch die halb geöffneten Rolläden des Schlafzimmers blicke ich in einen strahlend blauen Himmel. Ich schalte mein Smartphone ein und schaue mir die Wettervorhersage an… sonnig, 25 Grad und 2% Regenwahrscheinlichkeit. Ein zweiter Dienst verspricht ähnliches mit 24 Grad, allerdings 20% Regenwahrscheinlichkeit.
Gedanken an den morgigen Tag melden sich in meinem Kopf. Wir fahren nach fast genau einem Jahr wieder in den Pfälzerwald, um den Felsenwanderweg mit den Mountainbikes zu genießen. Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke sind gemeldet, je nach Wetterdienst 33 bzw. 35 Grad. Für mich zu warm, auch wenn ich natürlich die Sonne genieße. Der Wald bietet zum Glück auch schattige Passagen, sodass die Temperaturen hoffentlich erträglich werden.
Nun aber erst einmal diesen Tag sinnvoll verbringen.
Aufstehen, die Katze versorgen, die schon ungeduldig wartet, da sie mal wieder die Nacht im Freien verbracht hat, und den Kaffeeautomaten einschalten. Gleich erfüllt der Duft frischen Kaffees die Wohnung.
Schon seit Anfang des Jahres habe ich mir vorgenommen, den „Schleiferweg“ rund um Idar mit meiner Anwesenheit zu beglücken und meine Fußspuren zu hinterlassen.
Ich lebe nun schon 41 Jahre in Idar-Oberstein, bin allerdings den Weg, der einst an jeder Ecke Idar-Obersteins gepriesen wurde und weit über die Grenzen des Stadtgebietes bekannt war, noch nie an einem Stück gewandert. Wohl kenne ich einzelnen Passagen, aber heute sollen die ganzen 22 Kilometer in Angriff genommen werden..
Weiherschleife bei Beginn der Tour
Ich packe die üblichen Dinge in meinen Rucksack und lade vorsichtshalber die Strecke auf mein Navigationsgerät, die ich schon Anfang des Jahres anhand der Karte der Bürgergemeinschaft Idar e.V. auf www.gpsies.com erstellt habe, denn die Beschilderung soll mittlerweile derart mangelhaft sein, dass man den Weg fast nur noch mit Ortskenntnis, GPS-Track oder Karte findet.
Steinkaulenberg
Über Ortskenntnis verfüge ich, allerdings ist mir der genaue Verlauf des Schleiferweges nicht bekannt.
Als Start wähle ich die Historische Weiherschleife, Tiefensteiner Straße 87, 55743 Idar-Oberstein und bin gespannt, was mich erwartet. An der Weiherschleife überrascht mich ein anderes Bild als sonst. Auf der Wiese steht ein gelbes Zelt mit blauem Dach. Beim Vorbeigehen höre ich einen Clown sprechen, der Kinder bespaßt. Meine Neugierde ist groß und ich riskiere einen Blick auf die Bühne - leider kein Krusty der Clown.
Im Dietzenwald mit Blick auf Idar
Entgegen dem Uhrzeigersinn folge ich - falls noch vorhanden - dem mit einer roten Plakette gekennzeichneten Weg. Er führt um die Stadtteile Idar, Oberstein, Göttschied, Algenrodt und Tiefenstein. An einigen Stellen helfen auch Holzschilder, die den Hinweis "Schleiferweg" tragen.
Am Steinkaulenberg begegne ich etlichen Touristen, was mich an diesem schönen Tag nicht wundert.
In Algenrodt freue ich mich über wunderbar gemähte Wege und vorbei am Rabenkreisel gehe ich weiter durch die Straße "Am Dreschplatz". Jetzt wird es eng, denn die Eigentümer des Eckhauses Am Dreschplatz/Auf dem Bilzacker haben vor einiger Zeit einen Metallzaun errichtet. Zwischen diesem und einer Hecke führt der Weg entlang. Durch ein schönes Waldstück, vorbei am Schützenhaus, geht es in den wunderschönen Dietzenwald.
Hier genießt man oberhalb des Wohngebietes Hasenklopp einen tollen Blick auf den Stadtteil Idar und etwas weiter auf das Görlitz-Türmchen. Nun folgt der Barbararing.
In der Kama entlang der Nahe
Die nächste Passage führt in die Kama und entlang der Nahe zur Weinsauschule... mein Blick schweift immer wieder nach rechts Richtung ehemaligem Kammerwoog-Schwimmbad, das ich noch aus meiner Kindheit gut kenne.
Nun folgt ein kleiner Anstieg und ich befinde mich unterhalb der Klotzbergkaserne. Von hier hat man einen phantastischen Blick auf das neue Schloss, Burg Bosselstein, die Felsenkirche und den Bahnhof. Das Thermometer der Kreissparkasse zeigt erst 29 Grad - und dann, zwei Fotos später, 30 Grad. Es kommt mir nicht so warm vor.
Jetzt erwartet mich ein weniger spektakuläres Stück entlang der Hauptstraße und der Feuerwache unterhalb der Emil-Kirschmann-Brücke. Hier und da ärgere ich mich über Müll. Der Verbindungsweg zwischen Mainzer Straße und Hauptstraße ist gesperrt, angeblich ist die Brücke marode. Ich wage es trotzdem und begegne tatsächlich noch vier weiteren Rebellen, die sich von der Absperrung nicht beeindrucken lassen. Richtung Göttschied führt mich der Weg durch Wald. Ich wandere auf dem Saar-Hunsrück-Steig und bin wenig später am Klinikum Idar-Oberstein angelangt. Dieser Teil kommt mir bekannt vor. Früher hat mich mein Vater oft mit hier her genommen. Er ist gejoggt, während ich ich mit dem Rad brav hinter ihm hergefahren bin.

Kurz darauf habe ich ein Problem. Mein Navigationsgerät führt mich geradeaus, wobei dieser Weg alles andere als "wanderbar" aussieht. Absperrband/Trassierband signalisiert mir, dass diese Passaage gesperrt ist. Ich wage mich etwa 50 Meter weiter, sehe aber schnell ein, dass es keinen Zweck hat, weiterzugehen. Dicke Baumstämme und hohes Gestrüpp versperren den Weg. Nach meinem Ausflug in die Wildnis untersuche ich meine Beine vorsichtshalber nach Zecken, und tatsächlich, zwei dieser unnötigen Biester krabbeln an meinen Unterschenkeln. Ich mache sie unschädlich und suche nach einer Alternative. Etwas oberhalb verläuft parallel der Saar-Hunsrück-Steig. Über diesen gelange ich wenig später wieder auf die ursprüngliche Route. Bald schon ist der idyllische Wald zu Ende und ich setze meinen Weg entlang der Flugplatzstraße fort. Mehr als die Hälfte der Strecke habe ich geschafft, so denke ich, als ich im Vollmersbachtal ankomme.
"Tal" bedeutet im Hunsrück immer, dass auch irgendwann mal wieder ein Anstieg folgt, und so ist es.
Parallel zur Ezenichstraße geht es bergauf vorbei am "Punkthaus" Richtung Stadion Im Haag und Wäschertskaulen. Ich freue mich auf die letzten Meter durch den Wald zur Weiherschleife.
Es stimmt in der Tat, die Beschilderung ist mangelhaft. Ohne Karte bzw. GPS-Track hätte ich den Verlauf des Weges nicht zweifelsfrei erkennen können.
Weiherschleife

Schade, dass Geld und Energie nur noch für Premiumwanderwege/Traumschleifen aufgewendet wird und bestehende schöne Wege einfach vergammeln (siehe auch Artikel der Nahe-Zeitung am Ende des Posts).
Trotzdem ist es ein schöner Rundweg mit tollen Aussichtspunkten und einem hohen Erlebnischarakter, der viele Facetten der Edelstein- und Schmuckstadt zeigt.
Auch ich bin der Meinung, dass Wanderwege nicht immer top gepflegt sein müssen. Sie dürfen gerne naturbelassen sein, das fördert den abenteuerlichen Charakter und ist im Interesse einer modernen Wanderkultur, bei der es einen Trend auch zu möglichst "wilden" Wegen gibt, bei denen Pflege nicht an erster Stelle steht.
Weiherschleife am Ende der Tour
Vor allem für anspruchsvolle Wanderer bietet der Schleiferweg durch einen hohen Pfadanteil durch dichte Wälder ein besonderes Wandererlebnis.
 

Es handelt sich beim Schleiferweg um keinen Premiumwanderweg. Einige Teile verlaufen in unmittelbarer Nähe zum Stadtgebiet oder hindurch. Aber genau das ist seine Stärke - von fast überall ist man in wenigen Minuten im Stadtgebiet, kann die dortigen Sehenswürdigkeiten ansteuern oder in den Bus steigen.

Ich erinnere mich an einen Artikel in der Nahe-Zeitung, dass noch in 2015 Teile dieser Strecke in die Traumschleife "Edelsteinschleiferweg" eingebunden werden. Somit wird die Stadt Idar-Oberstein nach dem "Nahe-Felsenweg" und "Rund um die Kama" um die dritte Traumschleife bereichert.

Die Verschönerungsvereine leisten tolle Arbeit. Ich hoffe, dass sie es sich weiter zur Aufgabe machen, die Wege in und um Idar-Oberstein zu pflegen.

Idar-Oberstein will markierte Wanderwege reduzieren
- Auszüge aus einem Artikel der Nahe-Zeitung/Rhein-Zeitung (02.05.2014) -

Der Anlass war eher unscheinbar, die darauf folgende Diskussion im Stadtrat aber heftig und kontrovers:
Für 2014/15 plant die Verbandsgemeinde Herrstein die Neuauflage der Wanderkarte "Deutsche Edelsteinstraße", in der bislang auch alle städtischen Wanderwege berücksichtigt waren.
Dafür möchte die Stadtverwaltung die Zahl der ausgeschilderten Wanderwege deutlich reduzieren.
Die Verwaltung stellte in ihrem Beschlussvorschlag für den Stadtrat den Antrag, dass das von der Stadt zu pflegende und in den Karten dargestellte städtische Wanderwegenetz auf die Premiumwege, also auf die dann drei Traumschleifen und den durch das Stadtgebiet führenden Abschnitt des Saar-Hunsrück-Steiges sowie den vom Bürgerverein Idar gepflegten "Schleiferweg" reduziert wird. Die restlichen Wanderwege in den Stadtteilen sollen, so der Antrag, dagegen nur im GIS-Stadtportal auf der Stadtseite im Internet als Wege ohne durchgängige Beschilderung und Pflege durch die Stadt aufgeführt werden.

Letztlich wurde der Verwaltungsantrag mit 21 Ja-Stimmen bei 12 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen angenommen.

Eine regelmäßige Kontrolle und Pflege der innerstädtischen Wanderwege mit Unterhaltung der bestehenden Beschilderung und regelmäßigem Freischnitt sei auf Dauer nicht mehr leistbar, so die Argumentation der Verwaltung.
So haben sich laut einer Anlage zu dem Beschlussvorschlag mit Ausnahme der Naturfreunde Oberstein alle Verschönerungsvereine der Stadt damit einverstanden erklärt, dass das Wanderwegenetz reduziert und die Beschilderungen der von ihnen betreuten Wege "ersatzlos rückgebaut" werden.

Massive Kritik kam vor allem aus den Reihen der LUB-Fraktion. In der von Alexander Reinert vorgetragenen Stellungnahme wurde die Reduzierung und damit verbundene Fokussierung auf die Premiumwanderwege als großer und folgenreicher Fehler kritisiert.
Es sei zu der "skurrilen Situation" gekommen, dass die Vereine zwar die Wege weiterhin pflegen wollen, andererseits aber auf deren Auszeichnung als Wanderwege keinen Wert gelegt wird.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unterhttp://www.gpsies.com/map.do?fileId=evsqefbgewvvzxgz