Samstag, 6. Juni 2015

Das kleine Bäumchen in unserer Straße


Im Winter muss man genauer hinschauen, denn dann sieht man nur seine dünnen, braunen Ästchen.
Im Frühjahr und Sommer allerdings, wenn es Blätter trägt, kann man es deutlich erkennen.
Die Rede ist vom Bäumchen, das aus dem Schornstein eines Hauses in unserer Straße wächst.

Ich blicke oft zu ihm hinauf und wundere mich, wie es eine Pflanze schafft, in solch unwirtlicher Umgebung zu wachsen – und es wächst unaufhörlich weiter.

Es scheint sich wohlzufühlen dort oben, obwohl es nichts anderes gibt als Ruß, Mörtel und ein bisschen Feuchtigkeit – scheint ein genügsames Bäumchen zu sein.

Wobei es im Winter sicher gemütlich ist, wenn von unten warme Luft aufsteigt und die Füße… äh, ich meine natürlich Wurzeln, wärmt.

Bisher konnte ich noch nicht erkennen, um welche Art von Baum es sich handelt. Im näheren Umfeld stehen Kirsch- und Pflaumenbäume. Es würde mich also nicht wundern, wenn mein Freund bald Früchte trägt.

Wird Guano nicht überbewertet? Vielleicht muss man die Pinguine und Kormorane nicht mehr belästigen… Ruß und Mörtel scheinen völlig ausreichend.



Was wäre wohl, wenn Peter Alexander ein ähnliches Erlebnis gehabt hätte?

Gäbe es dann das Lied: „Das kleine Bäumchen in unserer Straße, da, wo das Leben noch lebenswert ist, dort, in dem Schornstein in unserer Straße. Da fragt Dich keiner, was Du hast oder bist.“



Zum Glück leben wir nicht in Amerika, denn da hätte es der Nikolaus schwer, durch solch einen Kamin ins Haus zu gelangen, um die Socken der Kinder zu füllen.



Gute Nacht, mein Freund